„Man sollte vorher Bescheid sagen, ich habe gar nichts vorbereitet! Wissen Sie eigentlich, wie teuer es ist, Gäste zu empfangen?!“ – schimpfte die Schwiegermutter Ich bin Schwiegertochter: ganz normal, berufstätig, ohne Krönchen auf dem Kopf. Mein Mann und ich leben in unserer eigenen Wohnung in der Stadt, alles stemmen wir selbst – Kredit, Nebenkosten, Arbeiten von früh bis spät. Die Schwiegermutter wohnt auf dem Dorf, die Schwägerin ebenfalls. Eigentlich wäre alles okay, wenn die beiden nicht beschlossen hätten, unsere Wohnung sei das perfekte Wochenend-Resort. Anfangs klang das sogar nett: – Wir kommen am Samstag mal kurz vorbei. – Ist ja nicht lange. – Wir sind doch Familie. “Kurz vorbei” heißt mit Übernachtung und „nicht lange“ mit leeren Töpfen und erwartungsvollen Blicken auf ein Festmahl. Jedes Wochenende das gleiche Spiel: Nach der Arbeit hetze ich durch die Geschäfte, koche, putze, decke den Tisch, lächle – und stehe danach halb die Nacht am Spülbecken. Frau Valentin sagt dazu: – Warum ist kein Mais im Salat? – Ich mag Borschtsch kräftiger. – Bei uns auf dem Dorf macht man das anders. Und die Schwägerin: – Oh, ich bin so fertig von der Fahrt. – Gibt’s keinen Nachtisch? Nie ein „Danke“, nie ein „Sollen wir helfen?“ Irgendwann reichte es mir und ich sagte zu meinem Mann: – Ich bin kein Hausmädchen und will nicht jedes Wochenende deine Familie bedienen. – Vielleicht sollte man wirklich mal was ändern. Da kam mir eine Idee. Beim nächsten Mal ruft die Schwiegermutter an: – Am Samstag kommen wir zu euch. – Tut mir leid, wir haben am Wochenende etwas vor, sage ich ruhig. – Was denn für Pläne? – Unsere eigenen. Und wissen Sie was? Wir sind wirklich gefahren – allerdings nicht „zu unseren Plänen“, sondern zu Valentin ins Dorf. Samstag früh stehen mein Mann und ich bei ihr im Hof. Die Schwiegermutter macht die Tür auf – und ist völlig perplex. – Was soll das denn?! – Wir sind zum Besuch da. Nur kurz. – Man sollte aber vorher Bescheid sagen, ich habe gar nichts vorbereitet! Wissen Sie, wie teuer es ist, Gäste zu empfangen?! Ich sehe sie an und sage ruhig: – Sehen Sie, so geht es mir jedes Wochenende. – Willst du mir etwa eine Lektion erteilen?! Frechheit! Es wurde so laut, dass alle Nachbarn schauten – und wir fuhren nach Hause. Und das Beste: Seitdem kein unangekündigter Besuch mehr. Keine „Wir kommen mal kurz vorbei“ und keine Wochenenden für mich in der Küche. Manchmal muss man anderen einfach zeigen, wie es sich auf deiner Seite anfühlt. Was meinen Sie – habe ich richtig gehandelt? Was hätten Sie in dieser Situation getan?

Man muss doch vorher Bescheid geben ich habe überhaupt nichts vorbereitet! Wisst ihr eigentlich, wie teuer es ist, Gäste zu bewirten?! schimpfte meine Schwiegermutter, Frau Edelgard Schröder.

Ich bin ihre Schwiegertochter: eine gewöhnliche berufstätige Frau, keine Prinzessin. Mein Mann Klaus und ich leben in unserer eigenen Wohnung mitten in Hamburg, zahlen brav unseren Kredit ab, stemmen die Nebenkosten und arbeiten bis spät abends.

Frau Edelgard wohnt auf dem Land, zusammen mit meiner Schwägerin Gertrud. An sich wäre das ja in Ordnung, wenn sie nicht beschlossen hätten, dass unsere Wohnung ihr privates Wellnesshotel für das Wochenende ist. Anfänglich klang das ja nett:

Wir kommen am Samstag mal vorbei.

Aber nur ganz kurz.

Wir sind doch Familie.

Aber nur ganz kurz bedeutete natürlich Übernachtung, und vorbeikommen hieß sie kamen mit Tüten voller leerer Töpfe und einem Gesichtsausdruck, der ein Festmahl erwartete.

Jedes Wochenende das Gleiche: Nach der Arbeit hetze ich durch die Supermärkte, koche, putze, decke den Tisch, lächle und wühle dann bis tief in die Nacht im Geschirrberg und räume auf. Frau Edelgard sitzt da und meckert:

Wieso ist im Salat keine Erbsen?

Die Suppe könnte deftiger sein.

Bei uns auf dem Land macht man das anders.

Und Gertrud setzt noch einen drauf:

Ach, ich bin von der Fahrt so erschöpft.

Wo ist der Nachtisch?

Und niemals kam ein: Danke! Kann ich helfen?

