Als meine Schwiegermutter mich als schlechte Hausfrau beschimpfte, schlug ich ihr vor, ab sofort selbst den Haushalt für ihren Sohn zu führen

3. März

Was soll das denn? Guck dir das mal an, Annika, geh da mal mit dem Finger drüber! Das ist keine Staubschicht mehr, das ist schon fast Filz. Da könnte man gleich Kartoffeln pflanzen, ehrlich gesagt! Ihre Stimme, hoch und fordernd, durchschnitt die Stille unserer Wohnung wie ein scharfes Brotmesser.

Annika atmete schwer und klappte ihren Laptop zu. Es war bereits acht Uhr abends, sie war erst vor einer halben Stunde von der Arbeit nach Hause gekommen, der Quartalsabschluss hatte wieder mal jede Minute Konzentration gefordert. Ihr Kopf brummte, als hätte sie den Tag im Maschinenraum eines ICE verbracht. Am wenigsten brauchte sie jetzt eine Grundsatzdiskussion über Sauberkeit. Aber Rosemarie Berger, meine Schwiegermutter, war eine Frau, die man nicht einfach ignorieren konnte. Sie stand mitten im Wohnzimmer, einen Porzellan-Dackel aus dem Regal in der Hand, und schaute Annika mit unverhohlener Empörung an.

Frau Berger, ich habe am Samstag geputzt. Wenn wir die Fenster öffnen wir wohnen direkt an der Hauptstraße da kommt sofort wieder Staub rein, versuchte Annika ruhig zu erklären, obwohl sie wusste, dass das nichts bringen würde.

Ach was, Fenster hat jeder mal auf, aber so einen Schmutz gibts nur bei nachlässigen Haushälterinnen, konterte Rosemarie sogleich, wischte theatralisch ihren Finger an einem Taschentuch ab, das sie wohlweislich aus der Handtasche gezogen hatte. Sebastian kommt von der Arbeit, müde, hungrig, und bei euch siehts aus wie Kraut und Rüben. Männer brauchen ein Zuhause Gemütlichkeit und Ordnung, Annika. Und bei euch stehen zwei Tassen in der Spüle! Zwei! Seit heute morgen, nehme ich an?

Wir waren spät dran heute, murmelte Annika und ging in die Küche, um Wasser für Tee aufzusetzen. Sebastian hat Kaffee getrunken, er könnte die Tasse ja auch mal selber spülen.

Rosemarie schlurfte hinterher, ihre eigenen Hausschuhe (sie brachte immer ihre mit, wegen der Bakterien in fremden Pantoffeln) schabten laut über das Laminat.

Ein Mann soll keine Tassen spülen! empörte sich Rosemarie, schlug die Hände zusammen. Das ist Frauensache. Hast du noch nie was vom Begriff Hüterin des Heims gehört? Aber du berufst dich nur auf deine Karriere Tabellen, Abschlüsse Und mein Sohn läuft derweil in zerknitterten Hemden rum. Gestern, als er mich besucht hat, da war der Kragen schon schlaff! Peinlich, Annika. Die Leute denken schon: Sebastian ist wohl Witwer, so wie der aussieht, dabei hat er doch eine Frau.

Annika holte Kekse aus dem Schrank und schloss die Tür demonstrativ sanft. Innerlich kochte sie. Seit fünf Jahren sind die beiden verheiratet, und so lange klang diese Leier. Anfangs bemühte sie sich noch sehr: stärke Hemden, schrubbte, kochte jeden Tag. Aber als Hauptbuchhalterin in einer großen Kanzlei war das einfach nicht zu schaffen. Sebastian beschwerte sich nie, fand sich mit Tiefkühl-Pizza am Freitag und ein bisschen Staub auf dem Schrank ab. Seine Mutter dagegen nicht.

An diesem Moment knallte die Haustür.

Bin Zuhause! rief ich gut gelaunt.

Mein Junge! sofort veränderte sich Rosemaries Stimme, zog das Lächeln aus der Handtasche und eilte mir zur Begrüßung entgegen. Ich habe dir Quiche gemacht, wie dus gern magst. Weiß ja, dass Annika so viel arbeitet, die Arme

In der Küche küsste ich meine Mutter auf die Backe, meine Frau ebenfalls und ließ mich müde auf den Stuhl sinken.

Oh, Quiche das passt. Ich verhungere. Annika, ist schon gleich was zu essen da?

Annika blieb mit dem Wasserkessel in der Hand stehen.

