Ein Jahr verheiratet, eine neugierige Schwiegermutter und viel Nachbarsklatsch: Wie ich als junge Ehefrau zwischen deutschen Familientraditionen, hunderten Küchentipps und meinem eigenen Lebensstil bestehe – oder doch lieber bei meinen Eltern Zuflucht suche

Ich bin jetzt seit einem Jahr verheiratet. Noch vor der Hochzeit hat mein Mann mich davon überzeugt, dass seine Mutter hoch und heilig versprochen habe, sich nicht in unser neues Familienleben einzumischen. Übrigens habe ich meine Schwiegermutter das erste Mal überhaupt auf dem Standesamt in München gesehen.

Anfangs lief alles halbwegs glatt. Mein Schwiegermutter hat ihr Wort zumindest teilweise gehalten. Mein Mann und ich wohnen nämlich in einer Mietwohnung in einem Altbau, doch direkt nebenan leben seine Eltern. So ist es zwar so, dass ich von ihr nicht mit ihren Beschwerden direkt konfrontiert werde stattdessen berichtet mir die halbe Nachbarschaft davon, wie sie übers Treppenhaus tratscht, was für eine unwürdige Hausfrau ich doch sei: Ich lasse zum Beispiel schmutziges Geschirr einen Moment in der Spüle stehen; ich gare das Rindfleisch im gleichen Wasser, anstatt den ersten Sud abzugießen; und natürlich wäre ich die Einzige, die dem Hund unserem Dackel Fritz rohes Fleisch gibt anstatt gekochtes. Alles, was ich mache, ist in ihren Augen falsch!

Von diesen Lästereien habe ich von unserer Nachbarin Frau Stein erfahren. Völlig genervt habe ich mich bei meinem Mann darüber beschwert. Er musste lachen und hat mir geraten, nicht darauf zu achten. Doch offenbar hat er das Gespräch seiner Mutter weitererzählt, denn seitdem wechselt sie auf die andere Straßenseite, wenn sie mich sieht. Ich habe meinen Mann gefragt, woran es liegt, dass ich ihr ein Dorn im Auge bin. Er meinte, sie hätte das Gefühl, dass ich ihr nicht genügend Respekt entgegenbringe. Aber wie denn bitte?

Nur weil ich ihre Lebensweise nicht sofort übernommen habe? Ich sehe keinen Sinn darin, meine Gewohnheiten komplett an sie anzupassen. Warum sollte ich alles aufgeben, was mich ausmacht? Sie aber meint, das liege daran, dass ich nicht in meinem eigenen Haus wohne. Woraufhin mein Mann sie fragte:

“Und in wessen Haus wohnt sie dann?”

Später hat er mir gesagt:

“Wenn wir bei deinen Eltern wohnen würden, dann würde deine Mutter in der Küche das Sagen haben; wohnen wir bei meinen Eltern, dann bestimmt meine Mutter die Regeln. Aber hier hier bist du die Chefin.”

Deswegen liebe ich meinen Mann so er zieht aus allem die richtigen Schlüsse.

Schön und gut mit den klugen Schlüssen, aber bald werden wir für eine Zeit zu seinen Eltern nach Augsburg ziehen. Ich weiß, dass ich da wahrscheinlich nicht reinpasse. Also überlege ich, stattdessen lieber eine Weile zu meinen Eltern nach Hamburg zu fahren. Mein Mann kann dann ja bei mir wohnen wenn er möchte. Und wenn nicht, kann er bei seinen Eltern bleiben.

Rate article
Homy
Add a comment

;-) :| :x :twisted: :smile: :shock: :sad: :roll: :razz: :oops: :o :mrgreen: :lol: :idea: :grin: :evil: :cry: :cool: :arrow: :???: :?: :!:

Ein Jahr verheiratet, eine neugierige Schwiegermutter und viel Nachbarsklatsch: Wie ich als junge Ehefrau zwischen deutschen Familientraditionen, hunderten Küchentipps und meinem eigenen Lebensstil bestehe – oder doch lieber bei meinen Eltern Zuflucht suche
Meine Frau ist im siebten Monat schwanger – und ehrlich gesagt, nehme ich sie kaum noch als Frau wahr. Seit der Schwangerschaft vernachlässigt sie sich komplett: keine Pflege, kein Make-up, kaum frisiert, den ganzen Tag im Schlafanzug oder in weiten Klamotten. Früher war sie ganz anders – jetzt bin ich nur noch genervt und frage mich, was ich tun soll, wenn sie sich nicht wieder bemüht.