Scheidung wegen der Nachbarin – Warum hast du von allen Frauen ausgerechnet sie gewählt? Warum von mir zu ihr? Konnte er es nicht einmal erklären… Maria verstand die Welt nicht mehr, als Valerij nach zwanzig Jahren Ehe die Familie für Karina aus dem Nachbarhaus verließ. Die Mutter, die Schwester, Freundinnen flehten: „Wie konntest du das zulassen?“ Aber Maria wusste: Nach allem, was sie gemeinsam durchgemacht hatten, würde sie nach diesem Betrug nicht noch einmal von vorne anfangen – auch wenn das halbe Umfeld forderte, sie solle ihrem untreuen Mann verzeihen. Warum verlangt die Gesellschaft, dass Frauen so etwas aushalten? Ein Stück vom ganz normalen Wahnsinn einer deutschen Trennungsgeschichte.

Scheidung wegen der Nachbarin

Sag mir doch einfach, warum du ausgerechnet sie ausgesucht hast unter allen Frauen dieser Welt? Wie kann man mich verlassen und direkt zu ihr gehen warum gerade zu ihr?
Maria konnte im Vergleich zu Karla nur verlieren. Es wäre ja noch eine Sache gewesen, wenn Florian gesagt hätte: Sie ist lustiger, lockerer, nicht so streng, nicht so pingelig wie du.

Wie konntest du nur, Maria? Wie ist das nur passiert? Ihr hattet es doch so schön miteinander… klagten sowohl meine Mutter als auch meine Schwester und viele Freundinnen, als sie von der bevorstehenden Scheidung erfuhren.

Ja, wir hatten es, stimmte ich zu. Aber das ist jetzt vorbei.

Maria, überleg dreimal, bevor du so einen Mann verlässt. Er verdient doch gut, liebt die Kinder, und er will sich gar nicht scheiden lassen…

Nach solchen Sprüchen habe ich alle, die das zu mir gesagt hatten, gnadenlos auf Lebenszeit verbannt aus den sozialen Netzwerken, den Messenger-Gruppen, aber vor allem auch aus meinem echten Leben.

Sogar mit einer Kollegin, mit der ich freundlich verbunden war, gab es ab da nur noch ein kurzes Nicken und ein distanziertes Hallo beim Treffen auf dem Flur.

Als sie versuchte, wie früher Smalltalk zu machen, habe ich ihr einmal ehrlich die Meinung gesagt für ihre ungefragten Ratschläge und ihr Drängen, ich solle doch zu meinem Ehemann dem Fremdgeher! zurückkehren.

Ja, einem Fremdgeher! Ich selbst konnte die ganze Geschichte kaum fassen.

Wir hatten doch ein ganz normales Leben! Zwanzig Jahre zusammen, schon seit dem Studium wir haben, wie es im Sprichwort heißt, nicht nur ein Pfund, sondern zwanzig Tonnen Salz gemeinsam durchgestanden, ohne die laut Volksglaube das gemeinsame Leben nicht klappt.

Alles war dabei: totale Flauten auf dem Konto, Arbeitslosigkeit, Krankheiten die eigenen und die der Kinder…

Zwei Kinder ein Sohn und eine Tochter, also die perfekte Familie. Die Wohnung immer sauber, immer frisch gekocht, und Kopfschmerzen kannte ich nie…

Ich habe auf mich geachtet, habe meinen Mann nie als wandelnden Geldautomaten betrachtet, fand auch noch Zeit für ihn, und habe den armen Florian nicht direkt nach der Geburt der Kinder abgeschrieben…

Was also fehlte diesem Typen, dass er es eines Tages vorzog, fremdzugehen?

Und dann auch noch mit wem! Wäre es eine Jüngere gewesen das hätte ich ja nachvollziehen können. Aber sein Herz oder besser: ein anderes Körperteil hat Florian ausgerechnet zu einer alleinerziehenden Nachbarin samt Kind gezogen.

Erklär mir bitte, was du gerade in ihr gefunden hast?

Ich schwankte zwischen Lachen und Weinen, als ich von Florians Betrug erfuhr und er sich schließlich vor mir rechtfertigen musste.

Sag einfach, warum du ausgerechnet sie gewählt hast? Wie kann man von mir direkt zu ihr wechseln?

Karla war auf ganzer Linie unterlegen. Es wäre ja etwas anderes, hätte Florian behauptet, sie sei unkomplizierter, lebenslustiger, nicht so streng wie ich

Aber nicht einmal dazu war er in der Lage.

War es vielleicht auf irgendeiner feuchtfröhlichen Feier passiert? Nein, er war stocknüchtern.

Alles, was er hervorbrachte, war ein stammelndes Es ist einfach passiert und ein verzweifeltes, demütigendes Flehen, wieder zurück in die Familie zu dürfen.

Ja, zu Karla Überraschung hatte Florian nicht im Entferntesten vor, sich von mir scheiden zu lassen und direkt zur neuen Geliebten zu ziehen.

Der Mann dachte, er könnte sich wie ein kleiner Kater draußen austoben und dann mit unschuldigem Gesicht heimkommen, sich ins gemeinsame Bett legen und so tun, als gäbe es keine Karla in seinem Leben.

Und vielleicht wäre das tatsächlich so passiert, hätte die neue Flamme nicht irgendwann ein Kind von ihm erwartet und beschlossen, dass sie ihren Freund samt dem neuen und dem bisherigen Nachwuchs mit allen Mitteln vor den Traualtar schleppen wollte.

So marschierte sie eines Tages mit ordentlich Krawall in meine Wohnung.

