— Papa, darf ich vorstellen: Das ist meine zukünftige Frau und deine Schwiegertochter, die Varvara! — strahlte Boris überglücklich. — Wer bitte?! — fragte Professor Dr. Roman Filimonowitsch überrascht. — Wenn das ein Scherz sein soll, ist er ziemlich schlecht! Der Professor betrachtete mit sichtlichem Ekel die ungepflegten Fingernägel der „Schwiegertochter“. Es schien ihm, als ob dieses Mädchen Wasser und Seife nicht kannte – wie sonst ließe sich der tief sitzende Schmutz unter ihren Nägeln erklären? „Mein Gott! Zum Glück hat meine Larissa diesen Schandfleck nicht mehr erleben müssen! Wir haben doch immer versucht, dem Taugenichts gute Manieren beizubringen“, schoss es ihm durch den Kopf. — Das ist kein Scherz! — entgegnete Boris herausfordernd. — Varvara bleibt bei uns und in drei Monaten heiraten wir. Wenn du dich nicht an meiner Hochzeit beteiligen willst, dann mach ich’s auch ohne dich! — Guten Tag! — lächelte Varvara und marschierte gleich wie eine Hausherrin in die Küche. — Hier sind Piroggen, selbstgemachte Himbeermarmelade, getrocknete Pilze… — zählte sie auf, während sie ihre zerfledderte Einkaufstasche auspackte. Roman Filimonowitsch griff sich ans Herz, als er sah, wie Varvara die schneeweiße, handgestickte Tischdecke mit Marmelade ruinierte. — Boris! Komm zur Vernunft! Wenn du mir eins auswischen willst, findest du keinen grausameren Weg! Aus welchem Dorf hast du diese Wildfremde angeschleppt? Ich werde nicht zulassen, dass sie in meinem Haus wohnt! — schrie der Professor verzweifelt. — Ich liebe Varvara, und meine Frau hat jedes Recht, in meiner Wohnung zu leben! — spottete Boris höhnisch. Roman Filimonowitsch merkte, dass sein Sohn ihm bloß eins auswischen wollte. Ohne weiter zu diskutieren, ging er schweigend auf sein Zimmer. Seit einiger Zeit hatte sich das Verhältnis zum Sohn völlig verändert. Nach dem Tod der Mutter wurde Boris unkontrollierbar: schmiss das Studium, war unverschämt zu seinem Vater und führte ein ausschweifendes, sorgloses Leben. Roman Filimonowitsch hoffte darauf, dass der Sohn zur Vernunft käme, wieder der besonnene und liebe Boris von früher würde. Doch mit jedem Tag entfernte Boris sich mehr. Und heute schleppte er auch noch dieses Dorfmädchen an, wohl wissend, dass der Vater niemals seine Wahl akzeptieren würde. Kurz darauf heirateten Boris und Varvara. Roman Filimonowitsch verweigerte die Teilnahme an der Hochzeit, er wollte die ungeliebte Schwiegertochter nicht akzeptieren. Er ärgerte sich darüber, dass an Larissas Stelle – der hervorragenden Hausfrau, Ehefrau und Mutter – nun dieses ungebildete Mädchen kam, das nicht einmal zwei Sätze geradeheraus sprechen konnte. Varvara schien die Ablehnung des Schwiegervaters kaum zu bemerken und bemühte sich, ihm in allem zu gefallen – es wurde aber nur schlimmer. Für Roman gab es an ihr kein einziges gutes Merkmal, nur Bauernmanieren und Unbildung. Boris, nachdem er genug den Mustergatten gespielt hatte, fing bald wieder an zu trinken und rumzupöbeln. Der Vater hörte häufig die Streitereien der Jungen und freute sich insgeheim, dass Varvara irgendwann für immer das Haus verlassen würde. — Herr Filimonowitsch! — stürmte die Schwiegertochter eines Tages unter Tränen herein. — Boris will sich scheiden lassen und wirft mich sogar auf die Straße – und ich bin schwanger! — Aber auf die Straße musst du nicht, meine Liebe. Fahr doch einfach zurück, woher du gekommen bist. Dass du ein Kind erwartest, gibt dir kein Recht hier zu bleiben. Entschuldige, aber ich werde mich nicht in eure Beziehung einmischen, — sprach der Professor und war innerlich erleichtert, dass er bald die Schwiegertochter los wäre. Varvara weinte verzweifelt, packte ihre Sachen und verstand