Es war schon spät am Abend, als der Schwiegersohn seine Schwiegermutter nach Hause brachte, ihre zwei Taschen im Flur abstellte, und sie zu ihrer Tochter Sarah ging – die beim Anblick ihrer Mutter enttäuscht ausrief: „Soll ich mich jetzt für den Rest meines Lebens um dich kümmern? Du willst ja gar nicht mehr ins Dorf zurück!“ – Die bewegende Geschichte meiner alten Schulfreundin aus München, die mit dem Schicksal ihrer Mutter überfordert war, bis ihr Ehemann sie überraschend in eine gut betreute, private Seniorenresidenz brachte, während Sarah – frisch in Berlin angekommen – ahnungslos blieb, bis sie nach der Entlassung ihrer Mutter alles erfuhr und eine Entscheidung traf, die ihre Familie für immer veränderte.

Es war schon später Abend in Hamburg. Johannes, der Schwiegersohn, hatte seine Schwiegermutter Frau Baumann nach Hause gebracht das große Altbauhaus roch nach alten Märchen, der Flur war lang wie ein Tunnel in einem verwunschenen Wald. Er stellte ihre zwei schweren Reisetaschen auf das schiefe Parkett, während sie wie aus einer anderen Zeit langsam zum Wohnzimmer tapste, in dem ihre Tochter Gisela saß.

Als Gisela ihre Mutter sah, zog sich ihr Mund wie von selbst zu einer schiefen Linie und ihre Enttäuschung schwebte schwer über dem Sofa, auf dem sie gerade einen Krimi gelesen hatte.

Jetzt soll also mein ganzes Leben mit dir zusammenfallen? Du willst sicher nie wieder zurück ins Sauerland…

Vor gar nicht langer Zeit hatte ich von einer alten Schulfreundin aus Bremen gehört, wie ungeschickt sie mit dem Schicksal ihrer alten Mutter umgegangen war. Zum Glück ging die Geschichte gut aus: Ihre Schwiegermutter wurde von ihrem Schwiegersohn betreut und in eine der besten Kliniken in Lübeck gebracht, bezahlt aus seinem Erbe alles in Euro natürlich. Aber zu dem Zeitpunkt wusste Gisela von alledem nichts. Sie erfuhr es erst, als ihre Mutter mit Krankenhausbändchen und Stoffpantoffeln zurückkam.

Johannes, der Schwiegersohn, blieb im Flur stehen, die Taschen zu seinen Füßen, und berichtete Gisela in ruhigem, fast träumerischen Tonfall:

Deine Mutter ist jetzt wieder fit wie ein Turnschuh, Liebes. Ich habe ihr alles besorgt von Kräutertee über die Frankfurter Allgemeine bis hin zu neuen Hausschuhen. Sie braucht nur noch ein wenig Gesellschaft und Aufsicht. Sie bleibt erstmal bei uns. Ist das für dich in Ordnung?”

Eigentlich, dachte Gisela im Gespräch, hätte sie diese Frage an Johannes stellen sollen, nicht andersherum. Doch statt dankbarer Freude entfuhr ihr eine seltsame Bemerkung, die wie eine Fliege durchs Zimmer surrte:

Mama, ich bin gerade erst in die Stadt gezogen, richte mein neues Leben zwischen Elbe und Alster ein und dann stehst du plötzlich da! Du willst jetzt hierbleiben? Soll ich mein ganzes Leben für dich zurück ins Regal stellen? Willst du wirklich nie wieder in dein kleines Haus im Sauerland zurück?

Die Luft im Zimmer wurde dick wie in einer alten Bahnhofshalle im Nebel. Frau Baumann wirkte verwundert, wie eine Puppe, der man den Faden abgeschnitten hatte, doch es war Johannes, der am meisten erstaunt war.

Endlich hatte Gisela ihm ihre wahre Seele gezeigt diese Seite hatte er nicht gekannt, damals, als er den Antrag im Schneidersitz gemacht hatte, nach einem verrückten Frühjahrstag. Die Schwiegermutter, ein wenig traurig, begann damit, ihren wenigen Habseligkeiten zusammenzupacken. Gisela schlug die Tür zu, dass selbst die Katze erschrak, und lief davon hinein in das verschwommene Straßengewirr, wo ihre Freundin Anne schon wartete.

Als Gisela spätabends heimkam, drehte sich die Welt anders: Ihre eigenen Koffer standen bereit ein ICE-Ticket lag obenauf, als hätte sie das alles nur geträumt. Sie verstand nicht, was spielte, und fragte in die dunstige Küche hinein:

Warum ist Mama noch hier? Oder fährst du morgen weg?

Johannes lehnte am Kühlschrank, trank kalten Kamillentee und antwortete langsam, als würde er durch Honig sprechen:

Nein, das sind deine Sachen, Gisela, und dein Zugticket nach Winterberg. Ich glaube, wir sollten einige Zeit getrennte Wege gehen. Ich habe mir immer Kinder gewünscht, aber heute habe ich verstanden, dass ich nicht will, dass meine Kinder einer solchen Mutter begegnen. Denk darüber nach Vielleicht lebst du eine Weile auf dem Land, im alten Haus deiner Mutter. Sie bleibt derweil bei mir. Und wenn du klarer siehst, kehr zurück dann können wir weiterschauen.

Die Worte blieben zurück, schwer und seltsam wie der letzte Traum vor dem Erwachen. Draußen gluckerte die S-Bahn im Takt des nächtlichen Regens.

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Homy
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Es war schon spät am Abend, als der Schwiegersohn seine Schwiegermutter nach Hause brachte, ihre zwei Taschen im Flur abstellte, und sie zu ihrer Tochter Sarah ging – die beim Anblick ihrer Mutter enttäuscht ausrief: „Soll ich mich jetzt für den Rest meines Lebens um dich kümmern? Du willst ja gar nicht mehr ins Dorf zurück!“ – Die bewegende Geschichte meiner alten Schulfreundin aus München, die mit dem Schicksal ihrer Mutter überfordert war, bis ihr Ehemann sie überraschend in eine gut betreute, private Seniorenresidenz brachte, während Sarah – frisch in Berlin angekommen – ahnungslos blieb, bis sie nach der Entlassung ihrer Mutter alles erfuhr und eine Entscheidung traf, die ihre Familie für immer veränderte.
Wie Oma Tanja ihrer Tochter die Kleider nahmDoch die Tochter erwiderte mutig, dass sie ihre eigene Freiheit nicht aufgeben und ihren eigenen Weg gehen würde.