Hallo. Mein Name ist Adam. Ich glaube, ich bin dein Sohn. Vor kurzem wurde sie 18. Auf der Arbeit hieß es, sie sei nicht geeignet, und sie wurde kurzerhand entlassen. An diesem Tag kam sie früher als sonst nach Hause und erwischte ihren jungen Mann im Bett mit einer fremden Frau. Sie ging zu ihrer Mutter. Am Abend signalisierte diese ihr, dass sie eigentlich nicht gewollt sei, weil ihr Lebenspartner das Leben ohne Kinder genießen möchte. Am nächsten Morgen zeigte der Schwangerschaftstest zwei klare Streifen – kein Zweifel mehr. Die neun Monate vergingen wie im Nebel. Sie musste bei Freunden oder auf Bahnhöfen übernachten. Jeden Job nahm sie an, der sich bot. Am härtesten war der Winter. Manchmal wurde sie sogar gezwungen, vor einer Kirche zu betteln. Das Kind kam in der Nacht zum 13. Dezember zur Welt. Ein wundervoller Junge. So zerbrechlich, schlafend, voller Glücksausstrahlung. Sie schrieb einen Zettel: „Mein Sohn, ich liebe dich und wünsche dir eine liebevolle Familie!“ Sie legte ihn neben das Kinderbett und flüchtete. In Berlin bereitete sich alles auf Silvester vor: Lichterketten und Schneeflocken schmückten Schaufenster und Wohnungsfenster. Überall klangen Glöckchen. Julia stieg aus dem Auto, das per Fernbedienung piepste. Der rote elegante Wagen stand einsam und majestätisch auf dem leeren Parkplatz. Wie immer war sie die Erste. Der Sicherheitsmann öffnete ihr rasch die Tür. Julia nickte höflich, ihre Absätze klackerten durch den leeren Gang. Im Büro setzte sie sich an den Computer, nahm ihre Unterlagen heraus und blätterte mechanisch den Schreibtischkalender um. Dreizehnter. Noch vor ein paar Jahren hätte sie vielleicht geweint, nun ballte sie nur die Faust. – Julia, Ihr Kaffee – wie gewünscht! – Die Sekretärin kam herein. – Sie haben einen Besucher, ohne Termin, aber er sagte, es sei sehr wichtig. Julia sah ihr Spiegelbild, strich sich übers Haar und forderte mich auf, einzutreten. Ein junger Mann, etwa zwanzig Jahre alt, betrat das Büro. Er zögerte kurz, betrachtete die Frau aufmerksam, trat dann schüchtern näher und blieb stehen. – Guten Tag, – sagte Julia als Erste. – Wie kann ich Ihnen helfen? – Guten Tag, Julia. Ich bin… mein Name ist Adam. Ich glaube, ich könnte Ihr Sohn sein. Julia hielt den Atem an. Als er dachte, sie sei nicht erfreut, sagte er leise: – Ich bin mir nicht ganz sicher. Ich wurde am 13. Dezember geboren, meine Eltern erzählten mir, dass meine leibliche Mutter achtzehn war und Julia hieß. Und… sie haben es aufbewahrt. Er griff nervös in die Tasche. Einen Moment später hielt sie den alten Zettel in Händen, den sie damals für ihren Sohn geschrieben hatte. Die Tränen liefen ihr übers Gesicht. Kein Tag war vergangen, an dem Julia in all den Jahren nicht an ihren kleinen Sohn gedacht hätte. Sie hatte sich oft vorgestellt, wie er aufwächst. Durch den Tränenschleier blickte sie auf den erwachsenen, gutaussehenden Jungen – aber sie sah ihn noch immer als das Kind, von dem sie sich vor neunzehn Jahren verabschieden musste. Julia sah ihm tief in die Augen, erkannte ihre Züge wieder – und wusste, dass er es war. Endlich spürte Julia jenes einzigartige Glück, das sie einst verloren hatte.

Guten Tag. Mein Name ist Lukas. Ich glaube, ich bin Ihr Sohn.

Vor nicht allzu langer Zeit hatte sie ihren 18. Geburtstag gefeiert. Bei der Arbeit teilte man ihr mit, dass sie den Anforderungen nicht genüge, und schickte sie ohne Zögern weg. An diesem Tag kam sie früher als sonst nach Hause und erwischte ihren jungen Freund im Bett mit einem Mädchen, das sie nicht kannte.