nicht, warum ihr Schwiegervater sie vom ersten Tag an hasste und Boris sie wie ein Hund behandelte, nur um sie hinauszuwerfen. Was machte es schon, dass sie vom Land kam – sie hatte doch genauso Herz und Gefühle… *** Acht Jahre vergingen… Roman Filimonowitsch lebte im Altenheim. Der ältere Herr hat seit einigen Jahren stark abgebaut. Boris nutzte das eiskalt aus, schob den Vater schnell ab, um selbst keine Mühen mehr zu haben. Der alte Mann ergab sich seinem Schicksal. Immerhin hatte er in seinem Leben Tausenden Liebe, Respekt und Fürsorge beigebracht. Ehemalige Schüler schickten ihm nach wie vor Dankesbriefe… Aber den eigenen Sohn hatte er nie wirklich zu einem guten Menschen erzogen… — Roman, du bekommst Besuch — rief der Zimmernachbar zurück von seinem Spaziergang. — Wer? Boris? — entfuhr es dem Alten, obwohl er wusste, dass das unmöglich war. Der Sohn würde ihn nie besuchen, dazu war der Hass zu groß… — Weiß nicht, die Schwester hat gesagt, ich soll dich holen. Worauf wartest du? Los, beeil dich! — lächelte der Nachbar. Roman griff zum Gehstock und verließ langsam sein kleines, stickiges Zimmer. Beim Treppenabgang sah er sie schon von weitem, erkannte sie sofort – trotz der langen Zeit seit dem letzten Wiedersehen. — Guten Tag, Varvara! — sagte er fast schüchtern und senkte den Kopf. Vermutlich spürte er bis heute seine Schuld gegenüber dem ehrlichen, einfachen Mädchen, für das er damals nie einstehen wollte… — Herr Filimonowitsch? — staunte die rosige Frau. — Sie haben sich sehr verändert… Sind Sie krank? — Ein wenig… — lächelte er traurig. — Was führt dich her? Wie hast du erfahren, wo ich bin? — Boris hat es mir gesagt. Er will ja partout nichts mit seinem Sohn zu tun haben. Aber Ivan will ständig, mal zum Papa, mal zum Opa… Ivan ist doch nicht schuld daran, dass ihr ihn nicht akzeptiert. Er sehnt sich nach Familie. Wir sind doch inzwischen ganz allein… — erzählte sie mit zitternder Stimme. — Entschuldigen Sie, vielleicht war das nun alles unnötig. — Moment! — bat der alte Herr. — Wie alt ist Ivan inzwischen? Ich erinnere mich, das letzte Foto, das du mir schicktest, da war er erst drei. — Er wartet draußen. Soll ich ihn holen? — fragte Varvara verunsichert. — Natürlich, mein Kind, ruf ihn! — freute sich Roman Filimonowitsch. In die Halle trat ein rothaariger Junge, das kleine Ebenbild von Boris. Ivan ging zaghaft auf den Opa zu, den er nie zuvor gesehen hatte. — Guten Tag, mein Junge! Du bist ja schon richtig groß… — Roman weinte, während er den Enkel umarmte. Lange gingen sie spazieren und unterhielten sich im Herbstpark vor dem Altenheim. Varvara erzählte von ihrem schweren Leben, dem frühen Tod der Mutter und wie sie allein Sohn und Hof durchs Leben brachte. — Verzeih, Varvara! Ich habe sehr viel falsch gemacht, obwohl ich mich für klug und gebildet hielt, habe ich erst jetzt verstanden, dass man Menschen nicht nach Intellekt und Manieren bewerten sollte, sondern nach Ehrlichkeit und Herzlichkeit, — gestand der alte Mann. — Herr Filimonowitsch! Wir wollten Sie gerne etwas fragen, — lächelte Varvara nervös und stotternd. — Kommen Sie doch zu uns! Sie sind allein, und wir – Ivan und ich – auch… Es wäre so schön, endlich wieder Familie um sich zu haben. — Opa, komm mit! Dann gehen wir zusammen angeln, sammeln Pilze im Wald… Bei uns im Dorf ist es wunderschön und im Haus ist viel Platz! — bat Ivan und hielt fest die Hand des Großvaters. — Ich komme mit! — lächelte Roman Filimonowitsch. — Ich habe in der Erziehung meines Sohnes einiges versäumt, aber vielleicht kann ich dir geben, was Boris damals gefehlt hat. Außerdem war ich noch nie auf dem Land. Ich bin sicher, es wird mir gefallen! — Ganz bestimmt! — lachte Ivan fröhlich.

