Ich weiß es besser – Was ist denn das schon wieder? – Dmitrij ließ sich erschöpft vor seiner Tochter auf die Knie fallen und betrachtete die rosa Flecken auf ihren Wangen. – Schon wieder Ausschlag… Die vierjährige Sonja stand mitten im Wohnzimmer, geduldig und auf seltsame Weise ernst. Sie war die elterlichen Untersuchungen, besorgten Gesichter, die endlosen Salben und Tabletten längst gewohnt. Maria kam dazu, hockte sich neben ihren Mann und strich vorsichtig eine Haarsträhne aus Sonjas Gesicht. – Die Medikamente wirken einfach nicht. Gar nicht. Es ist, als würde ich ihr Wasser geben. Und die Ärzte in der Praxis… das sind keine richtigen Ärzte, sondern irgendwer. Zum dritten Mal ändern sie den Plan, und nichts hilft. Dmitrij erhob sich, rieb sich die Nasenwurzel. Draußen war es grau, und der Tag versprach so fad zu werden wie die vorherigen. Sie packten schnell: Sonja wurde in eine warme Jacke gewickelt, und nach einer halben Stunde saßen sie schon bei seiner Mutter. Olga seufzte, schüttelte den Kopf und streichelte ihre Enkelin über den Rücken. – So klein und schon so viele Medikamente. Was für eine Belastung für den Körper – sie setzte Sonja auf ihren Schoß, und das Mädchen kuschelte sich wie gewohnt an die Oma. – Es ist kaum mitanzusehen. – Wir würden ihr doch gern nichts geben, – Maria saß am Rand des Sofas und rang die Hände. – Aber die Allergie verschwindet einfach nicht. Wir haben schon alles entfernt. Wirklich alles. Sie isst nur noch Basisprodukte – und trotzdem Ausschlag. – Und was sagen die Ärzte? – Sie können nichts Konkretes sagen. Sie können es nicht eingrenzen. Wir machen Tests, geben Proben ab, und das Ergebnis… – Maria winkte ab. – So sieht das Ergebnis aus. Auf den Wangen. Olga seufzte und zupfte Sonjas Kragen zurecht. – Hoffentlich wächst sie da raus. Bei Kindern vergeht das manchmal mit der Zeit. Aber im Moment ist das natürlich wenig tröstlich. Dmitrij blickte schweigend auf seine Tochter. Klein, dünn. Große, aufmerksame Augen. Er strich ihr über den Kopf und erinnerte sich an seine eigene Kindheit – wie er samstags frisch gebackene Brötchen von der Küche stahl, um Süßigkeiten bettelte und Mamas Marmelade direkt aus dem Glas löffelte. Und seine Tochter… Gedünstetes Gemüse. Gekochtes Fleisch. Wasser. Keine Früchte, keine Süßigkeiten, kein normales Kinderessen. Vier Jahre – und die Diät strenger als bei manchem Magengeschwürpatienten. – Wir wissen schon gar nicht mehr, was wir noch weglassen sollen, – murmelte er. – Im Speiseplan bleibt schon fast nichts mehr übrig. Auf der Heimfahrt schwiegen sie. Sonja schlief auf dem Rücksitz ein, und Dmitrij schaute immer wieder im Spiegel nach ihr. Sie schlief ruhig. Wenigstens kratzte sie sich gerade nicht. – Mama hat angerufen, – sagte Maria. – Sie will Sonja nächstes Wochenende holen. Sie hat Karten fürs Puppentheater, möchte ihrer Enkelin eine Freude machen. – Theater? – Dmitrij schaltete den Gang. – Das ist gut. Das tut ihr sicher gut, ein bisschen Ablenkung. – Das habe ich auch gedacht, Ablenkung kann ihr nicht schaden. Am Samstag parkte Dmitrij vor dem Haus der Schwiegermutter, holte Sonja aus dem Kindersitz. Die Kleine blinzelte verschlafen, rieb sich die Augen mit den Fäustchen – sie war früh geweckt worden, hatte noch nicht genug Schlaf. Er nahm sie auf den Arm, und sie schmiegte sich sofort mit der Nase an seinen Hals, warm und leicht wie ein Spatz. Tatjana Michailowna kam im bunten Kittel auf die Veranda und schlug die Hände zusammen, als hätte sie nicht ihre Enkelin, sondern ein Schiffbruchsopfer entdeckt. – Ach, mein Schatz, mein Sonnenschein, – sie schloss Sonja in ihre riesigen Arme. – Ganz blass, ganz dünn. Die Diäten haben euch das Kind ruiniert, ganz kaputtgemacht. Dmitrij steckte die Hände in die Taschen, hielt seinen Ärger zurück. Jedes Mal das gleiche. – Das machen wir zu ihrem Besten. Nicht aus Spaß, das weißt du doch. – Was für ein „Bestes“, – die Schwiegermutter schürzte die Lippen, sah Sonja an, als käme sie gerade aus einem Lager zurück. – Nur Haut und Knochen. Ein Kind muss wachsen, und ihr lasst sie verhungern. Sie trug Sonja ins Haus, ohne sich umzusehen, und die Tür schloss sich mit einem leisen Klicken. Dmitrij blieb auf der Veranda stehen. Irgendetwas kratzte in seinem Bewusstsein, eine Ahnung versuchte sich zu formen, löste sich aber wieder auf wie morgenlicher Nebel. Er rieb sich die Stirn, stand eine Minute am Gartentor, lauschte der Stille des fremden Gartens, dann zuckte er mit den Schultern und ging zum Auto. Ein Wochenende ohne Kind – ein seltsames, fast vergessenes Gefühl. Am Samstag fuhren sie zum Supermarkt, schoben den Einkaufswagen durch die Gänge, kauften für die ganze Woche ein. Daheim reparierte er drei Stunden den tropfenden Wasserhahn im Bad. Maria räumte die Schränke aus, sortierte alte Sachen in Müllsäcke. Alltagssorgen, aber ohne Kinderstimmen wirkte die Wohnung irgendwie falsch, zu leer. Abends bestellten sie Pizza – die mit Mozzarella und Basilikum, die Sonja nicht essen durfte. Sie öffneten eine Flasche Rotwein. Saßen in der Küche und redeten über Gott und die Welt – über Arbeit, Urlaubspläne, den nie fertigen Renovierungsstress. – Es tut einfach mal gut, – meinte Maria, stockte, biss sich auf die Lippe. – Also… du weißt schon, einfach Ruhe. Frieden. – Ich