Nachdem meine Eltern uns die Unterstützung bei einem Wohnungskauf verweigert hatten, schlug meine Frau Amalia sogar vor, dass wir unseren Eltern den Kontakt zu unserem zukünftigen Kind untersagen könnten.
Als ich Amalia einen Heiratsantrag machte, wusste ich ehrlich gesagt nichts über ihre Eltern. Wir hatten uns nur einige Monate gedatet, doch sie war ständig in meinen Gedanken. Sogar ein Freund warnte mich, es sei nicht fair, eine so schöne Frau den anderen Männern wegzunehmen, deshalb fühlte ich mich gedrängt, schnell um ihre Hand anzuhalten ich hatte das Gefühl, sie beschützen zu müssen. Ich liebte Amalia aufrichtig und konnte mir mein Leben ohne sie nicht vorstellen, also zögerte ich keinen Moment bei meinem Antrag.
Amalia war nicht nur schön, sondern auch klug. Männer waren immer von ihr beeindruckt, doch sie fand stets etwas an ihnen auszusetzen. Als sie aber mir begegnete, war sie selbst überrascht, wie sehr ich ihr gefiel. Sie hatte nie erwartet, einen Mann wie mich zu treffen, und als ich sie fragte, war sie sofort bereit, Ja zu sagen.
Nach unserer Verlobung besuchten wir Amalias Eltern. Ursula und Siegfried waren zufrieden mit Amalias Entscheidung, nahmen die Verlobung aber nicht allzu ernst. Sie waren es gewohnt, dass Amalia bisher bei jedem Mann irgendeinen Fehler entdeckte. Sie hofften, ich könnte vielleicht ihr Herz gewinnen und sie glücklich machen.
Mir fiel auf, dass Amalias Eltern ein schönes Auto fuhren und offenbar gut verdienten auch wenn sie nie offen über Geld sprachen. Unsere Hochzeit war einfach und intim: nur Familie und ein paar enge Freunde waren eingeladen. Amalia und ich hatten erwartet, dass unsere Eltern uns vielleicht zur Hochzeit eine Wohnung schenken würden, doch ihre Geschenke waren eher bescheiden. Also beschlossen wir, selbst für unser Zuhause aufzukommen, ohne auf Hilfe der Eltern zu zählen.
Wir einigten uns darauf, erstmal Kinder und Wohnung auf später zu verschieben und unabhängig zu sein. Wir wollten niemandem etwas schuldig sein, obwohl uns klar war, dass unsere Eltern finanziell durchaus helfen könnten.
Wir zogen gemeinsam in eine Mietwohnung und versuchten zu sparen. Nach vier Jahren wurde Amalia schwanger. Voller Freude, aber auch mit Sorgen um unsere Lage, besuchten wir beide Elternpaare, teilten die Neuigkeit und fragten vorsichtig nach Unterstützung beim Wohnungskauf. Wir hofften insgeheim auf einen Glücksfall doch leider entwickelten sich die Gespräche nicht wie erwartet.
Wir gingen zuerst zu Amalias Eltern und berichteten von der Schwangerschaft, verbunden mit der Bitte um Hilfe beim Kauf einer Wohnung. Doch sie lehnten ab und behaupteten, gerade nicht genug Geld zu haben, obwohl Amalia sicher war, dass das nicht ganz stimmte. Verletzt gingen wir, ohne uns zu verabschieden. Am nächsten Tag besuchten wir meine Eltern, die sich riesig über das Enkelkind freuten. Als wir aber nach Unterstützung für eine Wohnung fragten, winkte meine Mutter ab sie verwies auf die Ablehnung von Amalias Eltern und schlug stattdessen vor, bei ihnen zu wohnen.
Frustriert verließen wir auch meine Eltern ohne Abschied. Amalia war sehr gekränkt und meinte sogar, sie würde vielleicht ihren Eltern den Kontakt zum Baby verweigern, so enttäuscht war sie von ihren Prioritäten.
Heute frage ich mich: Ist es gerecht, wegen verweigerter finanzieller Hilfe nachtragend zu sein? Mein persönliches Fazit: Unabhängigkeit ist wertvoll. Eltern sind nicht verpflichtet, unseren Lebensweg zu finanzieren. Die Enttäuschung war groß, aber Selbstständigkeit gibt uns die Freiheit, unser eigenes Glück zu gestalten.