Erst habe ich ihr kein Wort geglaubt. Wie auch, wenn du zwanzig Jahre mit deinem Mann gelebt hast und ihn, wie du dachtest, durch und durch kennst?

Aber Karla wusste halt zu viel so detailreiche Kenntnisse über Muttermale und Narben hat kein Fremder, wenn er jemanden nicht gut kennt. Es war also klar da war was gelaufen. Und Florian, in die Ecke gedrängt, konnte nicht anders, als alles zuzugeben und um Verzeihung zu bitten.

Erstaunlich, aber auf einmal stellten sich einige Bekannte auf Florians Seite. Nicht einmal gemeinsame Freundinnen, sondern meine eigenen Kolleginnen, ein paar alte Bekannte, sogar entfernte Verwandte

Alle auf einmal predigten einstimmig, ich solle verzeihen, weitermachen, Florian lieben, als sei nie etwas geschehen. Das war ein Punkt, den ich nie verstehen werde.

Gut, die Schwiegermutter redete mir dauernd ein, die Familie müsse erhalten bleiben. Sie merkte ja, dass ihr Sohn sich für seine Aktion schämte und es rückgängig machen wollte also tat sie alles, um ihn zu unterstützen, und erzählte mir, wie schlimm es für mich alleine sein würde.

Am Anfang versuchte sie sogar, die Kinder zu beeinflussen: Sie sollten zu mir sagen, dass ich mich nicht scheiden lassen solle. Nicht gerade nett, aber die Motivation war nachvollziehbar.

Doch warum alle anderen sich so sehr in unsere Ehe und meine Entscheidung einmischen wollten? Frei nach dem Motto: Wir selbst sitzen bis zum Hals in Schwierigkeiten, also bleib du bitte auch darin sitzen?

Vielleicht war es das. Vielleicht auch nicht. In jedem Fall war mir klar, dass ich das nicht dulden musste.

Ich war schließlich die Tochter meines Vaters, Gott hab ihn selig. Von ihm hatte ich etwas Wichtiges gelernt besser gesagt, einen Spruch verinnerlicht, den er immer wieder wiederholt hatte.

Tochter, wenn dich jemand eine Egoistin nennt und dir sagt, du sollst dich fügen, teilen, verzichten, irgendwem irgendwas verzeihen nur weil es so üblich ist oder weil irgendein Gott es so will…

Glaub ihnen kein Wort. Die wollen nur auf deine Kosten ihre eigenen Probleme lösen oder irgendetwas für sich erreichen.

Diesen Rat meines Vaters habe ich mir immer zu Herzen genommen und oft gemerkt, dass die Leute mit ihren moralischen Argumenten und Verpflichtungen nur manipulieren wollen.

Ich ließ mich nicht manipulieren. Die Kinder übrigens auch nicht, wie sich zeigte. denn sobald ich beschlossen hatte, mich scheiden zu lassen, rief die Schwiegermutter prompt an und forderte, dass die Kinder sie wieder auf dem Handy entsperren und mit ihr Kontakt aufnehmen sollten.

Die nervt einfach nur, erklärte meine Tochter Katrin beim Abendessen.

Mein Sohn Henrik war an dem Abend bei seiner Freundin, also musste Katrin Rede und Antwort stehen für beide, sozusagen.

Sie redet ständig davon, dass wir dafür sorgen sollen, dass ihr wieder zusammenkommt. Dass es für alle besser ist, wenn ihr als Paar weitermacht und so weiter.

Ich habe ihr einmal gesagt, das sollen die Erwachsenen unter sich regeln, zweimal gesagt, aber sie hört nicht auf immer die gleiche Leier.

Deshalb habe ich sie blockiert. Vielleicht schaltet sie ja mal auf normale Oma um.

Danke. Ich weiß, dass dir das alles auch nicht gefällt. Aber ich bin dir dankbar, dass du dich nicht auf diese Manipulation einlässt und die Oma-Nummer nicht mitmachst.

Mama, ich bin doch nicht bescheuert, seufzte Katrin. Ich weiß, was Papa gemacht hat. Wenn ihr euch meinetwegen über Urlaubsziele gestritten hättet oder über neue Gardinen in der Küche da hätte man vielleicht etwas retten, zusammenbleiben können.

Aber einen Betrug? Das verzeihen normale Leute nicht. Das wusste Papa. Und wenn er es trotzdem gemacht hat, na ja…

Ich hab ihn lieb, er bleibt ja mein Vater. Aber… Worauf hofft er eigentlich? Was will die Oma erreichen?

Ich hatte darauf keine Antwort. Noch vor einem Monat dachte ich, ich könnte auf jede Frage meiner Tochter antworten.

Aber erklär das mal, wenn man es selbst nicht weiß. Wie erklärt man, warum sich ein Mensch, der sich zwanzig Jahre wie ein tadelloser Ehemann und Vater verhalten hat…

Klar, früher gab es auch mal Krisen, aber Aussetzer dieser Art nicht. Und plötzlich dann so ein Chaos… Alterskrise, oder wie nennt man das?

Es stellte sich heraus, dass ob in den Rippen, im Kopf oder im Kosewort, das Florian heimlich für Karla hatte noch mehr Dämonen wohnten, als ich je ahnte.

Und diese wollte er dann Jahre später der Ex-Familie auf besondere Weise präsentieren.

Das passierte fünf Jahre nach der Scheidung.

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Homy
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Schwiegermutter schloss mich ‚versehentlich‘ im Keller ein. Eine Stunde später kam ich mit einer Kiste heraus – ihr Inhalt ließ sie in die Knie gehen.