„Lasst sie hier, soll sie doch selbst sterben!“ – sagten sie, als sie die alte Dame in den Schnee warfen. Doch die Schurken ahnten nicht, dass das Schicksal wie ein Bumerang zurückkehrt. Valentina Petraitė ging Richtung Hauseingang. Die Seniorinnen auf der Bank diskutierten gerade über das teure Auto, das vor Kurzem vor dem Haus geparkt wurde. „Wem gehört das Auto?“ fragte Valentina. „Keine Ahnung“, entgegnete eine der Damen. „Wahrscheinlich gehört es Maria. Zu uns alten Leuten kommen solche schicken Wagen nicht.“ „Zu uns kommen höchstens Krankenwagen!“ fügte eine andere lachend hinzu. Die Nachbarinnen unterhielten sich noch ein wenig über Politik und die neuesten Gerüchte. Da kam Maria aus dem Haus – zu der offenbar das Auto gehörte. Sie kümmerte sich nicht weiter um die Nachbarinnen, ignorierte das auf dem Rasen geparkte Auto und ging ihrer Wege. Valentina Petraitė eilte nach Hause. „Valentina Petraitė?“ sprach sie ein Mann im Treppenhaus an. „Erkennen Sie mich wieder? Wir haben vor ein paar Tagen miteinander gesprochen. Ich bin Ihr Verwandter.“ „Oh, Arunas!“ rief Valentina erfreut. „Warum hast du nicht bescheid gesagt, dass du kommst? Gehört dir der Wagen, der auf dem Rasen steht?“ „Ja, das ist meiner.“ „Dann geh schnell und stell ihn um, bevor noch jemand die Polizei ruft! Wie kannst du nur auf meine Blumen parken?“ Arunas ging schnell nach draußen, während Valentina Tee kochte. Sie musste bald ihre Wohnung verkaufen, der kaputte Rasen sollte aber nicht das letzte sein, was die Nachbarn von ihr sahen. Vor einiger Zeit besuchte ihr Onkel sie noch mit seinem Sohn, doch danach riss der Kontakt ab. Nun tauchte der Jüngere plötzlich wieder auf! Doch irgendetwas an Arunas machte Valentina misstrauisch. Er rauchte viel, war zwar noch jung, hatte aber gelbe Zähne. Immerhin war er da. Sie wollte keinen Makler für den Wohnungsverkauf engagieren, lieber dem Neffen was zahlen. Aber Arunas lehnte Geld ab. Valentina war im Alter allein, ohne Mann und Kinder. Sie wollte aufs Land ziehen – frische Luft statt jahrelang vierter Stock. Im Dorf gab es einen kleinen Garten. Solange sie noch konnte, wollte Valentina Gemüse anpflanzen. Im Herbst meldete sich ein Käufer für die Wohnung. „Morgen ist schon Winter. Lass uns den Verkauf lieber im Frühjahr machen“, entschied Valentina. „Aber dann steigen die Preise! Und jetzt gibt es schon einen Käufer … was, wenn er abspringt?“ entgegnete der Neffe. „Aber du hast noch kein Haus für mich gefunden! Wo soll ich denn wohnen? Finde erst ein Haus, dann verkaufe ich die Wohnung“, seufzte Valentina. Arunas stimmte zu. Bald hatte er Hausangebote. Sie fuhren zusammen hinaus aufs Land, alles hätte renoviert werden müssen – aber Geld vom Wohnungsverkauf hätte für Kauf und Renovierung gereicht. Arunas kannte sich mit Bauarbeiten aus und konnte seiner Tante abschätzen, was Material und Handwerker kosten würden. Er versprach zu helfen. Doch die Seniorin zauderte: „Jetzt ist es draußen bitterkalt … ich möchte einfach einziehen können, nicht selbst renovieren.“ „Ich helfe dir doch!