Seitdem wir gemeinsam mit meinem Mann leben, arbeitet er nicht mehr hart, und als er das Rentenalter erreicht hat, wurde er endgültig zum Stubenhocker.

Liebes Tagebuch,

mein Name ist Gudrun Schneider, ich bin 57 Jahre alt und habe meinen Mann, Klaus, seit über dreißig Jahren an meiner Seite. Seit wir zusammenwohnen, war es immer so: Klaus hat nie wirklich hart gearbeitet, und seitdem er in Rente ist, bleibt er fast nur noch zu Hause.

Ich hingegen war schon immer fleißig. Ich habe mehrere Jobs angenommen, um unseren beiden Kindern ein gutes Leben zu ermöglichen. Sie konnten auf die besten Schulen gehen, weil ich unermüdlich gearbeitet habe auch als sie noch klein waren. Ich habe mich selten ausgeruht, und das sieht man auch am Ergebnis: Unsere Kinder haben heute alles, was sie brauchen und stehen fest im Leben.

Klaus dagegen hat sich schon immer etwas gehen lassen. Seitdem er Rentner ist, geht auch der letzte Antrieb verloren. Jetzt sitze ich noch immer im Büro, mache Überstunden und unterstütze unsere Kinder sogar dabei, auf die Enkelkinder aufzupassen. Zuhause dann erledige ich weiterhin die gesamte Hausarbeit allein.

Unzählige Male habe ich Klaus gebeten, sich zumindest einen kleinen Nebenjob zu suchen vielleicht als Hausmeister, Pförtner oder in der Nachbarschaftsgemeinschaft. Aber Klaus meint immer, wir kämen schon zurecht, er müsse sich jetzt im Alter nicht mehr plagen. Einen schwachen Punkt hat er: sein Appetit! Manchmal komme ich müde aus dem Büro und finde nur noch etwas Suppe im Topf, weil Klaus alles andere schon verputzt hat. So läuft das beinahe jeden Tag; er scheint nur an sich selbst zu denken.

Neulich habe ich mit meiner Freundin Inga gesprochen, die mir geraten hat, fortan anders zu kochen: Für Klaus preiswerte Zutaten, und für mich selbst etwas Hochwertiges. Das Gespräch hat mich zum Nachdenken gebracht.

Am selben Abend habe ich Klaus gesagt, mein Arzt hätte mir geraten, auf Diät zu gehen und deshalb müssten wir nun unterschiedlich essen. Von nun an kam vieles in meine Kommodenschublade, das Klaus nicht sieht: Meine Lieblingspralinen, die ich mir gönne, wenn er im Keller ist. Gute Wurst und Käse verstecke ich in der hinteren Ecke unserer zweiten Kühlschranktür, die eigentlich für Eingemachtes ist.

Männer interessieren sich meist wenig fürs Kochen das spielt mir in die Karten. Für Klaus kaufe ich billige Rindfleischreste, würze sie kräftig, damit er nichts merkt und er ist jedes Mal begeistert, während ich mir Putenklöße dampfgare. Nudeln aus billigstem Hartweizengrieß bekommt er, für mich gibt es Bio-Pasta. Er meckert nicht einmal.

Manchmal frage ich mich, ob ich falsch handle, aber ich bleibe ja dennoch seine Frau. Will Klaus unbedingt frisches und gesundes Essen, kann er sich ja wieder eine Arbeit suchen jetzt, wo er so viel Wert darauf legt. Eine Scheidung? Das käme mir lächerlich vor. Was hätten wir davon, jetzt noch alles aufzugeben, unser Haus zu verkaufen und das angesparte Geld zu teilen? Nein, das will keiner von uns. Trotzdem, manchmal, spät abends, frage ich mich, warum alles immer an mir hängen bleibt aber aufgeben will ich auch nicht.

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Homy
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Seitdem wir gemeinsam mit meinem Mann leben, arbeitet er nicht mehr hart, und als er das Rentenalter erreicht hat, wurde er endgültig zum Stubenhocker.
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