Ich koche nicht mehr für den Bruder meines Mannes, der gratis bei uns wohnte – Wie ich aufhörte, für unseren Dauer-Gast Familienessen zu machen und endlich die Küche zurückeroberte: Drei Monate, zwanzig Frikadellen am Tag und ein erwachsener Mitesser, der weder einkaufte noch half – und wie daraus eine Befreiung für unser Zuhause wurde

Ich habe aufgehört, für den Bruder meines Mannes zu kochen, der kostenlos bei uns wohnte.

Wo sind die Frikadellen? Gestern Abend habe ich doch eine halbe Badewanne voll gebraten, mindestens zwanzig Stück! Annemarie starrte ratlos in die leere emaillierte Schüssel, die verlassen auf dem mittleren Kühlschrankboden stand.

Ihr Blick wanderte zu dem Mann am Küchentisch. Johannes, der Bruder ihres Mannes, stocherte gelangweilt mit einem Zahnstocher im Mund und schob den leeren Teller weg, auf dem nur noch traurige Überbleibsel von Panade und ein fetter Mayonnaisefleck zu sehen waren. Abspülen war wohl kein Männerberuf, jedenfalls hatte Johannes das Geschirr noch nie freiwillig bis zur Spüle getragen. Er saß immerhin den ganzen Tag zu Hause.

Ja, ich hab gegessen antwortete Johannes gleichgültig, ohne das Handy aus der Hand zu legen. Waren lecker und saftig, aber du hast zu wenig Salz genommen. Nächstes Mal bitte mehr! Und Beilage gabs keine, musste halt Brot nehmen.

Annemarie spürte, wie in ihrem Inneren allmählich schwerer, zäher Ärger hochkochte. Sie war gerade erst von der Arbeit gekommen, die Beine summten nach zwölf Stunden auf Station, der Rücken schmerzte, und in ihrem Kopf war nur ein einziger Gedanke: schnell etwas essen, ins Bett fallen und die Welt vergessen. Gestern hatte sie zwei Stunden am Herd gestanden, um für die Familie Essen für ein paar Tage vorzubereiten. Sie war sicher gewesen, heute nicht kochen zu müssen.

Johannes, das war das Abendessen für alle. Für drei Tage! Wir sind zu dritt in der Wohnung. Hast du zwanzig Frikadellen an einem Tag gegessen?

Und? Johannes sah sie ehrlich erstaunt an, mit einem blick so unschuldig wie ein bayerischer Milchbrötchen. Ich brauch halt Kalorien, bin ein großer Kerl. Der Körper verlangt, kannst doch nix machen. Deine Portionen sind halt ökomäßig.

Ökomäßig? Annemarie knallte die Kühlschranktür zu, die Magneten klirrten vor Schreck. Zwei Kilo Hackfleisch sind ökomäßig? Hast du eine Ahnung, was das kostet? Und wie lange ich da am Herd stehe?

Jetzt gehts wieder los! Johannes verzog das Gesicht, als hätte ihm gerade jemand offenbart, dass die Bundesliga abgeschafft wird. Annemarie, sei doch nicht so pingelig. Ist halt nur Essen! Wenn Felix kommt, sag ihm, er soll Maultaschen kaufen, wenn du zu faul bist zum Kochen. Mir ist das egal, ich bin anspruchslos, auch Maultaschen sind okay, solange sie nicht aus Soja sind.

Annemarie verließ wortlos die Küche, denn wenn sie jetzt den Mund aufmachte, wäre ein handfester Krach sicher. Und sie mochte keine Streitereien. Im Schlafzimmer setzte sie sich auf die Bettkante und verbarg ihr Gesicht in den Händen.

Johannes lebte jetzt seit drei Monaten bei ihnen. “Vorübergehend”, wie Felix gesagt hatte, als er seinen Bruder vom Bahnhof abholte. Angeblich hatte Johannes im heimatlichen Allgäu Probleme entweder Job versemmelt oder mit der Frau verkracht und suchte im schönen Stuttgart nach neuen Perspektiven. Die fand er bisher hauptsächlich auf dem Sofa, beim TV und im Dauerdialog mit WhatsApp. Vorstellungsgespräche? Fehlanzeige. Für Dumpinglöhne bück ich mich nicht, hieß es und dabei streckte er sich wohlig aus.

