Der perfekte Ehemann? Wie ein Satz eine Ehe der Gleichgültigkeit zerstörte
Du bist der perfekte Ehemann, Matthias! wie ein einziger Satz eine Ehe zerstören kann, die nur noch aus Gleichgültigkeit bestand.
Luise schleppte zwei schwere Einkaufstaschen die Treppe hinauf. Kaum hatte sie die Tür aufgeschlossen, rief eine Stimme aus dem Wohnzimmer:
Bist du endlich da? Es ist doch schon sechs, oder?
Es ist sieben, entgegnete sie erschöpft und steuerte direkt in die Küche.
Auf dem Küchentisch standen drei benutzte Teetassen der untrügliche Beweis für einen frischen Besuch. Sicher war Schwiegermutter gewesen, womöglich mit ihrer Schwester Birgit. Kein Wunder. Es gehörte quasi zum Alltag: unerwartetes Auftauchen, Kommentare, dass sie nicht damenhaft genug sei, schiefe Blicke, und überall Spuren von fremden Händen im eigenen Zuhause.
Und wo warst du denn so lange? Ich hab Hunger, rief Matthias, ohne den Blick vom Laptop zu heben.
War im Rewe einkaufen. Damit Seine Majestät heute Abend nicht verhungert, murmelte Luise sarkastisch. Übrigens, wir müssen reden.
Er tat so, als hätte er nichts gehört. Da ging sie auf ihn zu, drehte seinen Schreibtischstuhl zu sich und sagte ganz ruhig:
Wir müssen uns scheiden lassen.
Matthias blickte sie verwirrt an:
Was? Wieso das denn?
Weil ich einfach nicht mehr kann.
Luise, kannst du nicht erstmal was zu Abend machen? Wir können doch später drüber sprechen ich sterbe vor Hunger.
Nein. Jetzt.
Schau mal, du weißt doch: Ich trinke nicht, geh kaum raus, häng’ nicht mit irgendwelchen Typen ab. Ich sitze hier, arbeite. Ich verdiene genug. Ich verlange nie groß was von dir. Was fehlt dir denn?
Luise lachte bitter auf:
Du wohnst in MEINER Wohnung, zahlst keinen Cent Miete oder Strom das geht alles auf mich. Einkaufen, putzen, kochen alles, ich. Was bringt uns dann dein Geld?
Ähm… ich hab mir einen Pulli gekauft. Ein Update für mein Computerspiel. Manchmal schicke ich Mama und Tante Birgit ein bisschen was. Das ist doch normal, oder?
Ach ja, ganz normal! Nur: Heute früh hab ich dich gebeten, die Wäsche aufzuhängen. Die sitzt immer noch in der Maschine.
Ich hatte grad eine Pause…
Du, Abwechslung IST auch Erholung auch Hausarbeit.
Aber ich kann das doch gar nicht. Mama und Birgit haben mich nie an Herd oder Staubsauger gelassen.
Ja. Du kannst nix. Praktisch, was? Weißt du was? Ab heute: Wenn du Hunger hast, dann sorg selbst dafür. Ich koche nicht mehr. Freundinnen wollten heute eigentlich mit mir ins Café ich hatte abgesagt, aber weißt du was? Ich geh jetzt doch. Viel Glück.
Sie stand auf, hängte noch fix die Wäsche auf, zeigte zum Herd und war weg. Im Café, mit einem Glas Wein in der Hand, vibrierte ihr Handy Schwiegermutter. Luise stellte schnell auf stumm und drehte das Display auf den Tisch.
Als sie nach Hause kam, wartete Sabine Schröder schon in der Wohnung.
Luise! Was um alles in der Welt fällt dir ein? Scheidung?! Ist dir eigentlich klar, was für einen Mann du hast?! Solche gibts kaum noch! Er raucht und trinkt nicht, betrügt dich nicht, lässt keine Socken liegen! Die Frauen sind doch alle neidisch!
Luise schaute sie ruhig an:
Sie reden von ihm, als ob Sie einen wohlerzogenen Hund anpreisen. Nicht falsch machen allein reicht nicht. Was macht er Gutes? Für mich?
Er arbeitet doch!
Ich auch. Aber zusätzlich putze ich, wasche, bügle, koche, trage schwere Einkäufe, bezahle alles für mich UND ihn. Und er?
Er schenkt dir doch Sachen! Ich helfe ihm sogar beim Aussuchen! Präsentkörbchen!
Ach, deshalb hab ich zu Weihnachten eine Schüssel für Fußbäder gekriegt und zum Geburtstag einen Wollschal.
Hättest du lieber Gold, oder was? spottete Sabine.
Ein Gutschein für ein Wellness-Wochenende oder mal an die Ostsee wäre nett gewesen. Aber nein ein Schal. Und jede Menge Geringschätzung. Und dieses ewige Ich kann das nicht. Ich hab keine Lust mehr, seine Mutter zu spielen.
Er ist halt so. Bei uns machen Männer solche Sachen nicht.
Genau das! Sie haben einen Mann großgezogen, der meint, alles wird für ihn erledigt. Und er ist zufrieden so. Ich nicht mehr.
Könntest dus nicht wenigstens probieren, bevor du dich scheiden lässt? Bring ihm das bei…
Entschuldigung, ich hab keine Lust, einen erwachsenen Mann zu erziehen. Habs anderthalb Jahre lang versucht. Es reicht. Packen Sie seine Sachen. Ihr könnt gehen, wohin ihr wollt. Ich bin nicht böse. Nur einfach platt.
Eine halbe Stunde später hielt ein Taxi vorm Haus.