“, erwiderte Arunas. Valentina wurde zunehmend unwohl bei dem Gedanken, wie schnell Arunas Wohnung und irgendein Haus finden wollte. Sie glaubte aber, Arunas habe daraus keinen Vorteil, und war dankbar, dass er überhaupt half. Der Kauf wurde terminiert. Käufer und Notar kamen pünktlich. Arunas kochte Tee, Valentina wurde sentimental: das war ihre Wohnung, ihr Leben lang. Aber nun war alles gepackt, die Formalitäten liefen. „So, dann können wir direkt ins neue Haus!“, sagte Arunas nach der Unterschrift. „Was, jetzt sofort? Ich habe doch noch nicht mal die Sachen aus der Schublade gepackt!“, protestierte Valentina, aber Arunas bestand darauf, sie müsse noch heute ausziehen – der Käufer hätte keine Bleibe! „Na gut, heute ist heute“, lenkte Valentina ein. Im Umzugswagen schlief die Seniorin bald ein. Als sie zwischendurch zu sich kam, sah sie den Weg am Fenster vorbeiziehen, hörte die Männer reden. „Können Sie mich hören?“, hörte sie Arunas’ Stimme wie aus weiter Ferne und hatte keine Kraft zu antworten. „Lassen wir sie einfach hier“, hörte sie, als sie wieder zu sich kam, alles wie im Nebel. Sie wurde in eine Schneewehe gelegt. „Sie stirbt sowieso“, ergänzte Arunas. Die Seniorin ahnte, dass der Neffe sie hereingelegt hatte. Wahrscheinlich war etwas im Tee gewesen, um sie müde zu machen und schneller zu unterschreiben. Sie schloss die Augen und bereitete sich innerlich auf das Ende vor. Doch eine junge Frau hatte alles vom Auto aus beobachtet. Zunächst dachte sie, der Fahrer brauche Hilfe, dann sah sie, wie die Männer etwas aus dem Kofferraum in Richtung Wald trugen – bei heftigem Schneefall. Die junge Frau notierte sich das Kennzeichen und wartete ab. Als die Männer weg waren, eilte sie zur Stelle, entdeckte die bewusstlose Seniorin, prüfte den Puls: lebendig! Schnell rief sie ihren Mann, gemeinsam brachten sie Valentina in Sicherheit. Im Auto kam Valentina wieder zu sich. „Wo bin ich?“ „Wir haben Sie gefunden“, sagte Irena. „Wissen Sie, wie Sie in den Schnee kamen?“ „Ja. Ich war mit meinem Neffen beim Wohnungsverkauf. Dann tranken wir Tee … Arunas mischte wohl etwas hinein. Dann sind wir ins Dorf gefahren, da warf er mich in den Schnee. Mein eigener Verwandter!“ „Ich gebe Ihnen erst mal eine Heilcreme“, bot Irena an. „Mit Ihnen ist mir wieder warm ums Herz“, lächelte Valentina. „Sonst wäre ich jetzt verloren.“ Irenas Familie und Valentina erstatteten Anzeige bei der Polizei. Die Sache wurde untersucht. Irena bot Valentina an, erst mal bei ihnen zu wohnen, bis alles geklärt war: ein Dach über dem Kopf braucht man immer. Nach einigen Wochen bekam Valentina ihre Wohnung zurück. Arunas und seinen Komplizen verurteilte das Gericht wegen Betrugs. Im Frühjahr, wie sie es ursprünglich wollte, verkaufte Valentina die Wohnung und kaufte ein kleines Häuschen auf dem Land – ganz ohne Renovierungsbedarf. Voller Freude widmete sie sich nun ihrer neuen Gartenarbeit. Im Sommer lud sie Irena und deren Mann als Dankeschön ein. Die Seniorin vergaß nie die Güte dieser Familie.

Lassen wir sie hier, sie soll selbst zusehen, wie sie überlebt!, sagten sie, als sie die alte Dame achtlos in den Schnee warfen.
Lasst uns sie hier sterben lassen!, tuschelten sie, während sie die Großmutter in eine Schneeverwehung schubsten. Die Unmenschen ahnten nicht, dass böse Taten wie ein Bumerang zurückkommen.
Helene Schneider ging auf ihren Eingang zu. Die Seniorinnen auf der Bank diskutierten den neuen Wagen, der ganz in der Nähe abgestellt worden war.