weiß, – Dmitrij legte seine Hand auf ihre. – Ich vermisse sie auch. Aber ein bisschen Erholung schadet uns nicht. Am Sonntag holte er Sonja am späten Nachmittag ab. Die Sonne ging unter und tauchte die Straßen in tiefes Orange. Das Haus der Schwiegermutter lag versteckt hinter alten Apfelbäumen und wirkte im Abendlicht beinahe gemütlich. Dmitrij stieg aus, drückte das Gartentor auf – das quietschte – und blieb mitten im Schritt stehen. Auf der Veranda saß seine Tochter. Neben ihr auf der Stufe: Tatjana Michailowna, überglücklich. In der Hand hielt sie ein Brötchen. Groß, goldbraun, glänzend von Öl. Und Sonja aß. Das Gesicht verschmiert, Krümel am Kinn, die Augen leuchtend glücklich, wie Dmitrij sie seit Ewigkeiten nicht gesehen hatte. Ein paar Sekunden stand er einfach nur da. Dann kam eine heiße, wütende Welle aus seiner Brust. Er stürmte vor, war mit drei Schritten bei ihnen und riss das Brötchen aus der Hand der Schwiegermutter. – Was soll das?! Tatjana Michailowna zuckte zusammen, wich zurück. Ihr Gesicht lief rot an, von Hals bis zum Haaransatz. Sie wirbelte mit den Händen herum, als wolle sie die Wut wegwedeln. – Es war doch nur ein ganz kleines Stück! Nicht so schlimm, ein Brötchen… Dmitrij hörte nicht hin. Er nahm Sonja auf den Arm – die Kleine wurde still, klammerte sich an seine Jacke – und trug sie zum Auto. Setzte sie ins Kindersitz, schnallte sie fest. Seine Finger gehorchten kaum, zitterten vor Zorn. Sonja blickte mit runden Augen, die Lippen zitterten – gleich würde sie weinen. – Alles gut, Liebling, – er strich ihr übers Haar, bemüht, ruhig zu klingen. – Sitz noch kurz hier, Papa kommt gleich. Er schloss die Tür und lief zum Haus zurück. Tatjana Michailowna stand noch immer auf der Veranda, zupfte nervös am Kittel, das Gesicht voller Flecken. – Dima, du verstehst das nicht… – Ich verstehe das nicht?! – Er stand vor ihr und brach los. – Sechs Monate! Sechs Monate haben wir nicht verstanden, was mit unserer Tochter los ist! Untersuchungen, Allergietests, Proben – hast du eine Ahnung, was das alles kostet? Wie viele Nerven, wie viele schlaflosen Nächte?! Tatjana Michailowna wich zurück. – Ich wollte doch nur das Beste… – Das Beste?! – Dmitrij trat einen Schritt vor. – Wir haben sie nur mit Wasser und gekochtem Hühnchen ernährt! Alles gestrichen! Und du fütterst sie heimlich mit gebratenen Brötchen?! – Ich wollte ihren Immunität stärken! – Die Schwiegermutter fasste Mut, hob das Kinn. – Ich habe ihr immer ein kleines Stück gegeben, damit sich ihr Körper gewöhnt. Noch ein bisschen, und alles wäre vorbei, dank mir! Ich weiß, was ich tue, ich habe drei Kinder großgezogen! Dmitrij kannte sie nicht mehr. Diese Frau, die er all die Jahre um des Friedens willen toleriert hatte – sie vergiftete sein Kind. Bewusst. Weil sie sich klüger als die Ärzte fühlte. – Drei Kinder, – wiederholte er leise, und Tatjana Michailowna wurde blass. – Und? Jedes Kind ist anders. Sonja ist nicht dein Kind, sie ist mein Kind. Du wirst sie nicht mehr sehen. – Was?! – Sie klammerte sich ans Geländer. – Du hast mir nichts zu verbieten! – Doch, habe ich. Er drehte sich um und ging zum Auto. Hinter ihm hörte er Schreie, aber Dmitrij sah nicht zurück. Er setzte sich, startete den Motor. Im Rückspiegel sah er die Schwiegermutter wild gestikulierend am Gartentor. Er fuhr los. Daheim wartete Maria im Flur. Sie sah das Gesicht ihres Mannes, die verweinte Tochter – und wusste sofort Bescheid. – Was ist passiert? Dmitrij erzählte kurz und trocken, ohne Emotionen – die hatte er am Haus schon rausgelassen. Maria hörte stumm zu, ihr Gesicht wurde von Minute zu Minute härter. Schließlich zog sie ihr Handy aus der Tasche. – Mama. Ja, er hat’s mir erzählt. Wie konntest du nur?! Dmitrij brachte Sonja ins Bad – um Brötchenreste und Tränen abzuwaschen. Hinter der Tür hörte man Marias Stimme, scharf und ungewohnt entschieden. Sie schimpfte ihre Mutter aus wie nie zuvor. Am Ende war ein klares zu hören: „Bis das mit der Allergie geklärt ist – wirst du Sonja nicht sehen.“ Zwei Monate vergingen… Sonntagsmittagessen bei Olga war schon Tradition. Heute stand ein Kuchen auf dem Tisch: Biskuit, mit Sahne und Erdbeeren. Und Sonja aß davon. Mit großer Löffel, bis über beide Ohren verschmiert. Keine Flecken auf den Wangen. – Wer hätte das gedacht, – Olga schüttelte den Kopf. – Sonnenblumenöl. So eine seltene Allergie. – Der Arzt meint, einer von tausend hat das, – Maria strich sich Butter aufs Brot. – Als wir komplett auf Olivenöl umgestellt und Sonnenblumenöl gestrichen haben – war nach zwei Wochen alles weg. Dmitrij konnte sich an seiner Tochter nicht satt sehen. Rosa Wangen, leuchtende Augen, Sahne auf der Nase. Ein glückliches Kind, das endlich wieder „normales“ Essen bekommt. Kuchen, Kekse, alles, solange ohne Sonnenblumenöl. Was erstaunlich viel Auswahl lässt. Mit der Schwiegermutter blieb das Verhältnis eisig. Tatjana Michailowna rief an, entschuldigte sich, weinte am Telefon. Maria sprach kurz und knapp. Dmitrij sprach gar nicht. Sonja griff wieder zur Kuchenlöffel, und Olga schob ihr die Platte näher. – Iss, mein Schatz. Iss und genieße. Dmitrij lehnte sich zurück. Draußen regnete es, doch drinnen war es warm und duftete nach Gebäck. Seiner Tochter ging es besser. Das war alles, was zählte.

