Fremder Ring: Ein unerwartetes Geheimnis

**Der fremde Ring**

Emma Wagner hatte so viel dringende Arbeit, dass sie nicht einmal zum Mittagessen gehen wollte. Da klingelte das Telefon. Ihre Mutter.

Was ist, Mama? Sprich schnell, ich hab viel zu tun, antwortete Emma hastig.

Schätzchen Die Stimme ihrer Mutter klang schwach, als käme sie von weit her. Mir geht es nicht gut

Emma wartete, die Verbindung schien abzureißen, doch dann hörte sie nur noch ein Stöhnen.

Mama, ich kann dich kaum verstehen! Ich komme sofort! Sie riss ihren Mantel vom Haken und stürmte aus dem Büro.

Sag Bescheid, falls jemand fragt, warf sie ihrer Kollegin hin, bevor sie hinauslief.

Erst draußen bemerkte sie, dass sie noch ihre Büro-Highheels trug. Zurückgehen war keine Option, also rannte sie zum Parkplatz. Die Schlüssel zur Wohnung ihrer Mutter lagen im Handschuhfach. Sie fuhr zu schnell, überholte an unübersichtlichen Stellen egal, die Strafe würde sie zahlen, Hauptsache, sie kam rechtzeitig an.

Als sie die Wohnung betrat, saß ihre Mutter zusammengekauert auf dem Sofa, die Hände an die Brust gepresst.

Mama, ist es dein Herz? Ihre Mutter öffnete kurz die Augen und verzog schmerzhaft das Gesicht.

Warte, halt noch durch. Emma griff nach ihrem Handy und rief den Notarzt.

Eigentlich wäre es schneller gewesen, ihre Mutter selbst ins Krankenhaus zu fahren, aber sie wusste nicht, ob diese die Treppe hinuntergehen konnte. Und Nachbarn um Hilfe zu bitten? Mittags waren nur die Rentner zu Hause.

Während sie auf den Rettungswagen wartete, strich Emma ihrer Mutter beruhigend über die Schulter. Die Ärzte kommen gleich, alles wird gut. Sie ließ die Tür offen. Als die Sanitäter in blauer Uniform eintraten, erklärte sie atemlos die Situation.

Der Arzt tastete den Puls, maß den Blutdruck. Ihre Mutter muss sofort ins Krankenhaus. Lukas, hol die Trage. Dann wandte er sich an Emma: Besorgen Sie schnell ihre Papiere.

Was ist mit ihr, Doktor?

Herzinfarktverdacht. Er schüttelte den Kopf.

Kurz darauf kehrte Lukas mit dem Fahrer und der Trage zurück. Emma begleitete ihre Mutter bis zum Wagen, wollte mitfahren, doch der Arzt winkte ab. Sie würden nur stören. Rufen Sie später an.

Emma fuhr zurück zur Arbeit. Die Mittagspause war längst vorbei, und sie würde Ärger bekommen, wenn ihr Fehlen auffiel. Sie nahm eine Abkürzung durch die Seitenstraßen, doch beim Einbiegen auf die Hauptstraße riss das Auto plötzlich zur Seite. Sie hielt am Straßenrand und stieg aus der vordere Reifen war platt. Genau das fehlte noch.

Was tun? Der Reifen war zu schwer für Highheels. Frustriert stand sie da, kurz davor, in Tränen auszubrechen.

Da hielt ein Geländewagen neben ihr. Ein junger Mann stieg aus, musterte den platten Reifen, dann ihre Schuhe, und hatte sofort verstanden.

Ersatzreifen da?

Emma nickte. Fast hätte sie geweint vor Erleichterung. Der Mann holte das Rad, Werkzeug aus seinem Auto und machte sich ans Werk.

Steigen Sie ins Auto, Sie frieren sonst, sagte er, ohne sich umzudrehen.

Tatsächlich waren ihre Füße eiskalt Herbstwetter, und jetzt fing es auch noch an zu regnen. Emma rief Lukas an, doch er ging nicht ran.

Der Mann schien ewig zu brauchen. Schließlich klopfte er ans Fenster. Alles fertig. Fahren Sie zur Werkstatt, lassen Sie den Reifen reparieren.

Vielen Dank. Was schulde ich Ihnen?

Wohin fahren Sie eigentlich in diesen Schuhen?

Meine Mutter wurde ins Krankenhaus gebracht. Herzprobleme. Sie reichte ihm Feuchttücher.

Wie geht es ihr jetzt?

Der Notarzt hat sie mitgenommen. Danke, dass Sie mir geholfen haben.

Gern geschehen. Gute Besserung für Ihre Mutter. Er gab ihr die Tücher zurück und ging.

Im Büro stieß sie vor dem Aufzug auf ihre Chefin. Frau Wagner, kommen Sie erst jetzt vom Mittagessen? Sie warf einen demonstrativen Blick auf ihre Uhr. Noch so ein Verhalten, und es gibt eine Abmahnung.

