Er log und sie ließ es zu: Die Geschichte von Marjana und Igor – Wie eine Ehe im Schatten wiederholter Seitensprünge, Sehnsucht nach Harmonie und der Suche nach neuem Glück nach vierzig ins Wanken geriet

Er log, und sie ließ es zu

Schon viele Male hat man gehört, dass das sprichwörtliche Teufelchen, das Männer zu Dummheiten verleitet, niemals schläft. Immer wieder versucht es, den Mann zu packen und oft genug lassen Ehefrauen fahrlässig alle Vorsicht fahren, hoffend, dass dieser Kelch an ihnen vorübergeht. So geschah es auch einst mit Brunhild, und wäre es nur ein einziges Mal gewesen…

Als Richard zum ersten Mal Brunhild betrog, war sie schwer verletzt, vergab ihm jedoch schließlich:

Nun gut, ich vergebe dir. Was soll man sagen im Leben kann alles passieren. Der Mann hat einen Ausrutscher gehabt, konnte sich nicht beherrschen, ein schwacher Moment. Es kann passieren, vor allem, wenn das vierzigste Lebensjahr naht oder schon überschritten ist…

Früher hatte Brunhild nie etwas Verdächtiges an Richard bemerkt, vielleicht wollte sie es auch nicht, sie vertraute ihm blind. Oder hatte schlicht keine Zeit, immerhin waren da zwei schnell wachsende Kinder im Schulalter. Gemeinsam führten sie eine kleine Firma, eigentlich war es Brunhilds Unternehmen, aber Richard schlug vor, sie zu erweitern, einen Kredit aufzunehmen und so gemeinsam für die Familie zu sorgen. Sie lebten in Richards Dreizimmerwohnung in München, die er noch vor der Ehe von seiner Großmutter geerbt hatte. Die Firma lief auf Brunhild, aber sie besaßen alles gemeinsam, das Geld floss in die Familie.

Richards erste Verfehlung war die Sekretärin Ingrid mit endlos schlanken Beinen, einem verführerischen Blick und noch sehr jung. Sie zeigte ihre Zuneigung zu Richard unverhohlen, selbst als Brunhild daneben stand. Als Brunhild sie kennenlernte, war ihre Meinung klar:

Richard, wir brauchen vorne am Empfang eine toughe, erfahrene Frau, keine Laufsteg-Schönheit und keine junge Göre.

Jugend ist doch kein Makel, entgegnete Richard unwirsch. Sie kommt schließlich aus einer angesehenen Firma und hat durchaus Erfahrung. Außerdem hast du selbst mal gesagt, der Empfang ist die Visitenkarte unseres Unternehmens. Ingrid wird uns die Kundschaft anziehen.

Brunhild schaute skeptisch.

Wir werden sehen. Ich bin gespannt, wie genau sie Kundschaft anzieht.

Ingrid entpuppte sich als höflich, pünktlich und ordentlich. Schließlich beschloss Brunhild:

Lass sie arbeiten. Sie benimmt sich angemessen, kleidet sich sachlich wie sich das gehört. Mit der Schminke hält sie sich zurück, alles im Maß.

Doch kaum war ein Monat vergangen, da war Brunhild bitter enttäuscht. An einem Freitagabend, sie war im Edeka in der Nähe des Büros Lebensmittel für den nächsten Tag einkaufen, schlenderte noch durch das Einkaufszentrum, denn morgen waren Freunde zum Abendessen eingeladen. Auf dem Heimweg bemerkte sie im Fenster von Richards Büro noch Licht.

Seltsam, er sagte, er kommt gleich nach Hause, da ist auch sein Auto. Der liebe Mann hat sich wohl wieder in die Arbeit verrannt. Ich schaue mal vorbei, ob er müde und hungrig ist.

Sie parkte, stieg in den dritten Stock und öffnete die Bürotür und erstarrte. Was sie sah, war mehr als eindeutig. Sie erwischte die beiden im denkbar ungünstigsten Moment. Richard fuhr erschrocken herum, während Ingrid sich hastig sein Hemd vor die Brust hielt.

Na das ist ja ein schöner Anblick! Ich dachte, er arbeitet sich kaputt und hungert, dabei ist das Gegenteil der Fall! Morgen will ich diese nicht mehr hier sehen! Und mit dir rede ich zu Hause!

Sie ging, setzte sich weinend ins Auto und ließ den Kopf aufs Lenkrad sinken. Ihr war, als zöge jemand den Boden unter ihren Füßen weg, als sei alles verloren, was sie sich so mühsam aufgebaut hatte. Zuhause kam Richard gleich nach, sie schloss sich ins Schlafzimmer ein, er klopfte an die Tür.

Brunhilde, bitte verzeih mir! Es war das erste und das letzte Mal, ich schwöre es!

Sie blieb unerbittlich. Die Nacht verbrachte sie schlaflos, fühlte sich in einer ausweglosen Lage.