Felix, Annemaries Ehemann, hatte ein schlechtes Gewissen, doch mehr als beschwichtigen konnte er nicht. “Er ist doch mein Bruder. Blut ist dicker als Schwäbischer Rostbraten. Ich kann ihn doch nicht rauswerfen! Halte noch ein bisschen durch, er findet schon was und zieht aus. Annemarie hielt durch. Sie war eine freundliche, praktische Frau. Eine Suppe wurde immer abgegeben aber das hier war nicht mehr Suppe und gute Nachbarschaft.

Ein Teller Suppe war zum Catering für einen gesunden Vierzigjährigen geworden. Johannes kaufte nie Lebensmittel. Nie. Kein Brot, keinen Tee. Er war überzeugt, dass bei Familienbesuch die Versorgung Aufgabe seines Bruders und die Arbeit seine Schwägerin war, denn das sei Frauensache.

Abends kam Felix nach Hause. Müde, das Gesicht grau vom langen Tag in der Maschinenhalle, jetzt in der Überstundenphase.

Hallo, mein Schatz! Er küsste Annemarie auf die Wange. Gibts was zu essen? Hungere wie ein Wolf.

Annemarie zeigte stumm auf den leeren Herd.

Nein, Felix. Es gibt nichts.

Wie, nichts? Gestern hast du doch Frikadellen gemacht

Dein Bruder hat alles aufgegessen. Und den Reis, den ich heute Morgen gekocht habe, auch. Und die Wurst fürs Frühstück ist auch weg. Im Kühlschrank habe ich nur noch Senf und halbe Margarine.

Felix seufzte schwer und rieb sich die Stirn.

Schon wieder? Ich hatte ihm gesagt, lass was übrig!

Gesagt? Felix, mit sag mal bitte erreichst du gar nichts! Wir arbeiten beide Vollzeit, zahlen Miete und Strom und jetzt ernähren wir auch noch einen erwachsenen Mann, der nichts tut! Ich habe mal durchgerechnet: Letzten Monat haben wir eineinhalbmal so viel Geld für Essen ausgegeben wie sonst. Das sind meine neuen Stiefel, Felix, die wir eigentlich sparen wollten.

Jetzt beruhig dich. Ich spreche mit ihm. Diesmal rede ich ernsthaft mit ihm. Ich geh jetzt zum Supermarkt, hol Wiener und Nudeln, okay?

Annemarie betrachtete ihren Mann. Sie tat ihm leid; er zerriss sich zwischen Familienpflicht und Bruderliebe. Aber Mitleid ist ein schlechter Ratgeber, wenn man zum Haushalt mutiert.

Nein sagte sie fest. Ich esse keine Wiener. Und kochen tu ich heute keinen Topf mehr. Ich hab genug. Ich bestell mir jetzt was Salat und Hähnchenbrust. Willst du auch?

Klar Felix nickte resigniert.

Als der Kurier kam, materialisierte sich Johannes augenblicklich im Flur, den Duft aufspürend wie ein Spürhund.

Oha, Schlemmen ist angesagt! rief er fröhlich. Jetzt weiß ich, warum es so ruhig war: Privatrestaurant heute? Gute Idee, man muss sich ab und zu was gönnen. Was ist drin, Pizza? Sushi?

Annemarie ging schweigend in die Küche, holte zwei Container und zwei Gabeln heraus.

Das ist für Felix und mich sagte sie gelassen, während sie die Plastikdeckel öffnete.

Johannes erstarrte in der Tür, die Grinsekatze verzog sich.

Für mich nicht?

Johannes, für dich ist heute nichts mehr dabei sagte Annemarie ohne aufzublicken. Die Frikadellen waren dein Abendessen. Zwanzig Stück. Das sollte bis morgen reichen.

Ernsthaft? Johannes blickte Felix an. Felix, du lässt das zu? Deine Frau schneidet deinem Bruder das Brot ab? Wir sind doch Familie!

Felix, der schon essen wollte, hielt inne. Die Situation war eindeutig unangenehm.

Johannes, ehrlich Du hast alles gegessen, was Annemarie gekocht hat. Wir kommen von der Arbeit, sind hungrig, und das hier ist Portion für zwei, ganz einfach.

Hättet ja für drei bestellen können, das wäre auch noch drin gewesen! schnaufte Johannes. Pfennigfuchser. Euch wird euer Geiz noch mal teuer zu stehen kommen. Ich mach mir jetzt Tee, es sei denn, der ist auch abgeschlossen.

