Ich werde nie wieder das Leben eines Anderen leben Margarethe kam spätabends nach Hause. Die Lichter von Berlin glitzerten bereits hinter den Fenstern. Sie stand auf der Schwelle, eine Tasche in der Hand, und erklärte mit unerwarteter Entschlossenheit: — Ich will die Scheidung. Du kannst die Wohnung behalten, aber du zahlst mir meinen Anteil aus. Ich brauche sie nicht mehr. Ich bin weg. Viktor, ihr Mann, sank überrascht in seinen Sessel. — Wohin gehst du? fragte er verwirrt blinzelnd. — Das geht dich nichts mehr an, antwortete sie ruhig und holte einen Koffer aus dem Schrank. — Ich bleibe erstmal bei einer Freundin auf dem Land. Und dann sehen wir weiter. Er verstand nicht, was geschah. Doch sie hatte bereits entschieden. Drei Tage zuvor hatte die Ärztin beim Blick auf ihre Werte sanft gesagt: — In Ihrem Fall ist die Prognose ungünstig. Acht Monate maximal… Mit Behandlung vielleicht ein Jahr. Sie verließ die Praxis wie im Nebel. Die Stadt pulsierte, die Sonne schien. In ihrem Kopf kreiste nur ein Gedanke: „Acht Monate… nicht mal meinen Geburtstag werde ich erleben…“ Auf einer Bank im Tiergarten setzte sich ein alter Mann zu ihr. Erst schwieg er, genoss die Herbstsonne. Dann sprach er plötzlich: — Ich wünsche mir, dass mein letzter Tag sonnig ist. Ich erwarte nicht mehr viel, aber ein Sonnenstrahl ist ein Geschenk. Oder? — Das fände ich wohl auch, wenn ich wüsste, dass es mein letztes Jahr ist, murmelte sie. — Warten Sie nicht immer auf später. Ich hatte so viele „Später“, ich hätte ein Leben damit füllen können. Aber das hat nie funktioniert. Margarethe hörte zu – und verstand. Ihr ganzes Leben war für andere gewesen. Ein Job, den sie hasste, aber behielt – der Sicherheit wegen. Ein Mann, seit zehn Jahren nur noch ein Fremder – Untreue, Kälte, Gleichgültigkeit. Eine Tochter, die nur anrief, um Geld oder Gefallen zu verlangen. Und für sie selbst? Nichts. Keine Schuhe, kein Urlaub, nicht mal einen Kaffee auf der Terrasse allein. Alles gespart für „später“. Und jetzt würde „später“ vielleicht nie mehr kommen. In ihr zerbrach etwas. Sie ging nach Hause und sagte zum ersten Mal in ihrem Leben „Nein“ – zu allem und auf einmal. Am Tag darauf bat Margarethe um unbezahlten Urlaub, holte ihr Erspartes und ging. Ihr Mann versuchte, es zu verstehen, und ihre Tochter forderte lautstark – aber sie reagierte ruhig und bestimmt: „Nein.“ Im Landhaus der Freundin war alles friedlich. In eine Decke gehüllt, fragte sie sich: War das alles? Hatte sie überhaupt gelebt? Nein. Sie hatte funktioniert. Für andere. Jetzt endlich für sich selbst. Wenige Tage später flog Margarethe an die Ostsee. In einem Café am Meer begegnete sie Gerald. Schriftsteller. Klug, aufmerksam, sanft. Sie sprachen über Bücher, Menschen und den Sinn des Lebens. Zum ersten Mal seit Jahren lachte sie herzlich, ohne Rücksicht auf andere. — Und wenn wir einfach hier blieben? schlug er eines Tages vor. — Ich kann überall schreiben. Und du bist meine Muse. Ich liebe dich, Margarethe. Sie nickte. Warum nicht? So wenig Zeit blieb – aber vielleicht etwas Glück, auch nur für kurze Zeit. Zwei Monate vergingen. Sie war zufrieden, lachte, schlenderte, machte morgens Kaffee und erfand Geschichten für die Nachbarn auf der Terrasse. Ihre Tochter protestierte, gab dann aber auf. Ihr Mann zahlte ihre Hälfte aus. Alles beruhigte sich. Eines Morgens klingelte das Telefon. — Margarethe Lehmann? fragte eine besorgte Stimme. — Es tut mir leid, da ist ein Fehler passiert … die Befunde waren nicht Ihre. Es ist nur Erschöpfung. Sie sind vollkommen gesund. Sie schwieg kurz, dann lachte sie – befreit und laut. — Vielen Dank, Frau Doktor. Sie haben mir gerade mein Leben zurückgegeben. Sie blickte zu dem schlafenden Gerald und ging in die Küche, um Kaffee zu kochen. Denn jetzt lag vor ihr nicht mehr nur acht Monate – sondern ein ganzes Leben.

