Nur mit einem DNA-Test – Wir wollen keine Fremden! So sprach die Schwiegermutter „Nur hunderttausend Euro?“ – lachte Elisabeth. „Ganz schön billig hast du die Freiheit deines Sohnes bewertet! Vielleicht kommen sogar noch zweihunderttausend zusammen?“ „Wenn‘s sein muss, dann konnte ich das auftreiben“, murmelte Maria. „Na, bist du einverstanden? Geht’s nur um den Preis?“ „Sag mal, Maria, wie lange hast du überlegt, mir sowas vorzuschlagen?“ fragte Elisabeth. „Das Geld lassen wir erstmal außen vor. Sag mir als Frau, ehrlich!“ „Lass uns keine Moralpredigt halten“, zog Maria eine finstere Miene, „keiner ist ohne Fehler. Und als Mutter von mehreren Kindern solltest du verstehen, wie sehr man für sein eigenes kämpft…“ „Willst du mich etwa einfach kaufen?“ fragte Elisabeth. „Oder meine Dasha? Wir kommen ja so grade durch, und du meinst, ein bisschen Geld sorgt sofort für Ruhe und Ordnung!“ Dabei hat dein Jan meiner Dasha zuerst schöne Augen gemacht, dann geschwängert – und jetzt … Ich weiß nicht mal, wie ich‘s nennen soll. Abhauen oder sich bei Mama verstecken? Damit ihr die Folgen seiner Eskapaden bereinigt!“ „Elisabeth, lass uns Klartext reden“, sagte Maria. „Jan ist erst achtzehn! Wofür Familie und Kind? Er muss eine Ausbildung machen, Fuß fassen! Was soll er später anfangen mit Kind und Familie im Schlepptau?“ „Hat dein Jan vorher nicht darüber nachgedacht, als er sich an meine Dasha rangemacht hat?“ – Elisabeth lächelte schief. „Jetzt soll er mal Verantwortung lernen!“ Kind gemacht – dann sei auch dafür da! Sonst gibt’s andere Wege: das Gericht oder Unterhalt … Maria schlug vor Staunen die Hand vor den Mund. „Pass auf, sonst fliegt dir gleich eine Krähe in den Mund!“ – fauchte Elisabeth. „Und dass ich von morgens bis abends am Ackern bin, heißt nicht, dass mir was entgeht!“ „Ich will hier nicht streiten, sondern alles friedlich klären!“ – sagte Maria, als sie sich gefangen hatte. „Und bin bereit, die Unruhe zu entschädigen!“ „Wofür willst du denn zahlen?“ – fragte Elisabeth. „Weil dein Jan meine Dasha geschwängert hat? Oder weil er sich jetzt davonmacht? Oder soll meine Dasha etwa abtreiben? Oder ist das deine Anzahlung auf mögliche Unterhaltszahlungen, falls sie das Kind bekommt?“ Maria war entgeistert vom Angebot. Die letzte Option stieß ihr besonders übel auf. Ihr Sohn könnte ja jederzeit zur Rechenschaft gezogen werden! „Verwirr mich nicht!“ – Maria drohte mit dem Finger. „Ich meine es ernst mit dem Geld, um die Sache ein für alle Mal zu klären! Wie du das machst, ist mir egal! Wollt ihr abtreiben, behalten oder das Kind ins Heim geben – Hauptsache, mein Jan soll damit nichts mehr zu tun haben! Und wenn das Geld nicht reicht, sag einfach, wie viel du willst! Notfalls nehm ich Kredit auf den Mann.“ „Maria, jetzt reicht’s!“ – sagte Elisabeth. „Als anständige Frau kann ich gar nicht sagen, wohin… Aber du kennst den Weg ja! Die Geldscheine, die du gebracht hast, kannst du gleich einpacken und tief vergraben!“ „Elisabeth, lass uns friedlich reden!“ – fauchte Maria. „Dann geh in Frieden!“ – entgegnete Elisabeth. „Sonst mache ich den Hund los!“ Bis zum Schluss war nicht klar, ob Maria ihren Sohn wirklich geschützt hatte – doch solange Elisabeth so wütend war, ließ sie ihre Tochter bestimmt nicht in Jans Nähe. Das hieß: Jan hatte Zeit, sich zu sammeln und weiter zu lernen. Und falls Elisabeth es sich anders überlegte, wäre Jan längst über alle Berge. Er sollte ja ins Studium in die Stadt – und dort verirrt man sich leicht und bleibt unerreichbar. Maria musste sich sehr beherrschen, um Elisabeth nicht gleich an die Haare zu gehen: „Die kommt mir auch noch mit Stolz und lehnt das Geld ab! Dabei bin ich ganz freundlich gekommen! Und nun droht sie mit dem Hund! Mit so einer setzt man sich besser gar nicht erst neben die Feuerstelle – die dreht einen auf links!“ Doch Maria wusste nicht, dass die Geschichte hier noch lange nicht zu Ende war, sondern erst richtig begann. Eigentlich hatte sie ein bisschen früher begonnen. Eltern erfahren selten rechtzeitig von den Problemen ihrer Kinder. Meistens leider zu spät, um noch etwas zu ändern. Als Maria von Nachbarin Ignatz erfährt, dass ihr Jan Elisabeths Dasha geschwängert hat, bleibt ihr fast das Herz stehen. „Mein Jan soll sich für Dasha interessieren? Die ist doch aus einer Großfamilie! Da bringt sie nicht viel mit! Jan würde nie auf sie stehen!“ „Ich erzähle nur, was ich weiß“, sagt Ignatz. „Glaubst du mir nicht, frag jedes Kind im Dorf! Alle wissen’s – nur du nicht!“ Unter Ignatz’ schnaubendem Lachen zieht sich Maria ins Haus zurück. Weder Mann noch Sohn sind da, sie sind seit früh im Wald unterwegs. Eigentlich hätte Maria im Haushalt arbeiten können, aber die Neuigkeit ließ sie nicht los. „Wozu, warum und für wen? Was haben wir davon?“ Sie quält sich bis zum Abend, beinahe um den Verstand gebracht. Als Jan heimkommt, beginnt der Verhör: „Wo warst du wieder unterwegs? Gibt’s bei uns keine normalen Mädels?