Sie ging zu ihrer Mutter. Am Abend ließ die Mutter sie spüren, dass sie eigentlich nicht wollte, dass sie bleibt, weil ihr Lebensgefährte das Leben ohne Kinder genießen wollte.

Am nächsten Morgen zeigte der Schwangerschaftstest zwei deutliche Streifen kein Zweifel mehr.

Die gesamten neun Monate vergingen wie in einem nebligen Traum. Sie musste bei verschiedenen Bekannten übernachten oder an kalten Bahnsteigen. Sie nahm jede Arbeit an, die sie finden konnte. Am härtesten aber war der Winter. Einmal musste sie sogar vor der Kirche um etwas Geld bitten.

Das Kind wurde in der Nacht zum 13. Dezember geboren. Es war ein wunderschöner Junge. So zart, verschlafen, und voller Glück. Sie schrieb einen Zettel: Mein Sohn, ich liebe dich und wünsche dir, dass du eine fürsorgliche Familie findest! Diesen legte sie neben das Körbchen, in dem der Kleine schlief, und floh.

In Berlin bereitete sich die ganze Stadt auf das neue Jahr vor: Lichterketten und Schneeflocken schmückten Schaufenster und Wohnungen. Überall hörte man Glockenklänge. Clara stieg aus ihrem Auto, das mit einem sanften Ton aufgeschlossen wurde. Der rote, elegante Wagen parkte allein und würdevoll auf dem leeren Parkplatz. Sie war wie so oft die Erste im Büro.

Der Pförtner öffnete ihr hastig die Tür. Clara nickte ihm freundlich zu, ihre Absätze hallten auf dem langen Flur wider, dann betrat sie ihr Büro, setzte sich an den Computer, holte ihre Unterlagen hervor und blätterte gedankenverloren den Schreibtischkalender um. Der Dreizehnte. Früher hätte sie vielleicht geweint, nun ballte sie einfach nur die Fäuste.

Clara, Ihr Kaffee, wie gewünscht! Die Sekretärin kam herein.
Sie haben Besuch. Ohne Termin, aber er besteht auf ein Gespräch. Er meinte, es wäre sehr wichtig.

Clara warf noch einen prüfenden Blick in den Spiegel, richtete ihr Haar und bat mich herein.

Ein junger Mann, etwa zwanzig Jahre alt, trat ins Büro. Er zögerte kurz am Eingang, sah die Frau genau an, kam vorsichtig näher und blieb stehen.

Guten Tag, begann Clara. Womit kann ich Ihnen helfen?
Guten Tag, Clara. Ich heiße Mein Name ist Lukas. Ich glaube, ich könnte Ihr Sohn sein.

Clara stockte der Atem. Da er spürte, dass sie vielleicht nicht begeistert war, fügte ich schnell hinzu:
Ich bin mir nicht ganz sicher. Ich wurde am 13. Dezember geboren. Meine Adoptiveltern haben mir gesagt, meine leibliche Mutter war achtzehn und hieß Clara. Und … das hier das haben sie aufbewahrt.

Nervös griff ich in meine Jacke. Im nächsten Moment sah sie einen alten, zerknitterten Zettel, handschriftlich von ihr für ihren Sohn geschrieben. Ihre Augen füllten sich mit Tränen. In all den Jahren gab es keinen Tag, an dem Clara nicht an ihren kleinen Sohn gedacht hätte. Oft stellte sie sich vor, wie er größer wurde.

Durch den Schleier ihrer Tränen versuchte sie, in das Gesicht des erwachsen gewordenen, gut aussehenden Jungen zu blicken. Doch sie sah immer noch das Baby, von dem sie sich vor neunzehn Jahren verabschieden musste. Clara betrachtete seine Augen, suchte nach vertrauten Zügen und sie erkannte ihn. Endlich erlebte sie wieder dieses ganz besondere, fast verloren geglaubte Gefühl von Glück.

Ich habe gelernt, dass das Leben manchmal Wege geht, die unvorhersehbar sind doch die Hoffnung und Liebe einer Mutter verlieren nie ihre Kraft.

