Bereits in der siebten Klasse warnte Aiste ihre Mitschülerinnen, dass dieser Junge ihr Mann werden würde – wie Aistes Großmutter als Hexe im Dorf lebte, Eglė im Rollstuhl saß, und Matas doch nur Augen für Eglė hatte…

Schon in der siebten Klasse warnte sie ihre Freundinnen, dass dieser Junge ihr zukünftiger Mann werden würde.
Isolde hatte bereits in der siebten Klasse ihren Klassenkameradinnen verkündet, dass Lukas ihr Freund sei und sie eines Tages heiraten würden. Niemand stellte das infrage.
Seitdem wagten die anderen Mädchen kaum, Lukas anzusehen, denn Isoldes Großmutter wurde im Dorf als Hexe betrachtet. Sie lebte am Rand der Gemeinde und ging dort ihren dunklen Geschäften nach, während Isolde in der Stadt langsam selbst die schwarze Kunst erlernte; ab und zu besuchte sie ihre Großmutter.
Und Lukas? Der beachtete Isolde überhaupt nicht. Seine Nachmittage verbrachte er ausschließlich draußen mit Ramona. Ramona saß seit ihrer Kindheit im Rollstuhl.
Ich weiß nicht, warum, aber gerade Ramona hatte es Lukas angetan. Vielleicht lag es an ihrer Bescheidenheit oder Güte, jedenfalls zog sie ihn auf eine unerklärliche Art in ihren Bann. Außerdem war Ramona sehr belesen und die Gespräche mit ihr waren für Lukas immer spannend. Lukas und Ramona verbrachten seit Jahren jede freie Minute miteinander.
An einem Frühlingstag verließ Lukas sein Elternhaus und lief in den Hinterhof, wo Ramona bereits wartete. Plötzlich stellte sich Isolde ihm in den Weg.
Hallo, Lukas.
Hallo, sagte Lukas und versuchte, an ihr vorbeizugehen.
Möchtest du vielleicht einen Spaziergang durch die Stadt machen? fragte Isolde.
Heute auf keinen Fall, entschuldige, entgegnete Lukas.
Verärgert presste Isolde die Lippen zusammen und beobachtete, wie Lukas zu Ramona ging, sich zu ihr setzte, lachte und fröhlich mit ihr plauderte. Eine Welle aus Neid und Wut kochte in Isolde auf. Sie weinte oft, wenn niemand sie sah.
Es verging ein Jahr. Lukas schob Ramona nun zum Fluss, manchmal in den Wald oder auf die Sommerwiese, wo die Gänseblümchen blühten. Die beiden verbrachten die ganze Freizeit zusammen.
Aus Isolde war eine Schönheit mit dunklem Haar geworden. Die Jungs blickten ihr hinterher; sie war schlank und auffällig schön. Aber für Lukas existierte nach wie vor nur Ramona. Zwischen beiden war jetzt echte Liebe gewachsen nicht mehr der kindliche Schwarm von früher.
Eines Tages, als Lukas wieder zu Ramona wollte, versperrte Isolde ihm erneut den Weg.
Na, Lukas, willst du wieder zu diesem Krüppel? Was findest du bloß an ihr? Warum willst du sie und nicht mich? Nur mit mir könntest du in dieser Welt glücklich werden. Du weißt doch, dass ich dich schon seit Schulzeiten liebe.
Ich weiß, antwortete Lukas ruhig, aber ich liebe Ramona.
Was macht sie besser als mich? Dieses verkrüppelte Huhn?
Keine Ahnung. Aber sie ist die Beste, daran habe ich keinen Zweifel.
Lukas, du weißt, es wäre ein Leichtes für mich, dich mit Magie zu verführen. Meine Großmutter ist die Mächtigste im ganzen Landkreis. Aber ich will das nicht. Ich will, dass du mich aus freien Stücken liebst. Sag mir, was muss ich tun, damit du mich liebst? Ich würde alles für dich tun.
Lukas blieb stehen und drehte sich zu Isolde um.
Bring Ramona zum Gehen, dann heirate ich dich, sagte Lukas bestimmt, fast spöttisch.
Von diesem Tag an verbrachte Isolde jede freie Minute bei Ramona. Sie kam morgens zu ihr und blieb bis spät am Abend. Lukas hatte kaum noch Zeit, Ramona zu sehen, doch Ramona beklagte sich nicht. Sie tat alles, was Isolde ihr riet: trank Kräutertee, rieb ihre Beine mit Salben ein und quälte sich mit allerlei Gymnastik.
Während Lukas Isoldes Mühen beobachtete, wurde ihm langsam klar, wie sehr sie ihn lieben musste, um all dies für ihn zu tun.
Vier Monate vergingen.
An einem lauen Sommerabend kam Lukas wie gewohnt in den Hof, wo Isolde Ramona betreute. Er bemerkte, dass die gesamte Nachbarschaft in den Fenstern stand und neugierig zusah…
Isolde führte Ramona, fest an der Hand haltend, immer weiter vom Rollstuhl weg. Heute waren beide die glücklichsten Mädchen der Welt. Müde, aber froh setzten sie sich nebeneinander auf die Holzbank. Lukas trat zu ihnen, völlig überwältigt von dem, was er gerade gesehen hatte.
Geschenkkörbchen in den Händen…
Lukas, darf ich dich kurz sprechen? fragte Isolde und trat von Ramona beiseite.
Lukas ging zu ihr.
Ist es so weit? fragte Lukas mit gesenktem Kopf.
Wie meinst du das? fragte Isolde.
Zeit zum Heiraten, flüsterte Lukas.
Nein, Lukas, lachte sie, ich wollte mich nur für mein ständiges Werben entschuldigen. Gegen die Liebe hat die Magie keine Macht.
Eigentlich vermag die Magie im Leben nichts zu verändern, wenn der Mensch es nicht selbst will.
Heute sind Ramona und Isolde beste Freundinnen. Ramona und Lukas haben eine Tochter bekommen. Isolde ist mit jemandem zusammen, den sie eigentlich nicht leiden kann und den sie niemandem vorstellt. Gerüchten zufolge ist er ein Pilot…
Manchmal frage ich mich, was wirklich zählt im Leben. Heute weiß ich mit Gewissheit: Kein Zauber ersetzt wahre Liebe oder echte Freundschaft.

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Homy
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