“ Jan muss gestehen. Sein Plan war, die Ferien noch durchzuhalten und dann ins Nachbardorf zu verschwinden, wo er in der Berufsschule lernt. Dort hätte ihn sowieso keiner aufgespürt. Vielleicht wäre die Sache an ihm vorbeigegangen! Aber dem mütterlichen Zorn entkam er nicht. Jan weint und bettelt um Verständnis. Er ist kein Schönling, nicht besonders klug, keine tolle Figur, bei den Mädchen hat er eh nichts zu melden. Das Alter und die Hormone verlangen aber ihren Tribut! Und die Jungs machen noch Witze, er bliebe für immer allein. „Und Dasha war einverstanden!“ „Dasha geht auf jeden Loser los!“ – empört sich Maria. „Neunzehn ist sie, und die Jungs laufen davon, wie vor einer Geisteskranken!“ „Solche Familien tun sich doch kein Vernünftiger an! Die haben nichts, massenhaft Kinder, der Mann ist krank! Nimm so eine Dasha und du bist dein Leben lang für ihre Sippschaft zuständig.“ „Mama, sie ist lieb und herzlich!“ – sagte Jan mit Tränen. „Und dass sie nicht besonders hübsch ist, stört dich gar nicht?“ – Maria schrie auf. „Wie konntest du nur…“ Jan wurde rot und senkte den Blick. „Herrgott, wie konnte es dich bloß erwischen!“ – Maria rang mit sich. „Es war nur ein paarmal“, sie Jan leise. „Mehr braucht’s doch nicht!“ – schimpfte Maria. „Das Ergebnis kommt schon bald! Und nächstes Jahr willst du doch studieren – wie denn mit Kind im Schlepptau? Die legen dir noch Unterhalt auf!“ „Vielleicht ist das Kind gar nicht von mir?“ – hoffte Jan. „Ich würde es hoffen – aber wer soll sonst mit so einer etwas anfangen?” – stöhnte Maria. „Falls wir uns nicht einigen, dann nur mit DNA-Test! Wir wollen keine fremden oder untergeschobenen Kinder!“ „Sie hat geschworen, dass sie treu ist“, flüsterte Jan. „Hoff mal lieber, sie hat dich belogen“, knurrte Maria und holte die Sparschatulle. „Grischa!“ Das galt dem Vater, deswegen verzog sich Jan lieber in ein anderes Zimmer. „Grischa, hier ist nicht viel drin!“ – rief Maria. „Der Rest ist auf dem Konto – läuft nächste Woche aus, weißt du noch?“ – antwortete Grischa. „Schon! Dabei kann man den Verstand verlieren!“ – Maria ließ sich ins Polster fallen. „Hast du gehört, was Jan da angerichtet hat?“ „Ja, unser Junge wird erwachsen!“ – lächelte Grischa. „Soll ich schon für die Hochzeit sparen?“ „Bist du verrückt? Hochzeit? Mit wem denn?“ – Maria war empört. „Niemals! Wir werden uns freikaufen – meinst du, hunderttausend reichen?“ „Woher soll ich das wissen?“ – Grischa zuckte die Schultern. „Elisabeth ist gerade so klamm, die nimmt jeden Cent.“ „Mit einem Cent kommst du aber nicht weit!“ – schüttelte Maria den Kopf. Sie zählte das Bargeld, dazu das Sparguthaben. „Zweihunderttausend hätten wir“, sagte sie schließlich. „Erstmal biete ich hundert – und falls sie feilscht, gebe ich zweihundert! Und zur Not in einer Woche dann fünfhunderttausend.“ Maria nickte sich selbst zu. „Soll ich dich begleiten?“ fragte Grischa. „Hättest du besser aufgepasst, müssten wir jetzt kein Geld rausrücken!“ – grollte Maria. „Ich schaffe das allein!“ *** Elisabeths Antwort blieb vage, Dasha selbst hatte nichts zu sagen. Sie durfte ohnehin nichts entscheiden. Jan erlebte den Rest der Ferien ruhig und zog ins Nachbardorf zur Berufsschule. Früher als nächsten Sommer sollte er nicht zurückkommen. Dem Dorf diente er nun nur noch als Gesprächsstoff – und am meisten für Dasha, die mit Baby Bauch spazieren ging und später entband. Auch Elisabeth bekam ihr Fett weg. „Nicht mal Unterhalt hat sie bekommen! Jetzt werden sie selber am Hungertuch nagen!“ Elisabeth konterte die Gerüchte stets mit den Worten: „Das geht euch gar nichts an! Wir kommen schon klar!“ Ende Juni tauchte Jan kurz im Dorf auf, aber die Eltern ließen ihn nicht aus dem Haus. Sobald die Prüfungen durch waren, sollte er in die Stadt ziehen – da kann man sich leicht verlieren! Das Studium wartet. Doch Jan fällt durch die Prüfungen, nicht mal im Bezahlstudium wäre er untergekommen. „Grischa, sprich mit dem Wehrdienstberater!“ – forderte Maria. „Wenn er zur Bundeswehr geht, vergisst er alles! Vielleicht klappt’s dann nächstes Jahr mit dem Studium!“ Es klappte nicht mit einer Einigung. Und weil Grischa darauf beharrte, wurde er zuerst verprügelt und dann für fünfzehn Tage festgesetzt. Als Grischa zurückkam, hatte er einen neuen Plan: „Er muss Dasha heiraten und das Kind anerkennen! Dann gibt’s bis zum dritten Geburtstag des Kindes keinen Wehrdienst für Jan! Danach macht er einfach noch eins und kriegt erneut Aufschub! Und so vergeht die Zeit, bis Jan zu alt für den Dienst ist!“ „Haben sie dir den letzten Verstand rausgeprügelt?“ – rief Maria. „Solche Verwandtschaft wünsche ich niemandem!“ „Dann zieht er halt zur Bundeswehr!“ gab Grischa zurück. Maria wollte Jan keinesfalls zur Bundeswehr schicken, noch weniger ihn mit Dasha verheiraten. Aber es gab einfach keine Alternativen. „Gehen wir zu Elisabeth“, gab Maria nach. „Grischa, hol das Geld aus der Schatulle! Vielleicht nimmt sie es …“ „Nach all dem, was passiert ist? Nach dem, was sie letztes Jahr im Dorf über uns gehört hat?“ – grinste Grischa. „Vielleicht kommst du besser klar, wenn Jan einfach in den Wald zieht, bis er siebenundzwanzig ist!“ „Nimm die Schatulle und los!“ – befahl Maria.

