Die Rivalin um die Sachen ist da – Ich bin Lara, wir arbeiten zusammen. Wir lieben einander und Sie stören! Geben Sie mir Petru zurück! – Und wie störe ich Sie denn? – wunderte sich Svetlana Anatóljewna ehrlich. – Fakten, bitte! – Also, nun ja… – zögerte die Rivalin. – Er will nicht von Ihnen weg! Onkel Petja, bist du denn blöd? Diese genialen Worte stammen von dem Jungen Sergej aus Vera Panovas Erzählung, nachdem der erwachsene Onkel Petja ihn mit einer Süßigkeit „bedachte“: aber der schöne Bonbon war leer… Und tatsächlich: blöd. Wie sagte doch mal ein deutscher Kabarettist: Es gibt keine psychischen Krankheiten – man ist einfach nur blöd! Dasselbe sagte Svetlana Anatóljewna zu ihrem Mann. Nicht direkt, als die neue Flamme im Haus erschien – das hat die Ehefrau sogar geschluckt! – sondern ein wenig später. Ja, es stellte sich heraus, dass ihr Peter Efimowitsch, Petja – „Hahn mit goldener Krone“, mit dem sie so viele Jahre verbracht hatte, eine Nebenbuhlerin hatte. Und die kam nicht einfach so, sondern mit Forderungen: „Wir lieben uns – geben Sie mir Ihren Mann zurück!“ Zu diesem Zeitpunkt hatte Svetlana schon einiges geahnt. Petru rasierte sich plötzlich täglich, früher nur jeden zweiten Tag. Er kaufte sich ein neues Parfüm und bügelte neuerdings die Jeans mit Bügelfalten. Svetlana wollte ihren Mann nicht enttäuschen und dachte sich insgeheim, dass ihm das nur recht geschähe. Und er ging – umhüllt von einem aufdringlichen Importduft – in die Nacht hinaus: Er wurde zum Nachtdienst eingeteilt! Ja, ihn – den Mittelstandsmanager! – Weißt du, Liebling, – schwärmte ihr Mann beim Abendessen, – wir sind eine kleine Baufirma und der Wächter hat gekündigt! Und das Budget ist begrenzt! Jetzt müssen wir abwechselnd nachts im Büro Wache schieben, um Diebe fernzuhalten! Ich würde lieber daheimbleiben: Dort kann man ja gar nirgends bequem schlafen! – Und wie willst du die Nacht überstehen? Im Sitzen etwa? – fragte Svetlana im bäuerlichen Ton. Petru verzog das Gesicht: Wie kann man so sprechen? „Im Sitzen“ – was soll das denn? Das ist ein veraltetes Adverb, fast schon russischer Slang! Seine Frau unterrichtete schließlich Deutsch am Berufskolleg, sie wusste Bescheid. Svetlana war klar, dass ihr Mann log. Da stimmte etwas nicht im Hause Dänemark. Sie waren fast zwanzig Jahre verheiratet. Die Tochter lebte bereits getrennt. Und jetzt würde der Mann wohl eine Geliebte haben. Gut, so etwas passiert: Wenn man sich verliebt, ehrlich gestehen und gehen! Die Wohnung gehörte Svetlana nämlich noch aus der Zeit vor der Ehe. Nun ja – kam, wie es kommen musste! Dämon im Alter und so weiter. Aber Peter hatte es nicht eilig, alles zuzugeben. Warum? Liebte er Svetlana noch? Oder hielt er die Sache für nicht ernst? Aber die Tatsache blieb: Der Mann lebte weiterhin zuhause, als wäre nichts passiert! Und erfüllte sogar die ehelichen Pflichten. Abgesehen von kleinen Indizien gab es für Svetlana keine echten Beweise für einen Seitensprung. Vielleicht bildete sie sich alles ein? Ein Parfüm! Gebügelte Hosen! Svetlana wollte schon ein Auge zudrücken, aber dann kam sie – die listige Rivalin „Raissa Zacharowna“. Petja war nicht zuhause. Svetlana war beim Putzen. Und sie – zack – stand vor der Tür! Svetlana, gutgläubig wie in ihrem Lieblingsfilm, ließ die Frau hinein: Wer weiß, warum sie kam. Soll sie erzählen, was sie will! Übrigens, später stellte sich raus, dass die „Geliebte“ fünf Jahre jünger als Svetlana war. Aber sie wirkte wie eine Frau jenseits der Vierzig! Und sie legte los: – Ich bin Lara, wir arbeiten zusammen. Wir lieben einander und Sie stören! Geben Sie mir Petru zurück! – Und wie störe ich Sie? – fragte Svetlana erstaunt. – Fakten, bitte! – Also… – zögerte die Dame – Er will einfach nicht von Ihnen weg! – Tja, das liegt aber an ihm! Ich habe nichts dagegen, sammle ihm gleich die Sachen zusammen! – schlug Svetlana vor und fragte: – Was hat er Ihnen denn erzählt? Dass ich so gut wie tot bin und er mich nicht im Stich lassen kann? – Na ja, so gut wie tot nicht –, zögerte die Besucherin –, aber fast. Ehrlich gesagt: Svetlana hatte mit Petru über das Thema nie gesprochen! Und eigentlich hatten sie beide fast gar nicht gesprochen: Alles außer dem einen Zufalls-Fremdgehen war Frucht der Fantasie… Aber Svetlana wusste das nicht. – Sehen Sie doch, mir geht’s prächtig! Also können Sie Petja ruhig haben – keinerlei Ansprüche: Morgen reiche ich die Scheidung ein! Ihnen wünsche ich alles Gute, Liebe und Glück ins Haus! – lächelte die Ehefrau. – Wirklich? – freute sich die Rivalin. – Sie sind ja so positiv! Damit hätte ich gar nicht gerechnet! Ich war auf das Schlimmste vorbereitet! „Warte nur ab, wie positiv ich wirklich bin“, dachte Svetlana und sagte laut: – Kein Problem! Wir haben großes Vertrauen zueinander! Ich respektiere Peter – und werde ihm alles sagen. Gehen Sie ruhig! Das klang wie „Ruhe in Frieden“. Die Rivalin, vor Glück ganz aufgeregt, bemerkte nichts. – Dann sagen Sie ihm, dass ich ihn heute mit seinen Sachen erwarte! – sprach Lara zum Abschied und schenkte ihrer besiegten Widersacherin ein triumphierendes Lächeln – sie hat sie „geschlagen“! – und lief ihrem Glück entgegen. – Ganz bestimmt, liebe Dame! – verabschiedete sie die Deutschlehrerin. – Warten Sie nur! Abends stand für Petru, der von der Arbeit kam, ein gepackter „Waisen“-Koffer im Flur: So viele Dinge hatte Petja gar nicht – nach der Ware die Zahlung! Am Gesicht des Mannes merkte Svetlana, dass er überhaupt nichts ahnte. Denn Peter Efimowitsch zeigte keine Anzeichen von Nervosität, küsste seine Frau wie immer und fragte: – Svetka, was gibt’s zum Abendessen? Und warum steht der Koffer im Flur? Fährst du weg? – Deine ist da gewesen! – begann Svetlana ohne Umschweife. – Wer ist „meine“? – wunderte sich Petja. – Na, die vom Nachtdienst! Mit der du immer nachts wachst! – erklärte Svetlana. – Gegen Diebstahl! Petja errötete und fragte leise: – Lara etwa? Ich habe nie mit der Nachtdienst gehabt! – Oder gibt’s da noch eine? Da bist du ja auf deine alten Tage zum Schürzenjäger geworden! – Es ist nicht das, was du denkst – begann Peter. – Und was denke ich? Sag’s mir, Messing! Na los! Sag jetzt ja nicht, dass mit ihr nichts war! Oder dass sie einfach so aufgetaucht ist? – Ich sag’s nicht! – schniefte Petja. – Es war – aber nur einmal! Erinnerst du dich, als ich mal betrunken nach Hause kam? So war’s! Ich wollte nicht – ehrlich, Svetka! Sie hat mich einfach überwältigt! Das war nur der Instinkt! Na ja, und dann… – Ich verstehe, Petja – die Liebe ist so: Wenn sie einen übermannt, kommt man nicht raus! Und wie Scharikow sagte: „Das ist was Junges!