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Homy
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Hallo. Mein Name ist Adam. Ich glaube, ich bin dein Sohn. Vor kurzem wurde sie 18. Auf der Arbeit hieß es, sie sei nicht geeignet, und sie wurde kurzerhand entlassen. An diesem Tag kam sie früher als sonst nach Hause und erwischte ihren jungen Mann im Bett mit einer fremden Frau. Sie ging zu ihrer Mutter. Am Abend signalisierte diese ihr, dass sie eigentlich nicht gewollt sei, weil ihr Lebenspartner das Leben ohne Kinder genießen möchte. Am nächsten Morgen zeigte der Schwangerschaftstest zwei klare Streifen – kein Zweifel mehr. Die neun Monate vergingen wie im Nebel. Sie musste bei Freunden oder auf Bahnhöfen übernachten. Jeden Job nahm sie an, der sich bot. Am härtesten war der Winter. Manchmal wurde sie sogar gezwungen, vor einer Kirche zu betteln. Das Kind kam in der Nacht zum 13. Dezember zur Welt. Ein wundervoller Junge. So zerbrechlich, schlafend, voller Glücksausstrahlung. Sie schrieb einen Zettel: „Mein Sohn, ich liebe dich und wünsche dir eine liebevolle Familie!“ Sie legte ihn neben das Kinderbett und flüchtete. In Berlin bereitete sich alles auf Silvester vor: Lichterketten und Schneeflocken schmückten Schaufenster und Wohnungsfenster. Überall klangen Glöckchen. Julia stieg aus dem Auto, das per Fernbedienung piepste. Der rote elegante Wagen stand einsam und majestätisch auf dem leeren Parkplatz. Wie immer war sie die Erste. Der Sicherheitsmann öffnete ihr rasch die Tür. Julia nickte höflich, ihre Absätze klackerten durch den leeren Gang. Im Büro setzte sie sich an den Computer, nahm ihre Unterlagen heraus und blätterte mechanisch den Schreibtischkalender um. Dreizehnter. Noch vor ein paar Jahren hätte sie vielleicht geweint, nun ballte sie nur die Faust. – Julia, Ihr Kaffee – wie gewünscht! – Die Sekretärin kam herein. – Sie haben einen Besucher, ohne Termin, aber er sagte, es sei sehr wichtig. Julia sah ihr Spiegelbild, strich sich übers Haar und forderte mich auf, einzutreten. Ein junger Mann, etwa zwanzig Jahre alt, betrat das Büro. Er zögerte kurz, betrachtete die Frau aufmerksam, trat dann schüchtern näher und blieb stehen. – Guten Tag, – sagte Julia als Erste. – Wie kann ich Ihnen helfen? – Guten Tag, Julia. Ich bin… mein Name ist Adam. Ich glaube, ich könnte Ihr Sohn sein. Julia hielt den Atem an. Als er dachte, sie sei nicht erfreut, sagte er leise: – Ich bin mir nicht ganz sicher. Ich wurde am 13. Dezember geboren, meine Eltern erzählten mir, dass meine leibliche Mutter achtzehn war und Julia hieß. Und… sie haben es aufbewahrt. Er griff nervös in die Tasche. Einen Moment später hielt sie den alten Zettel in Händen, den sie damals für ihren Sohn geschrieben hatte. Die Tränen liefen ihr übers Gesicht. Kein Tag war vergangen, an dem Julia in all den Jahren nicht an ihren kleinen Sohn gedacht hätte. Sie hatte sich oft vorgestellt, wie er aufwächst. Durch den Tränenschleier blickte sie auf den erwachsenen, gutaussehenden Jungen – aber sie sah ihn noch immer als das Kind, von dem sie sich vor neunzehn Jahren verabschieden musste. Julia sah ihm tief in die Augen, erkannte ihre Züge wieder – und wusste, dass er es war. Endlich spürte Julia jenes einzigartige Glück, das sie einst verloren hatte.