Nur über einen DNA-Test. Fremde nehmen wir nicht, hatte Schwiegermutter Hannelore damals verkündet.

Insgesamt hunderttausend Euro? hatte Gertrud süffisant gelächelt. Nun, das erscheint mir aber günstig für die Freiheit deines Sohnes! Vielleicht findest du ja auch zweihunderttausend Euro irgendwo?

Wenns sein muss, dann finde ich das auch, murmelte Hannelore. Also, bist du einverstanden? Wenn es wirklich nur eine Frage des Geldes ist

Sag mal, Hannelore, hast du lange darüber nachgedacht, mir so etwas vorzuschlagen? wollte Gertrud wissen. Lassen wir die Geldfrage für den Moment liegen. Sag mir als Frau, was du davon hältst!

Lass uns auf Moralpredigten verzichten, führte Hannelore missmutig an, niemand ist frei von Fehlern! Du, als Mutter von mehreren Kindern, solltest doch wissen, was man für sein eigenes Kind tut

Was heißt das, du willst mich ganz einfach kaufen? Oder meine Tochter Lotte? Weil wir hier in Schwierigkeiten stecken, schmeißt du uns Geld hin, und alles ist plötzlich paletti?

Und, dass dein Valentin meiner Lotte erst Honig ums Maul geschmiert hat, und sie dann sitzen ließ …

Man weiß gar nicht, wie man das ausdrücken sollte. Sich aus dem Staub gemacht, sich hinter Mutters Rock versteckt! Damit man nach seinem Treiben die Scherben aufsammelt!

Gertrud, lass uns ehrlich sein, sagte Hannelore. Mein Valentin ist erst achtzehn! Was will der mit Familie und Kind?

Er muss erst eine Ausbildung abschließen! Einen Job finden! Wo will er denn anfangen, wenn er schon so eine Bürde mit sich herumschleppt, Frau und Kind?

Aber zuvor hatte dein Valentin darüber keine Gedanken, als er sich an meine Lotte rangemacht hat! lachte Gertrud trocken. Der kann langsam mal Verantwortung lernen!

Hat er das Kind gemacht, soll er sich kümmern! Und wenn nicht, gibts andere Wege: Gerichte, Unterhalt

Hannelore stand der Mund offen.

