Woran erkennt man die echte Liebe? Gestern habe ich in der U-Bahn mitgehört, wie eine junge Frau ihren Freund verteidigte, der nicht heiraten will. Am Telefon erklärte sie jemandem: „Er will erst Karriere machen, auf eine Wohnung sparen, er liebt mich, nur sind die Umstände gerade nicht ideal…“ Stopp. Es ist viel einfacher. Hört gut zu. Für die Liebe gibt es nur zwei Umstände: „Ja“ oder „Nein“. Alles andere sind Ausreden, um sich selbst zu beruhigen. Ein Mann, der in dir seine Frau sieht, bereitet nicht jahrelang den Boden vor. Er hat Angst, dich zu verlieren. Er sieht in jedem anderen Mann einen Konkurrenten – selbst im Taxifahrer. Und er wird dir einen Antrag machen. Vielleicht nicht perfekt. Vielleicht nicht in Paris. Aber entschlossen und ehrlich. Hier ist meine Geschichte. Nutzt sie als Schablone für eure eigene Situation. Ich heiße Marina. Ich bin 37 und habe bis zu dem Moment, als ich Sascha kennenlernte, zehn Jahre lang meinen pubertierenden Sohn Artem allein großgezogen. Mein Leben war genau taktvoll eingerichtet: Wecker um 6:30 Uhr, Arbeit als Buchhalterin im Einkaufszentrum „Morgenrot“, Buslinie 107, Abendessen mit meinem Sohn, Hausaufgabenkontrolle, Schlaf. Romantik? Die hatte die Nüchternheit verdrängt. Die Träume vom „Traumprinzen“ waren längst verflogen. Keine Zeit für so etwas, wenn man zwischen Job und Zuhause rotiert. Sascha tauchte in meinem Leben ganz unauffällig auf. Der Fahrer eben dieser 107. Ich kannte zunächst nicht einmal seinen Namen. Ich bemerkte nur seine großen, sicheren Hände am Lenkrad und seinen Blick im Rückspiegel. Wahrscheinlich hat er mich eher wahrgenommen als ich ihn. Jeden Abend setzte ich mich auf denselben Platz – den dritten am Fenster. Nach einer Weile ertappte ich mich dabei, dass ich in diesem Spiegel nicht mehr das gesichtslose Straßengeschehen suchte, sondern seine Augen. Sie waren freundlich und sehr aufmerksam. „Sie hatte heute einen schweren Tag“, schienen sie zu sagen, wenn ich missmutig ins Handy starrte. „Heute ist es etwas besser“, wenn ich aus dem Fenster sah. Es war eine seltsame, wortlose Sympathie, die sich über Monate zog. Kein Wort. Nur ein Nicken am Morgen, wenn ich einstieg, dieser Blick am Abend – und ein warmes Gefühl in der Brust, dass sich in dieser großen Stadt jemand für dich interessiert. Dich sieht, nicht als „Funktion“ namens „Fahrgast“, sondern als Mensch. Und dann war er verschwunden. Eine Woche fuhr ein anderer – wortkarg, kein Blick in den Spiegel. Mein kleines, geheimes Ritual zerbrach. Ich fühlte einen dummen, schmerzhaften Verlust. Dachte: Na gut, sollte wohl nicht sein. Luftschlösser aus Blicken zu bauen, ist eben naiv. Aber das Schicksal wechselte einfach das Transportmittel. Zwei Wochen später blieb ich länger bei der Arbeit. Spätabends lief ich durch das beinahe leere „Morgenrot“ Richtung Ausgang. Und sah ihn. Er stand auf einer hohen Aluleiter unter der Decke und bastelte an Kabeln. In blauer Handwerkerkluft, mit Werkzeug am Gürtel. Elektriker! Und von oben sah er mich an, ganz unbeeindruckt – nur ein leichtes Lächeln. „Hab die Linie gewechselt“, sagte er, während er abstieg. Die Stimme etwas rau, tief, als hätte er lange nicht gesprochen. „Jetzt bin ich hier.“ „Wie… praktisch“, stammelte ich und wurde rot. „Für mich sehr“, antwortete er ernst. „Ich habe extra herausgefunden, wo du arbeitest.