Blumen der Kindheit — Serafimas lang ersehnter Traum vom eigenen Haus, das Dorfleben mit Georg, die Liebe zu Dahlien und Erinnerungen an Oma Maria

Blumen aus der Kindheit

Mein ganzes Leben lang habe ich, Gerlinde, von einem eigenen Zuhause geträumt. Doch die letzten zwölf Jahre haben mein Mann und ich in München verbracht eine große, laute Stadt. Mein Mann, Matthias, ist Berufssoldat mit ständig wechselnden Diensten, sodass er nie richtig planen kann. Ich habe auf Matthias gewartet und unsere zwei Söhne großgezogen. Die meiste Zeit gehörte den Kindern, denn mein Mann war wirklich immer beschäftigt.

Matthias, vielleicht könnten wir uns ein kleines Häuschen im Grünen leisten? schlug ich ihm oft vor.

Ach Gerlinde, du kennst doch meinen Zeitplan. Wozu ein Wochenendhaus, wenn ich eh kaum Zeit dafür habe? Und du mit den Kindern alleine außerhalb der Stadt, immer mit der Regionalbahn unterwegs? Da mache ich mir nur Sorgen. Lass uns doch bis zur Rente warten; dann kaufen wir einen Hof im Dorf. Du kannst dort machen, was du willst.

Du hast wie immer recht, Matthias, stimmte ich zu und legte meine Sehnsucht beiseite.

Endlich kam der Tag, auf den ich so lange gewartet hatte. Die Söhne sind erwachsen, haben studiert und eigene Familien. Sie wohnen weit weg und kommen nur in den Schulferien vorbei. Ich habe meinen Abschied von der Schule gefeiert, wo ich jahrzehntelang unterrichtete. In dem Alter sehnt man sich nach Ruhe und einem klaren Morgen, ohne an die Arbeit zu denken.

Unser Häuschen im Dorf

Matthias ist nun auch im Ruhestand. Und endlich haben wir unser eigenes Haus in einem Dorf. Das Haus, von dem wir gemeinsam träumten! Hier ist Platz zum Durchatmen, zum Werkeln, um Kinder und Enkel zu empfangen, den Duft der frischen Landluft zu spüren.

Na Gerlinde, jetzt gehts aufs Land, rief Matthias entschlossen, und ich salutierte spaßhaft. Jetzt heißt es, ans beschauliche Dorfleben zu gewöhnen.

Ich kanns kaum glauben, lachte ich und packte mit Freude die Sachen ein, während Matthias sie nach und nach zum Auto brachte.

Schon als Mädchen habe ich eine große Leidenschaft für Blumen gehabt ein Lebensbund! Deshalb war mein Plan klar:

Ich wünsche mir ein großes Beet vor dem Haus, überall Blumen! Von den ersten Sonnenstrahlen im Frühling bis in den späten Herbst will ich von Blütenpracht umgeben sein!

Das Haus liegt etwa fünfzig Kilometer von München entfernt, solide und gepflegt vom Vorbesitzer. Viel mussten wir nicht tun, nur ein paar Schönheitsreparaturen nach unserem Geschmack. Draußen gab es genug Zeit und Platz, und Matthias kannte sich als echtes Landkind bestens mit handwerklichen Dingen aus.

Ich selbst bin mit meiner Schwester als Stadtkind jeden Sommer zu Oma Christine ins Dorf gefahren. Dort habe ich meine Liebe zu Blumen entdeckt; Oma pflanzte immer viele und ihre Lieblingsblumen waren Dahlien.

Nun gehöre ich zum Dorf das Haus in fünfzig Kilometern Entfernung von der Stadt. Während mein Mann noch kleine Reparaturen erledigte, half ich ihm und machte Vorschläge. Parallel begann ich, voller Elan Beete und Rabatten anzulegen, denn der Sommer stand vor der Tür. Einige Blumensamen hatte ich aus der Stadt mitgebracht, Setzlinge kaufte ich von den Dorfomas am Laden.

Gibt es hier im Dorf eigentlich irgendwo Dahlien? Ich liebe diese Blumen, fragte ich die alte Frau, die vor dem Laden ihre Setzlinge verkaufte.

