Plötzlich Hausangestellte: Als Alina mit 63 Jahren ihrem Sohn und Schwiegertochter eröffnet, dass sie noch einmal heiraten will, sind beide schockiert und wissen nicht, wie sie reagieren sollen. „Bist du dir sicher, dein Leben in diesem Alter so radikal zu ändern?“, fragt Katharina besorgt ihren Mann Andreas. Alinas Entscheidung, zu ihrem neuen Partner Jürgen und dessen Familie zu ziehen, bedeutet, alles Gewohnte hinter sich zu lassen. Zunächst scheint der Neuanfang in Jürgens großer Wohnung, gemeinsam mit seiner Tochter Ines und deren Familie, gelungen: Alina fühlt sich als Teil einer herzlichen Familie. Doch nach und nach wird sie zur Dauer-Köchin, Putzfrau und Kindermädchen und muss feststellen, dass ihr Platz im neuen Heim der einer Hausangestellten ist. Nach einer enttäuschenden Auseinandersetzung stellt sie sich die Frage: War Jürgen wirklich auf der Suche nach einer Frau – oder nach einer Haushälterin? Schließlich zieht sie zu ihrer eigenen Familie zurück, findet dort echten Rückhalt und erkennt: Ein Zuhause ist dort, wo man als geliebtes Familienmitglied geschätzt wird – und nicht als Dienstmagd.

Tagebuch-Eintrag 17. April

Als ich mich entschied, noch einmal zu heiraten, konnte ich kaum ahnen, wie sehr meine Familie überrascht und vor allem verunsichert reagieren würde. Mein Sohn Florian und seine Frau Annemarie waren sichtlich schockiert, als ich ihnen die Neuigkeiten verkündete.

Bist du dir sicher, dass du in deinem Alter so eine lebensverändernde Entscheidung treffen willst?, fragte Annemarie, während sie Florian fragend ansah.

Mama, muss es denn so radikal sein?, meldete sich Florian nervös zu Wort. Du warst so lange allein und hast alles für mich geopfert. Aber jetzt nochmal zu heiraten… das erscheint mir einfach töricht.

Ich blieb ruhig. Ihr seid jung, deswegen denkt ihr so. Ich bin 63 Jahre alt. Niemand weiß, wie viel Zeit mir noch bleibt und ich habe jedes Recht, die verbleibenden Jahre mit einem geliebten Menschen zu verbringen.

Florian versuchte, mich zu einem langsameren Vorgehen zu bewegen. Aber du kennst diesen Heinrich doch erst seit ein paar Monaten! Warum diese Eile? Überstürze es nicht.

In unserem Alter sollte man keine Zeit verschwenden, Flo. Was gibt es denn groß zu wissen? Er ist zwei Jahre älter als ich, lebt mit seiner Tochter und ihrer Familie in einem geräumigen Altbau, hat eine ordentliche Rente, ein kleines Wochenendhaus am Bodensee was will ich mehr?

Und wo willst du leben?, fragte Florian skeptisch. Hier ist doch kaum Platz für eine Person mehr.

Keine Sorge, Heinrich beansprucht unsere Wohnung nicht. Ich ziehe zu ihm. Die Wohnung ist groß und mit seiner Tochter Katharina habe ich schon einen guten Draht. Wir sind alles erwachsene Menschen, es wird keine Konflikte geben.

Florian war besorgt, doch Annemarie redete ihm ruhig zu. Vielleicht sind wir einfach zu bequem geworden. Es ist ja praktisch, wenn deine Mama uns hilft und oft auf Greta aufpasst. Aber sie hat ein Recht, ihr Leben zu ordnen. Und jetzt ergibt sich diese Chance wir sollten sie unterstützen.

Aber warum denn gleich heiraten?, wollte Florian nicht lockerlassen. Ich kann mir dich einfach nicht im weißen Kleid vorstellen samt Hochzeitsfeier.

Heinrich und ich sind eben konservativ vielleicht gibt die Ehe einfach Sicherheit, erwiderte Annemarie.