“ Er streckte mir die Hand hin. „Alexander.“ Auf der Handfläche Kratzer und Spuren von Isolierband… So begann unser richtiges Kennenlernen. Ohne Busse, ohne Spiegel. Sascha brachte mich nach Feierabend nach Hause, wir tranken Kaffee in der Kantine. Redeten über Alltägliches: seinen Sohn aus erster Ehe, meinen Artem und dessen Begeisterung für Roboter, darüber, warum die Lüftung im „Morgenrot“ immer lärmt. Und dann, exakt einen Monat nach unserem ersten Gespräch an der Leiter, passierte es. Wir gingen durch den Park, nasskalt war es. Plötzlich blieb Sascha stehen und drehte mich zu sich. „Marina, ich bin keine große Redner“, sagte er. Sein Atem ein kleines Wölkchen in der Kälte. „Und meine Umstände sind nicht ideal. Wohnung mit Kredit, kein Bürojob, ein Sohn hier, einer dort… Es wird schwierig.“ Mein Herz sackte. Typischer Anfang für ein „Lass uns Freunde bleiben“. Ich bereitete mich innerlich schon aufs Rückzugsgefecht vor. „Aber“, er atmete tief, „drei Monate habe ich dich im Spiegel beobachtet und hatte Angst, du steigst an einer anderen Haltestelle aus. Dann habe ich herausgefunden, wo du arbeitest. Und der letzte Monat… der hat es mir bestätigt. Ich will dich nicht mehr aus der Menge suchen. Ich will wissen: Du bist zu Hause. Lass uns heiraten. Nicht, wenn der Kredit abbezahlt ist oder die Karriere passt. Jetzt. Solange wir leben und wollen.“ Das war nicht romantisch. Das war ein bisschen hart, ganz sachlich. Aber in dieser Gradlinigkeit lag so viel Ehrlichkeit, dass mir die Luft wegblieb. Kein „Lass uns mal sehen“, „wir probieren es“, „vielleicht irgendwann“. Einfach: „Lass uns heiraten“. Weil man nichts mehr verschieben sollte. Weil das Leben genau jetzt ist – hier, im kalten Park. Eigentlich hatte ich vor, den neuen Mann erst einmal in Ruhe zu prüfen. Dann merkte ich: Prüfen muss ich nur, wem ich nicht traue. Bei ihm hatte ich nie Zweifel. Seine Entscheidung reifte nicht Monate, sondern die ganze Zeit der stummen Begegnungen im Bus. Der eine Monat war nur noch Formsache. „Ja“, sagte ich. „Lass uns.“ Mein Sohn war zunächst mürrisch, aber dann vertieften er und Alexander sich in Gespräche über Schaltpläne, und am Ende des Abends buddelten sie schon gemeinsam auf einer Serviette herum. Seit drei Jahren habe ich nichts zu bereuen. Offenbar ist unser Urinstinkt, seinen Menschen auf Anhieb zu erkennen, nie verloren gegangen. Wer ihn findet, der hat gewonnen. Vorausgesetzt, er traut sich und handelt. Der Kredit ist noch nicht abbezahlt, die Karriere ist auch nicht explodiert. Gelegentlich streiten wir über Kleinigkeiten. Aber eine Regel gibt es bei uns seit dem ersten Tag: Nichts aufschieben. Wenn ein Problem da ist, lösen wir es. Wenn etwas wehtut, reden wir sofort. Wenn Liebe da ist, zeigen wir sie – jeden Tag. Nicht „irgendwann“. Deshalb, meine Lieben, hört auf, fremde Unentschlossenheit zu entschuldigen. Die Liebe fürchtet keine Umstände – sie schafft sie. Sie ändert Routen, sucht sich einen Job im passenden Einkaufszentrum und sagt „lass uns heiraten“ im kalten Park, weil sie Angst hat, noch einen Tag zu verlieren. Wenn ein Mann zögert, fragt euch nur ehrlich: „Brauche ich wirklich einen Menschen, für den erst alle Umstände perfekt sein müssen, bevor er mit mir zusammen sein will?“ Die Antwort findet sich meist schneller, als man denkt.