Wem gehört der wohl?, fragte Helene.
Keine Ahnung!, erwiderte eine der Damen. Vermutlich gehört der zu Anna. Bei uns Senioren tauchen so teure Autos jedenfalls nicht auf!
Hier kommt höchstens mal der Rettungswagen vorbei!, fügte eine andere lachend hinzu.
Noch eine Weile tauschten sich die Nachbarinnen über die Regierung und den neuesten Klatsch aus. Dann kam tatsächlich Anna aus dem Haus, zu der das schicke Auto gehört haben musste. Anna ging ihrer Wege Nachbarinnen und Auto ignorierend, obwohl letzteres mitten aufs Gras gestellt war. Helene Schneider verabschiedete sich und ging rasch in ihre Wohnung.
Frau Schneider?, sprach sie plötzlich ein Mann im Treppenhaus an. Erinnern Sie sich an mich? Wir haben vor ein paar Tagen telefoniert. Ich bin Ihr Großneffe.
Ach, Sebastian!, rief Helene erfreut, als sie ihn erkannte. Warum hast du dich nicht angekündigt? Ist das deine Karre, die da auf meinem Rasen steht?
Ja, die gehört mir.
Dann beeil dich und stell das Auto um, bevor jemand schimpft! Du kannst doch nicht einfach meine Blumen plattfahren!
Der Großneffe eilte hinaus, während Helene sich daran machte, Tee zu kochen. Sie wollte die Wohnung verkaufen, aber auf keinen Fall den Nachbarn zerstörten Rasen zurücklassen.
Vor einiger Zeit kam noch ihr Onkel mit dessen Sohn vorbei. Doch bald schlief der Kontakt in der Familie ein. Und jetzt war der Junge erwachsen und plötzlich wieder da! Irgendetwas an Sebastian ließ Helene zweifeln. Er rauchte zu viel. Obwohl noch jung, hatte er schon gelbliche Zähne. Aber gut, dass er da war. Helene wollte keinen Immobilienmakler für den Verkauf engagieren besser, sie behielt das Geld in der Familie. Doch Sebastian lehnte jede Bezahlung ab.
Helene war im Alter allein geblieben ohne Mann, ohne Kinder. Sie sehnte sich nach einem ruhigeren Leben auf dem Land. Die frische Luft und der Garten lockten sie mehr als das ewige Treppensteigen im vierten Stock. Sie träumte davon, selbst Gemüse anzubauen. Im Herbst fand sich ein Käufer für ihre Wohnung.
Noch ist Winter. Lass uns doch erst im Frühjahr verkaufen, schlug Helene schließlich vor und vertagte den Hauskauf.
Aber die Häuser werden im Frühling teurer!, wandte Sebastian ein. Im Winter kann man außerdem gleich testen, wie gut das Haus zu heizen ist. Der Käufer ist schon da wer weiß, ob er im Frühling noch will?
Aber wir haben noch kein Haus ausgesucht! Wo soll ich denn wohnen? Erst suchen, dann verkaufen, seufzte Helene.
Sebastian willigte ein.
Schon kurz darauf hatte er einige passende Häuser gefunden. Gemeinsam fuhren sie ins Umland, um sie sich anzusehen. Doch alle Häuser brauchten eine Renovierung. Zum Glück würde das Geld aus der Wohnungsverkauf locker für Haus und Reparaturen reichen.
Sebastian kannte sich mit Bau aus und konnte seiner Großtante genau sagen, was Material und Handwerker kosten würden. Er versprach ihr zu helfen.
Helene nagte der Gedanke:
Der Winter steht vor der Tür. Ich will nicht monatelang eine Baustelle bewohnen! Ich will einfach einziehen und normal leben.
Ich helfe Ihnen doch!, sagte der junge Mann zuversichtlich.
Helene war es nicht wohl, dass Sebastian den Verkauf und den Hauskauf unbedingt durchziehen wollte, selbst wenn das nächste Haus nicht perfekt war. Andererseits, gewann er keinen Vorteil daraus. Sie war dankbar, dass er sich überhaupt um die Sache kümmerte.
