Die Ex-Freundin „Danke, Jürgen! Ich weiß gar nicht, was ich ohne dich machen würde“, erschien als Nachricht auf dem Handybildschirm. Das Handy ihres Mannes vibrierte direkt in Elenas Hand. Sie warf einen automatischen Blick auf das Display. Absenderin: Mariechen. Die Nachricht endete mit einem rosa Herzchen, wie ein kleiner Kuss. Elena starrte mit großen Augen. Mariechen? Jürgen? Sie hätte denken können, es sei eine entfernte Verwandte oder Kollegin – wenn nicht ein Detail gewesen wäre: Ihr Mann hatte nie jemanden mit diesem Namen erwähnt. Oder hatte er sie absichtlich verschwiegen? Sie blickte abrupt auf. Erst die Wahrheit, dann Schlüsse ziehen. Doch das Herz zog sich vor Eifersucht zusammen. — Wer ist Mariechen? fragte Elena, bemüht, ihre Stimme zu kontrollieren. Jürgen, der gerade entspannt seinen Kaffee trank, sah fragend auf. — Was? — Mariechen, wiederholte sie und zeigte ihm das Handy. Wer ist das? Er warf einen Blick aufs Display, in seinen Augen funkelte ein kaum erkennbares Unbehagen. Er drehte sich schnell weg und zuckte mit den Schultern. — Ach… Das ist Marina. Elena erstarrte. — Welche Marina? — Na… Meine Ex. Aber da ist nichts mehr zwischen uns. Er legte das Handy auf den Tisch und verschränkte die Arme. — Deine Ex nennt dich „Jürgen“ und bedankt sich mit Herzchen? Findest du das etwa normal? Jürgen zuckte wieder mit den Schultern, als wäre es keiner Diskussion wert. — Klar, ich habe ihr etwas Geld geliehen. Sie brauchte einen Kredit, ich habe ausgeholfen. Elena spürte, wie der Zorn in ihr aufstieg. — Du gibst deiner Ex Geld?! — Ja und? Was ist da so schlimm? — Was da so schlimm ist?! spottete sie. Ernsthaft? Du nimmst aus unserem gemeinsamen Geld und gibst es irgendeiner Mariechen? Endlich schaute er ihr in die Augen. — Elena, du machst aus einer Mücke einen Elefanten. Wir kennen uns seit Ewigkeiten. Warum sollte ich ihr nicht helfen? Sie lachte bitter, ohne jede Freude. — Du bist verheiratet, Jürgen. Mit mir! Und trotzdem kümmerst du dich um sie, deine Ex. Genervt stieß Jürgen einen Seufzer aus, als müsste er einem Kind etwas Offensichtliches erklären. — Unsere Trennung war nicht schlimm. Sie ist keine Fremde für mich. — Und ich bin eine Fremde? Jetzt schwieg Jürgen. Kopfschüttelnd seufzte Elena schwer. — Wie lange geht das schon? — Was denn? — Eure wundersame Freundschaft. Er schaute weg. — Wir haben immer Kontakt gehalten. Schon vor dir. Ich wollte dich nur nicht beunruhigen. Enteilt vor Wut spürte Elena fast, wie ihr ganzer Körper sich erhitzte. — Heißt: Zwei Jahre hast du es mir verheimlicht? — Ich habe es nicht verheimlicht! Ich sah keinen Grund, es zu sagen. Ich betrüge dich nicht! Warum regst du dich auf? Tief durchatmend versuchte Elena, nicht zu schreien. — Wie oft hilfst du ihr denn? — Manchmal. Kleine Dinge. Mal was reparieren, mal den Computer einstellen. — Also rennst du als mein Mann für eine andere Frau als Handwerker herum? — Was redest du da?! schnaubte er. Ich helfe ihr, habe ihr Geld gegeben! Ist das etwa ein Verbrechen?! Ich würde dir genauso helfen! Mit eisiger Entschlossenheit blickte Elena ihn an. — Wenn du darin nichts Falsches siehst, haben wir verschiedene Vorstellungen von Familie. Familienspiele Sie wandte sich ab und verließ die Küche. Jetzt wollte sie ihn nicht mehr sehen. Für Elena verging der Tag wie im Nebel: Wut, Schmerz, Verwirrung. Sie analysierte alles immer wieder, aber in ihrem Kopf schwirrte nur eine einzige Frage: „Wie konnte ich das übersehen?