Emma seufzte.

Sie rief ihre Freundin Anna an, die in derselben Klinik arbeitete. Die meldete sich nach einer gefühlten Ewigkeit zurück: Der Anfall sei unter Kontrolle, kein Infarkt, ihre Mutter liege unter Tropf, morgen käme sie auf die Station.

Und wie gehts dir?

Hab die Arbeit geschmissen, Reifen platt, Lukas geht nicht ran, jammerte Emma.

Kopf hoch.

Lukas rief nicht zurück. Als sie nach Hause kam, saß er am Laptop.

Wo warst du? Ich habe dich hundertmal angerufen!

Auf der Arbeit. Wir hatten eine Besprechung.

Den ganzen Tag?

Sorry, hatte den Ton aus. Was ist passiert?

Meine Mutter ist im Krankenhaus! Ich bin heimgerast, Reifen platt, und du bist unerreichbar!

Fahr vorsichtiger. Und deiner Mutter?

Emma erzählte alles. Sie vertrugen sich wieder, doch ein ungutes Gefühl blieb.

***

Vor zwei Jahren hatte sie Lukas in einem Café kennengelernt.

Der Mann da starrt dich an, als wolle er ein Loch in dich brennen, flüsterte Anna.

Emma sah ihn gutaussehend, charmant. Er kam an ihren Tisch. Darf ich?

Sein Lächeln ließ ihr Herz höherschlagen. Anna verabschiedete sich schnell, und sie redeten stundenlang. Zwei Wochen später zog er bei ihr ein.

Emma wartete auf einen Heiratsantrag, doch Lukas sagte: Zusammenwohnen ist das eine, aber heiraten? Warte, bis ich eine eigene Wohnung habe. Das zog sich zwei Jahre hin.

Eines Tages entdeckte sie eine kleine Schmuckschachtel in seiner Jackentasche. Ein Ring mit einem funkelnden Diamanten. Ihr Herz hüpfte. Endlich! Sie probierte ihn an perfekt. Doch sie legte ihn zurück.

Am nächsten Tag war der Ring verschwunden. Sie dachte, er habe ihn versteckt.

Dann kam ihr Geburtstag. Lukas hob sein Glas, wünschte ihr alles Gute und reichte ihr eine Samtschachtel. Emma wartete gespannt doch kein Antrag.

Mach schon auf, drängelte Anna.

In der Schachtel lagen Ohrringe, kein Ring. Enttäuschung breitete sich in ihr aus.

Später fragte sie ihn direkt: Wem gehört der Ring?

Ein Kumpel hat ihn für seine Freundin gekauft und bei mir gelassen. Sie glaubte ihm nicht.

Du durchsuchst meine Taschen? Wenn dir die Ohrringe nicht gefallen, kaufen wir dir einen Ring.

Gut, lass uns gehen.

Lukas war überrascht. Doch am nächsten Tag standen sie im Juwelierladen. Emma wollte sich rächen und den teuersten Ring aussuchen.

Hallo, was suchen Sie? fragte die Verkäuferin. Ein Ring? Hat ihr letzter Kauf nicht gefallen? Sie sah Lukas an.

Du hast einen Ring gekauft? Emma starrte ihn an.

Die Verkäuferin entschuldigte sich schnell, sie habe ihn verwechselt.

Lukas flüsterte: Ich erkläre es dir.

Lass mich in Ruhe! Emma stürmte hinaus.

Sie zitterte. Alles klar: Er lebte mit ihr, aber schenkte einer anderen einen Ring. Seine Ausreden über die Wohnung waren nur Vorwände.

Lukas rief an, doch sie schaltete ihr Handy aus. Tränen rollten. Wie naiv sie gewesen war

Plötzlich klopfte jemand ans Fenster. Der Mann von neulich. Schon wieder ein Platten? Dann sah er ihre Tränen.

Sie saßen im Café, und Emma erzählte alles.

Vielleicht irrst du dich? Vielleicht hat sein Freund den Ring wirklich bei ihm gelassen?

Ändert nichts. Er hätte auch ohne Ring heiraten können.

Er brachte ihr Eis. Das hat mich als Kind immer getröstet.

***

Mit Lukas war es aus. Der fremde Helfer sein Name war Felix tauchte bald öfter in ihrem Leben auf. Kino, Wochenendtrips nach München, Bamberg Sie ließ ihn manchmal übernachten, aber nicht zusammenziehen. Langsam vertraute sie ihm.

Vier Monate später machte er ihr einen Antrag mit einem schlichten Ring. Kein großer Diamant, aber ehrlich. Sie trug ihn immer.

Manchmal dachte sie: Wie lange hätte Lukas sie belogen, wenn sie den Ring nicht gefunden hätte?

Die Lehre? Manchmal ist es besser, nicht in fremden Taschen zu wühlen doch manchmal rettet genau das einen vor einer Lüge.

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Homy
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