Schwätz nicht! schnaubte Gertrud. Nur weil ich von früh bis spät schufte, heißt das nicht, dass ich nichts mitbekomme!

Ich bin nicht zum Streiten hier, sondern um die Sache friedlich zu regeln! sagte Hannelore, als sie sich wieder gefasst hatte. Und ich bin bereit, für die Unannehmlichkeiten zu zahlen!

Und wofür genau willst du zahlen? hakte Gertrud nach. Dafür, dass dein Valentin meine Lotte geschwängert hat? Dafür, dass er ihr jetzt aus dem Weg geht?

Oder etwa dafür, dass meine Lotte einen Abbruch machen soll? Oder ist das die erste Rate für den Unterhalt, wenn Lotte das Kind bekommt?

Hannelore war verwirrt von der Aufzählung. Der letzte Vorschlag schmeckte ihr gar nicht.

Denn das würde bedeuten, dass ihr Junge jederzeit zur Verantwortung gezogen werden könnte!

Mach mir keine Komplikationen! Hannelore hob den Finger. Ich biete dir echtes Geld, damit das Thema ein für alle Mal erledigt ist!

Wie du es regelst, ist mir egal! Ob ihr die Schwangerschaft abbrecht, das Kind behaltet, ins Kinderheim gebt Hauptsache, mein Valentin bleibt außen vor! Und wenn das Geld nicht reicht, dann sag mir die Summe ich nehme sonst einen Kredit auf den Namen meines Mannes auf!

Hannelore, geh mir aus den Augen! sagte Gertrud. Als anständige Frau kann ich gar nicht beschreiben, wohin.

Und du dass du überhaupt mit so einem Angebot kommst von Anstand hast du nie etwas gehört!

Du weißt selber, wohin du gehen sollst, wie lang, und wo du das Geld hinstecken kannst, das du mitgebracht hast!

Gertrud, lass uns das friedlich regeln! hielt Hannelore verbissen dagegen.

Dann geh in Frieden! antwortete Gertrud. Sonst lass ich den Hund von der Leine!

Ob Hannelore so ihren Sohn rettete, blieb unklar, denn solange Gertrud zornig war, würde sie ihre Tochter kaum in Valentins Nähe lassen.

Das bedeutete, Valentin hatte erst mal Zeit, sich zu sammeln und weiter zu lernen.

Und wenn Gertrud ihre Meinung doch änderte, dann wäre Valentin ohnehin weg in die Stadt zur Akademie.

Eine Großstadt ist eben anonym. Dort kann man verschwinden und keiner findet einen in hundert Jahren!

Hannelore musste sich sehr zusammenreißen, nicht gleich Gertrud an die Haare zu gehen:

Dass die sich so wichtig nimmt! Dreht sich die Nase weg vom Geld!

Dabei bin ich doch freundlich gekommen! Und sie droht mit dem Hund, als wäre ich sonst wer!

Mit solchen wie ihr setzt man sich auf kein Feld sie windet einen durch alle Eingeweide.

Doch damals wusste Hannelore noch nicht, dass das erst der Anfang war.

Obwohl, angefangen hatte es schon früher.

Eltern erfahren nur selten rechtzeitig von den Sorgen ihrer Kinder. Meistens passiert es später, als es perfekt gewesen wäre. Man kann nur hoffen, dass es nicht zu spät ist, um noch etwas zu ändern.

Als Hannelore durch den Dorftratsch erfuhr, dass ihr Valentin Lottes Schwängerung zu verantworten hatte, stockte ihr das Herz.

Mein Valentin soll sich an Lotte rangemacht haben? Die ist doch … sie schluckte ihren Kommentar herunter, aus so einer Großfamilie! Die bringt doch nix mit! Mein Valentin hätte nicht mal hingesehen!

Ich wiederhole nur, was ich gehört habe, meinte Frau Müller. Glaubst du mir nicht, frag jeden im Dorf! Alle wissen Bescheid nur du nicht!

Unter dem trockenen Lachen der Müller verschwand Hannelore ins Haus. Weder ihr Mann Karl noch ihr Sohn waren da beide früh zum Holzholen im Wald. Erst abends kämen sie zurück.

Eigentlich hätte Hannelore sich um Haus und Hof kümmern müssen, doch sie war so verstört, dass ihr alles aus der Hand fiel. Die Nachricht von Müller ließ sie nicht los.

Eine schlimmere Nachricht konnte es kaum geben!

Warum, weshalb und zu wem? Was sollen wir mit denen anfangen?

Den ganzen Tag quälte sie sich, bis sie fast den Verstand verlor. Als der Sohn abends heimkam, fuhr sie ihn an:

Was hast du dir gedacht? Hast du keine anständigen Mädchen im Dorf gefunden?

Valentin musste Farbe bekennen. Eigentlich hatte er gehofft, die Sommerpause abzuwarten und sich dann ins nächste Städtchen zur Berufsschule zu verdrücken.

Dort hätte ihn niemand aufgespürt. Vielleicht wäre alles gut gegangen!

Doch der Zorn der Mutter holte ihn ein.