Ich bin noch nicht dazu gekommen, Sebastian. Ich wollte gleich Spaghetti Carbonara machen, der Speck ist schon aufgetaut.

Rosemarie ließ theatralisch die Hände auf die Brust fallen.

Schon wieder Nudeln? Sebastian, hörst du? Trockene Kost! Du brauchst Suppe, was Nahrhaftes. Ich habe deinem Vater jeden Tag Suppe gekocht und der ist 70 geworden, ohne je Magenbeschwerden! Aber hier…

Sie schaute, als hätte sie eine Totensünde entdeckt.

Jetzt lass gut sein, Mama, murrte ich und griff mir ein Stück Quiche. Annika macht gleich was.

Lass gut sein? Ich will doch nur helfen! Schau dich an, blass und abgemagert. Das kommt alles von schlechter Ernährung und mangelndem Haushalt! Eine Frau muss Atmosphäre schaffen, sonst rennt der Mann doch lieber ins Büro als nach Hause! Hier: Staub, Geschirr und Nudeln. Keine richtige Hausfrau, Annika, das hab ich dir schon zur Hochzeit gesagt…

Rosemarie! sagte Annika plötzlich laut, stellte den Kessel kräftig auf den Untersetzer.

Alle verstummten. Rosemarie sah meine Frau an, als hätte diese soeben gelogen Annika pflegte sich Diskussionen sonst immer zu entziehen.

Was denn, Rosemarie? Darf man keine Wahrheit aussprechen? schoss meine Mutter zurück. Ich habe ein Leben lang Erfahrung. Ich weiß, wie das geht mit Familie.

Annika sah sich in der Küche um. Ich kaute meine Quiche und tat, als sei ich unsichtbar, Rosemarie siegte in eigenem Urteil und der Speck war langsam am Antauen. Plötzlich wurde Annika ganz ruhig, fast sachlich.

Sie haben völlig recht, sagte sie kühl. Ich bin eine schlechte Hausfrau. Furchtbar sogar. Ich lasse Hemden ungestärkt, koche keine tägliche Suppe, und den Staub auf dem Schrank wische ich auch nicht regelmäßig. Ich gehe arbeiten, verdiene unser Geld, wovon wir übrigens für ein neues Familienauto sparen mit dem Sebastian Sie immer zum Schrebergarten bringt. Aber das ist natürlich keine Ausrede.

Na also, sie gibts ja sogar zu! Rosemarie freute sich förmlich, ahnte den Haken nicht. Selbsterkenntnis ist der erste Weg zur Besserung.

Ich werde aber nichts ändern, schüttelte Annika den Kopf. Ich hab einfach keine Kraft mehr. Aber ich habe eine Idee. Rosemarie, wenn Ihnen Sebastians Wohlergehen so am Herzen liegt, Sie sowieso in Rente sind und gern Ihren Haushalt zeigen möchten übernehmen Sie es doch bitte einfach mal komplett?

Wie bitte? verstand Rosemarie nicht.

Haushalt. Komplett. Ich bin ab jetzt hier nur noch Mitbewohnerin. Ich zahle Miete und Nebenkosten, aber den Rest machen Sie Einkaufen, Kochen, Waschen. Sie wohnen nur zwei S-Bahn-Stationen entfernt, haben unseren Schlüssel…

Ich hörte auf zu kauen und starrte Annika an.

Annika, hast du noch alle Tassen im Schrank?

Ganz im Ernst: Mama hat recht. Du verdienst Besseres. Sie kann ja zeigen, wies läuft. Ein Probemonat. Und wenn du nach vier Wochen sagst, das ist besser so, dann… dann mache ich einen Hauswirtschaftskurs oder kündige sogar.

Rosemarie blinzelte erstaunt. Kritisiert hatte sie noch nie Angst vor Verantwortung, aber das war nun eine Herausforderung. Ihr Stolz war angekratzt.

Jawoll. Ich zeigs euch! schnappte sie. Wenigstens isst mein Junge dann mal vernünftig. Aber ihr stört mich nicht in der Küche bestimme ich!

Komplett Ihre Regie, Annika hob demonstrativ die Hände. Ich bleibe dem Kochfeld fern. Werde mittags einfach auswärts essen.

Dann haben wir das geklärt! rief sie. Ab morgen bringe ich Ordnung rein. Wird eh Zeit.

Der Abend verlief angespannt. Ich versuchte noch, Annika beim Zubettgehen zur Rede zu stellen, aber sie rollte sich zur Wand.