Soll ich gehen? Die Söhne mitnehmen? Sie sind schon fast erwachsen, wie erklärt man ihnen das? Richard ist ein guter und liebevoller Vater. Den Kindern wäre es ein Schock. Und die Firma, die wir so mühsam ausgebaut haben Sie ist jetzt sehr erfolgreich. Und außerdem ich liebe Richard doch noch immer, so sehr.

Am Morgen entschied sie, dass es wohl ein böser Geist war, der ihren Mann zur Untreue verleitete und dass Ingrid ihn bewusst verführt hatte. Sie weinte, aber wusste, dass sie ihm verzeihen würde. Nicht gleich, aber doch irgendwann. In der Küche umarmte er sie noch und bat mit leisem Flehen:

Es tut mir leid. Es war ein Moment der Schwäche, sie hat mich verführt und ich konnte nicht widerstehen. Bitte, sowas wird nie wieder passieren!

Doch nach dem Mittag kamen die Freunde, sie mussten sich zusammenreißen, so tun als wäre alles bestens. Richard schöpfte Hoffnung, seine Frau würde ihm verzeihen. Am Abend entschloss Brunhild sich:

Ich gebe ihm noch eine Chance.

Richard bemühte sich, schwor immerzu, nur sie zu lieben, und behandelte sie wie eine Königin

Nach etwa zwei Monaten stieß Brunhild rein zufällig auf eine SMS auf seinem Handy: Sie suchte in seinem Büro einen Vertrag, den er sie zu holen gebeten hatte, Richard war mit einem Kunden beschäftigt, das Handy lag auf dem Schreibtisch. Eine Nachricht blinkte auf. Trotz innerem Widerstand siegte die Neugier und sie las. Irgendeine Ulrike schrieb ihm pikante Dinge und bat um einen Rückruf. Mit zitternden Händen wählte Brunhild die angezeigte Nummer und vernahm eine sanfte Frauenstimme:

Hallo, mein Bärchen!

Brunhild legte sofort auf, sprachlos vor Wut.

Ach, jetzt ist er also ein Bärchen, dachte sie fieberhaft.

In diesem Moment kam Richard ins Büro zurück, sie warf ihm das Handy an den Kopf:

Ruf doch deine Ulrike an, Bärchen! rief sie und stürmte hinaus.

Sie suchte Zigaretten in ihrer Schublade, hatte seit Jahren nicht mehr geraucht. Eine nach der anderen. Doch dann wusste sie: Diesem Verräter würde sie nie wieder verzeihen, sie war keine Frau, mit der man das machen konnte.

Was soll ich tun? Wir haben zwei fast erwachsene Söhne, die Wohnung gehört offiziell ihm, die Firma, noch der Kredit Wie all das trennen?

Es war schon dunkel, als sie nach Hause fuhr. Dort wartete Richard bereits, mit einem riesigen Strauß Rosen in der Vase, Arm in Arm mit den Söhnen auf dem Sofa das perfekte Bild eines vorbildlichen Ehemannes und Vaters.

Als die Söhne schliefen, versuchte Richard zu erklären:

Brunhild, sie läuft mir nach! Aber du bist die Einzige für mich, ich liebe nur dich.

Und wie lange schon?

Erst seit eineinhalb Monaten, ich schwöre es. Bitte vergib mir, wir haben Kinder und eine Familie.

Brunhild spürte erneut: Wenn sie ihn verlässt, verliert sie alles, was sie sich aufgebaut hat. Aber diesmal will sie Richard eine Lehre erteilen. Es begann ein regelrechter kalter Krieg, vier Monate lang. Am Ende vergab sie zumindest halb. Aber diesmal überwachte sie alles: Sie kontrollierte sein Handy, seine Mails, überall witterte sie Betrug. Bis zu den Sommerferien blieb alles gespannt.

Im Sommer fuhren sie gemeinsam nach Sylt ans Meer, mieteten sich in einer Pension ein, badeten, spazierten, genossen die Auszeit doch auch hier gelang Richard ein Seitensprung. Brunhild war mit dem jüngeren Sohn einkaufen, Richard klopfte an die Tür des Nachbarzimmers, wo eine alleinreisende, attraktive Frau residierte, mit der er sich bereits Blicke ausgetauscht hatte. Brunhild kam gerade zurück, als aus dem Nebenzimmer die Tür aufging und ihr Ehemann, sichtlich erfreut und glücklich, heraustrat:

Vielen Dank, es war wunderbar, sagte er und blieb mitten im Flur im Blickfeld seiner Frau stehen.

Die Tür fiel hinter ihm ins Schloss. Richard stammelte:

Brunhildchen, das ist nicht so, wie du jetzt denkst…

Alles wiederholte sich. Die Kinder wurden zum Spielen geschickt, während die Eltern schweigend die Koffer packten. Am nächsten Morgen fuhren sie stumm nach Hause. Auch die Söhne hatten längst verstanden, was passiert war, und ahnten, dass ihre Mutter diesmal nicht vergeben würde.

