Du verdienst doch ordentlich, oder? Die Schwester meiner Frau leiht sich Geld und fährt damit an die Ostsee Diesen Sommer besuchte uns die Lieblingsschwester meiner Frau. In der Familie nennen wir sie liebevoll „das Haustier“, denn bei Treffen reden Eltern, Verwandte und alle anderen nur über sie: Sie war eine ausgezeichnete Schülerin, absolvierte ein Top-Studium, fand einen guten Job im öffentlichen Dienst – die perfekte Tochter, nicht wahr? Ganz anders als die älteste Schwester, die nicht einmal ihren Abschluss gemacht und stattdessen geheiratet hat. Aber das interessiert niemanden, schließlich war ich ja gut situiert: Ich habe mein eigenes Unternehmen, eine Eigentumswohnung in München, ein Auto und ein gutes Einkommen. Trotz allem bleibt die kleine Schwester das Lieblingskind ihrer Eltern. Und dann kam diesen Sommer die Schwester meiner Frau zu uns und bat mich um ein Darlehen, weil sie für eine Eigentumswohnung eine Anzahlung leisten wollte und nicht genug gespart hatte. Für mich war es keine große Summe, darum habe ich ihr das Geld ohne Bedenken geliehen. Sie meinte, sie arbeitet beim Landratsamt und zahlt das Geld pünktlich zurück. Kaum hatte sie das Geld bekommen, versprach sie hoch und heilig, jeden Monat zu tilgen. Nur eine Woche später fuhr sie allerdings in den Urlaub an die Ostsee. Offen gesagt war ich ziemlich überrascht – jemand, der angeblich kein Geld für die Anzahlung einer Wohnung hat, findet plötzlich welches für einen Urlaub. Sie nahm sich frei und erzählte allen Verwandten, sie habe das ganze Jahr für den Trip gespart – dabei hat sie bis heute keine Wohnung gekauft. Als ich sie darauf ansprach, sagte sie nur, sie hätte es sich anders überlegt. Ich bat sie höflich, das geliehene Geld zurückzuzahlen, schließlich hatte ich ihr das für eine Wohnung geliehen, nicht für einen Strandurlaub. Die Antwort hat mich ziemlich verletzt: – Ich verdiene bald viel, hab’ jetzt aber kein Geld, du kannst noch warten. Wie die Geschichte weiterging? Sie hat ihrer Mutter erzählt, ich hätte das Geld viel zu früh zurückverlangt und so gehe man nicht mit Verwandten um. Am Ende war sie also wieder der Engel der Familie – und wir die reichen Monster!

Du verdienst doch sicher eine Menge Geld, oder? Die Schwester meiner Frau hat sich Geld geliehen und ist an die Nordsee gefahren.

In diesem Sommer kam die geliebte Schwester meiner Frau zu Besuch. Ich nannte sie immer unser Haustier, denn bei Familientreffen war sie das Hauptgesprächsthema Mama, Papa, alle redeten nur von ihr: Sie war fantastisch in der Schule, hat ihr Studium glänzend abgeschlossen, arbeitet direkt in ihrem Beruf eben ein Paradebeispiel der vorbildlichen Tochter.

Die Ältere hingegen, meine Frau, hatte das Studium nie beendet und war dafür früh verheiratet. Doch das schien niemanden zu kümmern, schließlich war ich anständig wohlhabend, hatte mein eigenes Geschäft, meine Eigentumswohnung, mein Auto, ein ordentliches Einkommen. Trotzdem blieb die Lieblingstochter weiterhin die kleine Schwester.

Wie dem auch sei, in diesem Traumsommer tauchte die Schwester meiner Frau in unserer Wohnung in Hamburg auf und bat mich um einen Kredit, weil sie sich eine Eigentumswohnung kaufen wollte, doch das Eigenkapital fehlte. Für mich war das kein großer Betrag ich dachte mir nichts weiter und gab ihr das Geld. Sie arbeitete angeblich in einem Amt und versprach hoch und heilig, mir jeden Monat zurückzuzahlen.

