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Es war ein richtig gemütlicher Abend: Karten spielen, ein bisschen plaudern, und dann noch ein leckerer Imbiss. Und ja, Gerd kocht wie ein Küchenchef? Ich meine, er arbeitet ja schon seit Ewigkeiten als Koch im Restaurant.
Marlene Schneider und ihr Mann Klaus verließen nach dem Besuch der Gäste zufrieden das Café und schlenderten zur UBahn. Das Wetter war trüb, die Dämmerung kam früh, doch in ihren Herzen leuchtete es noch immer von dem schönen Abend.
Mit Marlenes Cousin Gerd und seiner Frau Vera haben sie schon lange Kontakt. Dieses Jahr kommen sie zum Geburtstag ihres Neffen Tobi, der kurz vor Neujahr das Licht der Welt erblickte.
Sie werden wieder über neue Filme schwärmen, die sie sich gegenseitig empfehlen, und sich an allerlei Festtagsleckerbissen erfreuen etwas, das im Alltag zu selten vorkommt, weil man nie genug Zeit zum Kochen hat.
Schon seit jeher gilt: Gäste mit den besten Speisen zu begrüßen. Nicht zu viel essen, sondern ein bisschen von allem probieren, das macht es leichter, und man kann entspannt plaudern, während die Sorgen bis morgen warten. Ein Besuch ist schließlich ein Stück Kindheit, ein kleines Fest, auf das man sich freut.
Danach kann man mit neuer Energie an die eigenen Aufgaben gehen, vielleicht lernt man von Verwandten noch ein nützliches Detail, das das eigene Leben ein bisschen besser macht
Das stimmt, mit deinem Bruder und seiner Frau ist es immer locker, ein richtiger Kerl stimmte Tobi Marlene lächelnd zu.
Ich habe weder Bruder noch Schwester, aber Gerd ist ja jetzt ein echter Freund, obwohl wir früher selten Kontakt hatten, weil er etwas älter ist. Und das ist schön, er ist quasi mein Cousin, erwiderte Marlene nachdenklich und fuhr dann fort:
Hör mal, Tobi, du hast doch auch eine Cousine, nicht wahr? Sie heißt doch Anneliese, oder? Sie wohnt doch nicht weit, im Umland? Warum reden wir eigentlich nie mit ihr?
Keine Ahnung, das war schon immer so. Mein Vater und seine Schwester kamen nie gut miteinander aus, deshalb haben wir das nie gepflegt, und Anneliese ist ein bis zwei Jahre älter als ich zuckte Klaus mit den Schultern. Und?
Das muss sich ändern! Ich bin jetzt erst vierzig und begreife, dass man die Familie nicht vergessen darf. Gerd ist auch nicht perfekt, aber wir haben gemeinsame Hobbys gefunden und besuchen uns öfter. Manchmal denken wir an entfernte Verwandte, das hat irgendwie einen tiefen Sinn Blut ist Blut! Lass uns doch den Kontakt zu deiner Cousine wiederbeleben, schließlich hast du ja sonst niemanden mehr. Wir werden älter, und es wäre schön, wenn die Liebsten in der Nähe bleiben. Freunde werden irgendwann langweilig, aber Bruder und Schwester das ist Familie.
Ich weiß nicht, Marlene, ich habe lange nicht mehr mit ihr gesprochen zweifelte Klaus, während Marlene immer begeisterter wurde.
Anneliese lächelt immer freundlich, doch
Hast du ihre Telefonnummer? Ich kann sie ja selbst anrufen, wenn dir das unangenehm ist.
Unter Druck seiner Frau fand Klaus die alte Festnetznummer von Anneliese, aber niemand ging ran. Marlene ließ nicht locker und schaffte es schließlich, Annas Handynummer zu ermitteln. Noch am selben Tag riefen Tobi und Marlene bei ihr an.
Guten Tag, hier ist Marlene, die Ehefrau Ihres Cousins Klaus, begann Marlene, doch sofort erwiderte Anneliese:
Guten Tag, ist er denn noch am Leben?