“ Und sei nicht schüchtern – ich hab’s kapiert. Übrigens, alles geklärt. Lara wartet: Ich habe dir fest versprochen, dich gehen zu lassen! – Wo soll ich gehen? – entfuhr Petja: Lara war „zugereist“ und wohnte zur Untermiete in einer WG. – Wozu gehen? – Weil man seine Gefühle nicht verstecken sollte, Peter! Ich seh’s doch! Also geh und sieben Knoten unter dem Kiel und unter allen anderen Körperteilen! – Aber ich will nicht! – klammerte sich ihr Mann. Er wollte wirklich nicht! – Oder ist es zu heiß? – stichelte Svetlana. – Schlafen bei ihr ist sicher warm? Die Kollegin war wirklich ziemlich beleibt. Beim Gespräch tupfte sie ständig mit einem bestickten Taschentuch den Schweiß oberhalb der Oberlippe ab. Petja schwieg verloren. Und mit Lara war es wirklich nur ein Alkohol-Aussetzer nach einer Firmenfeier gewesen. Von Liebe keine Spur. Aber sie begann, ihn zu verfolgen. Svetlana hatte alles logisch zusammengesetzt. Wenn Ihr wüsstet, liebe Leute, wie viele in alten DDR-Zeiten in der Psychiatrie Bräute von Udo Jürgens waren! Unzählig: Den Sternen keine Zahl, dem Abgrund keinen Grund. Und auch jetzt gibt es Verrückte genug: wie viele „Peters“ gibt es in Brasilien… Sonst waren das durchaus normale Menschen! Sie tickten nur bei ganz bestimmten Themen aus… Aber heute hatte Lara glücklicherweise frei genommen: Schließlich stand ihr ein ernstes Gespräch mit Svetlana bevor. Und Petja atmete durch – vor dem kleinen Kollegenkreis war es ihm peinlich. „Peter, probieren Sie mal die Pfannkuchen – extra für Sie gebacken! Offenbar werden Sie zuhause nicht gefüttert!“ „Wie war Ihr Wochenende? Erzählen Sie mal?“ „Ach, Sie sind mir heute im Traum erschienen! Wollen Sie wissen, was wir zusammen gemacht haben?“ „Was für ein Depp bin ich!“, quälte sich Petja. „So hab ich mich in etwas verstrickt! Ich muss wohl kündigen!“ Schon hundert Mal hatte er bereut, dem Alkohol nachgegeben zu haben! Woher hätte er wissen sollen, dass Lara so durchgeknallt war? – Gut, – gab sich die Frau gnädig, – nehmen wir an, du lügst nicht, Casanova. Und wie stellst du dir unsere Zukunft vor? Soll ich nach all dem wieder mit dir ins Bett steigen? – Ich schlafe auf der Couch! – sagte der ertappte Mann mit Überzeugung. Er wäre sogar bereit gewesen, auf dem Flur zu nächtigen – Hauptsache, Svetlana schmeißt ihn nicht raus. Und die Frau ließ es zu: Wir werden sehen! Am nächsten Tag war Samstag – Lara erschien schon am Morgen: Na, fahren wir jetzt los? Klar, gestern ging’s nicht! Peter, der ihr öffnete, war erstaunt: So schlimm stand’s also! Er versuchte an die leicht euphorische Kollegin durchzudringen: Manische Phase – nicht zu unterschätzen… – Larissa Viktoria, liebe Dame – bei den Worten zuckte Lara zusammen: Jetzt kommt’s! – gehen Sie nach Hause! Und ganz vorsichtig – heute ist glatt draußen! – Und Sie? – wunderte sich die Kollegin. – Ich bleibe hier! – sagte der Mann möglichst bestimmt. – Bei meiner Frau! – Aber wir lieben uns doch! – brachte die Frau den Hauptgrund vor. – Das ist alles Fantasie von Ihnen! Es war nie was, nie! – sagte Petja, wohl wissend, dass es doch was war. Aber beweis das mal! Nur weil sie zusammen weggegangen waren – vielleicht sind sie nachher sofort getrennte Wege gegangen? Dass Lara einen Dachschaden hatte, wusste das ganze kleine Unternehmen. Peter entschied sich, dabei zu bleiben. Lara dachte nach, schwieg und sah ihre Leidenschaft an. Bei ihnen war doch alles gut! Und die Frau hatte ihn doch freigegeben! Warum also nicht? – Auf Wiedersehen! – sagte Peter Efimowitsch und schloss die Tür. Und genau da sprach die Frau die berühmten Worte aus Vera Panovas Erzählung zu Onkel Petja. Und sie passten perfekt zur Situation. Peter machte nicht einmal den Mund auf: Schweigen ist bekanntlich Gold… Lara stand noch einen Moment vor der Tür: Vielleicht ändert er seine Meinung? Dann ging sie – etwa doch kein Glück? Leider war Peter nicht der einzige: Zwei Kollegen hatten schon vorher wegen Laras Belästigung gekündigt. Und sie hatten mit ihr überhaupt nichts! Montags erschien Larisa nicht mehr im Betrieb: Sie hatte überraschend gekündigt. Vielleicht reichten drei Versuche, um die Liebe in einer anderen Firma zu suchen. Vielleicht war sie doch nicht ganz verrückt… Peter atmete erneut auf: Er hatte schon fast selbst an Kündigung gedacht! Zum Glück war sie nicht „schwanger“ geworden… Und die gutmütige Svetlana verzieh ihrem Mann. Ja, er hatte versehentlich im Suff betrogen! Aber der Rest stimmte doch! Denn später stellte sich heraus, dass die männlichen Kollegen der Baufirma tatsächlich abwechselnd Nachtdienst im Büro machten: Der geizige Chef sparte an der Security! Und das neue Parfüm und die gebügelten Jeans hatten nichts zu sagen. Ja, einfach Zufall: So fiel das Blatt! Oder war alles Mürkes oder Magnetstürme schuld – praktisch, dass man jemandem die Schuld geben konnte… Was bleibt als Fazit? Trinkt nicht zu viel auf der Firmenfeier, Leute! Denn Liebe kann toxisch sein. Und in unserer heutigen Welt gibt’s davon genug. Zum Glück wurde er nicht erpresst. Und alles auf Mürkes schieben, klappt diesmal nicht…