Demonstrativ servierte er sich Tee, ließ die Tasse klappern und verschwand im Zimmer, Tür zu.

War das nicht zu hart? flüsterte Felix. Er ist verletzt.

Sollen doch! flüsterte Annemarie zurück. Ich habe beschlossen, Felix. Ich koche nicht mehr für drei, sondern nur noch für uns. Wenn überhaupt. Oder wir essen einfach auf der Arbeit und nehmen daheim Schnittchen. Ich bin hier nicht zum Küchenmädchen für deinen Bruder geworden.

Und wie machen wir das praktisch? Wir wohnen doch zusammen. Sollen wir die Töpfe verstecken?

Warum verstecken? Es kommt einfach nichts mehr rein für Johannes. Wenn er was will, soll er selbst einkaufen und kochen. Arme und Beine hat er, Kopf auch.

Am nächsten Morgen stand Annemarie extra früh auf. Sie machte Frühstück: genau zwei Käsebrote, zwei Tassen Kaffee. Als Johannes müde und kratzend in die Küche kroch, war außer Krümeln nichts zu sehen.

Und Frühstück? fragte er, als er den leeren Kühlschrank öffnete. Da waren doch Eier!

Gab es, nickte Annemarie und trank ihren Kaffee aus. Zwei Stück. Die habe ich Felix und mir gekocht.

Annemarie, jetzt mach mal halblang! Johannes klang gereizt. Gestern, okay, da warst du sauer aber heute? Soll ich jetzt Hunger leiden?

Johannes, Annemarie stand auf und zog ihre Jacke an. Der Rewe ist gleich um die Ecke. Öffnet um acht. Einen Zehner Eier kostet 2Euro. Butter, Brot, Wurst alles da. Herd funktioniert, Pfannen liegen unten im Schrank. Mahlzeit!

Ich hab kein Geld knurrte Johannes. Ich suche doch Arbeit.

Dein Problem, sagte Annemarie scharf. Du bist erwachsen. Du wohnst kostenlos hier, zahlst nichts für die Miete, nutzt Strom, Wasser, Internet und Waschmittel. Aber ich bin nicht verpflichtet, dich auch noch zu bekochen.

Annemarie ging zur Arbeit, während Johannes fassungslos zurückblieb. Er glaubte, dass das nicht lange ernst bleiben würde. Dachte, das sei nur launisches Weibergedöns, das abends vergessen wäre. Aber abends wartete die nächste Überraschung.

Annemarie kam nicht wie üblich mit vollen Einkaufstaschen, sondern mit einer kleinen Handtasche nach Hause. Sie ging in die Küche, wo Johannes schon wartete.

Hallo, Chefin! versuchte er, sich einzuschleimen. Ich bin total hungrig. Was gibts? Linsen? Risotto?

Nichts, sagte Annemarie. Ich habe nach der Arbeit mit einer Freundin im Café gegessen. Felix ist bei seiner Mutter, er wollte da den Wasserhahn reparieren und isst mit ihr.

Johannes’ Gesicht zog sich lang.

Und ich?

Tja, Johannes, hast du heute Arbeit gefunden? Oder wenigstens was gejobbt? Als Lagerhelfer, Kurier, Taxi gibt genügend offene Stellen. Es ist ein Tag vergangen, hätte gereicht für eine Packung Schupfnudeln.

Maria hilf, du scherzt!? Ich bin Akademiker! Ich bin Ingenieur! Ich schlepp keine Kartons!

Dann heißt es wohl: Der Ingenieur muss knurren und Annemarie ging ins Bad.

Eine halbe Stunde später rief Schwiegermama Gertrud an. Annemarie seufzte tief und nahm ab.

Annemarie, meine Liebe, Gertruds Stimme klang besorgt. Johannes hat angerufen Er meint, bei euch gibts nichts zu essen? Du lässt ihn hungern? Das geht doch nicht, Kind, er ist Gast!

Gertrud, – sagte Annemarie ruhig. Johannes ist KEIN Gast. Gäste bleiben drei Tage und bringen Kuchen mit. Johannes wohnt seit drei Monaten bei uns. Er arbeitet nicht, hilft nicht im Haushalt und ist unser Lebensmittelbudget. Felix und ich haben eine Baufinanzierung. Wir können keinen erwachsenen Mann durchfüttern.