Vater, darf ich vorstellen, das ist meine zukünftige Frau und deine Schwiegertochter, Gertrud! leuchtete Boris vor Glück.
Wer?! fragte Professor, Doktor der Naturwissenschaften, Roman Schleifstein, überrascht. Wenn das ein Scherz ist, dann ist er doch ziemlich geschmacklos!
Der Mann betrachtete mit Abscheu die Nägel an Gertruds kräftigen Fingern. Ihm schien, als hätte dieses Mädchen nie Wasser und Seife gekannt. Wie sonst wäre der festgebackene Schmutz unter ihren Nägeln zu erklären?
Mein Gott! Wie gut, dass meine Lieselotte diesen Schmach nicht mehr erleben musste! Wir haben uns doch immer bemüht, diesem Bengel gute Manieren beizubringen schoss es ihm durch den Kopf.
Es ist kein Scherz! entgegnete Boris herausfordernd. Gertrud bleibt bei uns und in drei Monaten heiraten wir. Wenn du bei der Hochzeit deines Sohnes nicht dabeisein willst, geht es eben ohne dich!
Guten Tag! lächelte Gertrud und ging selbstbewusst in die Küche. Hier sind Brötchen, selbstgemachte Himbeermarmelade und getrocknete Pilze zählte sie auf, was sie aus ihrer ziemlich abgegriffenen Tasche nahm.
Roman Schleifstein presste die Hand ans Herz, als er sah, wie Gertrud die handbestickte, schneeweiße Tischdecke mit der auslaufenden Marmelade ruinierte.
Boris! Besinne dich! Wenn du das tust, nur um mir eins auszuwischen, dann lässt du es lieber sein Das ist wirklich grausam! Aus welchem Kaff hast du diese Person angeschleppt? Ich dulde sie nicht in meinem Haus! schrie der Professor verzweifelt.
Ich liebe Gertrud. Und meine Frau darf selbstverständlich auf meinem Wohnraum leben! lachte Boris spöttisch.
Roman Schleifstein begriff, dass sein Sohn ihn nur provozieren wollte. Ohne weiteren Streit ging er stumm in sein Zimmer.
Seit einiger Zeit war das Verhältnis zu seinem Sohn ganz anders geworden. Nach dem Tod der Mutter war Boris kaum wiederzuerkennen. Er hatte die Universität geschmissen, wurde frech gegenüber dem Vater und lebte sorglos und ausschweifend.