Die Rivalin um die Sachen ist erschienen

Ich bin Lara, wir arbeiten zusammen. Wir lieben einander und Sie stehen im Weg! Geben Sie mir bitte meinen Peter zurück!

Wie stehe ich Ihnen denn im Weg? fragte Brigitte nervös, eine Mischung aus Empörung und echter Verwunderung. Kommen Sie mit Fakten!

Die andere Frau, eine gewisse Lara, stutzte einen Moment. Er will einfach nicht von Ihnen weggehen!

Peter, bist du denn völlig verrückt?
Dieses geniale Zitat stammt von Moritz, dem Jungen aus einem berühmten Roman von Irmgard Keun. Nachdem der Erwachsene, Onkel Peter, ihn mit einer hübsch eingewickelten, aber leeren Praline beschenkt hat

Und ehrlich gesagt, ja verrückt. Wie in einem alten Sketch von Otto Waalkes: keine psychischen Krankheiten, bloß ein bisschen verrückt!

Genau das sagte Brigitte ihrem Mann auch, allerdings nicht direkt nach der Ankunft der Nebenbuhlerin das, immerhin, hatte sie irgendwie geschluckt sondern etwas später.

Denn es stellte sich raus, dass ihr Peter Müller, der Hahn im Korb mit dem goldenen Kamm, mit dem sie fast zwanzig Jahre durch das Leben ging, eine Affäre angefangen hatte.

Sie tauchte nicht nur auf, sondern hatte auch noch Ansprüche: Wir lieben uns, überlassen Sie mir Ihren Mann!

Brigitte hatte schon Verdacht geschöpft: Peter setzte plötzlich jeden Tag seinen Rasierer ein früher wars alle zwei Tage. Er hatte ein neues Parfüm und sogar die Jeans sorgfältig gebügelt.

Brigitte verriet dem Ehemann nichts und dachte stichelnd, wie er jetzt mal schön leiden kann. Umhüllt von seinem neuen, ziemlich penetranten Duft verschwand er in die Nacht angeblich, weil er Nachtdienst hätte.

