24. Mai 2022
In meiner sonderbaren Traumwelt wurde mein einziger Sohn, Lukas, von einem seltsamen deutschen Mädchen namens Lorelei verführt; sie schwebte durch die Szenerie wie ein grauer Nebel im Morgengrauen, ihr Wille formte seinen Körper und Geist nach Belieben. Seit Kurzem beginnt sie, einen leisen Nebel zwischen uns zu weben, damit mein Sohn mich zunehmend fremd und fern betrachtet. Sie flüstert ihm zu: Deine Mutter denkt nur an sich unser Glück ist ihr gleichgültig. Dieser Gedanke kriecht wie Spinnenbeine in seinen Kopf, nur weil ich mich weigerte, unsere Wohnungen zu tauschen.
Mein Ehemann ist vor ein paar Jahren durch ein verborgenes Tor verschwunden; Lukas bleibt mein einziges Kind. Zusammen mit meinem Mann haben wir ihn in Liebe und Fürsorge großgezogen, ihm die beste Bildung ermöglicht, die Heidelberg zu bieten hatte. Vor der Hochzeit wohnte Lukas in unserer Wohnung, die wir erst mit über vierzig in München kaufen konnten. Bis dahin lebten wir bescheiden von einer Mietwohnung zur nächsten. Das Geld für eine weitere Eigentumswohnung für Lukas fehlte uns. Aber wie mein Mann und ich könnte Lukas ja selbst eine Wohnung erwerben, dachte ich.
Als Lukas die zarte, stille Lorelei aus Bremen vorstellte, blühte mein Herz, ich bemühte mich um ein harmonisches Verhältnis und hielt mich mit Ratschlägen zurück. Für mich war nicht wichtig, wer meine Schwiegertochter ist, sondern dass Lukas mit ihr glücklich ist. Zu Beginn schien Lorelei bescheiden und freundlich, doch erst nach der Hochzeit zeigte sie ihr wahres Gesicht.
Nach ihrer surrealen Hochzeitsreise entlang des Rheins kündigte Lorelei von einem Tag auf den anderen ihren Job. Sie sagte kryptisch: Die Chefs stecken immer Nadeln in meine Seele, ich suche eine bessere Stelle. Doch dabei blieb es seit zwei Jahren sitzt sie wie ein Schlossgespenst zu Hause und weigert sich, zu arbeiten.
Lukas und Lorelei wohnen in ihrer winzigen Einzimmerwohnung am Rande von Berlin, zwischen Flugzeugen und Eisenbahnrädern. Da Lorelei keinen Finger rührt, kann Lukas keine neue Wohnung kaufen; das Geld verschwindet in Schönheitssalons, Parfümerien und den Schaufenstern Berliner Modehäuser.
Ich frage mich im Traum: Wie kann man in zwei Jahren keine einzige Arbeit finden? Ich vermute, ihre Vorstellungsgespräche sind wie Karussellfahrten im Berliner Tiergarten, und sie genießt es, sich vom Lachen ihres Mannes durch den Alltag tragen zu lassen.
Einmal fragte ich sie im flimmernden Zwielicht, ob sie an Kinder denken.
Wie sollen wir an Kinder denken, wenn wir nur wie Puppen in dieser kleinen Schachtel hausen?, antwortete Lorelei mit eisiger Stimme.
Vielleicht könntet ihr etwas sparen, für die Anzahlung für einen Wohnungskredit?
Wovon sollen wir denn sparen? Wir drehen das Fieberthermometer von Monat zu Monat, und das Ende ist nie in Sicht, seufzte Lorelei.
Ich verbiss mir die Antwort, dass man mit einem Job vielleicht längst hätte sparen können. Würden sie wirklich für eine gemeinsame Wohnung sparen, hätte ich sie mit meinem Ersparten gerne unterstützt ein kleines Konto steht wie ein Schatten hinter meinen Gedanken. Aber Lorelei würde es für Glitzer und Seifenblasen ausgeben, da bin ich sicher.
In letzter Zeit beginnt Lorelei wieder von Kindern zu reden, sie klagt über die verrinnende Zeit, doch wie sollte man im Zirkuszelt aus Schuhkartons einen Stammhalter großziehen? Lukas beginnt jetzt ihre Worte wie Münzen einzusammeln.
Mama, weißt du, Lorelei und ich haben nachgedacht vielleicht könntest du deine Wohnung gegen unsere tauschen. Ganz ohne Notar, nur zwischen uns. Du brauchst doch nicht so viel Platz, und wir hätten endlich Raum für Familie.
Die Worte meines Sohnes stachen wie Nadeln in mein Herz. Allein wäre er nie auf diese Idee gekommen. Ich erklärte, dass ich zu weit von meiner Arbeit entfernt wäre, und dass alte Bäume nicht verpflanzt werden sollten selbst in Träumen.
Dir bleiben nur ein paar Jahre Arbeit, dafür schenken wir dir Enkelkinder, lächelte Lorelei grimmig wie eine Porzellanpuppe.
Ich lehnte ihr großzügiges Angebot ab. Mein Zuhause will ich nicht aus den Händen geben, egal wie sehr die Traumfiguren mich drücken.
Danach versuchte Lukas noch einige Male, sich in mein Herz einzureden, doch seine Worte klangen immer fremder. Mein Sohn war nie gierig; jetzt aber scheint ihn die Frau zu verführen wie der Rattenfänger von Hameln.
Komm, wir gehen jetzt. Deine Mutter denkt keine Sekunde an unsere Kinder, sie würde keinen Finger für uns krumm machen!, hörte ich Lorelei bei ihrem letzten Besuch schimpfen, während sie Lukas fortführte, wie ein Schatten den Mond.
Seither schweigt mein Sohn, nimmt keine Anrufe an, antwortet nicht auf meine Nachrichten. In diesem Traum verstehe ich nicht, warum Lukas so reagiert er war nie ein Narr, aber in Loreleis Nähe taumelt er wie ein Schlafwandler durch das Labyrinth seiner eigenen Sinne.