Schließlich entschied sich Helene für ein kleines Haus, und der Termin für den Vertrag wurde festgelegt.
Käufer und Notar trafen pünktlich ein. Sebastian kochte Tee für alle. Es stimmte Helene traurig, ihre Wohnung aufzugeben. So viele Jahre hatte sie hier verbracht. Aber der Entschluss stand: Die Kisten waren gepackt, der Vertrag wurde unterschrieben.
Nun können wir ins neue Haus!, sagte Sebastian, als alles erledigt war.
Jetzt gleich? Aber ich muss doch noch das Geschirr aus dem Buffet packen!, wandte Helene ein, doch Sebastian drängte, noch heute umzuziehen. Der Käufer hat sonst keine Bleibe für die Nacht!
Na gut, wenn es sein muss. Ich pack schnell das Nötigste, gab Helene nach.
Sie fuhren mit dem Umzugswagen los. Helene wurde plötzlich müde. Kaum dass sie im Wagen saß, schlief sie ein. Nur ab und zu hörte sie, wie die Männer sich unterhielten.
Frau Schneider, können Sie mich hören? irgendwo in der Ferne drang Sebastians Stimme an ihr Ohr. Sie hatte jedoch keine Kraft zu antworten.
Noch einmal kehrte ihr Bewusstsein zurück, gerade als sie hörte:
Lassen wir sie hier. Alles geschah wie im Nebel. Sie spürte, wie sie einfach in eine Schneewehe gelegt wurde.
Sie stirbt schon von selbst, fügte Sebastian hinzu.
Da dämmerte Helene, dass ihr Großneffe sie reingelegt hatte. Wahrscheinlich hatte er ihr etwas in den Tee gemischt, damit sie schläfrig wurde und den Vertrag unterschrieb. Mit geschlossenen Augen war Helene bereit, dem Tod zu begegnen.
Doch zu dieser Zeit war eine junge Frau namens Friederike unterwegs und beobachtete alles. Als sie das am Straßenrand abgestellte Auto bemerkte, hielt sie an, um nach dem Rechten zu sehen. Sie sah, wie die Männer einen schweren Sack in Richtung Wald schleppten, während dichter Schnee fiel. Friederike wunderte sich über so etwa mitten auf der Landstraße schmuggelten sie etwa etwas Verbotenes?
Vorsichtig notierte sie das Kennzeichen. Sobald die Männer wegfuhren, eilte Friederike zu der Stelle, wo sie den Sack abgelegt hatten. Als sie die alte Dame entdeckte, tastete sie nach dem Puls lebendig, aber bewusstlos! Schnell rief sie ihren Mann an. Gemeinsam brachten sie Helene ins Auto. Auf der Fahrt kam Helene wieder zu sich.
Wo bin ich?, fragte sie verwirrt.
Wir haben Sie gefunden, erklärte Friederike. Wissen Sie noch, wie Sie in den Schnee kamen?
Ja, ich erinnere mich. Mein Großneffe wir wollten die Wohnung verkaufen. Dann gab es Tee. Er hat mir offenbar etwas hineingemischt Danach fuhren wir aufs Land, dann haben sie mich im Schnee liegen gelassen. Sie wollten mich loswerden!
Ich kümmere mich um Sie, sagte Friederike und holte eine wärmende Salbe aus der Apotheke.
Mit Ihnen ist mir schon viel wohler, lächelte Helene schwach. Sonst wäre ich einfach verschwunden.
Danach wandte sich die Familie von Friederike, zusammen mit Helene, an die Polizei. Eine Untersuchung wegen Betrugs wurde eingeleitet.
Friederike bot Helene an, vorübergehend bei ihr und ihrem Mann zu wohnen immerhin braucht jeder ein Dach über dem Kopf.
Einige Wochen später bekam Helene ihre Wohnung zurück. Sebastian und sein Komplize landeten wegen Betrugs im Gefängnis. Pünktlich zum Frühjahr, wie sie es sich gewünscht hatte, verkaufte Helene die Wohnung und kaufte sich ein kleines Haus auf dem Land renoviert und bezugsfertig. Im Sommer lud sie Friederike und ihren Mann ein, um sich für die Rettung zu bedanken. Helene vergaß die Güte dieser Familie nie.