Nachtdienst! Er, der Bauleiter mittlerer Ebene!

Du verstehst, Liebling, schwärmte Peter beim Abendessen, unser Bauunternehmen ist winzig, und der Wachmann hat gekündigt! Das Budget reicht nicht für Ersatz.

Nun rotieren wir abwechselnd nachts im Büro, um Langfinger fernzuhalten! Würde viel lieber zu Hause bleiben selbst Schlafgelegenheiten gibts dort keine!

Und wie machst du das die ganze Nacht? Sitzend?, fragte Brigitte ländlich.

Peter verzog das Gesicht: Wer spricht so? Sitzend, das kann er doch nicht ernst meinen.

Aber Partizip, veraltet! Brigitte unterrichtet Deutsch an der Berufsschule; sie weiß das. Ihr Mann nicht.

Brigitte war längst klar: Peter log. Da lief was hinter den Kulissen.

Sie waren schon Jahre verheiratet, Tochter lebte längst woanders. Da hatte Peter wohl diese Beziehung angefangen.

Gut, kommt vor man verliebt sich, gibts wenigstens ehrlich zu und geht: die Wohnung gehörte Brigitte von Anfang an.

Was solls ist halt passiert! Ein Teufel im Leib, wie man sagt Aber Peter rückte nicht raus mit der Wahrheit. Warum? Liebte er Brigitte noch? Oder war das dort nicht ernst?

Fakt bleibt: Peter lebte weiter zu Hause, als sei nichts passiert und erfüllte brav seine Pflichten als Ehemann.

Bis auf ein paar kleine Hinweise gabs keinen echten Beweis für den Seitensprung.

Vielleicht bildete sie sichs ein? Neues Parfüm! Frisch gebügelte Hose! Brigitte dachte, da muss sie sich wohl zusammenreißen Doch dann kam sie die gerissene Lara.

Peter war nicht da. Brigitte wischte Staub im Wohnzimmer, als Lara eintrat und sofort loslegte: Sie fordert ihren Petra zurück!

Brigitte, gegen ihre Gewohnheit, ließ sie herein. Wie in einem Loriot-Film mal gucken, was die will!

Später würde sie herausfinden, dass Lara fünf Jahre jünger als Brigitte war sah aber eher wie eine Frau Mitte vierzig aus.

Lara erklärte sich:

Ich bin Lara, wir sind Kollegen. Wir lieben uns, und Sie behindern uns! Geben Sie mir Peter!

Wie behindere ich Sie? fragte Brigitte überrascht. Sagen Sie es konkret.

Naja, stammelte Lara. Er will einfach nicht von Ihnen weg!

Das liegt ja an ihm! Mir wärs recht, wenn er ginge ich kann seine Sachen auch gleich packen! grinste Brigitte und fragte:

Und was hat er Ihnen erzählt? Dass ich todkrank sei und er mich nicht verlassen könne?

Nicht direkt todkrank, murmelte Lara, aber ziemlich angeschlagen.

Mit Peter über Krankheit gesprochen? Nie! Eigentlich war die Beziehung fast rein fiktiv Alles, was nicht nach Zufall aussah, existierte nur in Laras Fantasie.

Aber Brigitte wusste davon nichts.

Nun sehen Sie ja, mir gehts bestens! Also können Sie Peter ruhig nehmen keine Einwände: Ich reiche morgen die Scheidung ein.

Und Ihnen grünes Licht, alles Gute, Segen ins Haus!, meinte Brigitte lächelnd.

Wirklich?, Lara war baff. Sie sind aber nett! Ich hatte schon mit Schlimmem gerechnet!

Du kennst mich noch gar nicht!, dachte Brigitte finster und lächelte weiter: Wirklich, wir respektieren uns, mein Mann und ich. Ich sag ihm alles, gehen Sie ruhig.

Das klang wie und nun ruhen Sie sanft.

Aber Lara nahm in ihrer Euphorie nichts davon wahr.

Dann richten Sie ihm aus, ich warte heute mit seinen Sachen!, verabschiedete sich Lara und schwebte, um ihre Besiegte triumphierend anzulächeln, in ihr Glück.

Aber sicher, Liebes!, versprach Brigitte, die Deutschlehrerin. Warten Sie!

Peter fand abends einen gepackten Koffer im Flur viel hatte er nicht einzupacken, nach Gegenstand das Maß.

Dem Gesicht nach ahnte Peter nichts. Keine Spur von Unruhe, er küsste Brigitte wie gewohnt und fragte:

Na, was gibts zum Abendessen? Und warum steht da ein Koffer? Fährst du weg?

Deine Freundin war da!, sagte Brigitte schnörkellos.

Meine Freundin?, Peter staunte.

Na, die Nachtwächterin! Mit der du nachts im Büro wachst! Wegen der Diebe!

Peter lief rot an und flüsterte:

Lara, etwa? Ich hab nie Nachtdienst mit ihr gehabt!

Gibts noch eine außer Lara? Du bist ja ein richtiger Schlingel im Spätherbst!

Das ist nicht, was du denkst, begann Peter.

Was denk ich denn? Los, Messing, telepathier mal! Sagst jetzt bestimmt, da war nie was, oder, dass sie einfach so kam?

Sag ich nicht! schniefte Peter. Es war einmal, nach dem Betriebsfest, du weißt doch, ich war betrunken! Aber ich wollte nicht, ehrlich, Brigitte! Sie hat einfach Das war nur Trieb!