Ich werde nie mehr das Leben eines anderen leben
Friederike kommt spät am Abend nach Hause. Die Lichter von Berlin glitzern bereits hinter den Fenstern. Sie steht auf der Türschwelle, eine Tasche in der Hand, und sagt mit ungewohnter Entschlossenheit:
Ich will die Scheidung. Die Wohnung kannst du behalten, aber ich will meinen Anteil von dir ausgezahlt bekommen. Ich brauche sie nicht, ich gehe.
Ihr Mann, Johannes, sackt in seinem Sessel zusammen, überrascht.
Wohin gehst du? fragt er, blinzelnd und verständnislos.
Das geht dich jetzt nichts mehr an, sagt sie ruhig und holt einen Koffer aus dem Schrank. Ich wohne erst mal bei einer Freundin auf dem Land. Was danach kommt, sehen wir.
Er begreift nicht, was passiert. Aber Friederike hat schon alles beschlossen.
Drei Tage zuvor hatte der Arzt, nachdem er ihre Befunde durchgesehen hatte, ihr leise gesagt:
In Ihrem Fall ist die Prognose nicht günstig. Acht Monate, maximal Mit Therapie vielleicht ein Jahr.
Sie verlässt die Praxis wie benommen. Die Stadt pulsiert, die Sonne scheint. In ihrem Kopf klingt ein einziger Satz immer wieder nach: Acht Monate nicht mal meinen Geburtstag werde ich erleben
Auf einer Parkbank im Tiergarten setzt sich ein alter Mann neben sie. Er schweigt erst, genießt die Herbstsonne, dann sagt er plötzlich:
Ich möchte, dass mein letzter Tag sonnig ist. Großes erwarte ich nicht mehr, aber ein Sonnenstrahl ist ein Geschenk. Finden Sie nicht?
Das fände ich auch, wenn ich wüsste, dass mein letztes Jahr begonnen hat, murmelt sie.
Also, verschieben Sie nichts mehr auf später. Ich hatte so viele Später, ich hätte ein ganzes Leben damit füllen können. Aber das Leben wartet nicht.
Friederike hört zu und versteht: Ihr ganzes Leben war für die anderen gewesen. Ein Job, den sie hasste, aus Angst vor Unsicherheit. Ein Ehemann, der ihr seit zehn Jahren fremd geworden war Affären, Kälte, Gleichgültigkeit. Eine Tochter, die nur anruft, um Geld oder Gefallen zu fordern. Für sich selbst hatte sie nie etwas getan. Weder neue Schuhe noch Urlaub, nicht mal einen Kaffee allein im Café.
Sie hatte alles für später gespart. Jetzt schaut es aus, als würde es nie ein später geben. In ihr zerbricht etwas. Sie kehrt nach Hause zurück und sagt zum ersten Mal Nein zu allem, auf einmal.
Am nächsten Tag nimmt sie sich frei, hebt ihre Ersparnisse ab und geht. Ihr Mann ist ratlos, ihre Tochter verlangt weiterhin sie antwortet gelassen und bestimmt: Nein.
Im Bauernhaus ihrer Freundin draußen in der Uckermark ist es ruhig und friedlich. In eine Decke gewickelt, denkt sie nach: Soll das wirklich das Ende sein? Sie hatte nicht gelebt, nur funktioniert. Für die anderen. Jetzt beginnt ihr eigenes Leben.
Eine Woche später fliegt Friederike an die Ostsee. Dort, in einem Strandcafé in Warnemünde, lernt sie Konstantin kennen. Schriftsteller. Klug, herzlich. Sie reden über Bücher, Menschen, was das Leben ausmacht. Zum ersten Mal seit Jahren lacht sie von Herzen ohne an die Meinung anderer zu denken.
Was wäre, wenn wir einfach hier bleiben? fragt er eines Tages. Ich kann überall schreiben. Und du bist meine Muse. Ich liebe dich, Friederike.
Sie nickt. Warum nicht? Bleibt doch so wenig Zeit, da sollte wenigstens noch ein Stück Glück Platz haben selbst wenn es nicht für immer wäre.
Zwei Monate vergehen. Sie fühlt sich herrlich. Sie lacht, spaziert, macht morgens Kaffee, denkt sich kleine Geschichten für die Nachbarn aus. Ihre Tochter protestiert erst, gibt dann aber auf. Ihr Mann zahlt ihr ihren Anteil. Alles wird ruhig.
Eines Morgens klingelt das Telefon.
Friederike Schneider? fragt eine besorgte Stimme. Verzeihen Sie, da gab es ein Missverständnis Die Befunde waren gar nicht Ihre. Ihnen geht es gut es ist lediglich Erschöpfung.
Einen Moment bleibt sie still, dann lacht sie laut, von Herzen.
Danke, Herr Doktor. Sie haben mir gerade das Leben wiedergegeben.
Sie schaut auf Konstantin, der noch schläft, und geht in die Küche, um Kaffee zu kochen. Denn jetzt hat sie nicht nur acht Monate vor sich sondern ein ganzes Leben.