Freundin quartiert sich für ein paar Tage zum Übernachten ein und bestimmt plötzlich den Ablauf – „Warum sind eure Handtücher so hart? Das ist ja wie Schmirgelpapier, kein Frottee! Gestern nach dem Duschen hab ich mir fast die Haut abgeschrubbt. Lena, du bist doch eine Frau, kann man da nicht mal einen guten Weichspüler kaufen? Oder spart ihr bewusst am Komfort?“ Olga steht mit der Kaffeetasse in der Hand und blickt auf ihre alte Freundin Larissa, die im Seidenmorgenmantel – dem, den Olga eigentlich für ganz besondere Anlässe reserviert hatte – am Küchentisch sitzt und sich dick Butter auf ihren Toast schmiert, während sie die Küche kritisch mustert, als sei sie eine Lebensmittelkontrolleurin. „Larissa, das sind neue Handtücher,“ erwidert Olga beherrscht, bemüht, ihren Unmut zu verbergen. „Sie sind aus Bambusfaser, da sind sie etwas fester. Und ich benutze hypoallergenen, geruchsneutralen Weichspüler.“ „Genau!“, verkündet Larissa, hebt den Finger, der mit einem klobigen Ring mit lila Stein glänzt. „Geruchsneutral heißt, ohne Seele. In einer Wohnung muss es nach Frische, Lavendel, vielleicht Alpenwiesen riechen! Aber bei euch riecht es… steril. Langweilig, Lena, ihr lebt langweilig. Dir fehlt die Fantasie.“ Olga wendet sich stumm dem Herd zu, auf dem Haferbrei für ihren Mann gart. Viktor schläft noch, muss aber bald zur Arbeit. Sein Geduldsfaden ist ohnehin angespannt, und Olga betet, dass der Morgen ohne Zwischenfall verläuft. Larissa erschien vor drei Tagen spät abends in ihrer Wohnung. Ihre Stimme war tränenreich und panisch: „Lenchen, hilf mir! Die Nachbarn haben mich geflutet, ein unfassbarer Wasserschaden, es ist feucht, Schimmel droht! Ich flehe dich an, lass mich für ein paar Tage bleiben, bis alles getrocknet ist!“ Olga, gutmütig wie sie ist, sagte zu. Einer Jugendfreundin hilft man doch, auch wenn man sich nur noch selten sieht. Aus „ein paar Tagen“ werden nun vier, von Abschied keine Spur. Dafür fängt Larissa immer mehr an, die Wohnung „umzuorganisieren“. „Übrigens wegen dem Haferbrei,“ Larissa verzieht das Gesicht, „du kochst wieder diesen Kleister? Viktor braucht Proteine! Männer brauchen Fleisch und Eier, nicht Pamps. Am Ende kriegt er davon Magengeschwüre, vielleicht sogar Impotenz.“ „Larissa, Viktor liebt Haferbrei, er hat Gastritis, der Arzt hat eine Diät empfohlen.“ Olga bemüht sich, ruhig das Essen zu servieren. „Ärzte haben keine Ahnung, die stecken doch mit den Pharmariesen unter einer Decke!“ Larissa beißt genüsslich in den knusprigen Toast. „Ich folge einem Ernährungsberater, der sagt: Alle Krankheiten kommen vom Zucker. Na gut, wenn du nicht hören willst. Aber wundere dich nicht, warum dein Mann so blass aussieht.“ Da betritt Viktor, der eher müde als blass wirkt, die Küche, murmelt ein „Guten Morgen“, setzt sich und greift nach seiner großen, dunkelblauen Tasse mit der Aufschrift „Bester Angler“. Doch die Tasse fehlt. „Wo ist meine Tasse?“ fragt er suchend. „Ach, Viti, guten Morgen!“, trillert Larissa. „Die habe ich weggeräumt. Die war so düster, die Atmosphäre wird davon negativ. Schau, ich habe dir eine neue genommen – mit Blumen, ganz fröhlich! Aus dem Porzellanset, das sonst langweilig in der Schrankwand steht. Die Dinge sollen genutzt werden!“ Vor Viktor steht stattdessen ein filigranes Tässchen mit rosa Pfingstrosen, kaum 150 Milliliter fassend. Sein Blick wechselt von der Kindertasse zu Olga und fragt stumm: „Warum?“ „Larissa“, sagt Viktor ruhig, „das ist ein Erbstück von meiner Urgroßmutter. Das benutzen wir nicht. Meine Tasse mag ich, weil sie einen halben Liter fasst. Gib sie bitte zurück.“ „Ihr seid aber auch spießig!