Schlaf, meinte sie nur. Morgen beginnt dein neues Leben. Mit gestärkten Hemdkragen.

Am nächsten Morgen war Annika zur Arbeit getürmt, als Rosemarie, breit wie ein Feldmarschall, in unseren Flur einrückte. Grundreinigung, Fenster putzen, Gardinen waschen (vorher waren die beige, jetzt wieder weiß), alle Vorräte nach ABC sortiert, so begann es.

Abends kam Annika nach Hause und erkannte unsere Wohnung kaum wieder. Es roch nach Chlor und gebratenen Zwiebeln. In der Küche rührte Rosemarie mit hochrotem Kopf in Kochtöpfen. Ich saß am Tisch vor einem gewaltigen Teller dampfenden Borschtschs, daneben Frikadellen und Kartoffelbrei, russischer Salat und ein richtiges Schmalzbrot.

Ach, da kommt ja unsere Powerfrau, knurrte Rosemarie ohne aufzusehen. Hände waschen und sitzen. Ich spendier sogar einen Teller. Echter Borschtsch, drei Stunden geköchelt!

Danke, ich hab im Büro gegessen, sagte Annika höflich, verschwand im Schlafzimmer.

Dort wartete die nächste Überraschung: Ihre Sachen im Schrank waren radikal neu angeordnet. Ihre Unterwäsche, sorgsam in Boxen sortiert, lag jetzt in aufgestapelten Farbgruppen. Ihre Sachen vom Nachttisch waren in Schubladen sortiert. Ihr aktuelles Buch war weg.

Annika kam ins Wohnzimmer.

Frau Berger, wo ist mein Buch? Das lag doch auf dem Nachttisch.

Ach das? rief Rosemarie aus der Küche. Das hab ich in den Schrank geräumt. Was rumliegt, macht Dreck, Nachttische müssen leer sein, dann wischt man leichter Staub. Und deinen Kleiderschrank also, der war ja ein Graus! Ich hab alles neu sortiert. So gehört sichs!

Annika biss sich auf die Zunge. Extreme Grenzüberschreitung aber: Experiment. Durchhalten.

Danke für Ihre Mühe, presste sie hervor und zog sich um.

Die erste Woche war ein einziges kulinarisches Schlaraffenland. Ich war begeistert. Nach der Arbeit gab es ein Festmahl Vorsuppe, Hauptgericht, Kuchen. Rosemarie kam mittags, machte sauber, bekochte mich, fragte aus, und blieb bis 21 Uhr.

Annika grüßte, vergrub sich dann mit dem Laptop oder Buch im Schlafzimmer. Sie stellte fest, dass sie auf einmal drei Stunden Freizeit abends hatte. Kein Einkauf, kein Kochen, kein Abwasch (meine Mutter bestand auf Handwäsche Spülmaschine macht nie so richtig sauber). Annika ging ins Schwimmbad, las endlich mal wieder fortbildende Fachbücher oder drehte noch eine Runde im Stadtpark.

In der zweiten Woche ließ mein Enthusiasmus nach.

Annika, flüsterte ich eines Abends, als wir im Bett lagen. Meinst du, das macht Mama noch lange so?

Einen Monat, mein Schatz. Das war die Absprache. Was, gefällt dir das etwa nicht? Hemden gestärkt, Suppe auf dem Tisch. Hast du dir doch gewünscht.

Es schmeckt natürlich aber… Sie ist einfach zu viel. Nach der Arbeit will ich einfach mal schweigen, TV gucken, Pause machen. Aber sie sitzt da und redet über Ärzte, Nachbarn, Preise. Sie will, dass ich ständig esse. “Hast du genug?”, “Warum isst du das denn nicht auf?”, “Willst du deinen Rücken massiert haben?”. Ich komme mir vor wie fünf.

Tja, das kostet eben die Gemütlichkeit, grinste Annika. Aber keine Nudeln.

Und… sie räumt alles von mir um. Gestern suchte ich meine Glückssocken hatte den ganzen Schrank auf den Kopf gestellt. Hat sie weggeschmissen, weil ein Fleck dran war. Das waren meine Lieblinge!

Dann sags ihr. Sie tut das doch nur für dich.

Ich habe es probiert! Sie ist beleidigt. Sagt: “Ich schufte mich ab, undankbarer Bengel!”

