Immer später nach Hause? Wenn der Job plötzlich alles verändert: Mehr Stress, häufiges Zuspätkommen und die schwierigen Entscheidungen einer Mutter.

Schlechte Zeiten auf der Arbeit? In letzter Zeit ist beim Job einfach viel zu tun er kommt oft später heim.
Nora brachte gerade die Kinder ins Bett und ging dann in die Küche, um sich eine Tasse Tee zu machen. Ihr Mann, Hendrik, war noch immer nicht da. In letzter Zeit war er ständig eingespannt im Büro und kam selten pünktlich nach Hause.
Nora hatte Mitleid mit ihm und versuchte, ihm so viel wie möglich an Hausarbeit abzunehmen. Schließlich war Hendrik der einzige Verdiener der Familie. Nach der Hochzeit hatten sie sich geeinigt: Nora kümmert sich um Haushalt und Kinder, Hendrik sorgt dafür, dass es der Familie an nichts fehlt. Einer nach dem anderen kamen schließlich drei Kinder. Über jedes Einzelne hat er sich riesig gefreut und meinte immer, er könne sich noch mehr vorstellen.
Doch Nora war inzwischen richtig erschöpft die Wickel, die Fläschchen, die schlaflosen Nächte schlauchten sie. Sie hatte beschlossen, vorerst keine weiteren Kinder zu bekommen.
Hendrik kam erst nach Mitternacht nach Hause. Er stank leicht nach Bier. Auf ihre Frage, warum es wieder so spät war, meinte er nur:
Ach, Noralein, wir hatten alle einen langen Tag, da haben wir im Büro noch ein bisschen zusammen gesessen.
Mein armer Schatz, Nora lächelte müde. Komm, iss noch was, ich mach dir was Warmes.
Nee, lass mal. Es gab Häppchen, ich hab schon zu viel gegessen. Ich leg mich lieber gleich hin.
Der 8. März, Weltfrauentag, stand an. Nora bat ihre Mutter, auf die Kinder aufzupassen, damit sie im Einkaufszentrum ein paar Besorgungen machen konnte sie wollte den Tag besonders gestalten, ein romantisches Dinner nur für sich und Hendrik. Ihre Mutter sagte sofort zu und nahm die Kinder zu sich nach Hause.
Neben Lebensmitteln und einem Geschenk für Hendrik wollte Nora sich auch mal wieder selbst etwas gönnen sie hatte sich ewig nichts gekauft. Immer hatte sie Hemmungen, Hendrik um Geld für Klamotten zu bitten, und wirklich raus gegangen war sie ohnehin schon lange nicht mehr. Ihr letzter Kauf war ein Hausschlafanzug gewesen für den geplanten Abend also nicht das Richtige. In der Damenabteilung suchte sie sich ein paar Kleider aus und begann, sie anzuprobieren.
Als sie gerade im zweiten Kleid stand, hörte sie aus der Nachbarkabine Hendriks Stimme, ganz vertraut:
Mmm, am liebsten würde ich dir das Teil gleich wieder ausziehen!
Darauf folgte ein helles, glucksendes Lachen einer Frau.
Gedulde dich noch, du Frechdachs! Guck lieber mal nach was für deine Frau!
Wozu? Sie ist völlig in den Kindern aufgegangen. Hauptsache, die Kleinen sind satt, trocken und beschäftigt was meine Frau anhat, interessiert da eh niemanden. Ich bring ihr einen Mixer mit! Oder eine Brotbackmaschine da freut sie sich bestimmt!
Nora gefror das Blut in den Adern. Wie in Trance probierte sie weiter die Kleider und lauschte.
Und wenn sie fragt, warum du so viel ausgegeben hast? kicherte die Frau.
Ein Mixer und eine Brotbackmaschine kosten doch keine Unsummen…
Warum soll ich mich dafür rechtfertigen? Das ist MEIN Geld, ich bin den ganzen Tag malochen, sie hockt nur zuhause! Ich geb ihr jeden Monat Haushaltsgeld das muss reichen. Und darauf kann sie noch dankbar sein!
