Und wer bist du, dass du das entscheidest?” – fragte die Ex-Frau verwundert, als sie mich an seinem Krankenbett sah

**Tagebucheintrag**

Und wer bist du, dass du hier bestimmen kannst? Die ehemalige Ehefrau starrte mich an, als sie mich an seinem Krankenbett sah.

Entschuldigen Sie, können Sie mir sagen, wo ich Zimmer 217 finde? Eine ältere Dame fragte die Schwester am Stationsschalter.

Ganz bis ans Ende des Flurs, dann rechts, murmelte die Schwester, ohne von ihrer Zeitschrift aufzublicken.

Helga drückte die Papiertüte mit dem Essen fester in ihrer Hand und ging langsam den angegebenen Weg. Krankenhausflure lösten in ihr immer ein dumpfes Gefühl aus. Der Geruch von Desinfektionsmitteln, das Quietschen der Rollstühle, gedämpfte Stimmen hinter geschlossenen Türen. Seit ihre Mutter hier gestorben war, hasste sie Krankenhäuser.

Als sie die Tür erreichte, klopfte sie leise und trat ein. Vier Betten standen im Raum, doch ihr Blick fiel sofort auf ihn. Friedrich lag am Fenster, blass, die Augen geschlossen. Auf dem Nachttisch neben ihm stand eine Vase mit welken Chrysanthemen.

Fritz, flüsterte sie und trat näher.

Er öffnete die Augen und sah sie überrascht an.

Helga? Wie hast du erfahren, dass ich hier bin?

Elke hat es mir erzählt. Ich bin ihr beim Bäcker begegnet und habe gefragt, warum ich dich so lange nicht gesehen habe. Da hat sie mir vom Krankenhaus berichtet.

Sie stellte die Tüte ab und setzte sich auf den Stuhl neben dem Bett. Friedrich sah schlecht aus. Seine Wangen waren eingefallen, die Augen stumpf. Ganz anders als der lebensfrohe Mann, den sie kannte.

Was ist passiert?

Ach, nur das Herz. Die Ärzte sagen, ein kleiner Infarkt. Nichts Schlimmes.

Mein Gott, Fritz. Sie rang die Hände. Ich wusste von nichts.

Wieso hättest du auch? Wir sehen uns ja kaum noch.

Es klang nicht vorwurfsvoll, eher resigniert. Seit er Monika geheiratet hatte, waren ihre Wege auseinandergegangen. Ab und zu trafen sie sich im Supermarkt oder an der Bushaltestelle, wechselten ein paar Worte mehr nicht.

Ich habe dir etwas zu essen mitgebracht, sagte Helga und holte Einweggläser aus der Tüte. Eingemachte Gurken, Tomaten, Kirschkompott. Du mochtest das immer.

Danke, Helga. Zum ersten Mal seit ihrem Eintreten lächelte er. Das ist wirklich nett von dir.

Was sagen die Ärzte? Wann darfst du nach Hause?

Nächste Woche, wenn alles gut geht. Aber dann heißt es Diät halten, Tabletten nehmen. Gesund leben.

Sie nickte. Sie wollte nach Monika fragen, zögerte aber. Seltsam, dass seine Frau nicht bei ihm war. Vielleicht hatte sie Schicht oder wichtige Termine.

Und Monika? Kommt sie nicht zu Besuch?

Er wandte sich zum Fenster.

Monika ist nicht mehr meine Frau. Wir haben uns scheiden lassen.

Was? Helga fuhr fast vom Stuhl hoch. Wann?

Vor drei Monaten war es offiziell. Getrennt leben wir schon ein halbes Jahr.

Fritz, was ist passiert?

Er schwieg, starrte auf etwas draußen.

Sie hatte wohl genug von mir. Sagte, die Gefühle seien weg. Wollte ein neues Leben anfangen. Das Übliche.

Helga wusste nicht, was sie sagen sollte. Friedrich und Monika waren acht Jahre verheiratet gewesen. Alles schien gut. Monika arbeitete im Friseursalon, er in der Fabrik. Nicht reich, aber auch nicht arm. Eine Wohnung hatten sie gekauft, sogar ein Auto.

Und der Infarkt kam das davon?

Wer weiß? Die Ärzte sagen, Stress könnte ein Auslöser gewesen sein. Aber mein Herz hat auch früher schon Probleme gemacht.