Roman Schleifstein hatte gehofft, Boris würde sich wieder ändern. Wieder der besonnene, gute Junge von einst sein. Aber mit jedem Tag entfernte Boris sich mehr von ihm. Und nun schleppte er heute diese Dorfmädchen an. Er wusste doch, dass der Vater nie seinem Wunsch zustimmen würde, darum brachte er einfach irgendwen ins Haus
Bald heirateten Boris und Gertrud. Roman Schleifstein verweigerte seine Teilnahme an der Hochzeit, er wollte diese ungeliebte Schwiegertochter nicht akzeptieren. Es tat ihm weh, dass an Lieselottes Stelle einst hervorragende Hausfrau, Ehefrau und Mutter nun dieses ungebildete Mädchen trat, das kaum zwei Worte zusammenbrachte.
Gertrud schien das abweisende Verhalten ihres Schwiegervaters kaum zu bemerken und gab sich Mühe, es ihm recht zu machen, doch sie machte alles noch schlimmer. Roman konnte in ihr keinerlei gute Eigenschaften erkennen, denn sie war einfach unerzogen und von schlechten Manieren
Nachdem Boris eine Weile den braven Ehemann gespielt hatte, fing er erneut an zu trinken und herumzutreiben. Der Vater hörte oft die Streitigkeiten der jungen Leute und freute sich insgeheim, hoffend, Gertrud würde endgültig aus seinem Haus verschwinden.
Herr Schleifstein! stürmte Gertrud einmal weinend herein. Boris will die Scheidung, schlimmer noch, er wirft mich hinaus, und ich erwarte ein Kind!
Nun ja, weshalb gleich auf die Straße? Du bist ja nicht obdachlos Fahr doch zurück ins Dorf, woher du gekommen bist. Und das Kind gibt dir nach der Scheidung kein Recht, hier zu leben. Entschuldige, aber ich mische mich nicht in eure Angelegenheiten sprach der Mann und freute sich insgeheim, die Schwiegertochter bald los zu sein.
Gertrud brach verzweifelt in Tränen aus und begann ihre Sachen zu packen. Sie verstand nicht, warum der Schwiegervater sie von Anfang an ablehnte, warum Boris mit ihr spielte wie mit einem Hund und sie dann hinauswarf. Was macht es schon, wenn sie aus dem Dorf kommt? Sie hatte doch auch eine Seele und Gefühle
***
Acht Jahre sind vergangen Roman Schleifstein wohnte mittlerweile im Altenheim. Der alte Mann war in den letzten Jahren sehr gealtert. Natürlich hatte Boris das sofort ausgenutzt und seinen Vater schnell untergebracht, um sich weiteren Aufwand zu ersparen.
Der alte Herr hatte sich mit seinem Schicksal abgefunden und wusste, es gab keinen anderen Ausweg. In seinem langen Leben hatte er Tausenden Menschen Werte wie Liebe, Respekt und Fürsorge beigebracht. Er erhielt noch immer Briefe voller Dankbarkeit von ehemaligen Schülern Aber sein eigener Sohn war kein Mensch geworden
Roman, du hast Besuch sagte der Zimmernachbar, als er von einem Spaziergang zurückkehrte.
Wer? Boris? entfuhr es dem Alten, obwohl er tief drinnen wusste, dass das unmöglich war. Sein Sohn würde ihn nie besuchen, so sehr hasste er ihn
Weiß ich nicht. Die Schwester hat mich gebeten, dich zu holen. Worauf wartest du? Geh schon! lächelte der Nachbar.
Roman griff zur Gehhilfe und verließ langsam das kleine, stickige Zimmer. Als er die Treppe hinunterging, sah er sie von weitem und erkannte sie sofort, obwohl die letzte Begegnung so lange zurücklag.
Guten Tag, Gertrud! sagte er, aus irgendeinem Grund leise, mit gesenktem Kopf. Vielleicht spürte er bis heute seine Schuld gegenüber dieser aufrichtigen und einfachen Frau, für die er damals, vor acht Jahren, nicht eingestanden war
Herr Schleifstein?! staunte die rosige Frau. Sie haben sich sehr verändert Sind Sie krank?
Ein wenig, lächelte er traurig. Und du, wie bist du hierher gekommen? Woher weißt du das?
