Ein neues Zuhause ohne Schwiegermutter und Schwiegertochter: Eine spannende Geschichte über Unabhängigkeit und Familie

Das hast du doch nur angeordnet, schreit die Mutter, während sie mit dem Finger die Schwiegertochter anklagt. Früher hast du nie Geld für mich und für Liese gespart!

Pascal runzelt die Stirn.
Mama, gib mir mein Geld zurück! Ich habe dir nie erlaubt, es zu nehmen!

Liese wird ohne Urlaub auskommen, die dreihunderttausend Euro für den Umbau sollen trotzdem fließen.
Andernfalls rufe ich die Polizei!

Die Mutter fasst sich an die Brust und sinkt auf den Stuhl.

Jana ist wahrscheinlich das zehnte Mal, dass sie die Klebekenntnisrolle über die Kartonwand streicht, den Atem anhält und die lockere Strähne aus der Stirn streicht.

Die neue Wohnung in Berlin stinkt erbärmlich nach feuchtem Putzmittel, obwohl die Vorbesitzer nie einen Hund besessen haben.

Pascal, wo bist du?, ruft sie den Flur hinauf. Die Umzugsleute kommen in einer halben Stunde, wir müssen noch die Küchenschränke auspacken.

Pascal betritt das Zimmer, wischt die Hände an der Jeans ab.

Alles ist drinnen. Weißt du, Jana, ich dachte gerade

Vielleicht lassen wir die Küche heute liegen? Bestellen wir Pizza, öffnen eine Flasche Riesling? Ich habe keine Kraft mehr.

Jana wirft einen Blick über die Berge von Kartons.

Pizza klingt gut, aber wir haben keine Bettwäsche. Die Bettwäsche liegt irgendwo zwischen diesen Pyramiden. Und übrigens, du musst noch zu deinen Eltern.

Pascal spannt sich leicht an.

Morgen? Es ist schon spät.

Pascal, das ist unser Geld und der Familiering! Morgen müssen wir die Handwerker empfangen und die Anzahlung für das Bad leisten. Wie zahlen wir das?

Seit einer Woche herrscht das ganze Chaos des Umzugs, Jana besteht darauf, alles Wertvolle zu transportieren. Zu viele fremde Leute würden sonst in der Wohnung herumstapeln. Sie hat ihren Eltern die Akten, ihren Schmuck und das Sparschwein in Fremdwährung gebracht. Die Eltern haben es im Safe verstaut, ohne Fragen zu stellen.

Mit Pascals Eltern ist es schwieriger.

Warum immer nur Schwiegermutter und Schwiegervater? knistert Jana innerlich. Sind wir etwa Fremde? Vertraut ihr uns nicht?

Olga Dimitrijewna nimmt Verletzungen so ernst, dass sogar die Katze das Schuldgefühl zu spüren scheint. Sie presst die Lippen, trinkt ein Gläschen Krampflöser und fasst sich dramatisch ans Herz.

Pascal, ein sanfter Typ, gibt schnell nach.

Jana, meine Mutter ist sauer. Geben wir ihr doch einen Teil zurück meine Uhr, das goldene Armband und das Geld, das wir für den Umbau zurückgelegt haben. Was macht das schon für einen Unterschied, wo das liegt?

Jana wirft die Hand weg. Sie holen den SafeBeutel mit dem Geld.

Dreihunderttausend Euro, das ist alles, was sie für den Renovierungsstart zusammengekratzt haben, und eine Schmuckschatulle mit dem Gold des Mannes darunter ein schwerer Siegelring mit dunklem Rubin, ein Erbstück von Pascals Großvater. Pascal trägt ihn nie, er bewahrt ihn als Erinnerung an den früh verstorbenen Vater. Jetzt muss er ihn zurückholen.

In Ordnung, nickt Pascal. Ich rufe meine Mutter an und sage, dass wir gleich kommen.

***

Die Schwiegermutter öffnet die Tür.

Ach, ihr Umzugsleute!, schreit Olga Dimitrijewna, breitet die Arme aus, aber umarmt nicht, nur ein Küsschen in die Luft zu Pascals Sohn. Habt ihr Hunger? Ich habe Zander gebraten.

Mama, wir sind nur für eine Minute, stolpert Pascal am Eingang, die Turnschuhe noch an, wir müssen bis zum Abend noch Sachen auspacken. Wir holen den Beutel.