Sie nahm das Geld und gelobte fast feierlich, es nach und nach zu erstatten. Doch kaum eine Woche später postete sie sonnige Urlaubsfotos von der Nordsee. Mir kam das alles sehr surreal vor jemand, der angeblich kein Geld für einen Wohnungskauf übrig hat, kommt plötzlich an genug Euros für eine Reise.

Sie erklärte allen Verwandten, sie habe das ganze Jahr eisern auf diese Reise gespart, aber Fakt war: Von der Eigentumswohnung hatte sie sich bislang keine einzige Kachel angesehen. Als ich sie darauf ansprach, meinte sie lapidar, sie hätte es sich anders überlegt.

Ich bat sie höflich, mir das geliehene Geld wieder zurückzugeben, immerhin hatte ich geglaubt, damit ihre Wohnung zu finanzieren, nicht ihren Meeresurlaub. Ihre Antwort traf mich wie ein fauler Apfel im Traum:
Na, ich werde sehr viel verdienen, du kannst ruhig noch warten, jetzt ist gerade kein Geld da.

Wie es wohl ausging, meinst du? Ganz wie im Nebel: Sie erzählte kurzerhand meiner Schwiegermutter, ich hätte das Geld vorzeitig eingefordert, als ob man so mit Familie umginge ­ und schon war das goldgelockte Küken wieder der Engel der Familie, während wir zu gierigen, reichen Ungeheuern mutierten!

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Homy
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Du verdienst doch ordentlich, oder? Die Schwester meiner Frau leiht sich Geld und fährt damit an die Ostsee Diesen Sommer besuchte uns die Lieblingsschwester meiner Frau. In der Familie nennen wir sie liebevoll „das Haustier“, denn bei Treffen reden Eltern, Verwandte und alle anderen nur über sie: Sie war eine ausgezeichnete Schülerin, absolvierte ein Top-Studium, fand einen guten Job im öffentlichen Dienst – die perfekte Tochter, nicht wahr? Ganz anders als die älteste Schwester, die nicht einmal ihren Abschluss gemacht und stattdessen geheiratet hat. Aber das interessiert niemanden, schließlich war ich ja gut situiert: Ich habe mein eigenes Unternehmen, eine Eigentumswohnung in München, ein Auto und ein gutes Einkommen. Trotz allem bleibt die kleine Schwester das Lieblingskind ihrer Eltern. Und dann kam diesen Sommer die Schwester meiner Frau zu uns und bat mich um ein Darlehen, weil sie für eine Eigentumswohnung eine Anzahlung leisten wollte und nicht genug gespart hatte. Für mich war es keine große Summe, darum habe ich ihr das Geld ohne Bedenken geliehen. Sie meinte, sie arbeitet beim Landratsamt und zahlt das Geld pünktlich zurück. Kaum hatte sie das Geld bekommen, versprach sie hoch und heilig, jeden Monat zu tilgen. Nur eine Woche später fuhr sie allerdings in den Urlaub an die Ostsee. Offen gesagt war ich ziemlich überrascht – jemand, der angeblich kein Geld für die Anzahlung einer Wohnung hat, findet plötzlich welches für einen Urlaub. Sie nahm sich frei und erzählte allen Verwandten, sie habe das ganze Jahr für den Trip gespart – dabei hat sie bis heute keine Wohnung gekauft. Als ich sie darauf ansprach, sagte sie nur, sie hätte es sich anders überlegt. Ich bat sie höflich, das geliehene Geld zurückzuzahlen, schließlich hatte ich ihr das für eine Wohnung geliehen, nicht für einen Strandurlaub. Die Antwort hat mich ziemlich verletzt: – Ich verdiene bald viel, hab’ jetzt aber kein Geld, du kannst noch warten. Wie die Geschichte weiterging? Sie hat ihrer Mutter erzählt, ich hätte das Geld viel zu früh zurückverlangt und so gehe man nicht mit Verwandten um. Am Ende war sie also wieder der Engel der Familie – und wir die reichen Monster!
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