Ich weiß es besser

Was soll das denn bloß sein Dieter ließ sich erschöpft vor seiner Tochter nieder und betrachtete die zarten rosa Flecken auf ihren Wangen. Schon wieder…

Die vierjährige Anneliese stand mitten im Wohnzimmer, geduldig und seltsam ernst für ihr Alter. Sie war es schon gewohnt, dass ihre Eltern sie immer wieder untersuchten, mit besorgten Mienen, die endlosen Salben und Tabletten.

Maria kam dazu, hockte sich neben ihren Mann. Mit sanften Fingern schob sie eine blonde Strähne aus dem Gesicht ihrer Tochter.

Diese Medikamente wirken überhaupt nicht. Als ob wir ihr nur Wasser gäben. Und die Ärzte im Gesundheitsamt Wer sind das überhaupt? Das dritte Behandlungsschema und nichts passiert!

Dieter stand langsam auf und rieb sich die Nasenwurzel. Draußen war es grau, der Tag versprach genauso farblos zu werden wie die davor. Sie packten schnell Anneliese in eine dicke Jacke, und nach einer halben Stunde saßen sie schon in der Wohnung von Dieters Mutter.

Helga seufzte, schüttelte den Kopf und streichelte das schmale Kreuz der Enkelin.

So klein und schon so viele Medikamente. Was für eine Belastung für den Körper sagte sie und setzte Anneliese auf ihren Schoß. Das Mädchen kuschelte sich sogleich an die Großmutter, als wäre es ihr sicherster Zufluchtsort. Es tut mir weh, das mit anzusehen.