Valentin weinte und gestand, flehentlich auf das Mitleid hoffend.

Ein Schönling war Valentin nie. Er war geistig kein Überflieger, eher durchschnittlich gebaut. Bei den Mädchen war er deshalb nicht gerade beliebt.

Aber das Alter und die Hormone sind gnadenlos! So sehr, dass einen die Freunde verspotten, man bleibe auf ewig einsam.

Aber Lotte wollte das genauso!

Lotte nimmt alles, was kommt! schimpfte Hannelore. Sie ist neunzehn, aber die Jungs laufen doch von ihr weg wie vom Teufel!

Wirklich, die wenigsten Dummen binden sich freiwillig an so eine Familie! Die sind arm, die Kinderzahl riesig, und der Mann liegt krank im Bett!

Wer so eine Lotte nimmt, muss ihr Leben lang für deren Familie buckeln!

Mama, sie ist lieb! Sie ist warmherzig! schluchzte Valentin.

Und dass sie nicht grad hübsch ist, stört dich gar nicht? warf Hannelore ein. Wie …

Valentin wurde rot und blickte zu Boden.

Was für ein Unglück! Hannelore fasste sich ans Herz.

Wir hatten nur ein paar Mal was miteinander, murmelte Valentin und schaute nicht hoch.

Mehr brauchts auch nicht! entgegnete Hannelore wütend. Das Ergebnis sieht man ja bald!

Du wolltest doch nächstes Jahr auf die Hochschule! Mit einem Kind kannst du das vergessen! Die legen dir sofort die Unterhaltszahlungen auf!

Vielleicht ist es gar nicht von mir? fragte Valentin hoffnungsvoll.

Ich würde es gerne glauben, aber wer sollte sonst auf sie gekommen sein, stöhnte Hannelore. Egal wie, wenn sich keine Einigung findet, dann nur über DNA-Test. Fremde und Uneheliche brauchen wir nicht!

Sie hat versprochen, immer nur mir treu zu sein, flüsterte Valentin.

Hoffe besser, dass sie gelogen hat, murmelte Hannelore und holte die kleine Spardose, wo das Geld lag. Karl!

Das galt dem Vater, sodass Valentin sich lieber aus dem Staub machte.

Karl, hier ist nicht viel! rief Hannelore.

Ist auf dem Konto, meinte Karl ruhig. In einer Woche läuft die Frist ab. Hast du vergessen?

Vergessen kann man gar nix mehr! Da verliert man glatt den letzten Verstand! Hannelore setzte sich stöhnend und schüttelte die Spardose. Hast du gehört, was unser Valentin angestellt hat?

Der Junge wird erwachsen! Karl lächelte. Sollen wir für eine Hochzeit sparen?

Spinnst du? Hochzeit? Mit wem? Hannelore verschluckte sich vor Entrüstung. Nein, niemals! Wir kaufen uns frei! Glaubst du, hunderttausend reichen?

Woher soll ich das wissen? seufzte Karl. Aber Gertrud nimmts gerade mit jeden Cent!

Mit Kleingeld kommt man hier nicht weiter! schüttelte Hannelore den Kopf.

Sie zählte das Bargeld, erinnerte sich an das Guthaben.

Insgesamt haben wir zweihunderttausend, sagte sie schließlich. Ich biete erst hunderttausend an. Wenn sie verhandelt, gibts die zweihundert! In einer Woche wären sogar fünfhundert möglich.

Hannelore nickte zu ihrem eigenen Kalkül.

Brauchst du mich? fragte Karl.

Hättest du besser auf den Sohn aufgepasst, müssten wir jetzt kein Geld abgeben! murmelte Hannelore. Ich mache das alleine!

***

Gertruds Antwort ließ keine Klarheit, und Lotte danach zu fragen wäre sinnlos gewesen. Sie entschied ohnehin nichts.

Doch Valentin schaffte es, bis zum Sommer ohne Vorfälle und fuhr dann in die Stadt zur Berufsschule. Ein striktes Verbot lag auf, vor dem nächsten Sommer zurückzukehren.

Da nun der Betroffene aus dem Dorf verschwand, sprach bald keiner mehr von ihm.

Meist wurde über Lotte getuschelt, die schwanger als Außenseiterin rumlief und später das Kind bekam. Gertrud bekam dabei ebenfalls ihr Fett weg.

Nicht mal Unterhalt hat sie aus Valentin herausgeholt! Jetzt können sie selber sehen, wie sie klarkommen!

Gertrud hatte für die Dorfschmäher eine klare Antwort:

Von euch wollen wir keine Almosen! Wir kommen schon durch!

Ende Juni tauchte Valentin noch einmal im Dorf auf. Die Eltern hielten ihn vorsorglich im Haus. Sobald die Prüfungen vorbei wären, käme er ohnehin in die Stadt. Keine unnötige Aufmerksamkeit! Die Hochschule wartet.

Doch Valentin scheiterte so gründlich an den Prüfungen, dass selbst das Studieren gegen Geld unmöglich war.