“ Jürgen wirkte nicht schuldbewusst. Inzwischen verschwieg er den Kontakt zu Marina nicht mehr, tat aber, als sei es völlig harmlos. In den nächsten beiden Wochen wurde alles offensichtlich. Ihr Mann kam immer später von der Arbeit. Alle paar Tage gab es bei Marina ein Problem, das ganz dringend gelöst werden musste. — Ich gehe heute Abend zu Marina, sagte er beim Abendessen gleichgültig. Ihre Waschmaschine ist kaputt. Elena legte die Gabel hin und sah ihn scharf an. — Gibt es keine Handwerker in der Stadt? — Komm, ist es wirklich so schwer, jemandem zu helfen? — Für dich nicht. Für mich ist es schwer, das zu akzeptieren. — Schon wieder! Müssen wir immer darüber reden? — Ja, schon wieder, erwiderte sie kühl. Weil deine Ex ständig Hilfe braucht. Wenigstens habt ihr keine gemeinsamen Kinder. Jürgen seufzte und aß weiter. — Wäre es die Nachbarin oder meine Mutter, würdest du auch so reagieren? — Der Unterschied ist, dass andere dich nicht jeden Tag rufen. — Elena, sagte er erschöpft. Du tust so, als hätte ich sie betrogen. — Ob du betrügst, weiß ich nicht, aber das ist einfach nicht normal. Und es stört mich, konterte sie scharf. Er grinste. — Du vertraust mir nicht. — Und hast du Gründe gegeben, dass ich es sollte? Stille senkte sich über den Tisch. Drei Tage später meldete sich Marina wieder. — Marina hat angerufen, verkündete er gleichgültig. Sie will einen Kühlschrank kaufen, kann ihn aber nicht transportieren. Langsam drehte sich Elena zu ihm. — Heißt: Du lässt alles stehen und liegen und hilfst ihr beim Kühlschrank? — Ist doch nicht der Rede wert. — Jürgen, merkst du wirklich nicht das Problem? — Ich seh nur, dass du aus nichts ein Drama machst. — Das Drama machst nicht ich, sondern du. Und ich will kein Teil mehr davon sein. Wenn du Marina so sehr helfen willst, zieh doch gleich zu ihr. Spart Sprit. — Wie meinst du das? — Genau so. — Du willst mich rauswerfen? — Nein, Jürgen. Du hast die Wahl: Entweder stehst du zu unserer Familie, oder du gehst deinen eigenen Weg. Ich will dich nicht mehr hier haben. Sie verließ den Raum. Sie wollte sich nicht von ihm manipulieren lassen. Vielleicht dachte er, es sei leichter, ehrlich zu sagen, wohin er ging. Doch für Elena war das keine Ehrlichkeit – sondern Verrat. Vierundzwanzig Stunden nach dem letzten Streit saß Elena in der Küche und starrte aufs Handy. Jürgen hatte weder geschrieben noch angerufen. Er war gegangen. Wahrscheinlich zu Marina. Nach zehn Tagen Funkstille wurde Elena klar: Eine Trennung ist nicht immer ein Verlust – manchmal ist sie eine Lektion, niemals weniger anzunehmen, als man verdient.

Danke dir, Jürgen! Ich weiß wirklich nicht, was ich ohne dich machen würde, blinkt als Nachricht auf dem Handybildschirm auf.
Das Handy ihres Mannes vibriert in ihrer Hand. Katharina wirft einen automatischen Blick auf das Display. Absenderin ist jemand namens Lore. Die Nachricht endet mit einem rosa Herzchen, wie ein kleiner Kuss.
Katharina reißt die Augen auf. Lore? Jürgen? Vielleicht hätte sie gedacht, es sei irgendeine entfernte Verwandte oder Kollegin, wäre da nicht ein entscheidendes Detail: Ihr Mann hat niemals diese Namen erwähnt. Oder hat er etwa etwas verheimlicht?
Sie schaut abrupt hoch. Zuerst will sie die Wahrheit wissen, bevor sie voreilige Schlüsse zieht. Doch ihr Herz krampft sich vor Eifersucht zusammen.
Wer ist Lore?, fragt Katharina mit Mühe ruhig zu klingen.
Jürgen, der entspannt seinen Morgenkaffee trinkt, blinzelt verwundert.
Was?
Lore, wiederholt sie und hält ihm das Handy hin. Wer ist das?
Er blickt auf das Display, ein Moment Anspannung huscht über sein Gesicht. Rasch wendet er sich ab und zuckt mit den Schultern.
Ach Das ist Lorena.
Katharina erstarrt.
Welche Lorena?
Na meine Ex. Da ist nichts mehr zwischen uns.
Sie legt das Handy auf den Tisch und verschränkt die Arme.