Wir würden sie ja gerne davon wegbringen Maria saß an der Sofakante und ballte die Hände. Aber die Allergie bleibt hartnäckig. Wir haben alles entfernt. Wirklich alles. Sie isst nur noch die grundlegendsten Lebensmittel und trotzdem, Ausschlag.

Und was sagen die Ärzte?

Nichts Konkretes. Sie finden es nicht heraus. Wir machen Tests, wir geben Proben, aber das Ergebnis Maria winkte ab. Das hier ist das Ergebnis. Auf ihren Wangen.

Helga seufzte tief und zupfte am Kragen von Annelieses Jacke.

Ich hoffe, sie wächst da raus. Bei manchen Kindern klingt sowas irgendwann ab. Aber jetzt nichts Tröstliches.

Dieter schaute seine Tochter wortlos an. So klein, so dünn. Die riesigen, konzentrierten Augen. Er strich ihr über das Haar und sah unvermittelt Bilder seines eigenen Kindseins: Wie er samstags heimlich Hefezöpfe aus der Küche stibitzt hatte, nach Bonbons gebettelt, und das Apfelmus seiner Mutter direkt aus dem Glas gelöffelt. Und seine Tochter? Gedämpftes Gemüse. Gedämpftes Fleisch. Wasser. Keine Früchte, keine Süßigkeiten, keine normale Kinderkost. Vier Jahre alt und eine strengere Diät als mancher Magengeschwürpatient.

Wir wissen schon gar nicht mehr, was wir noch weglassen sollen sagte er leise. Ihre Ernährung ist da bleibt kaum noch was übrig.

Sie fuhren schweigend nach Hause. Anneliese schlummerte auf dem Rücksitz, Dieter blickte immer wieder durch den Rückspiegel. So ruhig. Wenigstens juckte sie sich nicht.

Mama hat angerufen Maria durchbrach die Stille. Sie möchte, dass wir Anneliese nächstes Wochenende bringen. Sie hat Karten fürs Puppentheater und will mit ihr hingehen.

Theater? Dieter schaltete den Gang um. Das ist gut. Sie braucht etwas Ablenkung.

Genau das habe ich auch gedacht. Ein bisschen Tapetenwechsel schadet ihr nicht.

…Am Samstag parkte Dieter das Auto vor dem Haus der Schwiegermutter, hob Anneliese aus dem Kindersitz. Die Kleine blinzelte müde, rieb sich mit winzigen Fäusten die Augen zu früh geweckt, kaum geschlafen. Er nahm sie auf den Arm, und sie schmiegte ihr warmes, federleichtes Gesicht an seinen Hals wie ein Spatz.

Waltraud trat im bunten Hausmantel vors Haus, schlug die Hände zusammen wie eine Matrosin, die ein Schiffbruchopfer entdeckt.

Ach du mein liebes Kind, Sonnenschein! Sie schnappte sich Anneliese, presste sie ans mächtige Dekolleté. So bleich, so schmal Die Diät macht sie ganz kaputt. Ihr ruiniert das arme Kind!

Dieter steckte die Hände in die Taschen und unterdrückte seinen Ärger. Immer derselbe Streit.

Wir tun alles zu ihrem Besten. Nicht aus Jux und Dollerei, das weißt du doch.

Pah, was für ein “Bestes”. Waltraud schnürte die Lippen und sah die Enkelin an, als käme sie gerade aus einem Gefangenenlager. Nur Haut und Knochen! Kinder müssen wachsen. Ihr lasst sie verhungern!

Mit Anneliese auf dem Arm marschierte sie ins Haus, ohne zurückzublicken. Die Tür fiel leise ins Schloss. Dieter stand noch eine Minute im fremden Vorgarten, spürte eine kratzende Ahnung im Kopf wie ein Gedanke auf der Flucht im Nebel. Er strich sich über die Stirn, hörte auf sein Inneres, winkte schließlich ab und ging zum Auto.

Ein Wochenende ohne Kind seltsames, fast vergessenes Gefühl. Am Samstag fuhren Maria und er in den Supermarkt, schoben einen Wagen zwischen den Reihen voller Lebensmittel durch, kauften für die Woche ein.

Zu Hause werkelte Dieter stundenlang am tropfenden Badewasserhahn seit Wochen schon. Maria sortierte Schränke aus, holte alte Sachen hervor, stopfte sie in Säcke für den Müll. Alltagstrubel, aber ohne die Stimme ihrer Tochter war die Wohnung seltsam leer, ungewohnt still.

Abends bestellten sie Pizza mit Mozzarella und Basilikum, die Anneliese nie essen durfte. Dazu eine Flasche roten Wein sie saßen in der Küche, sprachen über das Leben, Urlaub, den nie fertigen Renovierungsplan. So lange hatten sie nicht mehr so geredet.

Es tut einfach gut sagte Maria irgendwann und biss sich gleich auf die Lippe. Ich meine na du weißt schon. Einfach ruhig. Und friedlich.