Aber natürlich, Liebes! Siehst du das Haus mit den grünen Fenstern? Dort wohnt Frau Sommerfeld, die hat jedes Jahr Dahlien ohne Ende. Bist du die Neue hier? Das Haus beim Herrn Meier gekauft? Ich heiße Frieda, nenn mich einfach Oma Frieda.

Danke, Oma Frieda, ich bin Gerlinde schön, dich kennenzulernen, lachte ich.

So ging ich in den Hof zu Frau Sommerfeld und sah eine ältere Frau beim Wäscheaufhängen.

Guten Tag! Oma Frieda hat mich zu Ihnen geschickt; Sie sollen Dahlien haben?

Na klar, komm nur rein, ich bin einfach die Sommerfeld, aber eigentlich heiße ich Helene. Und du bist?

Gerlinde, antwortete ich, und wunderte mich nicht, dass die Leute hier sofort per Du sind. Helene, verkaufen Sie mir ein paar Dahlienknollen? Ich liebe diese Blumen, sie erinnern mich an meine Oma.

Ach Gott, verkaufen muss ich nichts, aber ein bisschen Münzgeld fürs Glück schadet nicht. Hier im Dorf pflanzt fast niemand mehr Dahlien, aber ich halte daran fest, weil ich sie einfach liebe.

Nachdem ich meine Dahlien gepflanzt hatte, kam meine Nachbarin, Resi, und staunte:

Dahlien? Warum denn die? Die sind doch total aus der Mode! Zu Großmutters Zeiten waren die modern. Heute gibts so viele andere Blumen.

Jeder hat seinen eigenen Geschmack, Moden sind für mich unwichtig, antwortete ich. Warte ab bis meine Dahlien blühen, vielleicht ändert sich deine Meinung. Ich lächelte und streichelte die zarten Knospen. Meine Liebe zu Dahlien ist wie meine Liebe zu Oma Christine die schönsten Erinnerungen meiner Kindheit.

Kindheitserinnerungen

Meine Eltern lebten mit meiner älteren Schwester Viktoria und mir liebevoll nannten sie mich Gerli in der Stadt. Oma Christine, die Mutter meiner Mutter, lebte im Dorf in der Nähe. Unsere Sommerferien verbrachten meine Schwester und ich dort, das war das Beste am ganzen Jahr.

Ich erinnere mich so gut an Omas Häuschen aus Holz, den großen Vorgarten, und an die Bank, die sie jedes Jahr neu strich, wenn wir kamen.

Es gab ein Gartentor mit einer Hufe, die als Klingel diente, erzählte ich meinem Mann oft. Man klopfte damit an und wurde eingelassen. So einen Klingelersatz hatte Oma Christine.

Unsere Eltern waren immer kreativ, lachte Matthias.

Am liebsten aß ich frische Himbeeren aus Omas Garten; Viktoria, meine Schwester, mochte sie gar nicht.

Wie kannst du die essen, Gerli? Da sind immer grüne Käfer drauf!, meckerte sie.

Du willst mir bloß den Geschmack verderben, aber ich liebe sie trotzdem! Manchmal schmeckt eine bitter, das ist dann eine überreife oder noch grüne Himbeere, konterte ich standhaft.

Die Erdbeeren von Oma sind eine weitere Erinnerung. Wenn wir sammelten, war ihre Schale immer voll, meine nur mit ein paar Beeren.

Oma, wie findest du die bloß so schnell?

Die Erdbeeren spielen Verstecken mit dir, du musst die Blätter auseinanderstreifen, dann findest du sie auch!, flüsterte sie mir zu.

Unter dem Kirschbaum machte Opa Ludwig aus Baumstämmen kleine Sitzhocker für uns Enkelinnen. Ich versuchte immer, den größten zu bekommen, damit ich mit Viktoria auf gleicher Augenhöhe saß.

Am besten aber mochte ich die kleine Landküche: ein Fenster, ein Tisch mit einer gestreiften Decke, darauf oft ein Blechkuchen oder Zwieback, manchmal frische Brezeln oder Apfeltaschen, die Oma bäckte.