Marlene stockte kurz, sah zu Klaus, der nichts gesagt hatte, und fuhr dann fort:
Tobi war ein wenig schüchtern, mich anzurufen, aber ich habe ihn überredet. Früher waren Freunde das Wichtigste, mit dem Alter denkt man mehr an die Familie. Und Tobi hat nur dich, Anneliese, und dein Mann übrig, also möchten wir den Kontakt wieder aufnehmen hast du etwas dagegen?
Einige Sekunden Schweigen, dann fragte Anneliese misstrauisch:
Will Tobi etwa die Wohnung meiner Mutter erben? Meine Mutter hat mir die Wohnung vor Jahren vermacht, wir wohnen dort noch, wir haben keine andere Bleibe, und Tobi hat nie von einem Erbanspruch gesprochen.
Klaus hörte das und zuckte mit den Schultern. Er dachte nie an die Wohnung seiner Schwiegermutter.
Marlene merkte die Zurückhaltung und sagte weiter:
Das ist lange her, wir wollen nur einfach mit euch reden, versteht ihr? Tobi hat bald Geburtstag, kommt doch zu uns, dann können wir alles besprechen, okay?
Anneliese wurde freundlicher, notierte die Adresse und stimmte sogar zu, dass wir uns duzen schließlich gehören wir ja zur Familie.
Nach dem Telefonat sagte Marlene zu ihrem Mann:
Siehst du, Anneliese war erst verwirrt vor Freude, dann hat sie sofort versprochen, vorbeizukommen. Das wird schön, gemeinsam in Erinnerungen zu schwelgen im Alter ist das besonders wichtig.
Ach, jetzt kommst du mit dem Alter wieder drauf, lachte Tobi. Wir sind ja noch längst keine halben Hundert.
Marlene freute sich, denn auch ihre Kollegin hatte kürzlich Verwandte aus Polen ausfindig gemacht ihre Eltern sind übrigens schon lange nicht mehr da.
Am Tag von Tobis Geburtstag tauchten Anneliese und ihr Mann Veit auf. Sie waren äußerst freundlich und herzlich.
Sie wussten zwar nicht, was sie schenken sollten, brachten aber einen kleinen Werkzeugkoffer im Koffer mit, worüber Veit sich riesig freute. Am Tisch genoss man das Zusammensein, während Gerd, wie üblich, einige feine Häppchen und einen Kuchen zubereitete.
Er schenkt schon seit Jahren zu Festen Gerichte aus seinem Restaurant, die er selbst kocht das gefällt allen, und Marlene muss nicht den ganzen Tag kochen, obwohl sie selbst ein paar Spezialitäten hat.
Der Geburtstag wurde ein richtig gemütlicher Abend. Gerd und Vera, Anneliese und Veit haben sich bestens verstanden. Veit unterstützte das Kartenspiel, und alle spielten mit viel Spaß um die Plätze. Später zeigte Veit ein paar Kartentricks.
Dann spielte Tobi Gitarre, und man erinnerte sich nostalgisch an Lieder von Antonov und an die Jugendzeit. Der Altersunterschied war jetzt kaum noch spürbar, alle waren fast gleich alt.
Beim Abschied spazierten Marlene und Tobi durch die beleuchteten, schneebedeckten Straßen, die in bunten Lichtern glitzerten.
War das nicht super, hast du dir Sorgen gemacht?, kuschelte sich Marlene an Klaus, als sie nach Hause gingen.
Im Februar, wie vereinbart, kamen Anneliese und Veit zu Marlenes eigenem Geburtstag. Und wieder war es lustig, nie langweilig und ganz herzerwärmend.
Wir fahren bald zu Anneliese und Veit, die sagen, die Anreise ist bequem, und Anneliese hat bald Geburtstag, meinte Marlene Ende März.
Sie freute sich, dass ihr Tobi nun eine nahe Verwandte hatte, mit der sie gern Zeit verbrachten.