In der dritten Woche streikte Rosemarie selbst. Ihr Alter, die ungewohnte Anstrengung einer Dreiraumwohnung einen Senioren-Reinlichkeitsstandard zu verpassen, Brauereikisten von Marktstat in die Wohnung zu schleppen, alles von Hand zu kochen, das forderte Tribut.

Eines Abends kam ich nach Hause, fand meine Mutter auf dem Sofa mit feuchtem Waschlappen auf der Stirn, es roch nach Baldrian. Ich saß daneben, völlig ratlos.

Was ist los? fragte Annika.

Der Kreislauf, stöhnte ich. Mama wollte Sülze kochen, hat stundenlang die Füße gerieben und dann noch den Boden gewischt (“Wischer verschmiert nur”). Jetzt liegt sie einfach da.

Ach Annika… flüsterte Rosemarie, Augen geschlossen. Mein Rücken… und mein Herz klopft so.

Annika holte den Blutdruckmesser zu hoch, aber nicht dramatisch. Überanstrengung halt.

Sie sollten wirklich mal ein, zwei Tage zuhause bleiben, sagte Annika. Das ist doch unnötig, sich so zu verausgaben.

Und wer soll Sebastian dann bekochen? Rosemarie riss die Augen auf. Er verhungert!

Ich nicht, meinte ich. Wir bestellen eben Pizza! Oder ich mach mir Pellkartoffeln. Mama, du musst auf dich achten!

Pizza… murmelte Rosemarie verächtlich, gab aber auf. Na schön, heute. Aber morgen komm ich wieder.

Aber sie kam nicht. Morgens rief sie an lag mit Hexenschuss im Bett.

Mein Seufzer der Erleichterung war kaum zu überhören. Abends bestellten wir Sushi, öffneten eine Flasche Wein und genossen es, dass niemand permanent im Hintergrund herumwuselte.

Annika, lass uns das Experiment beenden, sagte ich, als ich ein Stück Sushi in Sojasauce tunkte. Ehrlich, ich halte das nicht mehr aus. Ich liebe Mama, aber sie ist auf kurze Distanzen besser zu ertragen. Lass sie sonntags zu Besuch kommen. Gib mir meine Nudeln, so oft du willst, aber lass mich meine Socken finden und mein Leben leben.

Und die Gemütlichkeit? blinzelte Annika. Gestärkte Krägen?

Mir doch egal. Ich kaufe bügelfrei. Ich habs verstanden: Das ist echte Arbeit, und dann noch ein Job dazu! Ich weiß gar nicht mehr, wie du das je geschafft hast.

Sie lächelte. Das war es, was sie hören wollte.

Zwei Tage später kam Rosemarie auf Stippvisite in die Wohnung. Sie sah die leere Pizza-Schachtel im Mülleimer (ich hatte sie vergessen), eine einsame Tasse in der Spüle und schwieg.

Sie setzte sich an den Küchentisch und wirkte nachdenklich.

Annika, fing sie an, als meine Frau hereinkam. Weißt du, ich hab nachgedacht. Das ist anstrengend.

Was denn genau? fragte Annika und stellte Tee hin.

Alles. Die viele Fläche diesen Boden zu wischen… Rücken, Finger… Und Sebastian ist eine unglaubliche Schlampe. Das hab ich nie richtig gesehen. Er lässt alles liegen: Socken, Krümel auf dem Tisch. Ich war ständig am Aufräumen. Sag ichs ihm, wird er frech.

Ach na ja, erinnerte Annika trocken an Rosemaries eigene Worte. Männer brauchen doch Gemütlichkeit.

Gemütlichkeit ja, aber Respekt sollte man trotzdem haben! polterte Rosemarie plötzlich los. Ich hab ihm die Kohlrouladen gedreht, und dann meckert er am Geschmack! Hab ich gesagt: Machs doch selbst! Dann sagt er: Mama, halt doch mal die Klappe. Unverschämt!

Annika musste kichern. Das Idealbild vom Sohn bekam Risse, sobald Mama Haushaltspersonal war.

Frau Berger, setzte Annika sich dazu und legte die Hand auf Roses, die gewaschenen Hände. Sie sind eine tolle Hausfrau. Ehrlich. Ich werde das nie so hinkriegen, will ich aber auch gar nicht. Wir haben eben unseren Stil. Wir arbeiten beide und manchmal ists eben unordentlich, oder zum Abendessen gibts Würstchen. Wir sind trotzdem glücklich. Wenn wir echtes Sonntagsessen und eine blitzsaubere Wohnung wollen, kommen wir einfach zu Ihnen vorbei. Sind Sie damit einverstanden?