Wie man die Liebe erkennt

Es war einmal, vor vielen Jahren, da hörte ich in der Straßenbahn, wie ein junges Mädchen ihren Freund verteidigte, der sich ums Heiraten drückte. Am Telefon erklärte sie jemandem: Weißt du, seine Karriere läuft gerade an, zuerst braucht er eine Wohnung, er liebt mich schon, nur die Umstände halt.

Stopp. Es ist eigentlich viel einfacher.

Hört mir gut zu.

Die Umstände für die Liebe sind nur zwei: Ja oder Nein. Alles andere sind Ausreden zur Beruhigung. Ein Mann, der in dir seine Frau sieht, wartet nicht ewig und legt dir nicht jahrelang Steine in den Weg. Er hat Angst, dich zu verlieren. Er sieht in jedem Mann, selbst im Ober im Café, einen Rivalen. Und er macht dir einen Antrag. Nicht perfekt. Nicht in Paris. Aber klar und ehrlich.

Ich will euch meine Geschichte erzählen, nehmt sie als Schablone für eure eigene.

Mein Name ist Hannelore. Ich war 37, als ich Otto begegnete. Zu diesem Zeitpunkt zog ich meinen Sohn, den 15-jährigen Maximilian, schon seit zehn Jahren alleine groß. Das Leben war routiniert: der Wecker klingelte um 6:30 Uhr, Arbeit als Buchhalterin im Einkaufszentrum Morgenrot, die tägliche Fahrt mit der Straßenbahnlinie 12, Abendessen mit meinem Sohn, Hausaufgaben kontrollieren, Schlafen. Romantik? Die hatte die Vernunft schon lange verdrängt. Von Märchenprinzen träumte ich schon lange nicht mehr nicht, wenn man zwischen Beruf und Haushalt rotiert.

Otto trat leise in mein Leben. Er war der Fahrer jener Linie 12. Seinen Namen wusste ich anfangs nicht mal. Nur seine Hände fielen mir auf groß und kraftvoll am Lenkrad und sein Blick im Rückspiegel. Ich glaube fast, er begann, mich früher zu betrachten, als ich ihn. Jeden Abend nahm ich immer denselben Platz der dritte Sitz am Fenster.

Nach einer Weile ertappte ich mich dabei, wie ich in diesem Spiegel nicht mehr das anonyme Straßenbild suchte, sondern seine Augen. Die waren freundlich und aufmerksam. Heute war ihr Tag schwer, schienen sie zu sagen, wenn ich mit finsterer Stirn auf mein Handy starrte. Heute ist es ein bisschen leichter, wenn ich gedankenverloren aus dem Fenster blickte.

Es war eine seltsame, wortlose Zuneigung, die sich über Monate zog. Kein Wort fiel. Nur ein stilles Nicken am Morgen, wenn ich einstieg, und sein Blick im Spiegel am Abend. Und dieses leise Glücksgefühl in der Brust, dass in dieser großen Stadt jemand bemerkt, dass ich existiere nicht nur als Fahrgast, sondern als Mensch.

Dann war er plötzlich weg. Eine Woche fuhr ein anderer grimmig, schaute nicht einmal in den Spiegel. Mein kleiner, heimlicher Alltag brach in sich zusammen. Ich fühlte eine seltsam wehmütige Leere. Dachte: Es sollte wohl nicht sein. Verrückt, aus Blicken Träumereien zu bauen.

Doch das Schicksal ist findig und nahm einfach ein anderes Transportmittel.

Zwei Wochen später blieb ich lange im Büro. Es war schon spät, als ich durch die leeren Flure des Morgenrot Richtung Ausgang ging. Und da sah ich ihn. Er stand hoch oben auf einer Aluminiumleiter, hantierte an einem Kabel unter der Decke, im blauen Arbeitsanzug, das Werkzeug am Gürtel. Ein Elektriker. Er sah mich von oben an, ohne die Spur von Überraschtsein. Nur ein leises Lächeln um die Mundwinkel.

Linie gewechselt, sagte er schlicht und stieg herunter. Seine Stimme war tief und etwas rau, als hätte er lange geschwiegen. Jetzt arbeite ich hier.

Wie praktisch, platzte es aus mir, und ich wurde rot.

Für mich sehr, antwortete er ernst. Ich habe extra nachgesehen, wo Sie arbeiten.

Er streckte mir die Hand hin.

Otto.

