Du wusstest doch, dass er ein Schwächling ist”, flüsterte die Schwiegermutter, als er gegangen war

Du wusstest doch, dass er ein Schwächling ist, flüsterte die Schwiegermutter, als er gegangen war.
Ich verstehe nicht, warum man so viel Fleisch kaufen muss, brummte Hildegard Meier und musterte den Inhalt des Kühlschranks. Für drei Erwachsene wäre die Hälfte genug gewesen.

Lena schnitt schweigend Zwiebeln für den Salat. Tränen liefen ihr über die Wangen, aber nicht wegen der Zwiebeln. Sondern weil sie täglich solche Bemerkungen der Schwiegermutter über ihre Haushaltsführung ertragen musste.

Und die Kartoffeln sind ganz matschig, hörte die ältere Frau nicht auf. Wo kaufst du die eigentlich? Beim ersten besten Kiosk?

Auf dem Markt, Hildegard Meier, antwortete Lena leise. Dort, wo immer.

Ach ja, ach ja. Und was bringts? Geld zum Fenster rausgeworfen.

Lena legte das Messer auf das Schneidebrett und atmete tief durch. Fünf Jahre verheiratet, und jeden Tag dasselbe. Kritik, Unzufriedenheit, Vorwürfe. Und ihr Mann, Matthias, schwieg, tat so, als höre er nichts.

Matthias, das Essen ist fertig!, rief sie in Richtung des Zimmers, wo ihr Mann mit dem Handy auf dem Sofa lag.

Gleich, nur eine Minute, antwortete er, ohne vom Bildschirm aufzublicken.

Was heißt hier eine Minute?, empörte sich Hildegard Meier. Das Essen wird kalt, und er spielt mit seinem Spielzeug. Matthias, komm sofort an den Tisch!

Gehorsam legte der Sohn das Handy weg und kam in die Küche. Er setzte sich auf seinen gewohnten Platz neben der Mutter, gegenüber seiner Frau.

Was gibts heute?, fragte er und entfaltete die Serviette.

Rindfleischeintopf und Frikadellen, antwortete Lena und füllte die Suppe in die Teller.

Schon wieder Eintopf, verzog die Schwiegermutter das Gesicht. Davon bekomme ich Sodbrennen. Lena, du weißt doch, dass ich nichts Saures vertrage.

Dann essen Sie ihn ohne Sauerrahm, schlug die Schwiegertochter vor. Ich habe extra keine Zitronensäure dazugegeben.

Was macht das für einen Unterschied? Ist trotzdem sauer. Und warum hast du so viel Kohl reingeschnitten? Siehst du doch, dass Matthias davon Blähungen bekommt.

Lena sah ihren Mann an und erwartete, dass er wenigstens etwas sagen würde. Doch Matthias löffelte schweigend seine Suppe, als ginge ihn das Gespräch nichts an.

Beim nächsten Mal koche ich nur Fleischbrühe, gab Lena nach.

Na also. Immer diese ausgefallenen Ideen. Früher haben die Leute sich mit einfachen Gerichten begnügt, und sie waren gesünder.

Das Mittagessen verlief im gewohnten Schweigen. Hildegard Meier fand systematisch Fehler an jedem Gericht, Matthias nickte und stimmte zu, und Lena zählte die Minuten, bis diese Qual vorbei war.

Nach dem Essen ging die Schwiegermutter in ihr Zimmer, um Serien zu schauen, und Lena räumte den Tisch ab. Matthias wollte zurück aufs Sofa, doch seine Frau hielt ihn auf.

Matthias, wir müssen reden.

Worüber?, blieb er unwillig in der Tür stehen.

Über deine Mutter. Ich kann nicht mehr so leben.

Was ist denn passiert? Mama tut doch nichts Schlimmes.

Lena ließ fast den Teller fallen ob dieser Naivität.

Nichts Schlimmes? Matthias, sie kritisiert jeden meiner Schritte! Das Essen, das Putzen, die Einkäufe. Ich fühle mich wie eine Dienstmagd im eigenen Haus.