Rosemarie sah ihre Hände an, immer noch ein bisschen rau von den Putzmitteln der letzten Wochen.

Von mir aus, seufzte sie erleichtert. Aber sagt Bescheid, bevor ihr kommt. Ich hab auch noch anderes zu tun! Ich will jetzt in den Kururlaub, ich hab die Nase voll vom Haushälterinnendasein. Sag Sebastian, die Hemden hab ich noch fertig gebügelt jetzt ist Schluss. Entweder er bügelt selbst, oder läuft eben zerknittert rum. Ist mir egal. Die Gesundheit geht vor.

Sie trank ihren Tee aus und erhob sich.

Übrigens dein Buch liegt wieder auf dem Nachttisch. Ich verstehe zwar nicht, wie man so einen Quatsch lesen kann, aber bitte.

Als ich nach Hause kam, roch es weder nach Putzmitteln noch nach Zwiebeln. Es roch irgendwie nach Annika. Auf dem Herd köchelten Frankfurter Würstchen, auf dem Tisch stand eine Dose Erbsen.

Ist Mama weg? fragte ich hoffnungsvoll.

Sie ist weg, nickte Annika. Sie hat ihre Kommandantur niedergelegt; das Experiment ist abgebrochen, Personal überfordert.

Ich zog Annika an mich und drückte sie lange an mich.

Danke, flüsterte ich.

Für die Würstchen?

Für deine Gelassenheit. Und dafür, dass du mir unser normales Leben zurückgegeben hast. Ich liebe dich auch als moderne Hausfrau!

Ich bin keine schlechte ich bin nur up to date, lachte sie. Und die Würstchen sind übrigens Bio.

Seitdem gibt Rosemarie natürlich immer noch kluge Ratschläge das ist einfach ihre Art. Aber wenn sie mal wieder prüfend über ein Regal wischt, seufzt sie nur tief. Und wenn sie etwas über die Pflichten der Frau sagen will, fragt Annika trocken: Wollen Sie eine Woche dableiben und helfen? Ich bin eh bald auf Dienstreise… Daraufhin fällt Rosemarie immer sofort irgendein Notfall ein, die Katze, ein Gespräch im TV oder ihre Tomatensetzlinge.

Der Familienfriede ist wieder hergestellt. Der Staub bleibt, wo er ist Hauptsache, wir lassen uns gegenseitig leben.

Heute habe ich eins verstanden: Nur, weil Traditionen irgendwem früher gut getan haben, heißt das nicht, dass sie in jede Zeit und jede Beziehung passen. Haushaltsarbeit ist Arbeit und wenn man sie teilt, bleibt mehr Zeit für Liebe.

SebastianManchmal, wenn wir am Sonntag im Kaffeehaus sitzen, schmunzeln Annika und ich, wenn draußen ein Lieferwagen hält und ein älteres Ehepaar aussteigt. Rosemarie winkt durch die Scheibe, Sebastian hebt die Hand und alle bleiben zufrieden auf ihren Plätzen. Die Zeit der Familien-Gesetze ist vorbei, die Missverständnisse liegen wie eine dünne Staubschicht über der Vergangenheit. Manchmal wischt der Wind einen Funken davon auf, aber keiner erhitzt sich mehr daran. Wir bestellen einen frisch gebrühten Kaffee, stoßen mit den Tassen an, und wissen, dass Gemütlichkeit einen neuen Klang bekommen hat: ein bisschen chaotisch, ziemlich lustig und vor allem ganz unsers.

Und falls mal jemand fragt, warum im Flur wieder Körnchen liegen oder die Nudeln zum dritten Mal in der Woche auf dem Tisch stehen, dann gibt Annika nur noch ein trockenes So ist das jetzt eben zurück und lächelt dabei, als wäre genau das das größte Glück.

Rate article
Homy
Add a comment

;-) :| :x :twisted: :smile: :shock: :sad: :roll: :razz: :oops: :o :mrgreen: :lol: :idea: :grin: :evil: :cry: :cool: :arrow: :???: :?: :!:

Als meine Schwiegermutter mich als schlechte Hausfrau beschimpfte, schlug ich ihr vor, ab sofort selbst den Haushalt für ihren Sohn zu führen
RacheAls das letzte Rätsel gelöst war, stand er endlich vor dem düsteren Herrenhaus, bereit, seine jahrelange Rache zu vollenden.