Boris hat erzählt. Sie wissen ja, mit seinem Sohn will er auch nichts zu tun haben. Und der Junge fragt immer, mal nach dem Vater, mal nach dem Opa Johannes kann ja nichts dafür, dass Sie ihn nicht anerkennen. Er braucht den Kontakt zu seinen Verwandten. Wir sind doch allein, sagte sie mit zitternder Stimme. Entschuldigen Sie, vielleicht war das alles ein Fehler.
Bleib! bat der alte Herr. Wie alt ist Johannes schon? Ich erinnere mich, das letzte Foto, das du mir schicktest, zeigte ihn mit drei Jahren.
Er wartet am Eingang. Soll ich ihn holen? fragte Gertrud unsicher.
Natürlich, mein Kind, hol ihn! freute sich Roman Schleifstein.
In die Halle trat ein rothaariger Junge, das genaue Abbild von Boris, nur kleiner. Johannes ging vorsichtig zu dem Großvater, den er nie zuvor gesehen hatte.
Hallo, mein Junge! Du bist ja schon so groß sagte Roman mit Tränen in den Augen und schloss den Enkel in die Arme.
Sie redeten lange miteinander, spazierten durch die herbstlichen Alleen des Parks, der zum Gelände des Altenheims gehörte. Gertrud erzählte von ihrem harten Leben, vom frühen Tod der Mutter, und wie sie alleine ihren Sohn und den Hof bewältigen musste.
Verzeih mir, Gertrud! Ich habe dir sehr Unrecht getan. Ich habe mich immer für klug und gebildet gehalten, doch erst jetzt begreife ich, dass man die Menschen nach Aufrichtigkeit und Herz schätzen muss, nicht nach Bildung und Anstand, sprach der alte Herr.
Herr Schleifstein! Wir haben einen Vorschlag, lächelte Gertrud nervös. Kommen Sie doch zu uns! Sie sind allein und auch wir sind allein Wie schön wäre es, einen echten Familienmenschen um sich zu haben.
Opa, komm mit! Wir gehen zusammen angeln, im Wald Pilze sammeln Bei uns im Dorf ist es wunderschön und es gibt genug Platz im Haus! bettelte Johannes und ließ die Hand des Großvaters nicht los.
Ich komme mit! lächelte Roman Schleifstein. Ich habe beim eigenen Sohn vieles versäumt, aber vielleicht kann ich dir geben, was Boris damals nicht bekam. Außerdem war ich noch nie im Dorf. Ich hoffe, es gefällt mir!
Ganz sicher, Opa! lachte Johannes.

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Homy
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— Papa, darf ich vorstellen: Das ist meine zukünftige Frau und deine Schwiegertochter, die Varvara! — strahlte Boris überglücklich. — Wer bitte?! — fragte Professor Dr. Roman Filimonowitsch überrascht. — Wenn das ein Scherz sein soll, ist er ziemlich schlecht! Der Professor betrachtete mit sichtlichem Ekel die ungepflegten Fingernägel der „Schwiegertochter“. Es schien ihm, als ob dieses Mädchen Wasser und Seife nicht kannte – wie sonst ließe sich der tief sitzende Schmutz unter ihren Nägeln erklären? „Mein Gott! Zum Glück hat meine Larissa diesen Schandfleck nicht mehr erleben müssen! Wir haben doch immer versucht, dem Taugenichts gute Manieren beizubringen“, schoss es ihm durch den Kopf. — Das ist kein Scherz! — entgegnete Boris herausfordernd. — Varvara bleibt bei uns und in drei Monaten heiraten wir. Wenn du dich nicht an meiner Hochzeit beteiligen willst, dann mach ich’s auch ohne dich! — Guten Tag! — lächelte Varvara und marschierte gleich wie eine Hausherrin in die Küche. — Hier sind Piroggen, selbstgemachte Himbeermarmelade, getrocknete