Das Leben zeigte ihr: Egal, wie schwer die Zeiten auch sind manchmal kommt Hilfe genau dann, wenn man am wenigsten damit rechnet. Und wirkliche Menschlichkeit erkennt man daran, wie wir mit unseren Schwächsten umgehen.

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Homy
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„Lasst sie hier, soll sie doch selbst sterben!“ – sagten sie, als sie die alte Dame in den Schnee warfen. Doch die Schurken ahnten nicht, dass das Schicksal wie ein Bumerang zurückkehrt. Valentina Petraitė ging Richtung Hauseingang. Die Seniorinnen auf der Bank diskutierten gerade über das teure Auto, das vor Kurzem vor dem Haus geparkt wurde. „Wem gehört das Auto?“ fragte Valentina. „Keine Ahnung“, entgegnete eine der Damen. „Wahrscheinlich gehört es Maria. Zu uns alten Leuten kommen solche schicken Wagen nicht.“ „Zu uns kommen höchstens Krankenwagen!“ fügte eine andere lachend hinzu. Die Nachbarinnen unterhielten sich noch ein wenig über Politik und die neuesten Gerüchte. Da kam Maria aus dem Haus – zu der offenbar das Auto gehörte. Sie kümmerte sich nicht weiter um die Nachbarinnen, ignorierte das auf dem Rasen geparkte Auto und ging ihrer Wege. Valentina Petraitė eilte nach Hause. „Valentina Petraitė?“ sprach sie ein Mann im Treppenhaus an. „Erkennen Sie mich wieder? Wir haben vor ein paar Tagen miteinander gesprochen. Ich bin Ihr Verwandter.“ „Oh, Arunas!“ rief Valentina erfreut. „Warum hast du nicht bescheid gesagt, dass du kommst? Gehört dir der Wagen, der auf dem Rasen steht?“ „Ja, das ist meiner.“ „Dann geh schnell und stell ihn um, bevor noch jemand die Polizei ruft! Wie kannst du nur auf meine Blumen parken?“ Arunas ging schnell nach draußen, während Valentina Tee kochte. Sie musste bald ihre Wohnung verkaufen, der kaputte Rasen sollte aber nicht das letzte sein, was die Nachbarn von ihr sahen. Vor einiger Zeit besuchte ihr Onkel sie noch mit seinem Sohn, doch danach riss der Kontakt ab. Nun tauchte der Jüngere plötzlich wieder auf! Doch irgendetwas an Arunas machte Valentina misstrauisch. Er rauchte viel, war zwar noch jung, hatte aber gelbe Zähne. Immerhin war er da. Sie wollte keinen Makler für den Wohnungsverkauf engagieren, lieber dem Neffen was zahlen. Aber Arunas lehnte Geld ab. Valentina war im Alter allein, ohne Mann und Kinder. Sie wollte aufs Land ziehen – frische Luft statt jahrelang vierter Stock. Im Dorf gab es einen kleinen Garten. Solange sie noch konnte, wollte Valentina Gemüse anpflanzen. Im Herbst meldete sich ein Käufer für die Wohnung. „Morgen ist schon Winter. Lass uns den Verkauf lieber im Frühjahr machen“, entschied Valentina. „Aber dann steigen die Preise! Und jetzt gibt es schon einen Käufer … was, wenn er abspringt?“ entgegnete der Neffe. „Aber du hast noch kein Haus für mich gefunden! Wo soll ich denn wohnen? Finde erst ein Haus, dann verkaufe ich die Wohnung“, seufzte Valentina. Arunas stimmte zu. Bald hatte er Hausangebote. Sie fuhren zusammen hinaus aufs Land, alles hätte renoviert werden müssen – aber Geld vom Wohnungsverkauf hätte für Kauf und Renovierung gereicht. Arunas kannte sich mit Bauarbeiten aus und konnte seiner Tante abschätzen, was Material und Handwerker kosten würden. Er versprach zu helfen. Doch die Seniorin zauderte: „Jetzt ist es draußen bitterkalt … ich möchte einfach einziehen können, nicht selbst renovieren.