Wenn draußen der Regen gegen die Scheiben peitschte, krochen Viktoria und ich auf die alte Kachelbank. Donner und Blitze waren für meine Schwester die Stunde des Ungeheuers sie behauptete, es sei der Drache, dann versteckten wir uns unter der Patchworkdecke.

Doch gab es einen Ort im Haus, der mir als Kind Angst machte die Speisekammer ohne Fenster. Da stand eine alte Truhe, die nach Kampfer roch, und an einem Nagel hing etwas unter einem dunklen Tuch.

Oma, was ist das?, fragte ich schüchtern.

Das ist Opas Mantel, in dem er aus dem Krieg heimkehrte, antwortete meine Oma.

Doch Viktoria gab mir immer zu verstehen, das sei ein böser Geist, der kleine Kinder in die Dunkelheit mitnehmen würde. Sie zeigte auf Schatten, behauptete, sie sähe eine Hand, ein Bein. Ich quiekte vor Angst und lief schnell vorbei, die Augen fest geschlossen. Oma schimpfte dann mit Viktoria.

Da ist kein böser Geist, das denkt sich Viktoria nur aus. Du brauchst keine Angst haben, tröstete sie mich.

Am liebsten war mir Omas helles Schlafzimmer, Fensterbänke voller Blumen! Und draußen die prachtvollen Beete mit Sonnenaugen, Gladiolen sogar Rosen, aber meine Favoriten blieben die Dahlien. Sie blühten bis spät in den Herbst, in allen Farben: Bordeaux, Lila, Gelb mit Braun. Ich stand oft im Vorgarten auf Zehenspitzen, um die Blüten zu schnuppern. Dieses Bild ist mir bis heute lebendig!

Blumenträume werden wahr

Matthias hörte mir immer zu, wie ich von unseren künftigen Blumenbeeten schwärmte. Er wusste genau: eines Tages würde ich meinen Traum wahr machen!

Schon am ersten Frühjahr setzte ich die ersten jungen Pflanzen in die Erde. Der Garten ist groß, hier kann ich meine ganze Liebe zu Blumen ausleben. Matthias schaut mir lachend zu mein Glück macht ihn glücklich.

Der Sommer kam, und die Blumen nach und nach erwachten zum Leben. Und dann endlich meine Dahlien! Jeden Morgen laufe ich hinaus und begrüße die Blüten.

Guten Morgen, meine Lieblingsblumen! Wie wunderbar ihr seid, ich bin so stolz auf euch!

Vor den Dahlien stehe ich am längsten und streichle sachte die Blätter.

Kein Wunder, dass Oma Christine euch so liebte. Ihr seid die schönsten und stolzesten.

Mittlerweile kommen schon im zweiten Jahr meine Nachbarinnen durchs Gartentor und bewundern unsere Blütenpracht.

Gerlinde, du bist eine Blumenmeisterin! Die Dahlien sind ein Traum, findet selbst Resi, meine einst kritische Nachbarin. Du hattest echt recht Dahlien sind kein bisschen altmodisch! Wie konnte ich mich irren?

Dahlien sind mein ganzer Stolz! Für mich sind sie pure Schönheit, sage ich oft mit glänzenden Augen und schaue in den Himmel. In diesen Momenten wünsche ich mir, dass Oma Christine von dort oben meine Blumen sieht und sich mit mir freut.