Pilze… — zählte sie auf, während sie ihre zerfledderte Einkaufstasche auspackte. Roman Filimonowitsch griff sich ans Herz, als er sah, wie Varvara die schneeweiße, handgestickte Tischdecke mit Marmelade ruinierte. — Boris! Komm zur Vernunft! Wenn du mir eins auswischen willst, findest du keinen grausameren Weg! Aus welchem Dorf hast du diese Wildfremde angeschleppt? Ich werde nicht zulassen, dass sie in meinem Haus wohnt! — schrie der Professor verzweifelt. — Ich liebe Varvara, und meine Frau hat jedes Recht, in meiner Wohnung zu leben! — spottete Boris höhnisch. Roman Filimonowitsch merkte, dass sein Sohn ihm bloß eins auswischen wollte. Ohne weiter zu diskutieren, ging er schweigend auf sein Zimmer. Seit einiger Zeit hatte sich das Verhältnis zum Sohn völlig verändert. Nach dem Tod der Mutter wurde Boris unkontrollierbar: schmiss das Studium, war unverschämt zu seinem Vater und führte ein ausschweifendes, sorgloses Leben. Roman Filimonowitsch hoffte darauf, dass der Sohn zur Vernunft käme, wieder der besonnene und liebe Boris von früher würde. Doch mit jedem Tag entfernte Boris sich mehr. Und heute schleppte er auch noch dieses Dorfmädchen an, wohl wissend, dass der Vater niemals seine Wahl akzeptieren würde. Kurz darauf heirateten Boris und Varvara. Roman Filimonowitsch verweigerte die Teilnahme an der Hochzeit, er wollte die ungeliebte Schwiegertochter nicht akzeptieren. Er ärgerte sich darüber, dass an Larissas Stelle – der hervorragenden Hausfrau, Ehefrau und Mutter – nun dieses ungebildete Mädchen kam, das nicht einmal zwei Sätze geradeheraus sprechen konnte. Varvara schien die Ablehnung des Schwiegervaters kaum zu bemerken und bemühte sich, ihm in allem zu gefallen – es wurde aber nur schlimmer. Für Roman gab es an ihr kein einziges gutes Merkmal, nur Bauernmanieren und Unbildung. Boris, nachdem er genug den Mustergatten gespielt hatte, fing bald wieder an zu trinken und rumzupöbeln. Der Vater hörte häufig die Streitereien der Jungen und freute sich insgeheim, dass Varvara irgendwann für immer das Haus verlassen würde. — Herr Filimonowitsch! — stürmte die Schwiegertochter eines Tages unter Tränen herein. — Boris will sich scheiden lassen und wirft mich sogar auf die Straße – und ich bin schwanger! — Aber auf die Straße musst du nicht, meine Liebe. Fahr doch einfach zurück, woher du gekommen bist. Dass du ein Kind erwartest, gibt dir kein Recht hier zu bleiben. Entschuldige, aber ich werde mich nicht in eure Beziehung einmischen, — sprach der Professor und war innerlich erleichtert, dass er bald die Schwiegertochter los wäre. Varvara weinte verzweifelt, packte ihre Sachen und verstand nicht, warum ihr Schwiegervater sie vom ersten Tag an hasste und Boris sie wie ein Hund behandelte, nur um sie hinauszuwerfen. Was machte es schon, dass sie vom Land kam – sie hatte doch genauso Herz und Gefühle… *** Acht Jahre vergingen… Roman Filimonowitsch lebte im Altenheim. Der ältere Herr hat seit einigen Jahren stark abgebaut. Boris nutzte das eiskalt aus, schob den Vater schnell ab, um selbst keine Mühen mehr zu haben. Der alte Mann ergab sich seinem Schicksal. Immerhin hatte er in seinem Leben Tausenden Liebe, Respekt und Fürsorge beigebracht. Ehemalige Schüler schickten