Dann war Stille, anscheinend waren sie fertig und gingen. Nora traute sich aus ihrer Kabine zu spähen und da war er tatsächlich: Hendrik, ihr Mann, stand an der Kasse mit einer blonden Frau, zahlte für ihre Sachen, küsste sie vor den Augen der Kassiererin auf den Mund.
Ist alles in Ordnung mit Ihnen? Die Verkäuferin riss Nora aus ihren Gedanken. Sie hatte wie erstarrt in der Kabine gestanden.
Ja, ja, alles bestens, Nora lächelte gezwungen, reichte der Verkäuferin die Kleider und meinte: Ich nehme alle.
Zuhause, nachdem ihre Mutter gegangen war und die Kinder Mittagsschlaf hielten, überlegte Nora fieberhaft, was sie tun sollte. Mit sowas hatte sie nie gerechnet. Nicht mal so sehr, dass er sie betrog schlimmer war, wie wenig Wertschätzung und Respekt er ihr entgegenbrachte.
Am liebsten wäre sie sofort gegangen und hätte die Scheidung verlangt, aber sie zwang sich, ruhig zu bleiben und nachzudenken.
Gut, beantrage ich die Scheidung, zieht er zu seiner Blondine und ich bleib allein mit drei Kindern, ohne Einkommen. Unterhalt? Wahrscheinlich ein paar lumpige Euros Wovon sollen wir leben?
Bis zum Abend stand ihr Entschluss. Hendrik kam dieses Mal rechtzeitig nach Hause. Er hatte ja, wie sie sich’s dachte, seine Stunden schon anderswo verbracht. Alle Gefühle für ihn waren in ihr erloschen. Er kam ihr wie ein Fremder vor. Die einzige Sorge: Was, wenn er trotzdem ihre Nähe will, obwohl sie das gar nicht mehr erträgt? Aber er schien zurzeit keine Ansprüche zu haben vermutlich war er bei seiner Affäre ausgelastet.
Am nächsten Tag setzte sich Nora an den Laptop, schrieb ihren Lebenslauf und schickte Bewerbungen an verschiedene Firmen. Ab dann begann jeder Tag mit dem Blick ins E-Mail-Postfach. Irgendwann, nachmittags, erhielt sie endlich eine Einladung zum Bewerbungsgespräch ausgerechnet in der gleichen Firma, wo auch Hendrik arbeitete.
Sie überlegte lange, ob sie dort überhaupt antreten sollte, aber letztlich beschloss sie: Doch, das ziehe ich durch!
Sie bat ihre Mutter, die Kinder wieder zu nehmen, und fuhr zum Vorstellungsgespräch. Nach zwei Stunden Gespräch mit der Geschäftsleitung bekam sie ein gutes Angebot: Flexibler Arbeitsbeginn, sicher kein Mega-Gehalt am Anfang, aber genug, um sich und die Kinder durchzubringen.
Sie kam wie auf Wolken nach Hause. Die Mutter fragte sie aus.
Mama, Hendrik betrügt mich! platzte es aus Nora heraus.
Die Mutter setzte sich kopfschüttelnd zu ihr aufs Sofa.
Mensch, Nora, was erzählst du da? Der Hendrik ist doch dauernd am Arbeiten!
Von wegen Arbeiten der trifft sich lieber mit seiner Freundin! Und Nora erzählte alles, was sie in der Umkleide gehört hatte.
Und was hast du jetzt vor?
Ich will mich scheiden lassen! Außerdem hab ich einen Job mit flexiblem Einstieg. Ich schreibe die Kinder jetzt schnell in die Kindergärten ein, und sobald sie alle dort sind, kann ich auf Vollzeit umsteigen.
Kind, ich halte dich nicht davon ab! So eine Demütigung muss man sich nicht gefallen lassen. Und um die Kinder helfe ich dir!
Danke, Mama! schluchzte Nora und fiel ihr um den Hals.