Ich versteh, Peter Liebe, die überkommt einen, wie Polt mal sagte! Und, klar, war halt eine Jugendsünde, wie Scharwitzki meinte. Peinlich muss dir das nicht sein!

Ehrlich, Lara wartet, ich habs ihr versprochen.

Wohin soll ich dich denn entlassen? Peter erblasste: Lara wohnte zur Untermiete, irgendwo. Warum muss ich gehen?

Weil man Gefühle nicht verstecken muss, Peter! Ich sehs dir doch an! Also los, und sieben gute Vorsätze unter die Sohlen!

Aber ich will nicht! moserte Peter, und diesmal meinte er es wirklich.

Was ist los schwitzt du etwa? Zu warm zum Schlafen? stichelte Brigitte.

Lara war tatsächlich eine größere Frau und tupfte beim Gespräch pausenlos den Schweiß von der Oberlippe mit einem gestickten Taschentuch.

Peter schwieg. Mit Lara war nach dem Betriebsfest tatsächlich eine peinliche Nacht passiert. Von Liebe konnte keine Rede sein.

Aber Lara verfolgte ihn. Brigitte hatte langsam alles kombiniert, wie im Krimi.

Wenn ihr wüsstet, wie viele Bräute von Udo Jürgens in deutschen Anstalten so herumliefen. Unzählbar!

Völlig normale Leute oft nur eben auf einem Spleen total fixiert.

Zum Glück hatte Lara für Milde gesorgt: Extra Urlaub genommen, wohl für das Gespräch. Peter war froh: Die Peinlichkeit im kleinen Team war enorm.

Peter, probier mal die Eierkuchen selbst gemacht! Oder kocht deine Frau etwa gar nicht?

Wie war dein Wochenende? Reden wir drüber?

Ich hab heute von Ihnen geträumt! Wolln Sie wissen, was wir gemacht haben?

Ach du lieber Himmel! dachte Peter. Wie bin ich da reingeraten? Am besten kündigen!

Er bereute den Moment der Schwäche wer hätte ahnen können, dass Lara so daneben ist?

Gut, gab Brigitte nach, vorausgesetzt, du lügst nicht, Casanova. Wie soll es weitergehen? Glaubst du, ich kuschele nach der Aufdeckung mit dir im Bett?

Ich schlaf auf dem Sofa! versprach Peter reumütig. Er wäre für Brigitte auf der Fußmatte im Flur geblieben. Sie erlaubte es: Mal sehen, wies läuft.

Am nächsten Morgen, Samstag Lara kam schon früh: Na, fahren wir los? Gestern gings ja nicht!

Als Peter ihr öffnete, sackte ihm das Herz: Wie schlimm ist es eigentlich?

Versucht, zur Vernunft zu rufen: Manische Phasen sind kein Spaß

Frau Lara, gehen Sie lieber nach Hause! Und langsam draußen ists glatt!

Und Sie? hakte Lara nach.

Ich bleib hier! Bei meiner Frau!

Aber wir lieben uns! argumentierte Lara.

Das alles ist Fantasie! Es war nicht, war nie! sagte Peter. Er wusste, dass doch, aber was soll er machen?

Nur weil sie zusammen das Büro verließen, heißt das nichts. Vielleicht trennten sie sich sofort wieder?

Das ganze Team wusste längst, dass Lara ein Problem hat.

Peter entschloss sich, es bis zum bitteren Ende zu leugnen.

In Laras Kopf rumorten die Gedanken. Sie schwieg und starrte ihn nur an. Er ist ihr Happy End. Die Ehefrau hatte ihn ja schon freigegeben!

Warum also nicht?

Auf Wiedersehen! sagte Peter Müller und schloss die Tür.

Da sprach Brigitte kommentierend die berühmten Zeilen aus Irmgard Keuns Roman über Onkel Peter. Es passte perfekt. Peter stand da, wortlos.

Lara blieb einen Moment vor der Tür stehen. Vielleicht überlegt ers sich anders? Dann trottete sie zurück wieder nichts!

Peter war nicht Laras erstes Opfer zwei Kollegen hatten schon wegen ihr gekündigt, nur weil sie sie belästigte. Mit denen war nie was passiert!

Am Montag erschien Lara nicht mehr zur Arbeit: brachte alles mit der Personalabteilung in Ordnung. Vielleicht waren drei Versuche genug, um die große Liebe andernorts zu suchen. Wahrscheinlich war sie doch nicht völlig verrückt

Peter atmete auf: Kündigung brauchte er doch nicht! Zum Glück ist nichts Schlimmeres passiert

Brigitte hatte ihrem Peter vergeben. Klar, ein einmaliger Ausrutscher im Suff! Der Rest war wohl tatsächlich harmlos.

Später stellte sich heraus, dass die Männer im Bauunternehmen tatsächlich nachts Wachdienst am Schreibtisch abwechselnd schieben mussten: Der geizige Chef sparte, wo er konnte! Neues Parfüm und Peters gebügelte Jeans waren nur Zufall.

So war das eben, die Karten lagen so. Oder doch alles Schicksal, Mondsüchtigkeit, Magnetstürme Hauptsache, ein Sündenbock war greifbar.

Was lernen wir? Macht euch nicht auf Firmenfeiern betrunken, Leute!

Denn Liebe kann giftig sein. Und heutzutage gibts das unendlich oft. Wenigstens hat Lara nie erpresst.