Schließlich heiratete ich Heinrich, den ich zufällig beim Spaziergang kennengelernt hatte, und zog zu ihm nach Stuttgart. Anfangs lief alles ruhig. Die neue Familie nahm mich freundlich auf, mein Mann war respektvoll und fürsorglich, und ich glaubte wirklich, am Ende meines Lebens mein Glück gefunden zu haben.

Doch nach kurzer Zeit zeigte sich, wie sehr sich meine Rolle veränderte.

Könnten Sie heute zum Abendessen Braten machen, Gerda?, fragte mich Katharina eines Abends. Ich würde ja selbst kochen, aber in der Arbeit herrscht Chaos und Sie haben ja mehr Zeit.

Mir war klar, was sie meinte. Von da an übernahm ich das Kochen, Einkaufen, Putzen, Wäschewaschen, und sogar den Garten am Bodensee.

Da wir jetzt verheiratet sind, gehört das Wochenendhaus uns beiden, meinte Heinrich. Katharina und ihr Mann haben keine Zeit, und die Kleine ist noch zu klein. Also machen wir die Arbeit zu zweit.

Ich widersprach nicht. Es gefiel mir, Teil einer großen, hilfsbereiten Familie zu sein. Mit meinem ersten Mann hatte ich nie dieses Glück er war bequem und verschlagen, und verschwand einfach, als Florian zehn wurde. Zwanzig Jahre lang wusste niemand, was aus ihm wurde.

Nun schien alles stimmig, und die Aufgaben belasteten mich nicht ich fühlte mich gebraucht.

Mama, was willst du auf dem Wochenendgrundstück arbeiten? Nach jeder Fahrt hast du doch bestimmt Probleme mit dem Blutdruck. Musst du dir das wirklich antun?, argumentierte Florian einmal.

Natürlich muss ich, Flo. Es macht mir doch Freude! Der Ertrag wird für alle reichen, auch euch teilen wir gern davon ab.

Doch Florian blieb misstrauisch. In all den Monaten wurden wir nie von Heinrich und seiner Familie eingeladen, nicht einmal zum Kennenlernen. Wir hatten sie mehrfach zu uns gebeten, aber Heinrich hatte nie Zeit, keine Kraft oder andere Gründe. Schließlich akzeptierten wir, dass der Kontakt wohl nicht enger werden würde. Hauptsache, meiner Mutter ging es gut und sie war zufrieden.

Anfangs war ich glücklich, doch die Aufgaben wuchsen. Heinrich klagte oft beim Wochenendhaus über Rückenschmerzen und Herzprobleme. Ich pflegte ihn, machte jedoch alleine die ganze Arbeit Äste aufsammeln, Laub rechen, Müll entsorgen.

Schon wieder Kartoffelsuppe?, meckerte Anton, Heinrichs Schwiegersohn. Gestern gabs das doch auch kannst du nicht mal was Anderes machen?

Ich hatte keine Zeit und war auch nicht einkaufen. Nach dem Fensterputzen war ich einfach kaputt und musste mich hinlegen, erklärte ich.

Verstehe, aber Kartoffelsuppe mag ich einfach nicht, schob Anton den Teller weg.

Morgen zaubert unsere Gerda sicher etwas Besonderes, warf Heinrich ein.

Und tatsächlich stand ich am nächsten Tag den ganzen Tag in der Küche, nur damit am Abend alles in einer halben Stunde weggegessen war. Das Putzen und Kochen wurde immer mehr. Die Unzufriedenheit von Heinrichs Tochter und Schwiegersohn wuchs bei jedem Anlass, und Heinrich stellte sich auf ihre Seite und gab mir die Schuld.

Ich bin doch auch nicht mehr die Jüngste und verstehe nicht, warum ich alles allein machen muss!, platzte es irgendwann aus mir heraus.

Du bist meine Frau und hast für Ordnung im Haus zu sorgen, erinnerte Heinrich mich.

Und als deine Frau habe ich nicht nur Pflichten, sondern auch Rechte, sagte ich unter Tränen.

Meist beruhigte ich mich dann wieder und erledigte weiter alles für das harmonische Familienleben. Doch eines Tages war ich am Ende meiner Kraft. Katharina und Anton wollten abends zu Freunden und ihre Tochter mir übergeben.

