Damals, vor vielen Jahren, lebte ich mit meinem Mann in einer ruhigen kleinen Stadt bei Heidelberg. Es war eine andere Zeit, fast scheint es mir heute wie ein anderes Leben, wenn ich zurückdenke. Mein Mann, Friedrich, hatte eine Geliebte. Ich empfand keine Bitterkeit oder Eifersucht wegen dieser Verbindung. Im Gegenteil ich war bereit, mich dieser ungewöhnlichen Situation offen zu stellen.
Eines Tages verabredeten wir uns in einem hübschen Café am Neckar, ich und diese andere Frau. Sie hieß Gerlinde, und schon beim ersten Gespräch merkte ich, welch freundliches und warmherziges Wesen sie hatte. Es war, als hätten wir uns längst gekannt, als wären wir alte Freundinnen, die ihre Geschichten teilten. Wir lachten zusammen und sprachen über alles Mögliche: das Wetter, das Leben, Bücher, unsere Träume.
Langsam entwickelte sich zwischen uns ein tiefes Verständnis. Später kam Friedrich mit der Idee einer Hochzeit natürlich keine offizielle, eher ein symbolisches Fest für die beiden. Ganz offen und selbstverständlich half ich bei den Vorbereitungen mit. Gerlinde und ich verbrachten viel Zeit zusammen in den Boutiquen der Altstadt, suchten das schönste Kleid für sie aus, und sie beriet mich, welches Abendkleid mir am besten stand. Wir beschlossen, die kleine Feier bei uns zu Hause zu veranstalten, ganz im engen Kreis. Ich sollte die Trauzeugin sein und kümmerte mich um die letzten Details es fehlte uns eigentlich nur noch ein Standesbeamter; alles andere wirkte überraschend echt.
Am Tag der Feier standen wir früh auf, alles war in heiterer Erwartung. Ich half Gerlinde in ihr weißes Kleid, reichte ihr die Schleife, und als die beiden sich vor unserem Wohnzimmerfenster gegenseitig ihr Versprechen gaben und die Ringe tauschten, glaubte man den Ernst der Zeremonie. Sie küssten sich zärtlich und lachten. Es war eine Feier voller Wärme.
Nachher, als Friedrich längst schlief, kam Gerlinde leise hinzu. In meiner gemütlichen Küche setzten wir uns, tranken Kamillentee und redeten stundenlang. Es war ein ehrliches, sehr herzliches Gespräch. Mir wurde klar: Wir hatten mehr gemeinsam als ich je erwartet hätte.
Ich habe mich nie erniedrigt gefühlt: Im Gegenteil, ich war glücklich. Gerlinde und ich verstanden uns fast wortlos und verbrachten viele Tage miteinander. Wir gingen auf dem Wochenmarkt einkaufen, schlenderten durch den Schlosspark oder schwammen gemeinsam im Freibad der Nachbarstadt. Heute denke ich manchmal, dass das Band zwischen uns bedeutsamer und tiefer gewesen ist als jede Beziehung zu einem Mann.
Diese Freundschaft, unkonventionell wie sie auch war, ist mir bis heute kostbar. Was denkt ihr womöglich sind solche Freundschaften das, was unser Herz am meisten bereichert?