Und auf den Merkur schieben kann mans nicht mehr Als die nächste Woche begann, schien das Leben im Hause Müller wieder in ruhigeren Bahnen zu laufen. Brigitte beobachtete Peter beim Zeitunglesen, sein Gesicht ruhig, als hätte jemand einen Pinsel genommen und alle Sorgen fortgewischt. In der Küche blubberte der Kaffee. So war die Welt wieder an ihrem Platz, wenn auch mit einer schiefen Kante.

Am Abend saßen sie gemeinsam auf dem Balkon, ein Glas Rotwein in der Hand, und Peter fragte leise: Hast du je an Trennung gedacht, Brigitte? Sie sah ihn lange an, dann schüttelte sie langsam den Kopf.

Wir haben viel zusammen gesehen. Vielleicht nicht die ganz große Romanze, aber echtes Leben. Wer weiß schon, wo die Liebe im Alltag wirklich wohnt? Sie zwinkerte und stieß ihr Glas gegen seines.

Manchmal, so wusste Brigitte, hielt ein Schicksalskoffer mehr als nur ein paar gebügelte Jeans. Vielleicht auch eine neu entdeckte Ruhe, und ein Lächeln, das nie ganz vergeht, wenn man es mit Humor würzt.

Drinnen schlief die Katze auf dem Heizkörper, draußen fiel der Abend herab wie eine Decke aus blauen Schatten. Alles war wieder normal, bis auf die leise Erinnerung an einen Koffer im Flur und an die Gewissheit, dass das Glück manchmal ein bisschen verrückt aussieht.

Brigitte nahm Peters Hand. Weißt du, sagte sie leise, es gibt Schlimmeres als eine Lara, die einmal klingelt. Und über die Balkonbrüstung hinweg wehte ein windiger Hauch, der die Blätter auf den nächsten Tag drehte.

So war es: Die Liebe rollte weiter, holprig vielleicht, aber immer noch gemeinsam. Und die Rivalin? War nur eine Fußnote in einer Geschichte, die niemand so schnell vergessen würde.