ihm nach wie vor Dankesbriefe… Aber den eigenen Sohn hatte er nie wirklich zu einem guten Menschen erzogen… — Roman, du bekommst Besuch — rief der Zimmernachbar zurück von seinem Spaziergang. — Wer? Boris? — entfuhr es dem Alten, obwohl er wusste, dass das unmöglich war. Der Sohn würde ihn nie besuchen, dazu war der Hass zu groß… — Weiß nicht, die Schwester hat gesagt, ich soll dich holen. Worauf wartest du? Los, beeil dich! — lächelte der Nachbar. Roman griff zum Gehstock und verließ langsam sein kleines, stickiges Zimmer. Beim Treppenabgang sah er sie schon von weitem, erkannte sie sofort – trotz der langen Zeit seit dem letzten Wiedersehen. — Guten Tag, Varvara! — sagte er fast schüchtern und senkte den Kopf. Vermutlich spürte er bis heute seine Schuld gegenüber dem ehrlichen, einfachen Mädchen, für das er damals nie einstehen wollte… — Herr Filimonowitsch? — staunte die rosige Frau. — Sie haben sich sehr verändert… Sind Sie krank? — Ein wenig… — lächelte er traurig. — Was führt dich her? Wie hast du erfahren, wo ich bin? — Boris hat es mir gesagt. Er will ja partout nichts mit seinem Sohn zu tun haben. Aber Ivan will ständig, mal zum Papa, mal zum Opa… Ivan ist doch nicht schuld daran, dass ihr ihn nicht akzeptiert. Er sehnt sich nach Familie. Wir sind doch inzwischen ganz allein… — erzählte sie mit zitternder Stimme. — Entschuldigen Sie, vielleicht war das nun alles unnötig. — Moment! — bat der alte Herr. — Wie alt ist Ivan inzwischen? Ich erinnere mich, das letzte Foto, das du mir schicktest, da war er erst drei. — Er wartet draußen. Soll ich ihn holen? — fragte Varvara verunsichert. — Natürlich, mein Kind, ruf ihn! — freute sich Roman Filimonowitsch. In die Halle trat ein rothaariger Junge, das kleine Ebenbild von Boris. Ivan ging zaghaft auf den Opa zu, den er nie zuvor gesehen hatte. — Guten Tag, mein Junge! Du bist ja schon richtig groß… — Roman weinte, während er den Enkel umarmte. Lange gingen sie spazieren und unterhielten sich im Herbstpark vor dem Altenheim. Varvara erzählte von ihrem schweren Leben, dem frühen Tod der Mutter und wie sie allein Sohn und Hof durchs Leben brachte. — Verzeih, Varvara! Ich habe sehr viel falsch gemacht, obwohl ich mich für klug und gebildet hielt, habe ich erst jetzt verstanden, dass man Menschen nicht nach Intellekt und Manieren bewerten sollte, sondern nach Ehrlichkeit und Herzlichkeit, — gestand der alte Mann. — Herr Filimonowitsch! Wir wollten Sie gerne etwas fragen, — lächelte Varvara nervös und stotternd. — Kommen Sie doch zu uns! Sie sind allein, und wir – Ivan und ich – auch… Es wäre so schön, endlich wieder Familie um sich zu haben. — Opa, komm mit! Dann gehen wir zusammen angeln, sammeln Pilze im Wald… Bei uns im Dorf ist es wunderschön und im Haus ist viel Platz! — bat Ivan und hielt fest die Hand des Großvaters. — Ich komme mit! — lächelte Roman Filimonowitsch. — Ich habe in der Erziehung meines Sohnes einiges versäumt, aber vielleicht kann ich dir geben, was Boris damals gefehlt hat. Außerdem war ich noch nie auf dem Land. Ich bin sicher, es wird mir gefallen! — Ganz bestimmt! — lachte Ivan fröhlich.
Nach der Beerdigung meines Mannes sagte mein Sohn: ‘Steig aus’, doch er hatte keine Ahnung, was ich bereits getan hatte