Meine Schwägerin und mein Bruder haben mich gebeten, auf ihren Sohn aufzupassen.
Gestern Abend war ich zu Hause in München, bereitete das Abendessen vor und kümmerte mich um meinen dreijährigen Sohn, während ich darauf wartete, dass mein Mann von seiner Arbeit zurückkommt. Plötzlich klingelte es an der Tür; mein Bruder stand da, seinen sechsjährigen Sohn an der Hand und eine Tüte mit Äpfeln und Trauben dabei. Er bat mich, seinen Jungen für ein paar Stunden zu betreuen, da sie zu Freunden eingeladen waren. Ich sagte gerne zu, weil mein Sohn sich jedes Mal freut, mit seinem Cousin zu spielen.
Doch der Abend verstrich und mein Bruder und seine Frau tauchten nicht zur vereinbarten Zeit auf. Ich versuchte mehrmals, sie auf dem Handy zu erreichen und jedes Mal versprachen sie, dass sie gleich kämen. Es verging jedoch Stunde um Stunde, und sie erschienen nicht. Da es spät wurde, brachte ich die Kinder ins Bett.
In der Nacht bekam mein Sohn plötzlich hohes Fieber und klagte über starke Schmerzen. Ich wählte sofort die 112 und der Rettungsdienst riet dazu, ihn in die Uniklinik München zu bringen. Während ich mich um meinen Sohn sorgte, versuchte ich erneut, meinen Bruder und seine Frau telefonisch zu erreichen diesmal ohne jegliche Antwort.
In meiner Not wandte ich mich schließlich an Frau Schneider, unsere hilfsbereite Nachbarin, die selbst Mutter von zwei Kindern ist und mir schon öfter zur Seite stand. Sie erklärte sich bereit, auf meinen Neffen aufzupassen, damit ich meinen Sohn ins Krankenhaus begleiten konnte. Dort verbrachte ich die ganze Nacht an seiner Seite.
Am nächsten Morgen erschien mein Bruder, um seinen Sohn abzuholen.
Einige Tage später traf ich meine Schwägerin, Annemarie, zufällig im Supermarkt. Ich erwartete ein Dankeschön stattdessen schimpfte sie lautstark und warf mir vor, ihr Kind einer Fremden anvertraut zu haben. Trotz meiner Bemühungen, ihr die Situation ruhig zu erklären, blieb sie ungehalten. Sie bestand darauf, dass ich ihr das Geld, das sie Frau Schneider als Aufwandsentschädigung in bar 40 Euro gezahlt hatte, sofort zurückgebe. Sie weigerte sich, die Kosten selbst zu übernehmen und drohte mir sogar, die Polizei zu informieren, falls ich nicht bezahle.
Ich bin enttäuscht und auch verletzt manchmal bleibt Hilfe und Freundlichkeit eben leider unerkannt, besonders in Situationen, in denen man eigentlich gegenseitige Unterstützung erwarten dürfte.