Deine Ex nennt dich Jürgen und bedankt sich mit Herzchen? Findest du das normal?
Jürgen zuckt erneut, als wäre das nebensächlich.
Ja. Ich habe ihr Geld geliehen. Sie hat nach einem kleinen Kredit gefragt, ich hab’s ihr gegeben.
Katharina wird wütend.
Du hast deiner Ex Geld gegeben?!
Ja, und? Was ist dabei?
Was ist dabei?!, spottet sie. Wirklich? Du siehst kein Problem darin, unser Geld Lore zu schenken?
Er schaut ihr endlich direkt in die Augen.
Katharina, du machst aus einer Mücke einen Elefanten. Wir kennen uns ewig. Warum soll ich nicht helfen?
Sie lacht, aber ohne Freude.
Du bist verheiratet, Jürgen. Mit mir! Und trotzdem kümmerst du dich um deine Ex.
Genervt seufzt er, als müsse er einem Kind etwas Selbstverständliches erklären.
Wir sind nicht im Streit auseinandergegangen. Sie ist für mich kein Fremder.
Und ich dann?
Jürgen schweigt. Katharina schüttelt den Kopf, atmet schwer durch.
Wie lange geht das schon so?
Was meinst du?
Eure schöne Freundschaft.
Er blickt zur Seite.
Wir haben immer mal geschrieben. Schon vor dir. Ich wollte dich aber nicht aufregen.
Katharina spürt, wie Wut ihren ganzen Körper erhitzt.
Also hast du es mir zwei Jahre verheimlicht?
Es ist doch nichts verheimlicht! Ich hatte keinen Grund, es zu sagen. Ich betrüge dich nicht. Wieso regst du dich so auf?
Katharina atmet tief durch, um nicht laut zu werden.
Und wie oft hilfst du ihr?
Ab und zu. Kleine Sachen. Mal was reparieren, ihren Computer einrichten.
Also, mein Mann hilft regelmäßig einer anderen Frau wie ein Handwerker?
Was redest du denn?!, faucht er. Ich habe geholfen, Geld gegeben! Das ist doch kein Verbrechen! Dir würde ich auch helfen!
Katharina sieht ihn mit entschlossener Kälte an.
Wenn du darin nichts Falsches siehst, haben wir wohl sehr unterschiedliche Vorstellungen von Familie.
Sie dreht sich um und verlässt die Küche. Sie will sein Gesicht gerade nicht sehen.
Dieser Tag geht für Katharina wie im Nebel vorbei. Ärger, Schmerz, Verwirrung. Sie versucht alles sachlich zu betrachten, doch in ihrem Kopf dreht sich nur eine Frage: Wie habe ich das bloß nicht gesehen?
Jürgen zeigt keine Reue. Er versteckt mittlerweile nicht mehr, dass er mit Lorena schreibt, tut aber so, als wäre alles ganz harmlos.
In den nächsten zwei Wochen wird alles offensichtlich. Ihr Mann kommt öfter zu spät von der Arbeit. Alle paar Tage hat Lore irgendwas, was dringend repariert werden muss.
Ich gehe heute Abend zu Lore, sagt er beim Abendessen gleichgültig. Ihre Waschmaschine ist kaputt.
Katharina legt die Gabel weg und sieht ihn mit festem Blick an.
Gibt es keine anderen Handwerker in München?
Mensch, ist es so schwierig, einfach mal jemandem zu helfen?
Für dich nicht. Für mich ist es allerdings schwer zu akzeptieren.
Fängst du jetzt schon wieder an? Müssen wir immer darüber reden?
Ja, wieder, antwortet sie frostig. Weil deine Ex ständig Hilfe braucht. Wenigstens habt ihr keine Kinder zusammen.
Jürgen seufzt, isst weiter.
Wenn es die Nachbarin oder meine Mutter wäre, würdest du genauso reagieren?
Aber die rufen dich nicht jeden Tag an.
Katharina, sagt er erschöpft. Du tust so, als hätte ich sie betrogen.
Ich weiß nicht, ob du betrügst oder nicht, aber so läuft es einfach nicht. Es stört mich, kontert sie scharf.
Er grinst.
Dir fehlt das Vertrauen.
Und hast du mir je Anlass dazu gegeben?
Stille breitet sich zwischen ihnen aus.
Nach drei Tagen meldet sich Lore wieder.
Lore hat angerufen, verkündet er achtlos. Sie will einen Kühlschrank kaufen, kann ihn aber nicht selbst transportieren.
Katharina wendet sich ihm langsam zu.