Ach, was kostet denn ein Esser schon dazu! Ein Teller Suppe begann die Schwiegermutter zu wehklagen. Er hat es gerade schwer! Zeig Herz, du bist eine Frau, solltest milder sein!

Gertrud, ich arbeite zwölf Stunden am Tag. Ich kann schlecht noch die liebende Küchenfee für einen Faulenzer spielen. Wer Mitleid hat, kann ihm gerne Geld überweisen oder nimmt ihn zu sich.

Gertrud schwieg beleidigt, verabschiedete sich knapp und legte auf. Johannes aufnehmen? Lieber hätte sie eine Maultasche aus Beton gegessen. Das Mütterherz ist auf Distanz einfach leichter zu pflegen.

Nach einer Woche war die Stimmung in der Wohnung zum Zerreißen gespannt. Annemarie blieb eisern, kaufte nur für je zwei Portionen ein, kochte das Essen, füllte es gleich ab und klebte einen Zettel drauf: Annemaries Mittagessen, Felix Portion. Wenn was übrig war, wurde es in Containern verbannt, ordentlich zugeklebt.

Johannes tobte, machte auf Mitleid, versuchte sich mit Krach und Anklagen, aber Felix hatte mittlerweile Annemaries Seite voll ergriffen und sagte nur noch: Johannes, Annemarie hat recht. Such dir Arbeit. Irgendwas.

Eines Abends fand Annemarie die Küche im reinsten Chaos vor. Überall schmutziges Geschirr, Fettflecken auf dem Herd, Mehl am Boden, und mittig auf dem Tisch lag eine Pfanne mit einer Art verbrannter Keksmasse.

Was war denn hier los? fragte sie und umging eine Öllache.

Johannes kaute gerade Brot und kam aus seinem Zimmer.

Du spielst hier Streik, also hab ich selber gekocht, knurrte er. Hab Mehl und Eier gefunden. Wollte Pfannkuchen machen, alles angebrannt, Pfanne ist Mist, alles zerkratzt.

Annemarie inspizierte den Herd. Ihre Lieblingspfanne, beschichtet, war zu Tode zerstört vermutlich hatte Johannes mit der Gabel drauf losgekratzt, um das Angebrannte abzukriegen.

Du hast das Geschirr ruiniert sagte sie leise. Die letzten Eier verbraucht, die ich fürs Frühstück gekauft hatte. Und versaut hast du auch alles. Wer räumt das jetzt wieder?

Kannste selber machen! fauchte Johannes. Hast mich in den Hungerstreik getrieben! Jetzt meckerst du über Pfannen?!

In diesem Moment kam Felix zur Tür herein. Er hatte die letzten Worte gehört und sein Gesicht wurde dunkel.

Johannes sagte er sehr ruhig, aber mit einem Ton, der keinen Widerspruch duldete. So sprichst du nicht mit meiner Frau.

Die kocht ja nix! Jetzt muss ich auch noch sauber machen!

Pack deine Sachen sagte Felix.

WAS? Johannes war fassungslos. Du schmeißt mich raus, wegen einer Pfanne?

Nein. Wegen Frechheit. Und weil du uns auf der Tasche liegst. Ich habe es hingenommen, solange du nur rumgelegen bist. Aber meine Frau im eigenen Haus anschreien, das geht nicht. Sie schuftet den ganzen Tag, und du kriegst nicht mal das Geschirr in den Griff.

Wohin denn?! Es ist abends!

Es ist sieben Uhr, Busse fahren noch bis zehn. Geld fürs Ticket gebe ich dir. Pack ein.

Ich ruf Mama an! drohte Johannes und zog sein Handy.

Ruf an sagte Felix gelassen. Sie kann dich abholen. Oder herkommen und deine Küche putzen.

Johannes merkte, dass er keinen Stich mehr machte. Der jahrelang so bequeme Bruder war plötzlich Fels in der Brandung. Annemarie hatte offensichtlich mehr Einfluss, als Johannes je erwartet hatte. Oder Felix hatte einfach genug.

Das Packen wurde zur Show: Johannes fluchte, warf die Sachen in die Sporttasche, knallte Türen und schimpfte, er komme nie wieder, Felix sei ein Pantoffelheld und Annemarie eine Hexe, die die Familie spalte.

