„Ihre Kinder haben unsere ganze Hochzeit ruiniert!“ – klagte meine Freundin beim Kaffeetrinken über das große Fest, bei dem Kinder unerwünscht waren

Ich erinnere mich noch gut an jene Zeit, als meine Freundin Margarete mir ihr Herz ausschüttete: Ihre Kinder haben bei unserer Hochzeit alles durcheinandergebracht! klagte sie damals.

Zu Margaretes Hochzeit war ich nicht eingeladen worden, obwohl wir eine enge Freundschaft pflegten. Einen Monat später gratulierte ich ihr nachträglich und wir trafen uns in einem kleinen Café in der Münchner Altstadt, wo ich ihr mein Geschenk überreichte. Natürlich bat ich sie, mir vom großen Tag zu erzählen was ich allerdings bald bereute. Ihr Bericht über das Fest war bezeichnend: Die meiste Zeit sprach sie nämlich über das Verhalten der beiden Kinder ihrer Schwägerin, die trotz ausdrücklicher Bitte um eine kinderlose Feier doch erschienen waren.

Margarete hatte aus irgendeinem Grund entschieden, dass keine Kinder auf ihrer Feier willkommen seien. Sorgfältig hatte sie die Sitzordnung geplant, das Fest akribisch vorbereitet Kinder hätten dabei einfach nicht ins Konzept gepasst.

Die Schwägerin war zu dieser Zeit frisch geschieden. Noch keine sechs Monate waren vergangen, seit sie getrennte Wege mit ihrem Mann ging. Für sie war es schwer, die beiden Kinder allein zu lassen. Auch die Großmutter, Margaretes Schwiegermutter, war selbstverständlich zur Hochzeit geladen. Es wäre aufwendig und teuer gewesen, eine Kindermädchen anzuheuern zumal niemand der Familie auf eine Fremde vertrauen mochte.

Vor der Hochzeit hatte Margarete oft mit ihrer Schwägerin über das Kinderproblem gesprochen, ohne allerdings konkrete Vorschläge zu machen es schien sie nicht sonderlich zu beschäftigen. Schließlich erschien die Schwägerin dann doch, mit ihren beiden Kindern, die laut Margarete sogar während der Zeremonie auffällig lebhaft gewesen seien. Als Margarete gereizt wirkte, versuchte die Schwiegermutter die Wogen zu glätten und sorgte rasch dafür, dass im Gasthaus am Viktualienmarkt zwei weitere Plätze bereitstanden.

Auch einige andere Gäste verschärften die Lage manche dezent, andere ganz direkt: Warum durften eigentlich nicht alle ihre Kinder mitbringen?, fragten sie Margarete. Solche Bemerkungen brachten sie aus dem Konzept, und sie war gezwungen, sich zu rechtfertigen und die Situation zu entspannen.

Ich denke, Margarete bei aller Liebe zum Detail hatte völlig vergessen, dass man hätte einen Kinderbetreuer engagieren und eine kleine Kinderecke mit Süßspeisen einrichten können, damit die Kleinen beschäftigt gewesen wären und das Fest ungestört verlaufen wäre.

Meiner Ansicht nach, sollte man, wenn man ein Hochzeitsfest nicht nur für sich selbst, sondern auch für seine Lieben feiert, unbedingt deren Bedürfnisse und Wünsche mitbedenken.

Ich habe mich damals nicht weiter zu ihren Beschwerden geäußert, um unsere Freundschaft nicht zu belasten aber aus meinem Blick entnahm sie, dass ich ihre Haltung Kindern gegenüber insgeheim wohl nicht gutheißen konnte.

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Homy
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Die Frau, die den Mut hatte, „Nein“ zu sagen