Ja, ich verstehe. Dieter legte seine Hand auf ihre. Ich vermisse sie auch. Aber ein bisschen Pause hilft uns sicher.

Am Sonntag fuhr er gegen Abend weg, um Anneliese abzuholen. Die Sonne ging unter und tauchte die Straßen in dickes Orange. Das Haus der Schwiegermutter stand hinter alten Apfelbäumen, im seltsamen Licht des Sonnenuntergangs fast heimelig.

Dieter stieg aus, öffnete das Gartentor die quietschenden Scharniere klangten seltsam im Ohr und blieb mitten im Schritt stehen.

Auf der Treppe saß seine Tochter. Neben ihr Waltraud, das Gesicht erfüllt von reinem Glück. In ihrer Hand ein großes, goldbraunes Gebäck glänzend und duftend. Und Anneliese biss hinein. Krumen am Kinn, Wangen voller Teig und die leuchtendsten Augen, die er seit langem bei ihr gesehen hatte.

Dieter blieb reglos stehen. Dann wurde ihm heiß und wütend zumute.

Mit drei Schritten war er da, riss das Stück Gebäck aus Waltrauds Hand.

Was soll das?!

Waltraud zuckte und wich zurück, ihr Gesicht rötete sich vom Hals bis zu den Haarwurzeln.

Sie hob die Hände, als wolle sie seine Wut fortwedeln.

Das war doch nur ein kleines Stückchen! Halb so wild, nur ein Teilchen

Dieter hörte gar nicht zu. Hebte Anneliese hoch sie versteifte sich, klammerte sich an seine Jacke und trug sie zum Auto. Im Kindersitz schnallte er sie fest, Hände zitternd vor Zorn. Anneliese blickte ihn mit großen Augen an, kurz vorm Weinen.

Alles gut, Liebling sanfte Stimme, und er streichelte ihr das Haar. Bleib kurz hier sitzen, Papa kommt gleich wieder.

Tür zu. Zurück zum Haus. Waltraud stand noch dort und nestelte am Saum, das Gesicht fleckig.

Dieter, du verstehst das nicht…

Ich verstehe das nicht?! Er blieb stehen, und nun sprudelte es aus ihm heraus. Ein halbes Jahr! Ein halbes Jahr voller Rätsel! Untersuchungen, Labore, Allergietests weißt du, wie viel uns das gekostet hat? Wieviel Nerven, wieviele schlaflose Nächte?!

Waltraud wich zur Tür zurück.

Ich wollte doch nur das Beste…

Das Beste?! Dieter machte einen Schritt Wir hielten sie mit Wasser und gekochtem Huhn am Leben! Alles gestrichen, was sein könnte! Und du fütterst sie heimlich mit Backwaren?!

Ich wollte ihr Immunsystem stärken! Waltraud wurde plötzlich trotzig und hob das Kinn. Ein bisschen hier, ein bisschen da! So gewöhnt sie sich daran. Bald wäre es weg gewesen, Dank mir! Ich weiß Bescheid, ich habe drei Kinder großgezogen!

Dieter sah sie an es war, als würde er eine Fremde erblicken. Diese Frau, die er aus Rücksicht auf Maria und den Familienfrieden jahrelang ertrug sie vergiftete sein Kind. Mit Absicht. Weil sie sich für klüger als alle Ärzte hielt.

Drei Kinder wiederholte er leise, und Waltraud wurde blass. Und? Jedes Kind ist anders. Und Anneliese ist nicht deine Tochter, sondern meine. Und du wirst sie nicht nochmal sehen dürfen.

Was?! Waltraud krallte sich ans Geländer. Das kannst du nicht machen!

Doch, ich kann.

Er drehte sich um und ging zum Wagen. Hinter ihm schrien Worte, aber Dieter sah nicht zurück. Er setzte sich, startete. Im Rückspiegel Waltrauds Gestalt, mit flatternden Armen hinterm Tor. Mit einem Ruck fuhr er los.

Maria wartete im Flur. Sie sah Dieters Gesicht und die verweinte Tochter und wusste sofort Bescheid.

Was ist passiert?

Dieter fasste sich kurz, berichtete trocken und gefasst die Wut war dort geblieben, bei Waltraud. Maria hörte wortlos zu, ihr Gesicht wurde zunehmend härter. Dann zückte sie das Handy.

Mama. Ja, Dieter hat mir alles erzählt. Wie konntest du nur?!

Dieter nahm Anneliese mit ins Bad wusch Gebäck und Tränen vom Gesicht. Durch die Tür hörte er Marias Stimme, kalt und fremd. Sie las Waltraud die Leviten wie nie zuvor. Am Ende klang es wie ein Urteil: Bis wir die Allergie endgültig geklärt haben wirst du Anneliese nicht sehen.

Es vergehen zwei Monate…

Sonntagsessen bei Helga ist zur Tradition geworden. Heute steht ein Biskuitkuchen mit Sahne und Erdbeeren auf dem Tisch. Und Anneliese isst ihn. Ganz allein, große Löffelspuren bis zu den Ohren. Keine Flecken auf den Wangen.