Aus der Tiefe der Wohnung schleicht Liane, Pascals Schwester, in flauschigen Hausschuhen. Sie ist vier Jahre älter, benimmt sich aber, als wäre sie immer noch fünfzehn.

Hallöchen!, winkt sie lässig mit perfektem Nagellack. Schon eingezogen? Wann ist die Einweihung?

Jana lächelt verkrampft:

Hi, Liane. Wir sind gerade wegen des Geldes hier.

Olga Dimitrijewna richtet hektisch ihren Kittel und geht seitwärts in die Küche.

Kommt doch rein, trinkt einen Tee. Man kann nicht einfach vorbei gehen und sofort wieder weg.

Mama, wirklich keine Zeit, fleht Pascal. Gib uns den Beutel, wir laufen.

Olga seufzt und verschwindet ins Schlafzimmer.

Sie kommt schnell zurück, eine Schatulle in der Hand Pascals Schatulle. Und das wars. Pascal nimmt sie, öffnet sie.

Und die Uhr? fragt er, die Stirn gerunzelt. Und das Armband? Und der Umschlag?

In der Schatulle liegen nur ein Paar Manschettenknöpfe und eine Kette, die er früher getragen hat.

Olga hält die Hände ans Herz.

Ach, Pascelchen mach dir keine Sorgen. Uhr und Armband habe ich in den Schrank gelegt, hole ich gleich.

Und der Rest?

Komm, wir gehen in die Küche, sonst reden wir ja hier wie Fremde im Flur.

Jana spürt einen Schauer über den Rücken. Sie wirft einen Blick zum Mann. Pascals Gesicht wirkt wie das eines Kindes, dem das Eis weggeschnappt wurde.

Sie gehen in die Küche.

Setzt euch, befiehlt die Schwiegermutter und lässt sich in einen Stuhl fallen. Pascal, du weißt doch, dass Liese gerade eine schwere Phase durchmacht Stress, Erschöpfung Sie braucht eine Auszeit.

Mama, was soll das? Und wo ist das Geld?

Unterbrich mich nicht! Liese und Igor planen eine Kreuzfahrt im Mittelmeer, ihr Traum! Igor hat im Geschäft gerade finanzielle Engpässe Umlaufmittel und so. Das Geld kann jetzt nicht weg.

Jana sitzt langsam auf einem Hocker.

Olga Dimitrijewna, beginnt sie leise, sagen Sie bitte, dass Sie unser Geld Liese gegeben haben? Für die Kreuzfahrt?

Na, warum so grob sagen gegeben? knurrt die Schwiegermutter. Wir haben nur geliehen! Sobald Igor wieder läuft, geben sie alles zurück.

Vielleicht in einem halben Jahr, vielleicht in einem Jahr. Ihr sagt, ihr verdient ja bald genug. Liese braucht jetzt das Geld, ihre Nerven sind am Ende!

Nerven? blickt Pascal seine Schwester an. Liane, bist du ernsthaft? Du hast mein Geld genommen? Dreihunderttausend Euro?

Wir müssen morgen die Handwerker bezahlen! Wir leben jetzt in einer Betonhütte?

Liane legt die Gabel beiseite und rollt mit den Augen.

Pascal, hör doch nicht so kindisch. Mein, dein wir sind doch Familie!

Habt ihr eine Wohnung? Ja, Wände. Ihr schlaft auf einer Matratze, Romantik!

Und das Ticket war ein Schnäppchen! Wer will das verpassen?

Jana mischt ein:

Liane, dein Mann verdient das Dreifache von dir, sagt sie, wenn er kein Geld für die Kreuzfahrt hat, dann fahrt ihr ja nicht.

Gib das Geld zurück, sofort!

Ich habe es gerade nicht! Alles bezahlt Tickets, Kabine, Ausflüge. In einer Woche legen wir ab.

Dann storniere es!, knurrt Pascal.

Jana sieht zum ersten Mal ihren Mann so rot werden.

Gib die Tickets zurück, gib das Geld zurück. Mama, was hast du dir nur gedacht? Das ist nicht dein Geld! Ich habe es dir nur zur Verwahrung gegeben!

Olga Dimitrijewna wirft die Hände in die Luft, Tränen sprudeln.

Dankbarkeit! Ich habe ihn großgezogen, schlaflose Nächte gehabt, und er spricht jetzt über mich! Wir haben doch alles Auto, Wohnung, Leben im Luxus.

Und Liese?

Liese lebt in einem Reihenhaus und fährt Audi.