Seine Hände waren von kleinen Schnitten und Isolierband gezeichnet…

So begann unser wirkliches Kennenlernen. Ohne Bahn und Spiegel, sondern, dass Otto mich nun nach Feierabend nach Hause brachte, wir Kaffee zusammen in der Kantine tranken. Unsere Gespräche drehten sich um das Leben: über seinen Sohn aus erster Ehe, der bei der Mutter in München lebte, über meinen Maximilian und seine Begeisterung für Robotik, darüber, warum die Lüftung im Morgenrot dauernd brummte.

Nach genau einem Monat, als wir uns zum ersten Mal an der Leiter richtig unterhalten hatten, geschah es.

Wir spazierten durch den alten Stadtpark, es war feuchtkalt. Plötzlich blieb Otto stehen, drehte sich zu mir um.

Hannelore, ich bin nicht gut in romantischen Worten, sagte er, sein Atem formte kleine Wölkchen in der kalten Luft. Und meine Umstände sind alles andere als rosig. Die Wohnung ist noch lange nicht abbezahlt, meine Arbeit nicht die feinste. Und du hast einen Sohn, ich auch Es wird nicht einfach.

Mein Herz sank. Ein typischer Auftakt für Wir können ja Freunde bleiben. Ich war innerlich schon auf Rückzug.

Aber ich habe, holte er tief Luft, drei Monate lang im Spiegel nach dir geschaut und immer gefürchtet, du steigst an einer anderen Haltestelle aus. Dann habe ich dich gesucht, habe herausgefunden, wo du arbeitest. Und dieser Monat Der hat mir bewiesen: Ich will dich nicht mehr im Menschengewühl suchen. Ich will wissen, dass du zu Hause bist. Lass uns heiraten. Nicht, wenn ich die Wohnung abgezahlt habe oder meine Karriere läuft. Jetzt. Solange wir leben und es wollen.

Das war nicht romantisch. Es war nicht sanft, sondern fast grob wie ein Handwerker eben spricht. Aber in dieser Offenheit lag eine solche Ehrlichkeit, dass mir der Atem stockte. Kein lass uns mal sehen, kein wir könnten ja erst einmal zusammenziehen. Einfach: Lass uns heiraten. Weil es keinen Grund mehr gab zu warten. Weil das Leben nicht irgendwann stattfindet, sondern schon hier und jetzt, im kalten Park.

Eigentlich hatte ich vor, erst noch abzuwarten, wie der neue Mann so ist. Doch dann merkte ich abwarten tue ich nur, wenn ich zweifle. Bei ihm zweifelte ich nicht, seit dem Moment, in dem er gesagt hatte, er hätte mich gesucht. Seine Entscheidung reifte nicht nur einen Monat, sondern all die Monate stiller Blicke in der Straßenbahn. Der Monat war nur die Formsache.

Ja, sagte ich. Lass es uns wagen.

Mein Sohn war anfangs mürrisch, aber als Otto und er miteinander über Kabel und Stromkreise redeten, zeichneten sie am Abend schon Pläne auf eine Serviette.

Drei Jahre später habe ich es keine Sekunde bereut. Vielleicht haben wir immer noch diesen instinktiven Blick für den eigenen Menschen den, den man gleich beim ersten Treffen erkennt. Wer ihn spürt, und es wagt, zu handeln, der gewinnt. Wenn er sich traut, und einen Antrag macht.

Die Wohnung ist nicht abbezahlt, die Karriere hat keine Höhenflüge gemacht. Wir streiten über Kleinigkeiten. Aber eine Regel haben wir von Anfang an: kein Herumschieben. Wenn es ein Problem gibt, lösen wir es sofort. Wenn einer gekränkt ist, reden wir noch am selben Tag. Und wenn einer liebt, dann zeigt er es. Nicht irgendwann mal.

Also, meine Lieben, hört auf, Ausreden für Zögerliche zu suchen. Die Liebe fürchtet keine Umstände. Sie macht sie selbst. Sie wechselt die Straßenbahn, sucht sich einen Job im richtigen Einkaufszentrum und sagt Heiraten wir im Nieselregen, damit sie keinen Tag mehr verliert.

Wenn ein Mann zaudert stellt euch ehrlich die Frage: Brauche ich wirklich jemanden, für den nur perfekte Umstände gut genug sind, um mit mir das Leben zu teilen?

Die Antwort lässt nicht lange auf sich warten.