Karl, geh zum Kreiswehrersatzamt und klär das! forderte Hannelore. Wenn sie ihn einziehen, vergisst der alles! Vielleicht klappts nächsten Jahr mit dem Studium!

Das klappte nicht. Und weil Karl darauf beharrte, bekam er erst die Rippen gezählt und dann fünfzehn Tage Arrest.

Zurückgekommen, erzählte Karl, wie Valentin eine Verschonung erreichen könnte:

Er müsste Lotte heiraten und das Kind anerkennen! Dann wäre Valentin drei Jahre lang vom Dienst befreit!

Danach am besten gleich noch ein Kind zeugen! Und wieder Aufschub! Mit der Zeit wäre er dann wegen Überalterung raus!

Bist du verrückt geworden? rief Hannelore. Solche Schwiegerkinder wünscht man nicht mal dem ärgsten Feind!

Sonst muss er halt dienen, meinte Karl.

Den Sohn zum Militär zu schicken, war für Hannelore noch schlimmer als ihn mit Lotte zu verheiraten. Aber es gab keine Alternativen.

Wir gehen zu Gertrud und bitten sie um Gnade, entschied Hannelore. Karl, hol das Geld aus der Dose! Vielleicht nimmt sie es an

Nachdem sie dich rausgeworfen hat? grinste Karl. Und nach allem, was sie im Dorf das Jahr über gehört hat?

Vielleicht sollte Valentin einfach dienen! Wer weiß, ob Gertrud uns nicht noch durch das ganze Dorf jagen würde!

Dann knien wir nieder! Du auch! bestimmte Hannelore. Wir bitten, wir flehen!

Ich glaube nicht, Hannelore, wirklich nicht! schüttelte Karl den Kopf. Nach allem, was passiert ist. Es wäre besser, wenn Valentin sich im Wald versteckt und dort bleibt, bis er siebenundzwanzig ist!

Nimm die Spardose, und los gehts! entschloss Hannelore.

Rate article
Homy
Add a comment

;-) :| :x :twisted: :smile: :shock: :sad: :roll: :razz: :oops: :o :mrgreen: :lol: :idea: :grin: :evil: :cry: :cool: :arrow: :???: :?: :!:

