Mein Handy steht nicht still: Meine Mutter und Schwiegermutter verlangen, dass ich meinem untreuen Ehemann vergebe – sie behaupten, eine kluge Frau müsse um jeden Preis die Ehe retten. Doch ich sehe das ganz anders.

Mein Handy glühte förmlich vor lauter Anrufen. Meine Mutter und Schwiegermutter verlangten von mir, meinem Ehemann zu vergeben, obwohl er mich betrogen hatte. Sie sagten, eine Frau müsse klug sein und um jeden Preis die Ehe retten. Ich wollte das alles nicht glauben.

Ich war erst ein Jahr verheiratet. Wie unter einem Schleier ging ich durch die Tage. Ich kann mir das nur noch so erklären. Schon am Anfang war offensichtlich, dass mein Mann ein Frauenheld war, aber irgendwie blendete ich das aus und hoffte naiv, er würde sich ändern, ausprobieren, erwachsen werden sich auf unser Zuhause konzentrieren.

Doch nach der Hochzeit landeten alle Probleme bei mir. Zwar kam mein Mann früher von der Arbeit heim, aber an den Wochenenden verschwand er mit “seinen Leuten”, wie er immer sagte. Er behauptete, er sei erschöpft, brauche Abstand von der Realität und eine andere Umgebung.

Ich mochte keine lauten Feiern, blieb lieber zu Hause und schaute mir meine Serien im Fernsehen an. Manchmal trafen wir Freunde, aber nie waren unsere Zusammenkünfte länger als eine Stunde.

Meine Mutter und meine Schwiegermutter sagten mir, das sei so in Ordnung. Männer müssten entspannen, man solle sie nicht an die kurze Leine legen. Ich hörte ihnen zu und verkroch mich in meine Gedanken. Obwohl ich nie die typische Hausfrau sein wollte, blieb ich ihren Ratschlägen treu.

Meine Freundinnen meinten, Eheleute müssten gemeinsam Zeit verbringen ein liebender Mann gehe nicht ständig zu seinen Kumpels, sondern bliebe bei seiner Frau. Ich hielt mich trotzdem zurück, vertraute den Älteren völlig umsonst.

Einige Monate später war ich schwanger. Mein Mann war überglücklich und zog los, um mit seinen Freunden zu feiern, nicht mit mir. Erst da begannen Zweifel in mir zu nagen, doch Mutter und Schwiegermutter beruhigten mich immer wieder.

Ich fühlte mich leer und einsam. Selbst wenn mein Mann zu Hause war, war er mit seinen eigenen Dingen beschäftigt. Wir sprachen kaum miteinander, verbrachten keine Zeit zusammen, nichts verband uns noch. Als meine Schwiegermutter hörte, dass ich mehr Aufmerksamkeit von ihm forderte, schrie sie mich an. So könne ich mich nicht verhalten, sonst würde er gehen. Ich schwieg sofort ein kleiner Schatten unter großen Schuhen.

Nach der Geburt meines Sohnes wurde alles noch schlimmer. Mein Mann kam nicht einmal zur Entlassung aus dem Krankenhaus. Stattdessen holten mich meine Eltern und unsere Freunde ab. Die Schwiegermutter meinte, er feiere die Geburt des Sohnes mit seinen Freunden. Ich solle nicht nach ihm suchen, er käme schon bald wieder. Haben diese Worte mein Herz erleichtert? Ich weiß es nicht…

Mein Mann fuhr für ein paar Tage weg. Währenddessen schrieb mir ein junges Mädchen über soziale Netzwerke und erzählte mir, ihre Schwester sei mit meinem Mann zusammen. Sie schickte mir Beweisfotos und Nachrichten. Sie meinte, sie könne nicht länger schweigen, weil sie sehe, wie Familien zerbrechen wegen solcher Dinge.

Es war, als ob mir jemand den Schleier von den Augen zog. Ein Jahr lang traf mein Mann sich schon mit dieser Frau. Warum hatte ich vorher nichts bemerkt? Ich roch fremde Parfums, sah, wie er nachts Nachrichten schrieb, wie er manchmal sogar nicht nach Hause kam… Und ich wartete, liebte ihn weiter. Noch am selben Tag holte ich einen Schlüsseldienst, ließ das Schloss wechseln und stellte seine Sachen ins Treppenhaus. Die Wohnung gehörte mir vor der Hochzeit hatte er noch bei seiner Mutter gewohnt.

Zwei Tage später kam mein Mann. Er versuchte, die Tür zu öffnen. Dann sah er seinen Koffer, nahm ihn und ging zu seiner Mutter. Die Schwiegermutter rief sofort an. Ich wollte sie gar nicht anhören. Ich sagte ihr, dass ich die Scheidung einreiche, und legte auf.

Am nächsten Tag stand sie vor meiner Tür. Ich zeigte ihr sämtliche Nachrichten und Bilder. Erst behauptete sie, alles sei ein abgekartetes Spiel. Dann versuchte sie, Druck auszuüben. Das Kind würde ohne Vater aufwachsen. Aber das machte mir keine Angst. Lieber ohne Vater als mit so einem Vater. Mein Sohn kannte ihn ja kaum.

Jetzt bereite ich die Scheidung vor. Und meine Mutter und Schwiegermutter rufen immer weiter an, verlangen, dass ich verzeihe. Sie sagen, das müsse man, so würde es eben gemacht. Ich aber glaube nicht, dass ich eine Familie zerstöre. Denn eigentlich hatten wir nie eine. Die Familie war nie da nur der Traum davon.

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Homy
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Mein Handy steht nicht still: Meine Mutter und Schwiegermutter verlangen, dass ich meinem untreuen Ehemann vergebe – sie behaupten, eine kluge Frau müsse um jeden Preis die Ehe retten. Doch ich sehe das ganz anders.
Er kam zehn Jahre zu spät