Mama ist es halt gewöhnt, alles zu kontrollieren. Sie war ihr Leben lang die Hausherrin.

Hausherrin? Und was bin ich? Eine vorübergehende Untermieterin?

Matthias rieb sich verlegen den Nacken.

Lena, übertreib doch nicht. Mama ist alt, es fällt ihr schwer, sich umzugewöhnen. Hab noch etwas Geduld.

Fünf Jahre habe ich Geduld gehabt! Fünf Jahre habe ich darauf gewartet, dass sie sich ändert. Und sie wird nur dreister.

Was soll ich denn tun? Meine eigene Mutter vor die Tür setzen?

Ich will, dass du ihr Grenzen setzt. Dass du ihr klar machst, dass ich in diesem Haus die Hausherrin bin, deine Frau.

Matthias schüttelte den Kopf.

So kann ich nicht mit ihr reden. Sie hat mich geboren, mich erzogen.

Und ich? Bin ich eine Fremde? Wir sind doch eine Familie!

Natürlich sind wir eine Familie. Aber meine Mutter habe ich nur einmal.

Lena spürte, wie sich alles in ihr vor Verletzung zusammenzog. Immer dasselbe. Die Mutter war wichtiger als die Frau.

Gut, sagte sie und kämpfte gegen die Tränen. Verstanden.

Lena, sei nicht beleidigt. Man muss Verständnis für ältere Menschen haben.

Ihr Mann trat auf sie zu und strich ihr über die Schulter. Lena wich zurück.

Geh zu deiner Mutter. Sie vermisst dich bestimmt schon.

Matthias stand noch einen Moment da, dann winkte er ab und ging. Lena blieb allein in der Küche mit einem Berg schmutzigen Geschirrs und schweren Gedanken.

Sie hatte Matthias an der Uni kennengelernt. Er wirkte so zuverlässig, ruhig. Nicht wie ihre früheren Freunde Schreihälse und Raufbolde. Matthias hatte nie die Stimme erhoben, war immer höflich und rücksichtsvoll. Zwar manchmal etwas zu weich, aber Lena dachte, das sei sogar gut. Sie hatte genug von Konflikten und Streit in ihrer eigenen Familie.

Die Schwiegermutter hatte sie erst auf der Hochzeit kennengelernt. Hildegard Meier wirkte wie eine freundliche ältere Dame, etwas streng, aber wohlwollend. Sie sagte, sie habe sich schon lange eine Schwiegertochter gewünscht und würde sie wie eine Tochter lieben.

Die ersten Probleme begannen, als das junge Paar eine Wohnung in der Nähe der Schwiegereltern mietete. Hildegard Meier kam jeden Tag vorbei, mal wegen Salz, mal wegen irgendetwas anderem. Nebenbei musterte sie die Wohnung mit kritischem Blick.

Lena, warum ist dein Boden so stumpf?, fragte sie. Du benutzt das falsche Putzmittel.

Oder:

Irgendwie riecht es muffig im Schlafzimmer. Ihr müsst öfter lüften.

Lena versuchte, es zu ignorieren, dachte, die Schwiegermutter sorge sich nur um ihren Sohn. Doch die Bemerkungen wurden immer bissiger.

Dann verlor Matthias seinen Job. Das Geld reichte nicht mehr für die Miete, und Hildegard Meier bot großzügig an, dass sie zu ihr ziehen könnten. Vorübergehend, natürlich, bis ihr Sohn eine neue Stelle fand.

Dieses Vorübergehend zog sich über drei Jahre hin. Matthias fand eine Stelle in einer kleinen Firma mit bescheidenem Gehalt, doch ausziehen konnten sie nicht. Und Hildegard Meier machte kein Geheimnis mehr daraus, dass sie Lena für keine passende Partnerin hielt.

Die Schwiegertochter meiner Freundin Gisela ist ganz anders, sagte sie. Sparsam, hausfraulich. Die Wohnung wie aus dem Magazin, und sie kann mit Geld umgehen. Vor allem sie respektiert ihren Mann.

Die Anspielung war klar. Lena respektierte ihren Mann nicht, wenn sie es wagte, mit ihm zu streiten.