Willst du jetzt dein eigenes Leben auf Eis legen, um ihren Kühlschrank zu schleppen?
Was ist denn dabei?
Jürgen, ernsthaft siehst du das Problem nicht?
Ich sehe nur, dass du aus allem ein Drama machst.
Das Drama machst du. Und ich will kein Teil davon sein. Wenn du Lore so gerne hilfst, kannst du doch gleich zu ihr ziehen. Das spart Benzin.
Ist das dein Ernst?
Ganz sicher.
Du schmeißt mich raus?
Nein, Jürgen. Ich gebe dir die Wahl. Entweder gehörst du zu unserer Familie, oder du gehst deinen eigenen Weg. Ich will dich nicht mehr hier.
Sie dreht sich um und geht. Nie wieder will sie sich von ihm hinters Licht führen lassen. Vielleicht glaubt er, es sei ehrlich, alles offen zu sagen, wohin er geht. Für Katharina aber ist das keine Offenheitsondern Verrat.
Vierundzwanzig Stunden nach ihrem letzten Streit sitzt Katharina in der Küche und starrt aufs Handy. Jürgen hat nicht angerufen, keine Nachricht geschrieben. Er ist weg. Vielleicht bei Lore.
Nach zehn Tagen Stille erkennt Katharina, manchmal bedeutet eine Trennung keinen Verlust, sondern eine Lektion, nicht länger mit weniger zufrieden zu sein, als man verdient.

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Homy
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Die Ex-Freundin „Danke, Jürgen! Ich weiß gar nicht, was ich ohne dich machen würde“, erschien als Nachricht auf dem Handybildschirm. Das Handy ihres Mannes vibrierte direkt in Elenas Hand. Sie warf einen automatischen Blick auf das Display. Absenderin: Mariechen. Die Nachricht endete mit einem rosa Herzchen, wie ein kleiner Kuss. Elena starrte mit großen Augen. Mariechen? Jürgen? Sie hätte denken können, es sei eine entfernte Verwandte oder Kollegin – wenn nicht ein Detail gewesen wäre: Ihr Mann hatte nie jemanden mit diesem Namen erwähnt. Oder hatte er sie absichtlich verschwiegen? Sie blickte abrupt auf. Erst die Wahrheit, dann Schlüsse ziehen. Doch das Herz zog sich vor Eifersucht zusammen. — Wer ist Mariechen? fragte Elena, bemüht, ihre Stimme zu kontrollieren. Jürgen, der gerade entspannt seinen Kaffee trank, sah fragend auf. — Was? — Mariechen, wiederholte sie und zeigte ihm das Handy. Wer ist das? Er warf einen Blick aufs Display, in seinen Augen funkelte ein kaum erkennbares Unbehagen. Er drehte sich schnell weg und zuckte mit den Schultern. — Ach… Das ist Marina. Elena erstarrte. — Welche Marina? — Na… Meine Ex. Aber da ist nichts mehr zwischen uns. Er legte das Handy auf den Tisch und verschränkte die Arme. — Deine Ex nennt dich „Jürgen“ und bedankt sich mit Herzchen? Findest du das etwa normal? Jürgen zuckte wieder mit den Schultern, als wäre es keiner Diskussion wert. — Klar, ich habe ihr etwas Geld geliehen. Sie brauchte einen Kredit, ich habe ausgeholfen. Elena spürte, wie der Zorn in ihr aufstieg. — Du gibst deiner Ex Geld?! — Ja und? Was ist da so schlimm? — Was da so schlimm ist?! spottete sie. Ernsthaft? Du nimmst aus unserem gemeinsamen Geld und gibst es irgendeiner Mariechen? Endlich schaute er ihr in die Augen. — Elena, du machst aus einer Mücke einen Elefanten. Wir kennen uns seit Ewigkeiten. Warum sollte ich ihr nicht helfen? Sie lachte bitter, ohne jede Freude. — Du bist verheiratet, Jürgen. Mit mir! Und trotzdem kümmerst du dich um sie, deine Ex. Genervt stieß Jürgen einen Seufzer aus, als müsste er einem Kind etwas Offensichtliches erklären. — Unsere Trennung war nicht schlimm. Sie ist keine Fremde für mich. — Und ich bin eine Fremde? Jetzt schwieg Jürgen. Kopfschüttelnd seufzte Elena schwer. — Wie lange geht das schon? — Was denn? — Eure wundersame Freundschaft. Er schaute weg. — Wir haben immer Kontakt gehalten. Schon vor dir. Ich wollte dich nur nicht beunruhigen. Enteilt vor Wut