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Mama, im Ernst? flüsterte Lukas, als er das Haus seiner Eltern betrat, doch Vater war nirgends zu sehen. Die Mutter, Heike, setzte ihn sofort an den Küchentisch und bot heißes Roggenbrot mit Butter an sie wusste, dass ihr Sohn keinen Bock auf Aufwändige Küche hat.
Lena, Heikes Tochter, war sportlich wie ein Turnschuh, das Haus war stets gefüllt mit knackigem Gemüse und frischen Äpfeln. Fleisch und Fisch wurden lieber gekocht als angebraten, und Wurst und andere Ungesunde blieb außen vor Lena hatte das fast allen Familienmitgliedern beigebracht. Lukas, groß und schlank, vergaß nie, dass ihm jede Kalorie wie Dampf durch die Finger glitt. Früher spielte er Basketball, heute nach der Arbeit noch manchmal ein paar Körbe mit Freunden. Die Familie war sportlich, und wenn eines Tages Kinder kamen, wollten Lukas und Lena sie genauso an gesunde Ernährung gewöhnen.
Doch sobald Lukas bei den Eltern war, konnte er dem Essen aus Kindertagen nicht widerstehen. Heike selbst liebte ab und zu die luftigen Pfannkuchen mit Putenhackfleisch, die ihr Schwiegervater gelegentlich zubereitete, oder die Mohngebäckstücke, die sie heimlich aus der Vorratskammer stibitzte. Und die warmen Brote mit Schmelzkäse obenauf ein unwiderstehlicher Lockruf, wenn man hungrig ist.
An diesem Abend rannte Lukas, nach einem langen Arbeitstag, ins Haus, weil er seinem Vater etwas versprochen hatte zu bringen. Der Vater war noch nicht zurück, und Lukas wollte nicht einfach das Versprochene im Raum liegen lassen.
Lukas, hast du Hunger? Das Abendessen ist noch nicht fertig, willst du ein heißes Brot? rief Heike aus der Küche. Und Lukas, unfähig zu widersprechen, griff zu. Er aß mit großem Appetit, trank süßen, kindlichen Tee und erzählte seiner Mutter, was bei der Arbeit geschehen war, während sie aufmerksam lauschte.
Dann fragte er vorsichtig nach dem Befinden seiner Eltern, fast nur aus Formalität, denn er dachte, sie würden sagen: Ach, bei uns läuft alles wie geschmiert. Doch Heike erwiderte ganz beiläufig:
Dein Vater und ich wir haben beschlossen, uns zu trennen.
Lukas stieß fast das Brot aus Versehen zurück in den Mund.
Was? Ihr macht Witze? Ihr seid doch die besten Eltern alle meine Freunde beneiden mich um euch! Das kann doch nicht wahr sein!
Er versuchte, Heike zum Lachen zu bringen, damit sie die Bemerkung als Scherz abtun könnte. Stattdessen lächelte sie gelassen:
Warum bist du überrascht? Du hast doch immer gesagt, ich hätte deinen Vater mit meiner Liebe überschüttet, und er hat es dir immer verziehen, bis er schließlich zu einem kleinen Tyrannen wurde.
Aber Mama, das war doch immer nur ein gegenseitiges Necken, ihr habt euch doch geliebt! Der Vater liebt dich doch, das sieht man doch! Sag doch, das ist nur ein Scherz, er hat bestimmt nicht absichtlich
Ich will dir nicht erzählen, was er mir gesagt hat. Dieter ist ein guter Vater, und ich will ihn nicht in deinem Bild verunglimpfen, aber das ist unsere gemeinsame Entscheidung. Heike blickte traurig aus dem Fenster, und Lukas spürte, wie die Kehle trocken wurde.
Kann ich mit ihm reden? Er kommt bald? fragte Lukas.
Ruf ihn selbst an, wir reden kaum noch. Er kommt spät nach Hause, ich weiß gar nicht, was ihm durch den Kopf geht.
Der Appetit verließ Lukas, ebenso das heimelige Gefühl des Elternhauses.
Und was ist mit den Enkeln? Früher hat Papa immer gesagt, wir würden Enkelkinder haben, das wäre doch unser zweites Lebenskapitel! Lukas konnte die Nachricht nicht verarbeiten.
Er dachte, wenn die Eltern wenigstens unglücklich wären, das wäre nicht so überraschend. Doch sie waren immer ein Team, ihr Haus war für Lukas nicht nur ein Dach, sondern ein ganzes Universum, das plötzlich zu zerbrechen drohte.
Er wählte die Nummer seines Vaters:
Papa, ich habe das Geld für den Fernseher mitgebracht, soll ich den Techniker rufen? Du hattest doch einen Bekannten. Wann soll ich kommen? Du kommst bald? Nein? Dann rufe ich den Techniker und wir reden später.