Jetzt spülte Lena das Geschirr und ging ins Badezimmer. Sie betrachtete sich im Spiegel. Dreißig Jahre alt, doch sie sah aus wie vierzig. Ständige Anspannung und Schlafmangel hatten ihr zugesetzt.

Aus dem Wohnzimmer drangen Fernsehgeräusche und das leise Gespräch der Mutter mit dem Sohn. Hildegard Meier erzählte Matthias von der Nachbarin, die wieder falsch geparkt hatte.

Man müsste mal mit ihr reden, sagte die Schwiegermutter. Aber du weißt ja, wie grob sie ist.

Ach Mama, lass dich doch nicht auf sie ein. Wozu die Nerven verschwenden?

Ganz recht, mein Sohn. Mit solchen Tussis soll man sich nicht abgeben.

Lena wusste, dass das Gespräch nicht nur über die Nachbarin ging. Hildegard Meier deutete oft an, dass die Schwiegertochter auch zu denen gehörte, mit denen man sich besser nicht einließ. Doch Matthias hatte sich scheinbar bereits eingelassen, und nun musste man es ertragen.

Am Abend versuchte Lena noch einmal, mit ihrem Mann zu sprechen. Sie wartete, bis die Schwiegermutter schlafen ging, und setzte sich zu Matthias aufs Sofa.

Matthias, ich meine es ernst. Ich fühle mich in diesem Haus unglücklich.

Lena, schon wieder dasselbe.

Was soll ich denn tun? Bis ans Lebensende schweigen?

Doch nicht bis ans Lebensende. Mama ist nicht ewig.

Lena erstarrte bei diesen Worten.

Du willst also, dass ich warte, bis deine Mutter stirbt?

Nein! Nur… Sie ist schon alt. Vielleicht ziehen wir bald wirklich aus.

Wohin? Mit deinem Gehalt können wir nicht mal ein Zimmer mieten.

Ich finde einen besseren Job.

Du suchst schon seit drei Jahren.

Matthias seufzte gereizt.

Kannst du nicht aufhören, mich zu bedrängen? Ich habe ohnehin Kopfschmerzen von deinen Vorwürfen.

Du hast Kopfschmerzen? Und ich?

Lena, hör auf. Lass uns lieber einen Film schauen.

Er griff zur Fernbedienung und schaltete den Kanal um. Für ihn war das Gespräch beendet. Lena saß noch eine Weile neben ihm, dann stand sie auf und ging ins Schlafzimmer.

Dort holte sie ein altes Notizbuch hervor, das sie im ersten Ehejahr geführt hatte. Sie hatte ihre Gedanken, Pläne, Träume hineingeschrieben. Sie blätterte die vergilbten Seiten durch.

Ich wünsche mir ein eigenes Zuhause, nur für unsere Familie. Dass Kinder durch die Wohnung toben, dass ich selbst entscheide, was ich koche und wie ich aufräume.

Kinder. Sie hatte sich Kinder gewünscht, doch Matthias sagte immer, es sei noch zu früh. Erst müssten sie fest im Leben stehen, dann eine eigene Wohnung finden. Und bis dahin sei kein Platz da, kein Geld.

Matthias ist so gutmütig und geduldig. Er schreit nie, hört immer zu. Er wird ein wunderbarer Vater sein.

Ein wunderbarer Vater für Kinder, die sie nie bekommen hatten. Und die sie nicht bekommen würden, solange sie mit Hildegard Meier unter einem Dach lebten.

Lena schloss das Notizbuch und legte sich ins Bett. Matthias kam eine Stunde später, legte sich vorsichtig neben sie, um sie nicht zu wecken. Sie schlief nicht, tat aber so.

Am Morgen verkündete die Schwiegermutter beim Frühstück:

Heute kommt Gisela zu Besuch. Lange nicht gesehen. Lena, räum bitte gründlich auf, sonst ist es peinlich.

Ich räume jeden Tag auf, Hildegard Meier.

Du meinst vielleicht. Ich sehe Staub auf den Regalen.

Wo Staub?, wunderte sich Lena.