spürte Elena fast, wie ihr ganzer Körper sich erhitzte. — Heißt: Zwei Jahre hast du es mir verheimlicht? — Ich habe es nicht verheimlicht! Ich sah keinen Grund, es zu sagen. Ich betrüge dich nicht! Warum regst du dich auf? Tief durchatmend versuchte Elena, nicht zu schreien. — Wie oft hilfst du ihr denn? — Manchmal. Kleine Dinge. Mal was reparieren, mal den Computer einstellen. — Also rennst du als mein Mann für eine andere Frau als Handwerker herum? — Was redest du da?! schnaubte er. Ich helfe ihr, habe ihr Geld gegeben! Ist das etwa ein Verbrechen?! Ich würde dir genauso helfen! Mit eisiger Entschlossenheit blickte Elena ihn an. — Wenn du darin nichts Falsches siehst, haben wir verschiedene Vorstellungen von Familie. Familienspiele Sie wandte sich ab und verließ die Küche. Jetzt wollte sie ihn nicht mehr sehen. Für Elena verging der Tag wie im Nebel: Wut, Schmerz, Verwirrung. Sie analysierte alles immer wieder, aber in ihrem Kopf schwirrte nur eine einzige Frage: „Wie konnte ich das übersehen?“ Jürgen wirkte nicht schuldbewusst. Inzwischen verschwieg er den Kontakt zu Marina nicht mehr, tat aber, als sei es völlig harmlos. In den nächsten beiden Wochen wurde alles offensichtlich. Ihr Mann kam immer später von der Arbeit. Alle paar Tage gab es bei Marina ein Problem, das ganz dringend gelöst werden musste. — Ich gehe heute Abend zu Marina, sagte er beim Abendessen gleichgültig. Ihre Waschmaschine ist kaputt. Elena legte die Gabel hin und sah ihn scharf an. — Gibt es keine Handwerker in der Stadt? — Komm, ist es wirklich so schwer, jemandem zu helfen? — Für dich nicht. Für mich ist es schwer, das zu akzeptieren. — Schon wieder! Müssen wir immer darüber reden? — Ja, schon wieder, erwiderte sie kühl. Weil deine Ex ständig Hilfe braucht. Wenigstens habt ihr keine gemeinsamen Kinder. Jürgen seufzte und aß weiter. — Wäre es die Nachbarin oder meine Mutter, würdest du auch so reagieren? — Der Unterschied ist, dass andere dich nicht jeden Tag rufen. — Elena, sagte er erschöpft. Du tust so, als hätte ich sie betrogen. — Ob du betrügst, weiß ich nicht, aber das ist einfach nicht normal. Und es stört mich, konterte sie scharf. Er grinste. — Du vertraust mir nicht. — Und hast du Gründe gegeben, dass ich es sollte? Stille senkte sich über den Tisch. Drei Tage später meldete sich Marina wieder. — Marina hat angerufen, verkündete er gleichgültig. Sie will einen Kühlschrank kaufen, kann ihn aber nicht transportieren. Langsam drehte sich Elena zu ihm. — Heißt: Du lässt alles stehen und liegen und hilfst ihr beim Kühlschrank? — Ist doch nicht der Rede wert. — Jürgen, merkst du wirklich nicht das Problem? — Ich seh nur, dass du aus nichts ein Drama machst. — Das Drama machst nicht ich, sondern du. Und ich will kein Teil mehr davon sein. Wenn du Marina so sehr helfen willst, zieh doch gleich zu ihr. Spart Sprit. — Wie meinst du das? — Genau so. — Du willst mich rauswerfen? — Nein, Jürgen. Du hast die Wahl: Entweder stehst du zu unserer Familie, oder du gehst deinen eigenen Weg. Ich will dich nicht mehr hier haben. Sie verließ den Raum. Sie wollte sich nicht von ihm manipulieren lassen. Vielleicht dachte er, es sei leichter, ehrlich zu sagen, wohin er ging. Doch für Elena war das keine Ehrlichkeit – sondern Verrat. Vierundzwanzig Stunden nach dem letzten Streit saß Elena in der Küche und starrte aufs Handy. Jürgen hatte weder geschrieben noch angerufen. Er war gegangen. Wahrscheinlich zu Marina. Nach zehn Tagen Funkstille wurde Elena klar: Eine Trennung ist nicht immer ein Verlust – manchmal ist sie eine Lektion, niemals weniger anzunehmen, als man verdient.
Erofeewa – Eine bewegende Geschichte über Mut und Entschlossenheit in Zeiten des Wandels