Irgendwann reichte es mir. Ich sagte zu Klaus:

Ich bin doch kein Dienstmädchen! Ich habe keine Lust, jedes Wochenende deine Familie zu bedienen.

Da muss echt mal was passieren, meinte er.

Und da hatte ich eine Idee.

Beim nächsten Mal rief Frau Edelgard an:

Wir kommen am Samstag zu euch.

Oh, da haben wir schon was vor am Wochenende, entgegnete ich gelassen.

Was denn?

Ach, unsere Sachen eben.

Und was taten wir? Wir fuhren wirklich los aber nicht zu irgendeinem Plan, sondern zu Frau Edelgards Haus. Am Samstagmorgen standen wir plötzlich auf ihrem Hof. Frau Edelgard öffnet die Tür und stutzt:

Was ist das denn?!

Wir sind heute bei Ihnen zu Gast. Nur ganz kurz.

Ach so, das muss man vorher sagen! Ich habe überhaupt nichts vorbereitet! Wisst ihr, wie teuer Gäste sind?!

Ich schaute sie ruhig an:

Sehen Sie, genau so geht es mir jeden Samstag.

Willst du mir jetzt eine Lektion erteilen?! Unverschämtheit!

Das Gebrüll war so laut, dass die Nachbarn aus ihren Fenstern schauten, und wir fuhren wieder nach Hause.

Und wissen Sie, was das Beste daran ist? Seitdem gab es keinen unangekündigten Besuch mehr. Kein Wir kommen nur kurz vorbei und keine Wochenenden mehr in meiner Küche. Manchmal muss man die Perspektive wechseln, damit andere einen wirklich verstehen.

Letzten Endes habe ich gelernt: Richtig gehört wird man erst, wenn andere erleben, wie sich die eigene Situation anfühlt. Respekt und Rücksicht sind keine Selbstverständlichkeit man muss sie manchmal einfordern.

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Homy
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„Man sollte vorher Bescheid sagen, ich habe gar nichts vorbereitet! Wissen Sie eigentlich, wie teuer es ist, Gäste zu empfangen?!“ – schimpfte die Schwiegermutter Ich bin Schwiegertochter: ganz normal, berufstätig, ohne Krönchen auf dem Kopf. Mein Mann und ich leben in unserer eigenen Wohnung in der Stadt, alles stemmen wir selbst – Kredit, Nebenkosten, Arbeiten von früh bis spät. Die Schwiegermutter wohnt auf dem Dorf, die Schwägerin ebenfalls. Eigentlich wäre alles okay, wenn die beiden nicht beschlossen hätten, unsere Wohnung sei das perfekte Wochenend-Resort. Anfangs klang das sogar nett: – Wir kommen am Samstag mal kurz vorbei. – Ist ja nicht lange. – Wir sind doch Familie. “Kurz vorbei” heißt mit Übernachtung und „nicht lange“ mit leeren Töpfen und erwartungsvollen Blicken auf ein Festmahl. Jedes Wochenende das gleiche Spiel: Nach der Arbeit hetze ich durch die Geschäfte, koche, putze, decke den Tisch, lächle – und stehe danach halb die Nacht am Spülbecken. Frau Valentin sagt dazu: – Warum ist kein Mais im Salat? – Ich mag Borschtsch kräftiger. – Bei uns auf dem Dorf macht man das anders. Und die Schwägerin: – Oh, ich bin so fertig von der Fahrt. – Gibt’s keinen Nachtisch? Nie ein „Danke“, nie ein „Sollen wir helfen?“ Irgendwann reichte es mir und ich sagte zu meinem Mann: – Ich bin kein Hausmädchen und will nicht jedes Wochenende deine Familie bedienen. – Vielleicht sollte man wirklich mal was ändern. Da kam mir eine Idee. Beim nächsten Mal ruft die Schwiegermutter an: – Am Samstag kommen wir zu euch. – Tut mir leid, wir haben am Wochenende etwas vor, sage ich ruhig. – Was denn für Pläne? – Unsere eigenen. Und wissen Sie was? Wir sind wirklich gefahren – allerdings nicht „zu unseren Plänen“, sondern zu Valentin ins Dorf. Samstag früh stehen mein Mann und ich bei ihr im Hof. Die Schwiegermutter macht die Tür auf – und ist völlig perplex. – Was soll das denn?! – Wir sind zum Besuch da. Nur kurz. – Man sollte aber vorher Bescheid sagen, ich habe gar nichts vorbereitet! Wissen Sie, wie teuer es ist, Gäste zu empfangen?! Ich sehe sie an und sage ruhig: – Sehen Sie, so geht es mir jedes Wochenende. – Willst du mir etwa eine Lektion erteilen?! Frechheit! Es wurde so laut, dass alle Nachbarn schauten – und wir fuhren nach Hause. Und das Beste: Seitdem kein unangekündigter Besuch mehr. Keine „Wir kommen mal kurz vorbei“ und keine Wochenenden für mich in der Küche. Manchmal muss man anderen einfach zeigen, wie es sich auf deiner Seite anfühlt. Was meinen Sie – habe ich richtig gehandelt? Was hätten Sie in dieser Situation getan?
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