Er legte auf, zog sich an, doch das Gespräch blieb schwer im Magen. Heike meinte nur:
Zieh deine Jacke gut zu, sonst wird dir das Wetter die Kehle trocken. Ich will das jetzt nicht diskutieren, sonst bribe ich dich.
Lukas dachte: Vielleicht ist noch nicht alles verloren, wenn er weint. Und er verließ das Haus, während er über das Schicksal nachdachte. Auf dem Weg nach Hause überlegte er, wie er die Eltern wieder zusammenbringen könnte. Plötzlich hatte er eine Idee, die so verrückt war wie ein Traum, und dachte: Wenn das nicht hilft, dann… Was auch immer passiert, das wird schon sein.
Am Tag der Reparatur tauchte plötzlich ihr alter Studienfreund Misha auf, verkleidet als Fernsehtechniker. Die Türklingel läutete, Dieter öffnete, und Misha trat ein. Während die Männer sich begrüßten, ertönte ein schrilles Gelächter aus dem Flur, und Heike sprang neugierig hinterher:
Misha, das ist ja ein alter Hut! Kramst du wieder Fernseher aus? Wir haben uns seit zwanzig Jahren nicht gesehen!
Misha grinste, kaum zu erkennen, welche roten Locken ihm einst wuchsen, und rief: Heike, du bist immer noch die schönste Dame, an die ich mich erinnere! Wir haben doch damals mit Verena immer zusammen abgehängt!
Verena, die ebenfalls da war, rief: Misha, wo sind deine roten Haare hin? Und du, Heike, bist immer noch dieselbe coole Frau!
Sie plauderten lange, lachten, riefen sich alte Spitznamen zu, und plötzlich kam Verena mit einem Telefonanruf, weil ihr Mann, Dieter, sich nicht wohl fühlte. Misha umarmte sie, rief Verena zu ihrem Mann und sagte: Schau mal, wen ich hier treffe das ist ja Dieter und Heike!
Verena war erst erschrocken, dachte, Misha sei krank, doch dann erinnerte sie sich an die Studentenzeit, und ein Lächeln breitete sich aus. Sie redeten über alte Skizzen, über das heimliche Platzieren von Schaufeln in Stiefeln und darüber, wie Dieter einst Heike beschützte, während er nachts als Lagerarbeiter arbeitete, um ihr Parfüm zu kaufen.
So rettete Lukas seine Eltern: Das Wiedersehen mit alten Freunden ließ das Thema Scheidung in den Hintergrund rücken. Jetzt planten sie wieder gemeinsam Zukunft.
Einige Zeit später fragte Heike leise Lukas:
Hast du mich absichtlich Misha gerufen, damit er als Fernsehtechniker auftaucht?
Lukas nickte nur. Statt der Trennung entschieden sich Heike und Dieter, zusammen mit Misha und Verena, in Wohnwagen zu packen und zum See zu fahren, wo sie früher als junge Leute gezeltet hatten. Dieter packte Schlafsäcke und die Gitarre, Misha brachte Angelruten und versprach eine riesige Fischsuppe, Heike und Verena organisierten das Essen: Kohlrouladen, Grillfleisch, Fisch am Spieß und Waldbeeren-Mors.
Darf ich mit Lena am Wochenende mitkommen? fragte Lukas, ohne zu warten, dass Heike antwortete. Lena will das Studentenleben spüren, die Geschichten von den Bauzünften hören. Wenn Misha erzählt, ist das besser als jede ComedyShow, so romantisch wie nie zuvor!
Heike verstand sofort, warum Misha plötzlich wieder da war er war kein echter Techniker, aber das Reparieren des Fernsehers war nur Vorwand, um alte Freundschaften zu beleben. Das eigentliche Wunder war das Wiederaufleben des Gefühls, das Misha, Verena und die gemeinsamen Erinnerungen zurückbrachten.
Heike umarmte ihren Sohn, ohne weitere Fragen:
Danke, Lukas, dass du uns davon abgehalten hast, diesen dummen Schritt zu gehen. Es wäre das Schlimmste gewesen.
Manchmal scheint die Liebe zu ermüden, fast zu sterben, aber sie taucht wieder auf, wenn alte Träume in den Himmel fliegen, wenn Ärger und Zwist sich sammeln und doch die Engel im Innern weiterleben. Denk an die Zeiten zurück, an das Funkeln der Augen, an das zufällige Berühren von Seelen, an die wilde Angst, alles zu verlieren. Wenn das Herz wieder schlägt, kehrt die Liebe zurück.
Ich wünsche allen gegenseitiges Verständnis, Weisheit, Liebe und ein glückliches Leben.