Überall! Auf den Bücherregalen, auf dem Fernseher. Und die Spiegel im Flur sind schmutzig.

Lena stand auf und ging durch die Wohnung. Staub fand sie nicht, die Spiegel waren sauber. Doch sie widersprach nicht. Sie nahm einen Lappen und wischte alle Flächen noch einmal ab.

Gisela kam zum Mittagessen. Eine kräftige Dame im grellen Kleid, mit lauter Stimme und selbstbewusstem Auftreten.

Hilde, wie gehts?, rief sie schon an der Tür. Und das ist deine Schwiegertochter? Lena, nicht wahr? Hilde hat von dir erzählt.

Lena begrüßte sie und bot Tee an. Die Frauen setzten sich in die Küche und plauderten über die neuesten Nachrichten.

Meine Sabine hat schon wieder ihren Mann gewechselt, teilte Gisela mit. Der dritte schon. Sie sagt, der letzte war ein Schwächling, keine Initiative.

Ja, die Männer von heute taugen nichts, stimmte Hildegard Meier zu. So willenlos.

Lena spülte Geschirr und lauschte unwillkürlich dem Gespräch.

Und dein Matthias? Arbeitet er noch irgendwo?

Natürlich arbeitet er. Ein guter Junge, nur etwas zu weich. Hat Angst vor seiner Frau, stell dir vor!

Lena zuckte zusammen und ließ fast eine Tasse fallen.

Echt?, wunderte sich die Besucherin. Dabei wirkt er so ruhig, selbstbewusst.

Ruhig ist er ja. Aber er hat keinen Charakter. Sie widerspricht ihm, und er schweigt. Ich sage: Matthias, bist du ein Mann oder was? Und er: Mama, misch dich nicht ein.

Aha. Und wie ist sie, die Schwiegertochter? Streng?

Hildegard Meier senkte die Stimme, doch Lena hörte trotzdem.

Streng? Ach wo. Ganz normal. Nur versteht sie nicht, dass man einen Mann respektieren muss, nicht an allem herumnörgeln.

Und Kinder haben sie keine?

Noch nicht. Lena ist mit ihrer Karriere beschäftigt. Und Matthias zwingt sie natürlich nicht. Er ist so sanftmütig.

Lena stand am Spülbecken und spürte, wie ihr die Wangen vor Scham brannten. Die Schwiegermutter besprach also ihr Eheleben mit Fremden. Und machte sie für alle Probleme verantwortlich.

Die Besucherin ging erst am späten Abend. Matthias kam müde und hungrig von der Arbeit.

Ist das Abendessen fertig?, fragte er, während er im Flur seine Jacke ablegte.

Ich wärme es gleich auf, antwortete Lena.

Beim Essen erzählte Hildegard Meier ihrem Sohn vom Besuch der Freundin, doch natürlich erwähnte sie nicht, dass sie sein Privatleben besprochen hatte.

Gisela hat sich nach uns erkundigt, sagte sie. Eine nette Frau, schade, dass wir uns so selten sehen.

Matthias nickte und aß seine Frikadelle. Lena dachte daran, dass Gisela morgen ihren Freundinnen von dem weichlichen Matthias und seiner zickigen Frau erzählen würde.

Nach dem Essen ging die Schwiegermutter fernsehen, und Lena blieb mit Matthias in der Küche.

Matthias, deine Mutter hat heute vor einer Fremden über unsere Ehe gesprochen, sagte sie leise.

Worüber denn?

Dass wir keine Kinder haben. Dass ich dich nicht respektiere. Dass du ein Schwächling bist.

Matthias verzog das Gesicht.

Das kann sie nicht gesagt haben.

Doch. Ich habe es selbst gehört.

Vielleicht hast du es falsch verstanden. Mama meint es nicht böse.

Matthias, sie hat dich einen Schwächling genannt! Vor einer Fremden!

Lena, reg dich nicht auf. Was interessiert es uns, was andere reden.

Mich interessiert es! Das ist meine Familie, mein Mann. Ich will nicht, dass über uns getratscht wird.

Niemand trat

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Homy
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