Zu Hause ging das Gespräch weiter, Richard beteuerte reumütig seine Liebe, schob die Schuld auf die Midlife-Crisis und schwor, sich zu bessern. Brunhild begann, an sich selbst zu zweifeln

Vielleicht, dachte sie, wenn ich eine bessere Frau wäre, würde Richard mich nicht betrügen.

Sie fragte sich wirklich, ob an allem sie selbst schuld sei. Doch eines Morgens wurde ihr alles klar: Seit sie mit Richard zusammenlebte, hatte er sie immer wieder belogen, und sie hatte es zugelassen. Jedes Mal, wenn er ihr sagte Ich liebe dich, verzieh sie ihm alles, weil sie diese Worte hören wollte. Dabei hatte er sie immer wieder erniedrigt, sie manipuliert und sie glauben lassen, sie sei selbst schuld. Hatte sie denn nicht mehr verdient als nur Haus, Kinder und Arbeit? Jetzt waren die Kinder bald aus dem Haus, es war an der Zeit, standhaft zu bleiben.

Brunhild tat so, als habe sie ihm vergeben, stellte aber eine Bedingung künftig sollte das Vermögen offiziell getrennt verwaltet werden.

Das ist meine Bedingung für einen Neuanfang und Erhalt der Ehe, sagte sie ruhig.

Richard willigte ein, beteuerte, dass es ihm nur um die Familie gehe, und überließ seiner Frau die Verwaltung aller Ersparnisse. Im Innern hoffte er, damit ihre Vergebung zu gewinnen.

Der älteste Sohn begann sein Studium in Hamburg und zog ins Wohnheim. Brunhild suchte für sich und die Kinder eine neue Wohnung, kaufte sie und ließ sie auf ihre Mutter eintragen.

Richard, das ist sicherer; wir schützen so unser Erspartes vor der Inflation, Immobilien sind immer eine gute Anlage.

Sie lebten noch weiterhin unter einem Dach. Der Absprung fiel ihr schwer: Er war ein vorbildlicher Vater und Ehemann, hätte man die Affären ausgenommen. Manchmal zweifelte sie:

Ist mein Weg der richtige? Hat er sich vielleicht geändert? Wieder nagte der Zweifel, wieder die Unentschlossenheit.

Doch es sollte nicht lange dauern, bis eine neue Frau auftauchte eine Frau namens Almut. Eines Tages stand sie in Brunhilds Büro: jung, kurze, elegante Frisur, pechschwarzes Haar, leuchtend weiße Haut, schwarze Augen, die Brunhild direkt musterten. Sofort wusste sie: Das ist eine Konkurrentin.

Guten Tag, Brunhild, ich heiße Almut, ich bin wegen Richard hier.

Meines Mannes? fragte Brunhild nach.

Ja, Ihres Mannes. Aber bald wird er meiner sein. Er hat Ihnen noch nichts von mir erzählt, stimmts? Ich wollte zuvorkommen; auf Männer kann man schließlich nicht warten. Wir lieben uns und wollen heiraten, das hat er mir jedenfalls versprochen.

Brunhild war für einen Moment sprachlos, dann lachte sie herzlich auf. Sie lachte laut im ganzen Büro nicht über Almut, sondern über sich selbst und ihren Mann. Wie geschickt Richard doch wieder ihr Misstrauen eingeschläfert hatte! Sie erinnerte sich an das alte Sprichwort: Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr. Sie lachte über ihre Naivität, denn Richard würde sich niemals ändern, es lag einfach in seinem Wesen, und die Ausrede der Midlife-Crisis war nur ein billiges Alibi.

Almut starrte sie mit großen Augen an, begriff nicht, was Brunhild an dieser Szene so lustig fand, wo doch ihr Mann bald zu ihr kam.

Schließlich sagte Brunhild gelassen:

Nehmen Sie ihn ruhig. Er wird sich nie trauen, die Scheidung zu verlangen, er weiß, dass er dann ohne alles dasteht. Das versteht er nur zu gut. Mein Rat: Suchen Sie sich lieber einen anständigen, freien Mann. Sie werden von meinem Mann nichts haben.

Noch am selben Tag begann Brunhild, die Sachen zu packen, und zog am nächsten Tag mit dem jüngeren Sohn in die eigene Wohnung. Sie wusste, es würde anfangs schwer werden aber lieber bewältigt man vorübergehende Schwierigkeiten, als die endlosen Demütigungen eines untreuen Mannes.

Das Leben beginnt erst nach vierzig und es beginnt auf einem weißen Blatt. Alles Gute liegt noch vor mir, dachte Brunhild mit Leichtigkeit und Zuversicht.

Möge euch das Leben viel Farbe und Freude schenken.

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Homy
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