Die Kleine soll vielleicht bei Opa bleiben oder mit euch mitgehen ich will heute zu meiner Enkelin nach München fahren, bat ich.

Warum sollte sich jeder nach dir richten?, fuhr Katharina mich an.

Muss niemand. Aber ich schulde euch auch nichts. Meine Enkelin hat heute Geburtstag, das habe ich euch schon am Dienstag gesagt. Ihr ignoriert es, und jetzt wollt ihr mich absichtlich hier festhalten?

Das geht echt nicht!, platzte Heinrich, rot vor Ärger. Katharina hat Pläne, die jetzt durcheinanderkommen. Deine Enkelin ist doch noch klein, du kannst sie morgen gratulieren.

Oder wir gehen jetzt alle drei zu meinen Kindern, oder du bleibst halt mit deiner Enkelin hier, bis ich zurück bin, konterte ich entschlossen.

Ich habe es geahnt diese Ehe bringt nichts Gutes, meckerte Katharina. Du kochst mittelmäßig, hältst das Haus schlecht in Schuss und denkst immer nur an dich.

Findest du das auch, nach all dem, was ich hier geschafft habe?, fragte ich Heinrich. Sei ehrlich wolltest du eine Ehefrau oder bloß eine Haushälterin für jeden Wunsch?

Du bist jetzt unfair und willst mir die Schuld geben, stammelte Heinrich. Mach keine Szene!

Ich will nur eine ehrliche Antwort. Denn ich habe auch Rechte, blieb ich standhaft.

Wenn du so redest, mach was du willst. Aber in meinem Haus will ich kein solches Verhalten sehen, sagte Heinrich stolz.

Dann kündige ich, entschied ich, packte meine Sachen und mein Geschenk für Greta.

Nehmt ihr eure eigensinnige Oma zurück? Ich bin verheiratet, zurückgekommen, und will erstmal nichts erzählen. Sagt einfach: Werde ich wieder aufgenommen?

Natürlich, Mama, Florian und Annemarie umarmten mich. Dein Zimmer wartet willkommen daheim!

Freut ihr euch einfach so?, fragte ich leise.

Warum sonst sollte man sich über Familie freuen?, meinte Annemarie verblüfft.

Jetzt wusste ich: Ich war keine Hausangestellte. Ich habe geholfen, im Haushalt und mit Greta, aber Florian und Annemarie waren nie undankbar oder ausnutzend. Hier war ich wirklich Mama, Oma, Schwiegermutter einfach ein Teil der Familie, kein Dienstmädchen.

Ich bin endgültig nach Hause zurückgekehrt, habe die Scheidung eingereicht, und versuche einfach, die unangenehmen Erlebnisse zu vergessen.

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Homy
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Plötzlich Hausangestellte: Als Alina mit 63 Jahren ihrem Sohn und Schwiegertochter eröffnet, dass sie noch einmal heiraten will, sind beide schockiert und wissen nicht, wie sie reagieren sollen. „Bist du dir sicher, dein Leben in diesem Alter so radikal zu ändern?“, fragt Katharina besorgt ihren Mann Andreas. Alinas Entscheidung, zu ihrem neuen Partner Jürgen und dessen Familie zu ziehen, bedeutet, alles Gewohnte hinter sich zu lassen. Zunächst scheint der Neuanfang in Jürgens großer Wohnung, gemeinsam mit seiner Tochter Ines und deren Familie, gelungen: Alina fühlt sich als Teil einer herzlichen Familie. Doch nach und nach wird sie zur Dauer-Köchin, Putzfrau und Kindermädchen und muss feststellen, dass ihr Platz im neuen Heim der einer Hausangestellten ist. Nach einer enttäuschenden Auseinandersetzung stellt sie sich die Frage: War Jürgen wirklich auf der Suche nach einer Frau – oder nach einer Haushälterin? Schließlich zieht sie zu ihrer eigenen Familie zurück, findet dort echten Rückhalt und erkennt: Ein Zuhause ist dort, wo man als geliebtes Familienmitglied geschätzt wird – und nicht als Dienstmagd.
Nicht mehr dein Held