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Homy
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Woran erkennt man die echte Liebe? Gestern habe ich in der U-Bahn mitgehört, wie eine junge Frau ihren Freund verteidigte, der nicht heiraten will. Am Telefon erklärte sie jemandem: „Er will erst Karriere machen, auf eine Wohnung sparen, er liebt mich, nur sind die Umstände gerade nicht ideal…“ Stopp. Es ist viel einfacher. Hört gut zu. Für die Liebe gibt es nur zwei Umstände: „Ja“ oder „Nein“. Alles andere sind Ausreden, um sich selbst zu beruhigen. Ein Mann, der in dir seine Frau sieht, bereitet nicht jahrelang den Boden vor. Er hat Angst, dich zu verlieren. Er sieht in jedem anderen Mann einen Konkurrenten – selbst im Taxifahrer. Und er wird dir einen Antrag machen. Vielleicht nicht perfekt. Vielleicht nicht in Paris. Aber entschlossen und ehrlich. Hier ist meine Geschichte. Nutzt sie als Schablone für eure eigene Situation. Ich heiße Marina. Ich bin 37 und habe bis zu dem Moment, als ich Sascha kennenlernte, zehn Jahre lang meinen pubertierenden Sohn Artem allein großgezogen. Mein Leben war genau taktvoll eingerichtet: Wecker um 6:30 Uhr, Arbeit als Buchhalterin im Einkaufszentrum „Morgenrot“, Buslinie 107, Abendessen mit meinem Sohn, Hausaufgabenkontrolle, Schlaf. Romantik? Die hatte die Nüchternheit verdrängt. Die Träume vom „Traumprinzen“ waren längst verflogen. Keine Zeit für so etwas, wenn man zwischen Job und Zuhause rotiert. Sascha tauchte in meinem Leben ganz unauffällig auf. Der Fahrer eben dieser 107. Ich kannte zunächst nicht einmal seinen Namen. Ich bemerkte nur seine großen, sicheren Hände am Lenkrad und seinen Blick im Rückspiegel. Wahrscheinlich hat er mich eher wahrgenommen als ich ihn. Jeden Abend setzte ich mich auf denselben Platz – den dritten am Fenster. Nach einer Weile ertappte ich mich dabei, dass ich in diesem Spiegel nicht mehr das gesichtslose Straßengeschehen suchte, sondern seine Augen. Sie waren freundlich und sehr aufmerksam. „Sie hatte heute einen schweren Tag“, schienen sie zu sagen, wenn ich missmutig ins Handy starrte. „Heute ist es etwas besser“, wenn ich aus dem Fenster sah. Es war eine seltsame, wortlose Sympathie, die sich über Monate zog. Kein Wort. Nur ein Nicken am Morgen, wenn ich einstieg, dieser Blick am Abend – und ein warmes Gefühl in der Brust, dass sich in dieser großen Stadt jemand für dich interessiert. Dich sieht, nicht als „Funktion“ namens „Fahrgast“, sondern als Mensch. Und dann war er verschwunden. Eine Woche fuhr ein anderer – wortkarg, kein Blick in den Spiegel. Mein kleines, geheimes Ritual zerbrach. Ich fühlte einen dummen, schmerzhaften Verlust. Dachte: Na gut, sollte wohl nicht sein. Luftschlösser aus Blicken zu bauen, ist eben naiv. Aber das Schicksal wechselte einfach das Transportmittel. Zwei Wochen später blieb ich länger bei der Arbeit. Spätabends lief ich durch das beinahe leere „Morgenrot“ Richtung Ausgang. Und sah ihn. Er stand auf einer hohen Aluleiter unter der Decke und bastelte an Kabeln. In blauer Handwerkerkluft, mit Werkzeug am Gürtel. Elektriker! Und von oben sah er mich an, ganz unbeeindruckt – nur ein leichtes Lächeln. „Hab die Linie gewechselt“, sagte er, während er abstieg. Die Stimme etwas rau, tief, als hätte er lange nicht gesprochen. „Jetzt bin ich hier.“ „Wie… praktisch“, stammelte ich und wurde rot. „Für mich sehr“, antwortete er ernst. „Ich habe extra herausgefunden, wo du arbeitest.