“ ruft Larissa. „Langweilig, von gestern. Ich meine es doch nur gut, will mehr Stil. Deine Tasse war sowieso angeschlagen. Ich hab sie weggeschmissen.“ Peinliche Stille. Die Tasse war ein Geschenk seines inzwischen verstorbenen Vaters – winziger Sprung, aber Viktor hat sie gehütet. „Du… hast was gemacht?“ Sein Ton ist bedrohlich ruhig. „Weggeworfen,“ wiederholt Larissa. „In die Tonne. Aus kaputtem Geschirr trinkt man nicht, das bringt Unglück! Ihr solltet dankbar sein, dass ich mich um euer Karma kümmere.“ Viktor steht wortlos auf, fischt seine Tasse aus dem Mülleimer, spült sie ab, stellt sie vor sich und gießt sich unbeirrt Tee ein. „Wenn du noch einmal meine Sachen anrührst, ist deine Karma sofort ruiniert.“ „Unverschämt!“, stößt Larissa hervor, als Viktor mit dem Frühstück davonschlurft. „Lena, hast du das gesehen? Das ist pure psychische Gewalt, geradezu toxisch! Wie kannst du mit so einem Mann leben? Du brauchst dringend Therapie!“ Olga seufzt über ihrem kalten Kaffee. Sie braucht keinen Psychologen, sondern möchte Larissa mit samt ihres Schminkkoffers und den „richtigen“ Büchern hinauswerfen. Doch ihre deutsche Höflichkeit verbietet den Skandal. „Larissa, wann ist die Reparatur endlich fertig? Du meintest, zwei Tage. Heute ist Tag vier.“ „Ach, es ist komplizierter!“ winkt Larissa ab, heiter-jammernd. „Man muss die Zwischendecken öffnen. Es kann noch eine Woche dauern. Aber wir sind doch Freundinnen! Ich helfe euch ja, bringe Gemütlichkeit ein. Heute koche ich das Abendessen, ich halte es ja kaum aus, wie ihr euch mit Fertig-Pelmeni quält.“ Olga verlässt mit schwerem Herzen das Haus. Im Büro läuft alles schief – sie hat Larissas Eingriffe im Kopf und wird regelrecht krank davon. Am Abend, im Hausflur, begegnet sie Nachbarin Frau Meier. Die sonst freundliche ältere Dame schaut missbilligend. „Olga, ich habe Verständnis für Gäste. Aber muss man um zwei Uhr mittags volle Musik aufdrehen? Ich habe Kreislaufprobleme und wollte mich ausruhen – da wummert bei euch das Lied von Helene Fischer, dass die Kronleuchter wackeln.“ „Entschuldigung, Frau Meier.“ Olga errötet. „Das ist meine Freundin… Ich rede mit ihr. Es kommt nicht wieder vor.“ Mit einer strengen Ansage im Kopf geht Olga die Treppe hoch – sie will Larissa klar machen, dass ein Hotel vielleicht doch die bessere Erfindung ist und sie sogar bezahlen würde, wenn dafür Ruhe einkehrt. Doch als sie die Tür öffnet, kommt sie stumm ins Staunen. Kein vertrauter Teppich in der Diele. Stattdessen ein seltsames Strohrechteck. Die Schuhe von Viktor und Olga sind lieblos in die Ecke geworfen, das Regal ist voll mit Larissas Schuhen, nach Regenbogenfarben sortiert. „Larissa!“, ruft Olga. „Bin in der Küche! Komm sofort, wir probieren was Leckeres!“ Olga betritt die Küche – und ist sprachlos. Ihre geliebten Leinenvorhänge, zart und pastellfarben, sind verschwunden. Das Fenster nackt. Die Blumen, sonst am Fensterbrett, stehen im Pulk mittig auf dem Tisch – genau da, wo der Teller eigentlich stehen sollte. „Wo sind die Vorhänge?“ kann Olga nur noch fragen. „In der Wäsche!“ verkündet Larissa, während sie in einem großen Topf rührt. „Die waren so staubig! Ich hab sie bei neunzig Grad gewaschen, alle Milben müssen raus!“ Olga wird schwummrig. Leinen – bei neunzig Grad? „Larissa… Die laufen ein. Das ist Leinen! Die kann man nur bei dreißig…“ „Ach was!