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Homy
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Die Rivalin um die Sachen ist da – Ich bin Lara, wir arbeiten zusammen. Wir lieben einander und Sie stören! Geben Sie mir Petru zurück! – Und wie störe ich Sie denn? – wunderte sich Svetlana Anatóljewna ehrlich. – Fakten, bitte! – Also, nun ja… – zögerte die Rivalin. – Er will nicht von Ihnen weg! Onkel Petja, bist du denn blöd? Diese genialen Worte stammen von dem Jungen Sergej aus Vera Panovas Erzählung, nachdem der erwachsene Onkel Petja ihn mit einer Süßigkeit „bedachte“: aber der schöne Bonbon war leer… Und tatsächlich: blöd. Wie sagte doch mal ein deutscher Kabarettist: Es gibt keine psychischen Krankheiten – man ist einfach nur blöd! Dasselbe sagte Svetlana Anatóljewna zu ihrem Mann. Nicht direkt, als die neue Flamme im Haus erschien – das hat die Ehefrau sogar geschluckt! – sondern ein wenig später. Ja, es stellte sich heraus, dass ihr Peter Efimowitsch, Petja – „Hahn mit goldener Krone“, mit dem sie so viele Jahre verbracht hatte, eine Nebenbuhlerin hatte. Und die kam nicht einfach so, sondern mit Forderungen: „Wir lieben uns – geben Sie mir Ihren Mann zurück!“ Zu diesem Zeitpunkt hatte Svetlana schon einiges geahnt. Petru rasierte sich plötzlich täglich, früher nur jeden zweiten Tag. Er kaufte sich ein neues Parfüm und bügelte neuerdings die Jeans mit Bügelfalten. Svetlana wollte ihren Mann nicht enttäuschen und dachte sich insgeheim, dass ihm das nur recht geschähe. Und er ging – umhüllt von einem aufdringlichen Importduft – in die Nacht hinaus: Er wurde zum Nachtdienst eingeteilt! Ja, ihn – den Mittelstandsmanager! – Weißt du, Liebling, – schwärmte ihr Mann beim Abendessen, – wir sind eine kleine Baufirma und der Wächter hat gekündigt! Und das Budget ist begrenzt! Jetzt müssen wir abwechselnd nachts im Büro Wache schieben, um Diebe fernzuhalten! Ich würde lieber daheimbleiben: Dort kann man ja gar nirgends bequem schlafen! – Und wie willst du die Nacht überstehen? Im Sitzen etwa? – fragte Svetlana im bäuerlichen Ton. Petru verzog das Gesicht: Wie kann man so sprechen? „Im Sitzen“ – was soll das denn? Das ist ein veraltetes Adverb, fast schon russischer Slang! Seine Frau unterrichtete schließlich Deutsch am Berufskolleg, sie wusste Bescheid. Svetlana war klar, dass ihr Mann log. Da stimmte etwas nicht im Hause Dänemark. Sie waren fast zwanzig Jahre verheiratet. Die Tochter lebte bereits getrennt. Und jetzt würde der Mann wohl eine Geliebte haben. Gut, so etwas passiert: Wenn man sich verliebt, ehrlich gestehen und gehen! Die Wohnung gehörte Svetlana nämlich noch aus der Zeit vor der Ehe. Nun ja – kam, wie es kommen musste! Dämon im Alter und so weiter. Aber Peter hatte es nicht eilig, alles zuzugeben. Warum? Liebte er Svetlana noch? Oder hielt er die Sache für nicht ernst? Aber die Tatsache blieb: Der Mann lebte weiterhin zuhause, als wäre nichts passiert! Und erfüllte sogar die ehelichen Pflichten. Abgesehen von kleinen Indizien gab es für Svetlana keine echten Beweise für einen Seitensprung. Vielleicht bildete sie sich alles ein? Ein Parfüm! Gebügelte Hosen! Svetlana wollte schon ein Auge zudrücken, aber dann kam sie – die listige Rivalin „Raissa Zacharowna“. Petja war nicht zuhause. Svetlana war beim Putzen. Und sie – zack – stand vor der Tür! Svetlana, gutgläubig wie in ihrem Lieblingsfilm, ließ die Frau hinein: Wer weiß, warum sie kam. Soll sie erzählen, was sie will! Übrigens, später stellte sich raus, dass die „Geliebte“ fünf Jahre jünger als Svetlana war. Aber sie wirkte wie eine Frau jenseits der Vierzig! Und sie legte los: – Ich bin Lara, wir arbeiten zusammen. Wir lieben einander und Sie stören! Geben Sie mir Petru zurück! – Und wie störe ich Sie? – fragte Svetlana erstaunt. – Fakten, bitte! – Also… – zögerte die Dame – Er will einfach nicht von Ihnen weg! – Tja, das liegt aber an ihm! Ich habe nichts dagegen, sammle ihm gleich die Sachen zusammen! – schlug Svetlana vor und fragte: – Was hat er Ihnen denn erzählt? Dass ich so gut wie tot bin und er mich nicht im Stich lassen kann? – Na ja, so gut wie tot nicht –, zögerte die Besucherin –, aber fast. Ehrlich gesagt: Svetlana hatte mit Petru über das Thema nie gesprochen! Und eigentlich hatten sie beide fast gar nicht gesprochen: Alles außer dem einen Zufalls-Fremdgehen war Frucht der Fantasie… Aber Svetlana wusste das nicht. – Sehen Sie doch, mir geht’s prächtig! Also können Sie Petja ruhig haben – keinerlei Ansprüche: Morgen reiche ich die Scheidung ein! Ihnen wünsche ich alles Gute, Liebe und Glück ins Haus! – lächelte die Ehefrau. – Wirklich? – freute sich die Rivalin. – Sie sind ja so positiv! Damit hätte ich gar nicht gerechnet! Ich war auf das Schlimmste vorbereitet! „Warte nur ab, wie positiv ich wirklich bin“, dachte Svetlana und sagte laut: – Kein Problem! Wir haben großes Vertrauen zueinander! Ich respektiere Peter – und werde ihm alles sagen. Gehen Sie ruhig! Das klang wie „Ruhe in Frieden“. Die Rivalin, vor Glück ganz aufgeregt, bemerkte nichts. – Dann sagen Sie ihm, dass ich ihn heute mit seinen Sachen erwarte! – sprach Lara zum Abschied und schenkte ihrer besiegten Widersacherin ein triumphierendes Lächeln – sie hat sie „geschlagen“! – und lief ihrem Glück entgegen. – Ganz bestimmt, liebe Dame! – verabschiedete sie die Deutschlehrerin. – Warten Sie nur! Abends stand für Petru, der von der Arbeit kam, ein gepackter „Waisen“-Koffer im Flur: So viele Dinge hatte Petja gar nicht – nach der Ware die Zahlung! Am Gesicht des Mannes merkte Svetlana, dass er überhaupt nichts ahnte. Denn Peter Efimowitsch zeigte keine Anzeichen von Nervosität, küsste seine Frau wie immer und fragte: – Svetka, was gibt’s zum Abendessen? Und warum steht der Koffer im Flur? Fährst du weg? – Deine ist da gewesen! – begann Svetlana ohne Umschweife. – Wer ist „meine“? – wunderte sich Petja. – Na, die vom Nachtdienst! Mit der du immer nachts wachst! – erklärte Svetlana. – Gegen Diebstahl! Petja errötete und fragte leise: – Lara etwa? Ich habe nie mit der Nachtdienst gehabt! – Oder gibt’s da noch eine? Da bist du ja auf deine alten Tage zum Schürzenjäger geworden! – Es ist nicht das, was du denkst – begann Peter. – Und was denke ich? Sag’s mir, Messing! Na los! Sag jetzt ja nicht, dass mit ihr nichts war! Oder dass sie einfach so aufgetaucht ist? – Ich sag’s nicht! – schniefte Petja. – Es war – aber nur einmal! Erinnerst du dich, als ich mal betrunken nach Hause kam? So war’s! Ich wollte nicht – ehrlich, Svetka! Sie hat mich einfach überwältigt! Das war nur der Instinkt! Na ja, und dann… – Ich verstehe, Petja – die Liebe ist so: Wenn sie einen übermannt, kommt man nicht raus! Und wie Scharikow sagte: „Das ist was Junges!