Wer hätte das gedacht Helga schüttelt den Kopf. Sonnenblumenöl. So eine seltene Allergie.

Der Arzt meinte, einer von tausend Fällen Maria schmiert sich Butter aufs Brot. Kaum hatten wir es ganz ersetzt durch Olivenöl, war der Ausschlag nach zwei Wochen weg.

Dieter kann sich an seiner Tochter nicht sattsehen. Rosa Backen, leuchtende Augen, Sahne auf der Nase. Ein fröhliches Kind, endlich darf es wieder genießen Kuchen, Kekse, alles, was ohne Sonnenblumenöl gebacken wird. Und das ist eine ganze Menge!

Waltraud? Das Verhältnis bleibt frostig. Sie ruft an, entschuldigt sich, schluchzt ins Telefon. Maria bleibt sachlich. Dieter redet gar nicht mehr.

Anneliese greift wieder zum Kuchen, Helga schiebt ihr die Platte noch näher.

Iss, mein kleines Mädchen. Iss und sei gesund.

Dieter lehnt sich zurück. Draußen Regen, drinnen warm und der Duft von Gebäck. Seine Tochter ist gesund. Alles andere ist unwichtig.

Rate article
Homy
Add a comment

;-) :| :x :twisted: :smile: :shock: :sad: :roll: :razz: :oops: :o :mrgreen: :lol: :idea: :grin: :evil: :cry: :cool: :arrow: :???: :?: :!:

Ich weiß es besser – Was ist denn das schon wieder? – Dmitrij ließ sich erschöpft vor seiner Tochter auf die Knie fallen und betrachtete die rosa Flecken auf ihren Wangen. – Schon wieder Ausschlag… Die vierjährige Sonja stand mitten im Wohnzimmer, geduldig und auf seltsame Weise ernst. Sie war die elterlichen Untersuchungen, besorgten Gesichter, die endlosen Salben und Tabletten längst gewohnt. Maria kam dazu, hockte sich neben ihren Mann und strich vorsichtig eine Haarsträhne aus Sonjas Gesicht. – Die Medikamente wirken einfach nicht. Gar nicht. Es ist, als würde ich ihr Wasser geben. Und die Ärzte in der Praxis… das sind keine richtigen Ärzte, sondern irgendwer. Zum dritten Mal ändern sie den Plan, und nichts hilft. Dmitrij erhob sich, rieb sich die Nasenwurzel. Draußen war es grau, und der Tag versprach so fad zu werden wie die vorherigen. Sie packten schnell: Sonja wurde in eine warme Jacke gewickelt, und nach einer halben Stunde saßen sie schon bei seiner Mutter. Olga seufzte, schüttelte den Kopf und streichelte ihre Enkelin über den Rücken. – So klein und schon so viele Medikamente. Was für eine Belastung für den Körper – sie setzte Sonja auf ihren Schoß, und das Mädchen kuschelte sich wie gewohnt an die Oma. – Es ist kaum mitanzusehen. – Wir würden ihr doch gern nichts geben, – Maria saß am Rand des Sofas und rang die Hände. – Aber die Allergie verschwindet einfach nicht. Wir haben schon alles entfernt. Wirklich alles. Sie isst nur noch Basisprodukte – und trotzdem Ausschlag. – Und was sagen die Ärzte? – Sie können nichts Konkretes sagen. Sie können es nicht eingrenzen. Wir machen Tests, geben Proben ab, und das Ergebnis… – Maria winkte ab. – So sieht das Ergebnis aus. Auf den Wangen. Olga seufzte und zupfte Sonjas Kragen zurecht. – Hoffentlich wächst sie da raus. Bei Kindern vergeht das manchmal mit der Zeit. Aber im Moment ist das natürlich wenig tröstlich. Dmitrij blickte schweigend auf seine Tochter. Klein, dünn. Große, aufmerksame Augen. Er strich ihr über den Kopf und erinnerte sich an seine eigene Kindheit – wie er samstags frisch gebackene Brötchen von der Küche stahl, um Süßigkeiten bettelte und Mamas Marmelade direkt aus dem Glas löffelte. Und seine Tochter… Gedünstetes Gemüse. Gekochtes Fleisch. Wasser. Keine Früchte, keine Süßigkeiten, kein normales Kinderessen. Vier Jahre – und die Diät strenger als bei manchem Magengeschwürpatienten. – Wir wissen schon gar nicht mehr, was wir noch weglassen sollen, – murmelte er. – Im Speiseplan bleibt schon fast nichts mehr übrig. Auf der Heimfahrt schwiegen sie. Sonja schlief auf dem Rücksitz ein, und Dmitrij schaute immer wieder im Spiegel nach ihr. Sie schlief ruhig. Wenigstens kratzte sie sich gerade nicht. – Mama hat angerufen, – sagte Maria. – Sie will Sonja nächstes Wochenende holen. Sie hat Karten fürs Puppentheater, möchte ihrer Enkelin eine Freude machen. – Theater? – Dmitrij schaltete den Gang. – Das ist gut. Das tut ihr sicher gut, ein bisschen Ablenkung. – Das habe ich auch gedacht, Ablenkung kann ihr nicht schaden. Am Samstag parkte Dmitrij vor dem Haus der Schwiegermutter, holte Sonja aus dem Kindersitz. Die Kleine blinzelte verschlafen, rieb sich die Augen mit den Fäustchen – sie war früh geweckt worden, hatte noch nicht genug Schlaf. Er nahm sie auf den Arm, und sie schmiegte sich sofort mit der Nase an seinen Hals, warm und leicht wie ein Spatz. Tatjana Michailowna kam im bunten Kittel auf die Veranda und schlug die Hände zusammen, als hätte sie nicht ihre Enkelin, sondern ein Schiffbruchsopfer entdeckt. – Ach, mein Schatz, mein Sonnenschein, – sie schloss Sonja in ihre riesigen Arme. – Ganz blass, ganz dünn. Die Diäten haben euch das Kind ruiniert, ganz kaputtgemacht. Dmitrij steckte die Hände in die Taschen, hielt seinen Ärger zurück. Jedes Mal das gleiche. – Das machen wir zu ihrem Besten. Nicht aus Spaß, das weißt du doch. – Was für ein „Bestes“, – die Schwiegermutter schürzte die Lippen, sah Sonja an, als käme sie gerade aus einem Lager zurück. – Nur Haut und Knochen. Ein Kind muss wachsen, und ihr lasst sie verhungern. Sie trug Sonja ins Haus, ohne sich umzusehen, und die Tür schloss sich mit einem leisen Klicken. Dmitrij blieb auf der Veranda stehen. Irgendetwas kratzte in seinem Bewusstsein, eine Ahnung versuchte sich zu formen, löste sich aber wieder auf wie morgenlicher Nebel. Er rieb sich die Stirn, stand eine Minute am Gartentor, lauschte der Stille des fremden Gartens, dann zuckte er mit den Schultern und ging zum Auto. Ein Wochenende ohne Kind – ein seltsames, fast vergessenes Gefühl. Am Samstag fuhren sie zum Supermarkt, schoben den Einkaufswagen durch die Gänge, kauften für die ganze Woche ein. Daheim reparierte er drei Stunden den tropfenden Wasserhahn im Bad. Maria räumte die Schränke aus, sortierte alte Sachen in Müllsäcke. Alltagssorgen, aber ohne Kinderstimmen wirkte die Wohnung irgendwie falsch, zu leer. Abends bestellten sie Pizza – die mit Mozzarella und Basilikum, die Sonja nicht essen durfte. Sie öffneten eine Flasche Rotwein. Saßen in der Küche und redeten über Gott und die Welt – über Arbeit, Urlaubspläne, den nie fertigen Renovierungsstress. – Es tut einfach mal gut, – meinte Maria, stockte, biss sich auf die Lippe. – Also… du weißt schon, einfach Ruhe. Frieden. – Ich weiß, – Dmitrij legte seine Hand auf ihre. – Ich vermisse