Macht ihr euch über uns lustig?

Zähle das nicht als dein Geld, Jana, zischt die Schwiegermutter. Das ist unhöflich.

Pascal steht auf.

Wir klären das später, ich rufe Igor an, er erklärt mir die Umlaufmittel.

Mama, bring die Uhr und das Armband und den Omasring. Wir gehen.

Olga flitzt in die Küche, kommt nach einer Minute zurück und legt Uhr und goldenes Armband auf den Tisch.

Und der Ring? fragt Pascal.

Pascal, stottert die Schwiegermutter, der Ring ist alt, nicht modern, ein Männerring, krumm und nutzlos.

Wo ist er?

Was soll das!, schreit plötzlich Liane. Sie streckt die Hand aus, richtet ihr Haar, und Jana sieht am mittleren Finger von Liane sitzt genau jener alte Omasring mit Rubin.

Pascal folgt ihrem Blick, wird blass.

Nimm ihn ab, flüstert er.

Warum?, zeigt Liane stolz die Finger, bewundert den Stein. Sieht vintage aus! Das ist gerade in Mode, Oversize, maskuliner Stil.

Du hast den Ring umgestaltet? Das ist der Ring meiner Großmutter, meines Vaters, Liane! Dein Vater ist Onkel Gerd. Was hast du mit dem zu tun?

Olga Dimitrijewna schreit: Jetzt wird wieder zwischen uns und denen unterschieden! Pascal, schäm dich! Ihr seid doch alle aus ein und demselben Holz!

Es ist doch egal, von welchem Opa er kommt, er liegt nur verstaubt da.

Liane meint, Schmuck sei für Frauen, nicht für Männer.

Das ist Erinnerung, protestiert Pascal. Das Einzige, was ich von meinem Vater habe, sind diese Fotos.

Erinnerung? Das ist nur Altzeug! Ich schmelze es später, mache ein neues Design.

Im Küchenzimmer herrscht ein klingelndes Schweigen. Jana sieht die beiden Frauen an und begreift, dass sie nicht nur Schauspielern, sondern wirklich nicht verstehen. Für sie ist Pascal nur ein Mittel, seine Gefühle, seine Erinnerungen und seine Grenzen sind bedeutungslos.

Jana erhebt sich, geht dicht an Liane heran.

Nimm den Ring ab, sagt sie ruhig.

Und warum?, lacht Liane. Willst du kämpfen? Ach, Jana, du bist doch voll das Gerede.

Nimm ihn ab, wiederholt Pascal. Oder ich rufe die Polizei und erstelle Anzeige wegen Diebstahls. Das mache ich.

Liane schnauft, doch Angst blitzt in ihren Augen. Sie rückt den Ring mit einem Knirschen von ihrem Finger, kratzt sich dabei die Haut und wirft ihn auf den Tisch.

Verdammt noch mal! Du Miststück! Ich hätte deiner Schwester das Stück lieber gelassen!

Und das Geld, sagt Pascal und drückt den Ring fest in die Hand. Morgen Abend sollen die dreihunderttausend Euro wieder auf meinem Konto sein.

Falls nicht, rufe ich Igor an und erzähle ihm, wie seine Frau die Verwandten bestiehlt und das mit angeblichen Umlaufmitteln deckt.

Du wagst es nicht!, kreischt Liane. Du zerstörst die Familie! Mama, sag es ihm!

Olga Dimitrijewna fällt auf den Stuhl, bricht in lautes Schluchzen aus:

Ach, welch ein Unglück! Der Sohn wurde ausgetauscht! Das war deine List, du Schlange! Noch bevor er heiratete, war er ein Goldjunge, alles für die Familie, jetzt für einen Pfennig!

Geh raus! Raus aus meinem Haus! Nie wieder hier!

Pascal nimmt Jana bei der Hand.

Komm, Jana, wir haben hier nichts mehr zu suchen.

Die Uhr, erinnert sich Jana.

Pascal schnappt die Uhr und das Armband vom Tisch, steckt beides in die Tasche.

Auf Wiedersehen, sagt er, ohne sich umzudrehen.

Sie fahren schweigend nach Hause. Jana sieht ihrem Mann traurig nach er hält die Tränen zurück, ein erwachsener Mann, der von den engsten Menschen verraten wurde.

Der Umzug wird endlich fertig, das neue Zuhause wird bald eingeweiht ohne Schwiegermutter und ohne Schwägerin.

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Homy
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