Nur mit einem DNA-Test – Wir wollen keine Fremden! So sprach die Schwiegermutter „Nur hunderttausend Euro?“ – lachte Elisabeth. „Ganz schön billig hast du die Freiheit deines Sohnes bewertet! Vielleicht kommen sogar noch zweihunderttausend zusammen?“ „Wenn‘s sein muss, dann konnte ich das auftreiben“, murmelte Maria. „Na, bist du einverstanden? Geht’s nur um den Preis?“ „Sag mal, Maria, wie lange hast du überlegt, mir sowas vorzuschlagen?“ fragte Elisabeth. „Das Geld lassen wir erstmal außen vor. Sag mir als Frau, ehrlich!“ „Lass uns keine Moralpredigt halten“, zog Maria eine finstere Miene, „keiner ist ohne Fehler. Und als Mutter von mehreren Kindern solltest du verstehen, wie sehr man für sein eigenes kämpft…“ „Willst du mich etwa einfach kaufen?“ fragte Elisabeth. „Oder meine Dasha? Wir kommen ja so grade durch, und du meinst, ein bisschen Geld sorgt sofort für Ruhe und Ordnung!“ Dabei hat dein Jan meiner Dasha zuerst schöne Augen gemacht, dann geschwängert – und jetzt … Ich weiß nicht mal, wie ich‘s nennen soll. Abhauen oder sich bei Mama verstecken? Damit ihr die Folgen seiner Eskapaden bereinigt!“ „Elisabeth, lass uns Klartext reden“, sagte Maria. „Jan ist erst achtzehn! Wofür Familie und Kind? Er muss eine Ausbildung machen, Fuß fassen! Was soll er später anfangen mit Kind und Familie im Schlepptau?“ „Hat dein Jan vorher nicht darüber nachgedacht, als er sich an meine Dasha rangemacht hat?“ – Elisabeth lächelte schief. „Jetzt soll er mal Verantwortung lernen!“ Kind gemacht – dann sei auch dafür da! Sonst gibt’s andere Wege: das Gericht oder Unterhalt … Maria schlug vor Staunen die Hand vor den Mund. „Pass auf, sonst fliegt dir gleich eine Krähe in den Mund!“ – fauchte Elisabeth. „Und dass ich von morgens bis abends am Ackern bin, heißt nicht, dass mir was entgeht!“ „Ich will hier nicht streiten, sondern alles friedlich klären!“ – sagte Maria, als sie sich gefangen hatte. „Und bin bereit, die Unruhe zu entschädigen!“ „Wofür willst du denn zahlen?“ – fragte Elisabeth. „Weil dein Jan meine Dasha geschwängert hat? Oder weil er sich jetzt davonmacht? Oder soll meine Dasha etwa abtreiben? Oder ist das deine Anzahlung auf mögliche Unterhaltszahlungen, falls sie das Kind bekommt?“ Maria war entgeistert vom Angebot. Die letzte Option stieß ihr besonders übel auf. Ihr Sohn könnte ja jederzeit zur Rechenschaft gezogen werden! „Verwirr mich nicht!“ – Maria drohte mit dem Finger. „Ich meine es ernst mit dem Geld, um die Sache ein für alle Mal zu klären! Wie du das machst, ist mir egal! Wollt ihr abtreiben, behalten oder das Kind ins Heim geben – Hauptsache, mein Jan soll damit nichts mehr zu tun haben! Und wenn das Geld nicht reicht, sag einfach, wie viel du willst! Notfalls nehm ich Kredit auf den Mann.“ „Maria, jetzt reicht’s!“ – sagte Elisabeth. „Als anständige Frau kann ich gar nicht sagen, wohin… Aber du kennst den Weg ja! Die Geldscheine, die du gebracht hast, kannst du gleich einpacken und tief vergraben!“ „Elisabeth, lass uns friedlich reden!“ – fauchte Maria. „Dann geh in Frieden!“ – entgegnete Elisabeth. „Sonst mache ich den Hund los!“ Bis zum Schluss war nicht klar, ob Maria ihren Sohn wirklich geschützt hatte – doch solange Elisabeth so wütend war, ließ sie ihre Tochter bestimmt nicht in Jans Nähe. Das hieß: Jan hatte Zeit, sich zu sammeln und weiter zu lernen. Und falls Elisabeth es sich anders überlegte, wäre Jan längst über alle Berge. Er sollte ja ins Studium in die Stadt – und dort verirrt man sich leicht und bleibt unerreichbar. Maria musste sich sehr beherrschen, um Elisabeth nicht gleich an die Haare zu gehen: „Die kommt mir auch noch mit Stolz und lehnt das Geld ab! Dabei bin ich ganz freundlich gekommen! Und nun droht sie mit dem Hund! Mit so einer setzt man sich besser gar nicht erst neben die Feuerstelle – die dreht einen auf links!“ Doch Maria wusste nicht, dass die Geschichte hier noch lange nicht zu Ende war, sondern erst richtig begann. Eigentlich hatte sie ein bisschen früher begonnen. Eltern erfahren selten rechtzeitig von den Problemen ihrer Kinder. Meistens leider zu spät, um noch etwas zu ändern. Als Maria von Nachbarin Ignatz erfährt, dass ihr Jan Elisabeths Dasha geschwängert hat, bleibt ihr fast das Herz stehen. „Mein Jan soll sich für Dasha interessieren? Die ist doch aus einer Großfamilie! Da bringt sie nicht viel mit! Jan würde nie auf sie stehen!“ „Ich erzähle nur, was ich weiß“, sagt Ignatz. „Glaubst du mir nicht, frag jedes Kind im Dorf! Alle wissen’s – nur du nicht!“ Unter Ignatz’ schnaubendem Lachen zieht sich Maria ins Haus zurück. Weder Mann noch Sohn sind da, sie sind seit früh im Wald unterwegs. Eigentlich hätte Maria im Haushalt arbeiten können, aber die Neuigkeit ließ sie nicht los. „Wozu, warum und für wen? Was haben wir davon?“ Sie quält sich bis zum Abend, beinahe um den Verstand gebracht. Als Jan heimkommt, beginnt der Verhör: „Wo warst du wieder unterwegs? Gibt’s bei uns keine normalen Mädels?