“ Und sei nicht schüchtern – ich hab’s kapiert. Übrigens, alles geklärt. Lara wartet: Ich habe dir fest versprochen, dich gehen zu lassen! – Wo soll ich gehen? – entfuhr Petja: Lara war „zugereist“ und wohnte zur Untermiete in einer WG. – Wozu gehen? – Weil man seine Gefühle nicht verstecken sollte, Peter! Ich seh’s doch! Also geh und sieben Knoten unter dem Kiel und unter allen anderen Körperteilen! – Aber ich will nicht! – klammerte sich ihr Mann. Er wollte wirklich nicht! – Oder ist es zu heiß? – stichelte Svetlana. – Schlafen bei ihr ist sicher warm? Die Kollegin war wirklich ziemlich beleibt. Beim Gespräch tupfte sie ständig mit einem bestickten Taschentuch den Schweiß oberhalb der Oberlippe ab. Petja schwieg verloren. Und mit Lara war es wirklich nur ein Alkohol-Aussetzer nach einer Firmenfeier gewesen. Von Liebe keine Spur. Aber sie begann, ihn zu verfolgen. Svetlana hatte alles logisch zusammengesetzt. Wenn Ihr wüsstet, liebe Leute, wie viele in alten DDR-Zeiten in der Psychiatrie Bräute von Udo Jürgens waren! Unzählig: Den Sternen keine Zahl, dem Abgrund keinen Grund. Und auch jetzt gibt es Verrückte genug: wie viele „Peters“ gibt es in Brasilien… Sonst waren das durchaus normale Menschen! Sie tickten nur bei ganz bestimmten Themen aus… Aber heute hatte Lara glücklicherweise frei genommen: Schließlich stand ihr ein ernstes Gespräch mit Svetlana bevor. Und Petja atmete durch – vor dem kleinen Kollegenkreis war es ihm peinlich. „Peter, probieren Sie mal die Pfannkuchen – extra für Sie gebacken! Offenbar werden Sie zuhause nicht gefüttert!“ „Wie war Ihr Wochenende? Erzählen Sie mal?“ „Ach, Sie sind mir heute im Traum erschienen! Wollen Sie wissen, was wir zusammen gemacht haben?“ „Was für ein Depp bin ich!“, quälte sich Petja. „So hab ich mich in etwas verstrickt! Ich muss wohl kündigen!“ Schon hundert Mal hatte er bereut, dem Alkohol nachgegeben zu haben! Woher hätte er wissen sollen, dass Lara so durchgeknallt war? – Gut, – gab sich die Frau gnädig, – nehmen wir an, du lügst nicht, Casanova. Und wie stellst du dir unsere Zukunft vor? Soll ich nach all dem wieder mit dir ins Bett steigen? – Ich schlafe auf der Couch! – sagte der ertappte Mann mit Überzeugung. Er wäre sogar bereit gewesen, auf dem Flur zu nächtigen – Hauptsache, Svetlana schmeißt ihn nicht raus. Und die Frau ließ es zu: Wir werden sehen! Am nächsten Tag war Samstag – Lara erschien schon am Morgen: Na, fahren wir jetzt los? Klar, gestern ging’s nicht! Peter, der ihr öffnete, war erstaunt: So schlimm stand’s also! Er versuchte an die leicht euphorische Kollegin durchzudringen: Manische Phase – nicht zu unterschätzen… – Larissa Viktoria, liebe Dame – bei den Worten zuckte Lara zusammen: Jetzt kommt’s! – gehen Sie nach Hause! Und ganz vorsichtig – heute ist glatt draußen! – Und Sie? – wunderte sich die Kollegin. – Ich bleibe hier! – sagte der Mann möglichst bestimmt. – Bei meiner Frau! – Aber wir lieben uns doch! – brachte die Frau den Hauptgrund vor. – Das ist alles Fantasie von Ihnen! Es war nie was, nie! – sagte Petja, wohl wissend, dass es doch was war. Aber beweis das mal! Nur weil sie zusammen weggegangen waren – vielleicht sind sie nachher sofort getrennte Wege gegangen? Dass Lara einen Dachschaden hatte, wusste das ganze kleine Unternehmen. Peter entschied sich, dabei zu bleiben. Lara dachte nach, schwieg und sah ihre Leidenschaft an. Bei ihnen war doch alles gut! Und die Frau hatte ihn doch freigegeben! Warum also nicht? – Auf Wiedersehen! – sagte Peter Efimowitsch und schloss die Tür. Und genau da sprach die Frau die berühmten Worte aus Vera Panovas Erzählung zu Onkel Petja. Und sie passten perfekt zur Situation. Peter machte nicht einmal den Mund auf: Schweigen ist bekanntlich Gold… Lara stand noch einen Moment vor der Tür: Vielleicht ändert er seine Meinung? Dann ging sie – etwa doch kein Glück? Leider war Peter nicht der einzige: Zwei Kollegen hatten schon vorher wegen Laras Belästigung gekündigt. Und sie hatten mit ihr überhaupt nichts! Montags erschien Larisa nicht mehr im Betrieb: Sie hatte überraschend gekündigt. Vielleicht reichten drei Versuche, um die Liebe in einer anderen Firma zu suchen. Vielleicht war sie doch nicht ganz verrückt… Peter atmete erneut auf: Er hatte schon fast selbst an Kündigung gedacht! Zum Glück war sie nicht „schwanger“ geworden… Und die gutmütige Svetlana verzieh ihrem Mann. Ja, er hatte versehentlich im Suff betrogen! Aber der Rest stimmte doch! Denn später stellte sich heraus, dass die männlichen Kollegen der Baufirma tatsächlich abwechselnd Nachtdienst im Büro machten: Der geizige Chef sparte an der Security! Und das neue Parfüm und die gebügelten Jeans hatten nichts zu sagen. Ja, einfach Zufall: So fiel das Blatt! Oder war alles Mürkes oder Magnetstürme schuld – praktisch, dass man jemandem die Schuld geben konnte… Was bleibt als Fazit? Trinkt nicht zu viel auf der Firmenfeier, Leute! Denn Liebe kann toxisch sein. Und in unserer heutigen Welt gibt’s davon genug. Zum Glück wurde er nicht erpresst. Und alles auf Mürkes schieben, klappt diesmal nicht…
Die Kuscheldecke