Am Vorabend zum 8. März kam Hendrik mal wieder spät nach Hause. Nora fragte nicht. Hendrik wunderte sich über ihre Gleichgültigkeit und fing an, sich zu rechtfertigen:
Noralein, wir haben wieder bis spät im Büro…
Geh schlafen, unterbrach ihn Nora ungewohnt kalt.
Am nächsten Morgen, während Nora die Kinder beim Frühstück fütterte, kam Hendrik mit einer Schachtel um die Ecke eine Brotbackmaschine.
Hier, mein Schatz, für dich, damit die Arbeit leichter wird! er wollte sie küssen, doch Nora wich einfach aus, stand vom Stuhl auf und blickte ihn nicht mal an.
Ich hab auch was für dich!
Hendrik, völlig verdutzt mit seiner Schachtel in den Händen, folgte ihr in den Flur. Dort standen zwei große Koffer.
Ich lasse mich scheiden. Du musst dich nicht mehr für deine Affären verstecken!
Woher weißt du das? polterte Hendrik.
In der Umkleide, als du gerade dein Geschenk für deine Blondine gekauft hast. Und übrigens: Die Brotbackmaschine kannst du ihr geben ich brauche sowas nicht!
Hendrik platze der Kragen:
Ach, du bist also nur eifersüchtig, dass ich mir jetzt was Besseres gönne eine schöne, gepflegte, leidenschaftliche Frau und keine wie du! Schau dich doch mal an du hast vergessen, wie man sich zurecht macht! Hockst im Jogginganzug, lebst auf MEINE Kosten! Und dann noch das Gemecker, wofür ich MEIN Geld ausgebe. Niemand zwingt dich zu bleiben!
Mir ist das egal, sagte Nora ruhig. Und jetzt bitte geh.
Am nächsten Tag stellte Nora den Scheidungsantrag und beantragte Unterhalt. Eine Woche später klopfte es an der Tür: Schwiegermutter. Ohne Begrüßung ging sie los:
Du geldgieriges Gör, erst schmeißt du meinen Sohn raus, dann willst du ihm noch das letzte Hemd nehmen! Streich sofort den Unterhalt Hendrik schuldet dir gar nichts!
Er zahlt nicht mir, sondern seinen Kindern, die er unbedingt wollte! entgegnete Nora. Verschleudert er jetzt sein Geld für seine Freundin, ist das sein Bier. Er bleibt trotzdem Vater, genau wie ich Mutter bin!
Was glaubst du überhaupt, was du ohne sein Geld anstellst! Drei Kinder, nichts gelernt dachtest wohl, du kannst dich auf seinen Nacken ausruhen. Aber so läuft das nicht! Er wird den Chef bitten, sein Gehalt runterzudrücken dann siehst du alt aus! Und kriechst ganz schnell zurück!
Das glaube ich kaum! erwiderte Nora kalt. Und jetzt verschwinden Sie bitte, sonst rufe ich die Polizei!
Mit Flüchen zog die Schwiegermutter ab.
Monate vergingen. Nach und nach bekamen alle Kinder einen Platz im Kindergarten. Als der Jüngste schließlich dort startete, trat Nora wieder voll in den Beruf ein.
Hallo! erklang plötzlich eine bekannte Stimme an ihrem Schreibtisch. Können wir mal reden?
Tut mir leid, Hendrik, ich hab zu viel zu tun, antwortete Nora, ohne aufzublicken.
Vielleicht wenigstens zusammen Mittag essen? versuchte es Hendrik weiter. Nora sah ihn jetzt erst richtig an er sah abgekämpft, blass, irgendwie leer aus. Sie wusste, dass die Blondine ihn verlassen hatte, als sie von seinem halben Gehalt für den Unterhalt erfahren hatte. Aber das ging ihr inzwischen vollkommen am Herzen vorbei.
Nein, Hendrik. Kein Gespräch, kein Mittagessen.

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Homy
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Immer später nach Hause? Wenn der Job plötzlich alles verändert: Mehr Stress, häufiges Zuspätkommen und die schwierigen Entscheidungen einer Mutter.
Im Winter fasste Anna den Entschluss, ihr Haus zu verkaufen und zu ihrem Sohn zu ziehen.