Fritz, wo wohnst du jetzt? Wem gehört die Wohnung?

Ihr. Ich bin bei meiner Mutter untergekommen. Gut, dass sie mich aufgenommen hat.

Helga dachte an Friedrichs Mutter, Gertrud. Eine strenge, aber gerechte Frau. Sie hatte Helga immer gemocht, damals, als sie und Fritz zusammen waren. Nur schade, dass die Wohnung so klein war.

Wie konnte das nur passieren? Ich erinnere mich an eure Hochzeit ihr wart so glücklich.

Das waren wir, seufzte er. Aber Menschen ändern sich, Helga. Ich dachte, Liebe sei für die Ewigkeit. Doch dann

Er brach ab, aber sie verstand. Sie hatte Ähnliches durchlebt, als ihr Mann Wolfgang sie für eine andere verließ. Damals war ihre Tochter Sophie noch klein. Jetzt war Sophie selbst verheiratet, lebte in einer anderen Stadt.

Fritz, vielleicht wird alles wieder gut? Solltest du nicht mit ihr reden?

Nein, Helga. Sie lebt schon mit einem anderen zusammen. Verliebt, sagt sie. Jetzt wisse sie, was echte Liebe sei.

Es schmerzte, das zu hören. Sie sah förmlich, wie Friedrich die Nachricht von der Affäre erfahren hatte, wie er die Trennung durchlitt, allein in einer fremden Wohnung.

Entschuldige die vielen Fragen. Ich war einfach überrascht.

Schon gut. Es tut sogar gut, mal mit jemandem zu reden. Meiner Mutter will ich nicht die Seele ausschütten.

Helga holte eine Thermoskanne aus ihrer Tasche.

Tee. Noch warm, mit Honig und Zitrone. Gut fürs Herz.

Du denkst immer an alles, sagte er dankbar. Genau wie früher.

**Früher.** Das war vor zwanzig Jahren gewesen. Helga war einundzwanzig, Friedrich dreiundzwanzig. Verliebt, voller Pläne. Sie wollten im Herbst heiraten.

Doch dann kam Wolfgang. Charmant, erfolgreich, voller Versprechungen. Helga verlor den Kopf und verließ Friedrich.

Was für eine Dummheit. Wolfgang konnte blendend reden, doch er war unbeständig. Fünf Jahre nach der Hochzeit fand er eine Neue und verschwand. Ließ Helga mit Sophie und einer Hypothek zurück.

Fritz, ich möchte mich bei dir entschuldigen, sagte sie unvermittelt.

Wofür?

Für damals. Es war falsch von mir.

Er stellte die Tasse ab und sah sie an.

Helga, das ist lange her. Warum die Vergangenheit aufwühlen?

Weil ich es muss. Ich wollte es schon immer sagen, wusste nur nicht wie. Und jetzt sehe ich dich hier, krank und allein, und verstehe, dass wir beide Fehler gemacht haben.

Nicht nur wir. Jeder macht Fehler.

Aber nicht jeder verlässt gute Menschen für leere Versprechungen.

Er legte seine Hand auf ihre.

Helga, ich bin nicht böse. Damals tat es weh, ja. Aber wenn jemand geht, war es wohl nicht die große Liebe. Wir waren einfach nicht füreinander bestimmt.

Und ich war nicht für Wolfgang bestimmt, sagte sie traurig. Also habe ich dich und ihn verloren.

Dafür hast du Sophie. Sie ist ein toller Mensch.

Woher weißt du das?

Elke hat erzählt, sie sei eine gute Ärztin, glücklich verheiratet. Du kannst stolz sein.

Helga lächelte. Sophie war wirklich ihr ganzer Stolz.

Und ihr hattet ihr keine Kinder?

Nein. Monika wollte nicht. Erst hieß es, es sei zu früh, dann, wir hätten kein Geld, dann, der Job lasse es nicht zu. Jetzt weiß ich: Sie wollte einfach keine Kinder von mir.

Eine Schwester kam mit Medikamenten herein. Helga trat zur Seite.

Wie fühlen Sie sich?

Ganz okay.

Dann messen wir mal den Blutdruck. Sie musterte Helga. Sind Sie eine Verwandte?

Helga zögerte. Verwandte? Ehemalige Verlobte?

Ja, eine Verwandte, sagte Friedrich für sie.

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Homy
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