“ Er streckte mir die Hand hin. „Alexander.“ Auf der Handfläche Kratzer und Spuren von Isolierband… So begann unser richtiges Kennenlernen. Ohne Busse, ohne Spiegel. Sascha brachte mich nach Feierabend nach Hause, wir tranken Kaffee in der Kantine. Redeten über Alltägliches: seinen Sohn aus erster Ehe, meinen Artem und dessen Begeisterung für Roboter, darüber, warum die Lüftung im „Morgenrot“ immer lärmt. Und dann, exakt einen Monat nach unserem ersten Gespräch an der Leiter, passierte es. Wir gingen durch den Park, nasskalt war es. Plötzlich blieb Sascha stehen und drehte mich zu sich. „Marina, ich bin keine große Redner“, sagte er. Sein Atem ein kleines Wölkchen in der Kälte. „Und meine Umstände sind nicht ideal. Wohnung mit Kredit, kein Bürojob, ein Sohn hier, einer dort… Es wird schwierig.“ Mein Herz sackte. Typischer Anfang für ein „Lass uns Freunde bleiben“. Ich bereitete mich innerlich schon aufs Rückzugsgefecht vor. „Aber“, er atmete tief, „drei Monate habe ich dich im Spiegel beobachtet und hatte Angst, du steigst an einer anderen Haltestelle aus. Dann habe ich herausgefunden, wo du arbeitest. Und der letzte Monat… der hat es mir bestätigt. Ich will dich nicht mehr aus der Menge suchen. Ich will wissen: Du bist zu Hause. Lass uns heiraten. Nicht, wenn der Kredit abbezahlt ist oder die Karriere passt. Jetzt. Solange wir leben und wollen.“ Das war nicht romantisch. Das war ein bisschen hart, ganz sachlich. Aber in dieser Gradlinigkeit lag so viel Ehrlichkeit, dass mir die Luft wegblieb. Kein „Lass uns mal sehen“, „wir probieren es“, „vielleicht irgendwann“. Einfach: „Lass uns heiraten“. Weil man nichts mehr verschieben sollte. Weil das Leben genau jetzt ist – hier, im kalten Park. Eigentlich hatte ich vor, den neuen Mann erst einmal in Ruhe zu prüfen. Dann merkte ich: Prüfen muss ich nur, wem ich nicht traue. Bei ihm hatte ich nie Zweifel. Seine Entscheidung reifte nicht Monate, sondern die ganze Zeit der stummen Begegnungen im Bus. Der eine Monat war nur noch Formsache. „Ja“, sagte ich. „Lass uns.“ Mein Sohn war zunächst mürrisch, aber dann vertieften er und Alexander sich in Gespräche über Schaltpläne, und am Ende des Abends buddelten sie schon gemeinsam auf einer Serviette herum. Seit drei Jahren habe ich nichts zu bereuen. Offenbar ist unser Urinstinkt, seinen Menschen auf Anhieb zu erkennen, nie verloren gegangen. Wer ihn findet, der hat gewonnen. Vorausgesetzt, er traut sich und handelt. Der Kredit ist noch nicht abbezahlt, die Karriere ist auch nicht explodiert. Gelegentlich streiten wir über Kleinigkeiten. Aber eine Regel gibt es bei uns seit dem ersten Tag: Nichts aufschieben. Wenn ein Problem da ist, lösen wir es. Wenn etwas wehtut, reden wir sofort. Wenn Liebe da ist, zeigen wir sie – jeden Tag. Nicht „irgendwann“. Deshalb, meine Lieben, hört auf, fremde Unentschlossenheit zu entschuldigen. Die Liebe fürchtet keine Umstände – sie schafft sie. Sie ändert Routen, sucht sich einen Job im passenden Einkaufszentrum und sagt „lass uns heiraten“ im kalten Park, weil sie Angst hat, noch einen Tag zu verlieren. Wenn ein Mann zögert, fragt euch nur ehrlich: „Brauche ich wirklich einen Menschen, für den erst alle Umstände perfekt sein müssen, bevor er mit mir zusammen sein will?“ Die Antwort findet sich meist schneller, als man denkt.
DIE ELTERN IN HAUSSCHUHEN DURFTEN NICHT ZUR ABSCHLUSSFEIER — DOCH ALS BEKANNT WURDE, WER SIE WIRKLICH WAREN, HERRSCHTE IM GANZEN FESTSAAL EHRFURCHTSVOLLES SCHWEIGEN