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Homy
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Ich werde nie wieder das Leben eines Anderen leben Margarethe kam spätabends nach Hause. Die Lichter von Berlin glitzerten bereits hinter den Fenstern. Sie stand auf der Schwelle, eine Tasche in der Hand, und erklärte mit unerwarteter Entschlossenheit: — Ich will die Scheidung. Du kannst die Wohnung behalten, aber du zahlst mir meinen Anteil aus. Ich brauche sie nicht mehr. Ich bin weg. Viktor, ihr Mann, sank überrascht in seinen Sessel. — Wohin gehst du? fragte er verwirrt blinzelnd. — Das geht dich nichts mehr an, antwortete sie ruhig und holte einen Koffer aus dem Schrank. — Ich bleibe erstmal bei einer Freundin auf dem Land. Und dann sehen wir weiter. Er verstand nicht, was geschah. Doch sie hatte bereits entschieden. Drei Tage zuvor hatte die Ärztin beim Blick auf ihre Werte sanft gesagt: — In Ihrem Fall ist die Prognose ungünstig. Acht Monate maximal… Mit Behandlung vielleicht ein Jahr. Sie verließ die Praxis wie im Nebel. Die Stadt pulsierte, die Sonne schien. In ihrem Kopf kreiste nur ein Gedanke: „Acht Monate… nicht mal meinen Geburtstag werde ich erleben…“ Auf einer Bank im Tiergarten setzte sich ein alter Mann zu ihr. Erst schwieg er, genoss die Herbstsonne. Dann sprach er plötzlich: — Ich wünsche mir, dass mein letzter Tag sonnig ist. Ich erwarte nicht mehr viel, aber ein Sonnenstrahl ist ein Geschenk. Oder? — Das fände ich wohl auch, wenn ich wüsste, dass es mein letztes Jahr ist, murmelte sie. — Warten Sie nicht immer auf später. Ich hatte so viele „Später“, ich hätte ein Leben damit füllen können. Aber das hat nie funktioniert. Margarethe hörte zu – und verstand. Ihr ganzes Leben war für andere gewesen. Ein Job, den sie hasste, aber behielt – der Sicherheit wegen. Ein Mann, seit zehn Jahren nur noch ein Fremder – Untreue, Kälte, Gleichgültigkeit. Eine Tochter, die nur anrief, um Geld oder Gefallen zu verlangen. Und für sie selbst? Nichts. Keine Schuhe, kein Urlaub, nicht mal einen Kaffee auf der Terrasse allein. Alles gespart für „später“. Und jetzt würde „später“ vielleicht nie mehr kommen. In ihr zerbrach etwas. Sie ging nach Hause und sagte zum ersten Mal in ihrem Leben „Nein“ – zu allem und auf einmal. Am Tag darauf bat Margarethe um unbezahlten Urlaub, holte ihr Erspartes und ging. Ihr Mann versuchte, es zu verstehen, und ihre Tochter forderte lautstark – aber sie reagierte ruhig und bestimmt: „Nein.“ Im Landhaus der Freundin war alles friedlich. In eine Decke gehüllt, fragte sie sich: War das alles? Hatte sie überhaupt gelebt? Nein. Sie hatte funktioniert. Für andere. Jetzt endlich für sich selbst. Wenige Tage später flog Margarethe an die Ostsee. In einem Café am Meer begegnete sie Gerald. Schriftsteller. Klug, aufmerksam, sanft. Sie sprachen über Bücher, Menschen und den Sinn des Lebens. Zum ersten Mal seit Jahren lachte sie herzlich, ohne Rücksicht auf andere. — Und wenn wir einfach hier blieben? schlug er eines Tages vor. — Ich kann überall schreiben. Und du bist meine Muse. Ich liebe dich, Margarethe. Sie nickte. Warum nicht? So wenig Zeit blieb – aber vielleicht etwas Glück, auch nur für kurze Zeit. Zwei Monate vergingen. Sie war zufrieden, lachte, schlenderte, machte morgens Kaffee und erfand Geschichten für die Nachbarn auf der Terrasse. Ihre Tochter protestierte, gab dann aber auf. Ihr Mann zahlte ihre Hälfte aus. Alles beruhigte sich. Eines Morgens klingelte das Telefon. — Margarethe Lehmann? fragte eine besorgte Stimme. — Es tut mir leid, da ist ein Fehler passiert … die Befunde waren nicht Ihre. Es ist nur Erschöpfung. Sie sind vollkommen gesund. Sie schwieg kurz, dann lachte sie – befreit und laut. — Vielen Dank, Frau Doktor. Sie haben mir gerade mein Leben zurückgegeben. Sie blickte zu dem schlafenden Gerald und ging in die Küche, um Kaffee zu kochen. Denn jetzt lag vor ihr nicht mehr nur acht Monate – sondern ein ganzes Leben.
„Na! Nimm es! Ich habe dir zu Unrecht geglaubt!“ – schrie die Fremde meinem Mann entgegen und überreichte ihm das Baby.