“ Jan muss gestehen. Sein Plan war, die Ferien noch durchzuhalten und dann ins Nachbardorf zu verschwinden, wo er in der Berufsschule lernt. Dort hätte ihn sowieso keiner aufgespürt. Vielleicht wäre die Sache an ihm vorbeigegangen! Aber dem mütterlichen Zorn entkam er nicht. Jan weint und bettelt um Verständnis. Er ist kein Schönling, nicht besonders klug, keine tolle Figur, bei den Mädchen hat er eh nichts zu melden. Das Alter und die Hormone verlangen aber ihren Tribut! Und die Jungs machen noch Witze, er bliebe für immer allein. „Und Dasha war einverstanden!“ „Dasha geht auf jeden Loser los!“ – empört sich Maria. „Neunzehn ist sie, und die Jungs laufen davon, wie vor einer Geisteskranken!“ „Solche Familien tun sich doch kein Vernünftiger an! Die haben nichts, massenhaft Kinder, der Mann ist krank! Nimm so eine Dasha und du bist dein Leben lang für ihre Sippschaft zuständig.“ „Mama, sie ist lieb und herzlich!“ – sagte Jan mit Tränen. „Und dass sie nicht besonders hübsch ist, stört dich gar nicht?“ – Maria schrie auf. „Wie konntest du nur…“ Jan wurde rot und senkte den Blick. „Herrgott, wie konnte es dich bloß erwischen!“ – Maria rang mit sich. „Es war nur ein paarmal“, sie Jan leise. „Mehr braucht’s doch nicht!“ – schimpfte Maria. „Das Ergebnis kommt schon bald! Und nächstes Jahr willst du doch studieren – wie denn mit Kind im Schlepptau? Die legen dir noch Unterhalt auf!“ „Vielleicht ist das Kind gar nicht von mir?“ – hoffte Jan. „Ich würde es hoffen – aber wer soll sonst mit so einer etwas anfangen?” – stöhnte Maria. „Falls wir uns nicht einigen, dann nur mit DNA-Test! Wir wollen keine fremden oder untergeschobenen Kinder!“ „Sie hat geschworen, dass sie treu ist“, flüsterte Jan. „Hoff mal lieber, sie hat dich belogen“, knurrte Maria und holte die Sparschatulle. „Grischa!“ Das galt dem Vater, deswegen verzog sich Jan lieber in ein anderes Zimmer. „Grischa, hier ist nicht viel drin!“ – rief Maria. „Der Rest ist auf dem Konto – läuft nächste Woche aus, weißt du noch?“ – antwortete Grischa. „Schon! Dabei kann man den Verstand verlieren!“ – Maria ließ sich ins Polster fallen. „Hast du gehört, was Jan da angerichtet hat?“ „Ja, unser Junge wird erwachsen!“ – lächelte Grischa. „Soll ich schon für die Hochzeit sparen?“ „Bist du verrückt? Hochzeit? Mit wem denn?“ – Maria war empört. „Niemals! Wir werden uns freikaufen – meinst du, hunderttausend reichen?“ „Woher soll ich das wissen?“ – Grischa zuckte die Schultern. „Elisabeth ist gerade so klamm, die nimmt jeden Cent.“ „Mit einem Cent kommst du aber nicht weit!“ – schüttelte Maria den Kopf. Sie zählte das Bargeld, dazu das Sparguthaben. „Zweihunderttausend hätten wir“, sagte sie schließlich. „Erstmal biete ich hundert – und falls sie feilscht, gebe ich zweihundert! Und zur Not in einer Woche dann fünfhunderttausend.“ Maria nickte sich selbst zu. „Soll ich dich begleiten?“ fragte Grischa. „Hättest du besser aufgepasst, müssten wir jetzt kein Geld rausrücken!“ – grollte Maria. „Ich schaffe das allein!“ *** Elisabeths Antwort blieb vage, Dasha selbst hatte nichts zu sagen. Sie durfte ohnehin nichts entscheiden. Jan erlebte den Rest der Ferien ruhig und zog ins Nachbardorf zur Berufsschule. Früher als nächsten Sommer sollte er nicht zurückkommen. Dem Dorf diente er nun nur noch als Gesprächsstoff – und am meisten für Dasha, die mit Baby Bauch spazieren ging und später entband. Auch Elisabeth bekam ihr Fett weg. „Nicht mal Unterhalt hat sie bekommen! Jetzt werden sie selber am Hungertuch nagen!“ Elisabeth konterte die Gerüchte stets mit den Worten: „Das geht euch gar nichts an! Wir kommen schon klar!“ Ende Juni tauchte Jan kurz im Dorf auf, aber die Eltern ließen ihn nicht aus dem Haus. Sobald die Prüfungen durch waren, sollte er in die Stadt ziehen – da kann man sich leicht verlieren! Das Studium wartet. Doch Jan fällt durch die Prüfungen, nicht mal im Bezahlstudium wäre er untergekommen. „Grischa, sprich mit dem Wehrdienstberater!“ – forderte Maria. „Wenn er zur Bundeswehr geht, vergisst er alles! Vielleicht klappt’s dann nächstes Jahr mit dem Studium!“ Es klappte nicht mit einer Einigung. Und weil Grischa darauf beharrte, wurde er zuerst verprügelt und dann für fünfzehn Tage festgesetzt. Als Grischa zurückkam, hatte er einen neuen Plan: „Er muss Dasha heiraten und das Kind anerkennen! Dann gibt’s bis zum dritten Geburtstag des Kindes keinen Wehrdienst für Jan! Danach macht er einfach noch eins und kriegt erneut Aufschub! Und so vergeht die Zeit, bis Jan zu alt für den Dienst ist!“ „Haben sie dir den letzten Verstand rausgeprügelt?“ – rief Maria. „Solche Verwandtschaft wünsche ich niemandem!“ „Dann zieht er halt zur Bundeswehr!“ gab Grischa zurück. Maria wollte Jan keinesfalls zur Bundeswehr schicken, noch weniger ihn mit Dasha verheiraten. Aber es gab einfach keine Alternativen. „Gehen wir zu Elisabeth“, gab Maria nach. „Grischa, hol das Geld aus der Schatulle! Vielleicht nimmt sie es …“ „Nach all dem, was passiert ist? Nach dem, was sie letztes Jahr im Dorf über uns gehört hat?“ – grinste Grischa. „Vielleicht kommst du besser klar, wenn Jan einfach in den Wald zieht, bis er siebenundzwanzig ist!“ „Nimm die Schatulle und los!“ – befahl Maria.
Sie sagte, ich gehöre nicht zur Berliner Fashion Week – dabei war ich der Grund, warum alle gekommen sind