sie auch. Aber ein bisschen Erholung schadet uns nicht. Am Sonntag holte er Sonja am späten Nachmittag ab. Die Sonne ging unter und tauchte die Straßen in tiefes Orange. Das Haus der Schwiegermutter lag versteckt hinter alten Apfelbäumen und wirkte im Abendlicht beinahe gemütlich. Dmitrij stieg aus, drückte das Gartentor auf – das quietschte – und blieb mitten im Schritt stehen. Auf der Veranda saß seine Tochter. Neben ihr auf der Stufe: Tatjana Michailowna, überglücklich. In der Hand hielt sie ein Brötchen. Groß, goldbraun, glänzend von Öl. Und Sonja aß. Das Gesicht verschmiert, Krümel am Kinn, die Augen leuchtend glücklich, wie Dmitrij sie seit Ewigkeiten nicht gesehen hatte. Ein paar Sekunden stand er einfach nur da. Dann kam eine heiße, wütende Welle aus seiner Brust. Er stürmte vor, war mit drei Schritten bei ihnen und riss das Brötchen aus der Hand der Schwiegermutter. – Was soll das?! Tatjana Michailowna zuckte zusammen, wich zurück. Ihr Gesicht lief rot an, von Hals bis zum Haaransatz. Sie wirbelte mit den Händen herum, als wolle sie die Wut wegwedeln. – Es war doch nur ein ganz kleines Stück! Nicht so schlimm, ein Brötchen… Dmitrij hörte nicht hin. Er nahm Sonja auf den Arm – die Kleine wurde still, klammerte sich an seine Jacke – und trug sie zum Auto. Setzte sie ins Kindersitz, schnallte sie fest. Seine Finger gehorchten kaum, zitterten vor Zorn. Sonja blickte mit runden Augen, die Lippen zitterten – gleich würde sie weinen. – Alles gut, Liebling, – er strich ihr übers Haar, bemüht, ruhig zu klingen. – Sitz noch kurz hier, Papa kommt gleich. Er schloss die Tür und lief zum Haus zurück. Tatjana Michailowna stand noch immer auf der Veranda, zupfte nervös am Kittel, das Gesicht voller Flecken. – Dima, du verstehst das nicht… – Ich verstehe das nicht?! – Er stand vor ihr und brach los. – Sechs Monate! Sechs Monate haben wir nicht verstanden, was mit unserer Tochter los ist! Untersuchungen, Allergietests, Proben – hast du eine Ahnung, was das alles kostet? Wie viele Nerven, wie viele schlaflosen Nächte?! Tatjana Michailowna wich zurück. – Ich wollte doch nur das Beste… – Das Beste?! – Dmitrij trat einen Schritt vor. – Wir haben sie nur mit Wasser und gekochtem Hühnchen ernährt! Alles gestrichen! Und du fütterst sie heimlich mit gebratenen Brötchen?! – Ich wollte ihren Immunität stärken! – Die Schwiegermutter fasste Mut, hob das Kinn. – Ich habe ihr immer ein kleines Stück gegeben, damit sich ihr Körper gewöhnt. Noch ein bisschen, und alles wäre vorbei, dank mir! Ich weiß, was ich tue, ich habe drei Kinder großgezogen! Dmitrij kannte sie nicht mehr. Diese Frau, die er all die Jahre um des Friedens willen toleriert hatte – sie vergiftete sein Kind. Bewusst. Weil sie sich klüger als die Ärzte fühlte. – Drei Kinder, – wiederholte er leise, und Tatjana Michailowna wurde blass. – Und? Jedes Kind ist anders. Sonja ist nicht dein Kind, sie ist mein Kind. Du wirst sie nicht mehr sehen. – Was?! – Sie klammerte sich ans Geländer. – Du hast mir nichts zu verbieten! – Doch, habe ich. Er drehte sich um und ging zum Auto. Hinter ihm hörte er Schreie, aber Dmitrij sah nicht zurück. Er setzte sich, startete den Motor. Im Rückspiegel sah er die Schwiegermutter wild gestikulierend am Gartentor. Er fuhr los. Daheim wartete Maria im Flur. Sie sah das Gesicht ihres Mannes, die verweinte Tochter – und wusste sofort Bescheid. – Was ist passiert? Dmitrij erzählte kurz und trocken, ohne Emotionen – die hatte er am Haus schon rausgelassen. Maria hörte stumm zu, ihr Gesicht wurde von Minute zu Minute härter. Schließlich zog sie ihr Handy aus der Tasche. – Mama. Ja, er hat’s mir erzählt. Wie konntest du nur?! Dmitrij brachte Sonja ins Bad – um Brötchenreste und Tränen abzuwaschen. Hinter der Tür hörte man Marias Stimme, scharf und ungewohnt entschieden. Sie schimpfte ihre Mutter aus wie nie zuvor. Am Ende war ein klares zu hören: „Bis das mit der Allergie geklärt ist – wirst du Sonja nicht sehen.“ Zwei Monate vergingen… Sonntagsmittagessen bei Olga war schon Tradition. Heute stand ein Kuchen auf dem Tisch: Biskuit, mit Sahne und Erdbeeren. Und Sonja aß davon. Mit großer Löffel, bis über beide Ohren verschmiert. Keine Flecken auf den Wangen. – Wer hätte das gedacht, – Olga schüttelte den Kopf. – Sonnenblumenöl. So eine seltene Allergie. – Der Arzt meint, einer von tausend hat das, – Maria strich sich Butter aufs Brot. – Als wir komplett auf Olivenöl umgestellt und Sonnenblumenöl gestrichen haben – war nach zwei Wochen alles weg. Dmitrij konnte sich an seiner Tochter nicht satt sehen. Rosa Wangen, leuchtende Augen, Sahne auf der Nase. Ein glückliches Kind, das endlich wieder „normales“ Essen bekommt. Kuchen, Kekse, alles, solange ohne Sonnenblumenöl. Was erstaunlich viel Auswahl lässt. Mit der Schwiegermutter blieb das Verhältnis eisig. Tatjana Michailowna rief an, entschuldigte sich, weinte am Telefon. Maria sprach kurz und knapp. Dmitrij sprach gar nicht. Sonja griff wieder zur Kuchenlöffel, und Olga schob ihr die Platte näher. – Iss, mein Schatz. Iss und genieße. Dmitrij lehnte sich zurück. Draußen regnete es, doch drinnen war es warm und duftete nach Gebäck. Seiner Tochter ging es besser. Das war alles, was zählte.
Mark hat zufällig das Gespräch seines Sohnes und dessen Freundin mitgehört – und danach war nichts mehr in ihrem Leben wie zuvor!