Bist du mein Glück?

Eigentlich hatte ich nicht vor zu heiraten. Wäre nicht die beharrliche Werbung meines zukünftigen Mannes gewesen, wäre ich wohl noch heute ein freier Vogel geblieben. Markus, wie ein verrückter Nachtfalter, schwirrte um mich herum, ließ mich keine Sekunde aus den Augen, bemühte sich in allem gefällig zu sein, blies mir jeden Staubkorn vom Mund Kurz gesagt, ich gab nach. Wir heirateten.

Markus wurde sofort zu einem häuslichen, vertrauten Menschen. Mit ihm war es bequem und leicht. Wie in alten Pantoffeln.

Nach einem Jahr kam unser Sohn Frederik zur Welt. Mein Mann arbeitete in einer anderen Stadt. Nach Hause kam er nur einmal die Woche. Er brachte Frederik und mir immer leckere Mitbringsel mit. Bei einem seiner Besuche machte ich mich wie üblich daran, seine Wäsche zu waschen. Ich durchsuchte alle Taschen das war zur Gewohnheit geworden. Einmal hatte ich seinen Führerschein mitgewaschen

Seitdem überprüfe ich vor dem Waschen jede Falte. Dieses Mal fiel ein zusammengefalteter Zettel aus seiner Hose. Ich öffnete ihn und las: eine lange Liste mit Schulsachen (es war August). Am Ende stand in kindlicher Schrift: *Papa, komm bald nach Hause.*

Aha! So also vergnügte sich mein Mann in der Fremde! Ein Bigamist!

Ich fing keine Szene an, schnappte mir meine Tasche, nahm Frederik (der noch nicht mal drei war) an die Hand und ging zu meiner Mutter. Für längere Zeit. Sie gab uns ein kleines Zimmer: *Bleibt hier, bis ihr euch versöhnt habt.*

Der Gedanke an Rache ließ mich nicht los. Ich erinnerte mich an meinen alten Schulfreund Stefan. Mit ihm würde ich es ihm so richtig zeigen! Stefan hatte mir schon in der Schule und danach keine Ruhe gelassen. Ich rief an.

*Hallo, Steffi! Bist du noch nicht verheiratet?*, fing ich vorsichtig an.
*Nadja? Hallo! Was macht das schon, verheiratet, geschieden Treffen wir uns?*, war er sofort Feuer und Flamme.

Meine ungeplante Affäre dauerte ein halbes Jahr. Markus brachte Frederik jeden Monat Unterhalt. Er übergab das Geld meiner Mutter und verschwand wortlos.

Ich wusste, dass mein Mann jetzt mit Katharina lebte. Sie hatte eine Tochter aus erster Ehe. Katharina bestand darauf, dass das Mädchen Markus Papa nannte. Sie wohnten alle in seiner Wohnung. Sobald Katharina hörte, dass ich weg war, zog sie sofort aus ihrer Stadt zu ihm. Sie vergötterte Markus. Stricke ihm Wollsocken, warme Pullover, kochte ihm reichhaltige Mahlzeiten. All das erfuhr ich später. Mein Leben lang würde ich ihm Katharina vorhalten. Damals aber schien unsere Ehe ausgebrannt, zusammengebrochen

Doch als wir uns bei einem Kaffee trafen (um die Scheidung zu besprechen), überkam uns beide eine Flut schöner Erinnerungen. Markus gestand mir seine unsterbliche Liebe, bereute alles. Er wisse nicht, wie er die lästige Katharina loswerden solle.

Mir tat er unendlich leid. Wir fanden wieder zusammen. Übrigens wusste Markus nichts von Stefan. Katharina und ihre Tochter verließen unsere Stadt für immer.

Es folgten sieben glückliche Ehejahre. Dann verunglückte Markus im Straßenverkehr. Operationen am Bein, Rehabilitation, Gehen mit einem Stock. Die Genesung dauerte zwei Jahre. Die Prozeduren zermürbten ihn. Markus begann heftig zu trinken. Verlor jeden menschlichen Anstand. Zog sich zurück. Es war schwer, das mitanzusehen. Appelle halfen nichts. Er quälte sich und uns. Jede Hilfe lehnte er ab.

Dafür fand ich auf der Arbeit einen Tröster: Paul. Er hörte mir im Raucherbereich zu, ging mit mir nach Feierabend spazieren, tröstete, ermutigte. Paul war verheiratet. Seine Frau erwartete ihr zweites Kind. Bis heute weiß ich nicht, wie wir im selben Bett landeten. Wahnsinn! Er war einen Kopf kleiner als ich, irgendwie unscheinbar, ganz und gar nicht mein Typ!

Und dann ging es los! Paul schleppte mich zu Ausstellungen, Konzerten, Ballettaufführungen. Als seine Frau dann ihre Tochter zur Welt brachte, hörte er mit den Vergnügungen auf. Er kündigte und wechselte die Firma. Vielleicht dachte er dann an mich: *Aus den Augen, aus dem Sinn*? Ich verlangte nichts von ihm und ließ ihn leichtherzig ziehen. Dieser Mann hatte nur zeitweise meinen Seelenschmerz betäubt. Ich wollte keine fremde Liebe zerstören.

Mein Mann soff weiter.

Fünf Jahre später trafen Paul und ich uns zufällig. Er bot mir ernsthaft die Ehe an. Ich musste lachen.

Mein Markus raffte sich kurzzeitig auf. Er ging in die Tschechische Republik, um dort zu arbeiten. Ich war in dieser Zeit eine mustergültige Ehefrau und fürsorgliche Mutter. Alle meine Gedanken galten nur meiner Familie.

Nach einem halben Jahr kam Markus zurück. Wir renovierten die Wohnung, kauften neue Geräte. Endlich reparierte er seinen Importwagen. Man könnte meinen: *Leben und genießen!* Aber nein! Mein Mann fiel zurück und soff. Die Hölle begann von vorn. Seine Kumpane trugen ihn nach Hause. Allein schaffte er es nicht. Höchstens kroch er Oft suchte ich ihn im Viertel, fand ihn schlafend auf einer Bank, mit leeren, umgestülpten Taschen, und schleppte ihn heim.

Dann stand ich eines Frühlingsmorgens traurig an der Bushaltestelle. Die Vögel zwitscherten, die Sonne lachte mit ganzer Kraft, kitzelte mich mit ihren Strahlen doch die Frühlingsfreude berührte mich nicht. Da flüsterte jemand leise: *Vielleicht kann ich Ihnen aus der Patsche helfen?*

Ich drehte mich um. Mein Gott! Was für ein duftender Adonis! Und ich war bereits 45! Sollte ich nochmal zur verführerischen Dame werden? Doch ich errötete wie ein unschuldiges Mädchen. Zum Glück kam der Bus, ich sprang hinein und fuhr davon. Aus dem

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Homy
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