“ winkt Larissa ab. „Qualitätsware läuft nicht ein. Und falls doch – war’s eh Mist. Ich hab schon neue ausgesucht, bunt mit Geometriemuster, total im Trend! Setz dich, ich hab eine tibetische Suppe gekocht. Reinigt die Chakren und den Dünndarm.“ Olga blickt auf das grünlich-braune Gebräu: Es riecht nach Kohl und fremden scharfen Gewürzen. „Ich will keine Suppe,“ sagt sie fest. „Ich will wissen, warum du meine Sachen ohne zu fragen umstellst. Warum blumen auf dem Tisch? Sie brauchen Licht, am Fenster!“ „Am Licht kriegen sie genug, aber die Energie im Raum muss fließen. Die Pflanzen verstärken die Wohlstandszone“, dozierte Larissa. „Du wirst mir noch danken, wenn Viktor eine Gehaltserhöhung bekommt. Übrigens, ich bin in euer Schlafzimmer gegangen…“ „Du bist in unser Schlafzimmer?“ Olga spürt, wie ihr Zorn hochkocht. „Natürlich. Die Tür stand offen! Da war so schlechte Luft. Ich hab gelüftet und die Bettstelle verschoben. Man soll ja nicht mit den Füßen zur Tür schlafen – böse Omen, Bahrenstellung. Jetzt steht der Kopf zum Osten. Schweres Ding!“ Olga stellt sich vor, wie Larissa die Eichenbettstelle quer durchs Zimmer schiebt, den Parkett zerkratzt. Ihre Bettbezüge, ihre Kissen. Das ist kein Überschreiten von Grenzen mehr, sondern eine Invasion. „Larissa, setz dich,“ befiehlt Olga. „Was ist denn? Du bist ganz nervös. Vielleicht ein paar Baldriantropfen? Habe ich in deiner Hausapotheke gefunden. Hatte bald Ablauf, ich habe sie weggeschüttet: Risiko, Gift! Morgen besorgst du frische.“ Olga schließt die Augen und zählt bis fünf. „Ausgeleert. Weggeworfen. Umgestellt.“ „Hör zu, Larissa: Du gehst jetzt ins Bad und räumst deine Sachen. Alles, inkl. Tuben, Dosen und Unterwäsche vom Heizkörper. Danach packst du in deinem Zimmer den Koffer.“ Larissa starrt sie fassungslos an: „Du schmeißt mich raus? Um diese blöden Vorhänge und das Bett? Bist du irre? Ich tue doch alles für euch! Euer Zuhause ist ein Sumpf, ich wollte Leben reinbringen!“ „Du hast kein Leben reingebracht, du hast mir die Luft abgeschnürt“, kontert Olga. „Das ist mein Zuhause. Mein Sumpf. Und ich liebe es so. Ich hab dich gebeten, den Wasserschaden abzuwarten, nicht mein Leben umzukrempeln.“ „Da kann man doch gar nicht wohnen! Es ist feucht! Willst du, dass ich krank werde?“ „Ich will meine Ruhe“, antwortet Olga. „Es gibt Hotels, Hostels, andere Freundinnen. Aber hier bleibst du nicht mehr.“ Im gleichen Moment fällt die Haustür ins Schloss – Viktor kommt heim. Schaut auf die umgestellten Blumen, das leere Fenster, den merkwürdigen Suppenduft und die rot angelaufene Olga. „Was ist hier los? Warum riecht das so seltsam? Warum steht das Bett quer? Ich wollte mich umziehen und bin fast gestolpert.“ „Sag ihr was, Viktor!“ ruft Larissa, hilfesuchend. „Ich meine es doch nur gut, und sie wirft mich vor die Tür! So geht man mit Freunden nicht um! Wir kennen uns seit dem Kindergarten!“ Viktor schaut Larissa lange an, dann zu Olga, sieht ihre zitternden Hände. „Larissa,“ sagt er ruhig. „Du hast zwanzig Minuten. Wenn du dann noch da bist, packe ich deine Sachen selbst. Und ich werde sie nicht ordentlich falten, sondern aus dem Fenster werfen. Achtter Stock.“ „Ihr seid widerwärtig!“, schreit Larissa. „Spießbürger! Raffgierige! Hängt an eurem Plunder! Ich komme nie wieder her! Ich erzähle allen, wie ihr wirklich seid! Allen gemeinsamen Bekannten!“ „Zeit läuft“, sagt Viktor und schaut auf die Uhr. „Neunzehn Minuten.“ Larissa poltert schimpfend durch die Wohnung, wirft Kram in den Koffer, Türen schlagen. Olga sinkt kraftlos auf den Stuhl. „Tut mir leid, Viti“, flüstert sie. „Ich wollte das nicht.