Klaus reagierte darauf etwas eigenartig:
Vielleicht fahren wir, wenn sie uns einladen
Was meinst du?, fragte Marlene verwirrt. Du hast doch gehört, dass Anneliese immer sagt, sie freut sich auf uns!
Ich habe das gehört und ein bisschen darüber nachgedacht, mal sehen, ob sich etwas geändert hat, grinste Klaus geheimnisvoll und sagte nichts weiter.
Eine Einladung zu Annelieses Geburtstag kam nie Marlene wunderte sich, obwohl sie immer so viel Spaß zusammen hatten. Vielleicht war etwas passiert, sie war krank oder brauchte Hilfe?
Als Marlene und Klaus Anneliese zum Geburtstag gratulierten, freute sie sich sehr:
Oh, vielen Dank, eure Glückwünsche bedeuten mir viel!
Nimm das Geschenk, wie du es wolltest Geld, sagte Marlene fröhlich und übermittelte das Geld an Anneliese.
Sie hatten über Geschenke gesprochen, Anneliese wusste nicht, was sie Marlene schenken sollte. Marlene hatte sich Kosmetik gekauft, und Anneliese schlug vor, das Geld zu nehmen, als wäre es ihr Geschenk.
Also schickte Marlene ihr denselben Betrag und sprach weiter:
Anneliese, wir wünschen dir Gesundheit, viel Positives, Wohlstand und Glück.
Marlene hoffte insgeheim, dass Anneliese sie irgendwann einladen würde, vielleicht zu einem anderen Anlass.
Anneliese antwortete lachend:
Danke, das ist lieb! Eine Freundin kommt bald zu Besuch, wir feiern, wie immer, tschüss, Marlene!
Tobi sah Marlenes verwirrtes Gesicht und lachte:
Ich glaube, ich erinnere mich, warum mein Vater kaum Kontakt zu seiner Schwester hatte das lag bei Annelieses Mutter. Sie lud nie jemanden ein, sagte nur: Wer mich beglückigen will, kann ohne Einladung kommen.
Wie ohne Einladung, wenn das Haus leer ist?, wundert sich Marlene.
Genau so. Sie wollte, dass Leute einfach kommen, wenn sie sie besuchen wollten kein großes Aufsetzen, kein Essen, nur ein Glas Wein und ein bisschen Plausch. Im Ausland machen die das kaum, hier gibts einfach Kekse, Käse und eine Flasche Wein.
Echt? Ich dachte, Anneliese hat unser Fest gemocht, keiner hat zu viel gegessen, es war fröhlich nach unseren Traditionen, staunte Marlene noch mehr.
Jeder entscheidet, ob er Gäste ruft oder nur zu anderen geht. In deren Familie geht man lieber zu anderen, das habe ich jetzt wieder im Gedächtnis, kicherte Tobi.
Erzählst du mir noch von der Wohnung der Großmutter?, fragte Marlene und erinnerte sich an Annelieses erste Reaktion.
Ja, wir hatten in München eine Bleibe, und als die Oma die Wohnung verteilte, meinte mein Vater, die Schwester bräuchte sie mehr. Das war lange her, das Haus war alt, da gab es nichts zu teilen, erklärte Tobi.
Vielleicht fürchtet sich Anneliese, dass du deine ganze Wohnung haben willst?, fragte Marlene.
Nein, das ist nicht der Fall, es ist schon lange her, mach dir keine Sorgen, das sind nur Menschen, die ich kannte, aber vergessen habe, zuckte Tobi schuldbewusst die Schultern.
Anneliese und Veit kommen immer wieder gern zu uns, das freut Marlene. Sie ist die einzige Schwester von Klaus, er hat keine andere. Sie ist freundlich, lächelt viel und ist angenehm im Umgang das NichtEinladen ist wohl einfach ihre Erziehung.
Vielleicht begreift Anneliese irgendwann, dass Nahestehende nie gern ungebetene Gäste sind