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Homy
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Blumen der Kindheit — Serafimas lang ersehnter Traum vom eigenen Haus, das Dorfleben mit Georg, die Liebe zu Dahlien und Erinnerungen an Oma Maria
Das Leben fängt gerade erst an Am Vorabend verabredeten sich Julia und ihre Freundin Kathi zu einem morgendlichen Lauf – auch wenn beide Semesterferien an der Uni hatten und das Aufstehen schwerfiel, wollten sie endlich mal wieder etwas für die Fitness tun. „Kathi, pass auf, verschlaf morgen nicht wieder! Ich weiß doch, wie sehr du es liebst, dich bis mittags im Bett zu räkeln“, mahnte Julia am Abend, und Kathi versprach hoch und heilig: „Mach dir keine Sorgen, Julia, wenn’s sein muss, bin ich total verantwortungsbewusst – das weißt du doch!“ Selbst sie musste über diese Worte lachen, Verantwortung gehörte sonst eher nicht zu ihren Stärken. Trotzdem schaffte Julia es am nächsten Morgen aufzustehen, sogar noch bevor ihre Mutter zur Arbeit aufbrach. Die trank noch ihren Kaffee in der Küche – und schimpfte leise vor sich hin. „Mama, zu wem sprichst du da eigentlich?“, wunderte sich Julia. „Zu mir selbst – schau dir das an, neue Bluse, und schon ein Kaffeefleck drauf!“ „Und wer sagt immer, ich würde meine Klamotten nicht schonen? Hättest auch Kaffee in deinem Schlabbershirt trinken können…“ „Ich hab’s eilig, jetzt muss ich wohl nochmal umziehen. Egal, reib mir morgens nicht gleich Salz in die Wunde. Sag mal, warum stehst du eigentlich so früh auf?“, fragte die Mutter und wechselte die Bluse. „Kathi und ich wollten im Park joggen gehen“, erklärte Julia pflichtbewusst. „Ach Gott, da muss ich ja lachen… gerade mit deiner Kathi, die schläft bestimmt immer noch. Sag mal, warst du eigentlich neulich mal wieder bei der Oma?“ „Hab sie gestern angerufen, wir telefonieren ja täglich…“ „Schön und gut, aber heute schaust du bitte bei ihr vorbei. Bring ihr diese Tabletten gegen den Bluthochdruck vorbei – sie hat sich neulich beschwert. Und hol ihr doch Croissants und Erdbeermarmelade! Sie wird immerhin schon vierundsechzig. Du hast doch jetzt Zeit – ich muss los!“, rief die Mutter und verschwand aus der Wohnung. „Na prima, dann fahr ich halt wie Rotkäppchen zur Oma – nur dass Mama keine Brötchen gebacken hat“, dachte Julia schmunzelnd – ach, und was ist jetzt mit dem Joggen? Sie wählte Kathis Nummer, die meldete sich verschlafen: „Ja… oh, Julia, ich hab verschlafen! Bist du schon im Park? Sorry, gleich…“ „Kein Stress! Ich hab eine Mission: Oma besuchen. Joggen fällt heute aus. Ich frühstücke, hole noch ein paar Sachen und mach mich dann auf den Weg – sie wohnt ja am anderen Ende der Stadt.“ „Top, dann schlaf ich noch ne Runde!“, freute sich Kathi und legte auf. „Mama hatte recht“, musste Julia lachen, „diese Kathi ist wirklich eine Schlafmütze. Aber ehrlich, ich wär wohl auch lieber liegen geblieben…“ Eine Stunde später verließ Julia mit Rucksack, Geldbeutel, Medikamentenliste und Regenschirm (es sah nach Regen aus) das Haus. Bis zur Oma am anderen Ende Berlins dauerte es weitere sechzig Minuten. Es war fast Mittag, als sie bei Maria Schulze klingelte. Oma öffnete prompt – und Julia war so baff, dass sie erst mal zurückwich, unsicher, ob sie an der richtigen Wohnung war. „Wow! Was für eine Verwandlung! Das bist doch du, Oma?“, staunte sie. „Natürlich, mein Kind! Julia, ehrlich: Sieht man’s? Ich seh heute jünger aus, oder?“, drehte sich die Großmutter tragend im Kreis. „Omaaaa! Diese Frisur – mega stylisch! Und wo ist dein kastanienbraunes Haar hin? Jetzt hast du so ein edles Silbergrau. Und die Nägel! Du bist definitiv zu cool, um Oma genannt zu werden!