Die Pfanne kaufst du mir neu! brüllte er, als er schon halb im Flur stand und sich die Schuhe anzog. Warte nur, wenn dich das Gewissen packt!

Bei uns ist das Gewissen sauber sagte Annemarie und reichte ihm einen Beutel, den er im Bad vergessen hatte. Und schließ die Tür von draußen, Schlüssel auf die Kommode.

Als die Tür hinter dem Schwager zufiel, herrschte im ganzen Haus eine himmlische Stille. Es war, als würden die Wände selbst aufatmen. Der Geruch billiger Zigaretten verzog sich (Johannes hatte auf dem Balkon geraucht, der Geruch kroch immer in die Stube), die ständige Spannung war weg, und das Gefühl, jemand Fremdes sitze mit im Wohnzimmer, löste sich auf.

Annemarie sah Felix an. Er saß im Flur auf dem Pouf, den Kopf hängen gelassen.

Es tut mir leid, Annemarie sagte er leise. Ich hätte früher reagieren sollen. Ich hab’ einfach immer gehofft…

Alles gut sie umarmte ihn. Hauptsache vorbei. Du hast das Richtige gemacht.

Mama ist jetzt beleidigt. Lange Zeit.

Nicht schlimm, das überstehen wir. Sie schimpft ein wenig, verzeiht dann. Hauptsache, unser Heim ist wieder ein Zuhause und kein Durchgangslager.

Sie gingen zusammen in die Küche. Zu zweit räumten sie die Berge Geschirr, schrubbten den Herd, putzten den Boden. Die kaputte Pfanne landete im Müll das tat weh, aber sie war zum Symbol ihrer Befreiung geworden.

Hunger? fragte Annemarie, als alles glänzte.

Wahnsinnig! gestand Felix Aber fürs Kochen fehlt mir die Kraft.

Lass uns einfach Bratkartoffeln machen. Mit Zwiebeln, auf der alten Eisenpfanne, die von Oma stammt. Die geht nie kaputt.

Und dazu die Gewürzgurken!

Sie speisten um fast zehn Uhr abends. Das simple Gericht schmeckte wie ein Dreisterne-Menü. Sie lachten, erzählten Belangloses, planten das Wochenende. Zum ersten Mal seit drei Monaten waren sie allein. Und das war pures Glück.

Johannes zog tatsächlich zu seiner Mutter. Zwei Tage später rief Gertrud Felix an und teilte ihm trocken mit, Johannes sei tief deprimiert wegen des fortgesetzten Bruderverrats, liege in seinem alten Kinderzimmer und regeneriere seine Seele. Annemarie grinste nur: Die Regeneration bestand auch darin, dass Schwiegersohn jetzt der Rentnerin das Essen wegfraß. Aber das war Gertruds Entscheidung.

Ein Monat später hörten sie, dass Gertrud Johannes einen Donnerwetter gemacht hatte, als die Nebenkostenrechnung kam und sie feststellte, wie viel Lebensmittel ihr Sohn verdrückte. Es ist halt schwieriger, einen Müßiggänger vom Rentengeld zu lieben, als der Schwiegertochter per Telefon Lebensweisheiten zu predigen. Am Ende musste Johannes arbeiten gehen im Supermarkt als Sicherheitsmann. Keine Chefarztkarriere, aber immerhin reichte es für Maultaschen.

Annemarie investierte in eine neue Profi-Pfanne, mit schwerem Boden. Und jedes Mal, wenn sie darauf das Abendessen für Felix zubereitete, dachte sie mit freudigem Grinsen: Das bleibt jetzt bei uns ZWEIEN. Lektion gelernt: Verwandten zu helfen ist nobel aber das darf nie zum Selbstbedienungsladen werden. Die Küche wie das eigene Leben sollte man frei halten von unnötigem Ballast.

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Homy
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Ich koche nicht mehr für den Bruder meines Mannes, der gratis bei uns wohnte – Wie ich aufhörte, für unseren Dauer-Gast Familienessen zu machen und endlich die Küche zurückeroberte: Drei Monate, zwanzig Frikadellen am Tag und ein erwachsener Mitesser, der weder einkaufte noch half – und wie daraus eine Befreiung für unser Zuhause wurde
Als ich zufällig hörte, wie die Schwester meines Mannes plante, meine Wohnung zu übernehmen – ich bereitete ihr eine unerwartete Überraschung