“ Viktor umarmt sie sanft und küsst sie auf den Kopf. „Nicht dein Fehler. Manche Leute sind wie Schimmel – räumst du sie nicht gleich weg, übernehmen sie alles. Um die Vorhänge tut es dir leid?“ „Sehr“, schluchzt Olga. „Ich habe sie monatelang gesucht. Und den Parkett hat sie sicher ruiniert.“ „Wir schleifen den Boden. Kaufen neue Vorhänge. Hauptsache, wir haben diesen ‚tibetischen‘ Suppenanschlag überlebt. Schau dir die Farbe an.“ Nach fünfzehn Minuten rollt Larissa in voller Montur ihre Koffer raus, die Lippen spitz wie ein Truthahnschnabel, das Kinn hoch. „Ich gehe“, verkündet sie dramatisch. „Ihr verliert den einzigen Menschen, der euch wirklich Gutes wollte. Lebt in eurem Mief und eurer Negativität. Lebt wohl.“ Mit lautem Rumms verlässt sie die Wohnung. Olga schließt hinter ihr ab. Im Treppenhaus dreht Larissa sich noch einmal um: „Und übrigens, Lena: Deine teure Gesichtscreme für 70 Euro taugt nichts. Hab sie drei Tage für die Füße benutzt – kein Effekt. Kauf lieber eine Babycreme, die ist natürlich.“ Tür zu. Doppelt abgeriegelt. Olga lehnt die Stirn gegen die kühle Tür und beginnt zu lachen. Es ist ein nervöses Lachen, das in Tränen umschlägt. Viktor taucht mit dem Müllsack auf. „Die Suppe ist im Klo gelandet. Das Klo war schockiert, aber hat’s geschafft. Wollen wir das Bett und die Blumen zurückstellen?“ „Gern“, sagt Olga und wischt sich die Tränen ab. „Und den Teppich holen wir auch wieder.“ Sie verbringen den ganzen Abend damit, die Wohnung rückzubauen. Das Bett hat Spuren im Parkett hinterlassen, aber an seinem Platz sieht man sie nicht mehr. Die Vorhänge – im Wäschetrockner zu Winzlingen eingelaufen, Larissa hatte wohl tatsächlich die Kochwäsche eingestellt. „Egal“, sagt Olga und wirft das ruinierte Leinen in den Müll – „jetzt ist es schön hell.“ Beim Abendbrot – einfache Nudeln mit Käse, ganz ohne „chakra-reinigende“ Zutaten – piept Olgas Handy. Eine Nachricht von Larissa: Foto aus einem Café, Tasse Cappuccino und Torte. „Genieße meine Freiheit von toxischen Menschen. Euch allen Liebe und Licht!“ Olga blockiert die Nummer wortlos. „Weißt du“, überlegt Viktor beim Nudelnessen, „in einem Punkt hatte sie recht.“ „Womit?“ fragt Olga misstrauisch. „Wir sollten wirklich die Schlösser wechseln. Wer weiß, ob sie einen Ersatzschlüssel hat, während sie angeblich unsere Energie harmonisiert hat.“ Am nächsten Tag lassen sie das Schloss austauschen. Erst dann atmet Olga wieder frei. Die Wohnung riecht wieder nach Zuhause, nicht nach fremden Parfüms und verrückten Ideen. Ein Monat vergeht. Von gemeinsamen Bekannten erfährt Olga, dass Larissa nun bei irgendeiner entfernten Tante in Bayern wohnt und dort bereits den Gemüsegarten umgegraben hat, alle „falschen“ Tomatensorten rausgeworfen, und die Tante nun überlegt, Larissa in ein Sanatorium abzuschieben – möglichst ans andere Ende der Republik. Olga hört die Geschichten mit einem Grinsen. Sie hat gelernt: Helfen ja, aber die eigene Festung nur Menschen öffnen, bei denen man sicher ist, dass sie nicht die Wände neu streichen. Und sie hat neue Vorhänge gekauft. Bunt, mit Muster. Larissa hatte in dem Punkt echt Geschmack – aber das würde Olga ihr nie verraten. Wie geht ihr mit Gästen um, die in eurem Zuhause plötzlich die Regeln bestimmen wollen? Erzählt uns eure Erfahrungen, kommentiert, liked und abonniert – hier wird das echte Leben ganz bestimmt diskutiert!