“, lachte Julia. „Gefällt’s dir wirklich?“ „Klar! Mama meint zwar, dein Blutdruck spinnt, also hab ich Tabletten gebracht. Und Croissants und Erdbeermarmelade!“ „Croissants und Marmelade sind nett, aber ich verzichte gerade auf Süßes – nimm sie ruhig selbst!“ „Oma, ich glaub, ich fall um! Was ist denn mit dir passiert? Bist du etwa verliebt?“ Julia sah ihre Oma forschend an. Sonst wollte Oma nie, dass sie so schnell wieder fährt – jetzt schien sie sie geradezu loswerden zu wollen. „Willst du einen Tee?“ „Weißt du, Julia, die Zeit ist knapp heute – nimm ruhig die Croissants und die Marmelade mit, hier noch Quarkpfannkuchen, damit du nicht verhungerst unterwegs“, lachte Maria. „Okay, Oma, ich fahr dann. Aber irgendwas ist hier faul… Hat Oma etwa ein Date?“ Julia überlegte angestrengt. Immerhin hatte sie es noch nie erlebt, dass Oma sie „rauswarf“. Sie beschloss, die Sache im Auge zu behalten – vielleicht hatte jemand das Herz ihrer Oma erobert? Oder sie ging mit Freundinnen ins Kino? Schließlich war sie sehr unternehmungslustig. Als sie aus dem Haus trat, stellte sie sich hinter die Garagen. Keine halbe Stunde später verließ Maria tatsächlich das Haus – im schicken neuen Kostüm und ging zielstrebig in Richtung Volkspark. Julia folgte ihr vorsichtig mit Abstand und versteckte sich hinter einem Fliederbusch, als sie sah, wie Oma im Park einem eleganten, grauhaarigen Herrn mit Blumenstrauß begegnete. Die beiden lachten, er küsste sie auf die Wange – Julia war baff. „Na sowas! Da lieg ich ja richtig – ein neuer Freund! Und ich dachte immer, im Alter gibt’s keine Liebe mehr… Aber seht euch die beiden an!“ Plötzlich überlegte Julia, ob sie das vielleicht heimlich weiter beobachten sollte. Doch als sie sich umdrehte, stieß sie mit einem etwa gleichaltrigen jungen Mann zusammen, der gerade die beiden im Handy-Video festhielt. „Hey! Wer bist du und wieso filmst du meine Oma? Wer hat dir das erlaubt?“ Der Junge war überrascht, konterte dann aber: „Wer ich bin? Journalist. Ich will eine Reportage über die Liebe im Alter drehen!“ Julia schnaubte: „Liebe im Alter? Als ob! Es gibt so viele Betrüger, die arme Omis um ihr Zuhause bringen.“ „Meinst du das ernst?“, fragte er verwundert. „Hundertpro! Wieso suchst du dir ausgerechnet meine Oma aus? Es gibt genug andere hier. Ich erlaube das nicht!“ Der Junge sah nun fast gekränkt aus. „Wenn du’s wissen willst: Der Herr ist mein Opa, Egon Schulze. Ich wohne gerade bei ihm, weil meine Eltern die Wohnung renovieren. Seit Wochen ist er wie ausgewechselt, hat sich neue Jeans gekauft und mich gebeten, ihm ein Parfüm auszusuchen. Da hab ich’s mir gedacht: Irgendwas ist da im Busch!“ Julia lachte auf. „Ach, das ist dein Opa? Ich heiße Julia! Und du?“ „Artem“, lächelte er. „Wir könnten unsere Großeltern ja einfach lassen. Ich hab nichts dagegen.“ „Stimmt, ich im Prinzip auch. Sollen sie doch…“ Artem grinste. „Und wenn wir beide schon hier sind – wie wär’s mit Kino? Ein neuer Thriller läuft gerade.“ „Klar, warum nicht!“ Drei Monate später rief Maria ihre Tochter an: „Herzlichen Glückwunsch, Egon hat mir einen Antrag gemacht und ich hab Ja gesagt! Die Hochzeit ist angesetzt, ihr seid herzlich eingeladen.“ „Oma“, lachte Julia, „muss das denn sein – in dem Alter heiraten?“ „Julia, Liebe kennt kein Alter! Und wenn die Liebe kommt – dann ab ins Standesamt!“, lachte Maria. „Das Leben kann auch mit über sechzig gerade erst beginnen!“ Wenig später feierten alle gemeinsam die Hochzeit von Maria und Egon in einem gemütlichen Café – und keiner war glücklicher als ihre Enkel Julia und Artem.