“ „Ich helfe dir doch!“, erwiderte Arunas. Valentina wurde zunehmend unwohl bei dem Gedanken, wie schnell Arunas Wohnung und irgendein Haus finden wollte. Sie glaubte aber, Arunas habe daraus keinen Vorteil, und war dankbar, dass er überhaupt half. Der Kauf wurde terminiert. Käufer und Notar kamen pünktlich. Arunas kochte Tee, Valentina wurde sentimental: das war ihre Wohnung, ihr Leben lang. Aber nun war alles gepackt, die Formalitäten liefen. „So, dann können wir direkt ins neue Haus!“, sagte Arunas nach der Unterschrift. „Was, jetzt sofort? Ich habe doch noch nicht mal die Sachen aus der Schublade gepackt!“, protestierte Valentina, aber Arunas bestand darauf, sie müsse noch heute ausziehen – der Käufer hätte keine Bleibe! „Na gut, heute ist heute“, lenkte Valentina ein. Im Umzugswagen schlief die Seniorin bald ein. Als sie zwischendurch zu sich kam, sah sie den Weg am Fenster vorbeiziehen, hörte die Männer reden. „Können Sie mich hören?“, hörte sie Arunas’ Stimme wie aus weiter Ferne und hatte keine Kraft zu antworten. „Lassen wir sie einfach hier“, hörte sie, als sie wieder zu sich kam, alles wie im Nebel. Sie wurde in eine Schneewehe gelegt. „Sie stirbt sowieso“, ergänzte Arunas. Die Seniorin ahnte, dass der Neffe sie hereingelegt hatte. Wahrscheinlich war etwas im Tee gewesen, um sie müde zu machen und schneller zu unterschreiben. Sie schloss die Augen und bereitete sich innerlich auf das Ende vor. Doch eine junge Frau hatte alles vom Auto aus beobachtet. Zunächst dachte sie, der Fahrer brauche Hilfe, dann sah sie, wie die Männer etwas aus dem Kofferraum in Richtung Wald trugen – bei heftigem Schneefall. Die junge Frau notierte sich das Kennzeichen und wartete ab. Als die Männer weg waren, eilte sie zur Stelle, entdeckte die bewusstlose Seniorin, prüfte den Puls: lebendig! Schnell rief sie ihren Mann, gemeinsam brachten sie Valentina in Sicherheit. Im Auto kam Valentina wieder zu sich. „Wo bin ich?“ „Wir haben Sie gefunden“, sagte Irena. „Wissen Sie, wie Sie in den Schnee kamen?“ „Ja. Ich war mit meinem Neffen beim Wohnungsverkauf. Dann tranken wir Tee … Arunas mischte wohl etwas hinein. Dann sind wir ins Dorf gefahren, da warf er mich in den Schnee. Mein eigener Verwandter!“ „Ich gebe Ihnen erst mal eine Heilcreme“, bot Irena an. „Mit Ihnen ist mir wieder warm ums Herz“, lächelte Valentina. „Sonst wäre ich jetzt verloren.“ Irenas Familie und Valentina erstatteten Anzeige bei der Polizei. Die Sache wurde untersucht. Irena bot Valentina an, erst mal bei ihnen zu wohnen, bis alles geklärt war: ein Dach über dem Kopf braucht man immer. Nach einigen Wochen bekam Valentina ihre Wohnung zurück. Arunas und seinen Komplizen verurteilte das Gericht wegen Betrugs. Im Frühjahr, wie sie es ursprünglich wollte, verkaufte Valentina die Wohnung und kaufte ein kleines Häuschen auf dem Land – ganz ohne Renovierungsbedarf. Voller Freude widmete sie sich nun ihrer neuen Gartenarbeit. Im Sommer lud sie Irena und deren Mann als Dankeschön ein. Die Seniorin vergaß nie die Güte dieser Familie.
Neid, dass die Tochter meines Mannes bei ihrer Schwiegermutter leben möchte