Papa, lerne Austeja kennen – sie wird meine Frau und deine Schwiegertochter!

Papa, lern sie kennen sie wird meine Frau und deine Schwiegertochter.
Papa, das ist meine zukünftige Frau, und deine Schwiegertochter, Katja! strahlte Felix vor Glück.
Was?! fragte Professor Dr. Wilhelm Schröder völlig überrascht. Wenn das ein Scherz sein soll, dann ist er echt daneben.
Der Mann blickte mit sichtlicher Abneigung auf die rauen, ungepflegten Hände des Mädchens und den Dreck unter ihren Fingernägeln. Es wirkte auf ihn, als hätte dieses Mädchen nie etwas von Wasser und Seife gehört.
Mein Gott! Was für ein Glück, dass meine liebe Helene diese Blamage nicht mehr erleben muss. Wir haben doch alles versucht, um aus ihm einen anständigen Kerl mit guten Manieren zu machen, dachte er bedrückt.
Es ist kein Scherz! antwortete Felix mit fester Stimme. Katja wird bei uns wohnen und in drei Monaten heiraten wir. Willst du bei der Hochzeit nicht dabei sein, dann komme ich auch ohne dich klar!
Hallo! lächelte Katja und steuerte gleich zielsicher in die Küche. Hier, ich habe Maultaschen, Himbeermarmelade, getrocknete Pilze … sie zählte die Sachen auf, die sie aus ihrer abgewetzten Tüte holte.
Wilhelm packte sich an die Brust, als er sah, wie Katja die schneeweiße Tischdecke mit Marmelade bekleckerte.
Felix! Komm mal klar! Wenn das dein Ernst ist, ist das schon echt gemein … Wo hast du dieses naive Landei eigentlich aufgegabelt? Ich will nicht, dass sie bei mir bleibt! rief der Professor aufgebracht.
Ich liebe Katja. Und meine Frau hat jedes Recht, mit mir hier zu wohnen! Felix grinste spöttisch.
Wilhelm spürte, dass sein Sohn ihn nur provozieren wollte. Ohne weiter zu diskutieren, verschwand er kopfschüttelnd in seinem Zimmer.
Seit dem Tod von Helenes Mutter war Felix kaum noch wiederzuerkennen. Er hatte die Uni abgebrochen, redete frech mit seinem Vater und führte ein sorgloses, fast schon chaotisches Leben.
Wilhelm hatte gehofft, sein Sohn würde sich wieder fangen, wie früher wieder der kluge, freundliche Junge werden. Aber je mehr Zeit verging, desto unnahbarer wurde er. Und jetzt schleppt er auch noch dieses Landei an. Wilhelm wusste, dass er diese Beziehung niemals akzeptieren konnte, weswegen er auch nicht mehr eingreifen wollte
Bald darauf heirateten Felix und Katja tatsächlich. Wilhelm weigerte sich, zur Feier zu erscheinen, er wollte diese unwillkommene Schwiegertochter nicht aufnehmen. Es enttäuschte ihn so sehr, dass Katja nun anstatt Helene, die perfekte Hausfrau war, das Zepter schwang Katja, die es nicht einmal schaffte, zwei Sätze geradeaus zu formulieren.
Katja tat ihr Bestes, um Wilhelm zu gefallen, und ignorierte seine abweisende Haltung. Aber irgendwie machte sie es für ihn nur schlimmer. Der Professor konnte in ihr nichts Gutes sehen einzig ihre Unbeholfenheit und ihre rauen Manieren stachen für ihn heraus.
Felix spielte eine Zeitlang den Muster-Ehemann, doch irgendwann fing er wieder an zu trinken und durch die Stadt zu ziehen. Wilhelm hörte nachts oft, wie die beiden sich stritten insgeheim fand er es sogar gut und hoffte, dass Katja endlich das Haus verlassen würde.
Herr Schröder, Ihr Sohn will die Scheidung, und er hat mich aus der Wohnung geworfen. Ich bin schwanger! schluchzte Katja eines Tages verzweifelt.
Und? Wohin willst du denn gehen? Du hast doch bestimmt noch Familie auf dem Land Und schwanger hin oder her das gibt dir kein Recht, nach der Scheidung bei mir zu bleiben. Tut mir leid, aber ich halte mich da raus, erklärte er, insgeheim froh, das Problemfall Schwiegertochter bald los zu sein.
Katja, verletzt und völlig überfordert, begann, ihre Sachen zu packen. Sie verstand bis heute nicht, warum Wilhelm sie seit Tag eins so abgelehnt hatte. Sie war doch auch ein Mensch mit Gefühlen, nur eben vom Dorf was war daran so schlimm?
***
Acht Jahre vergingen Wilhelm lebte mittlerweile in einem Altenheim. In den letzten Jahren hatte seine Kraft stark nachgelassen. Felix hatte die Gunst der Stunde genutzt und den Vater schnellstmöglich abgeschoben, um sich nicht weiter um ihn kümmern zu müssen.
Wilhelm arrangierte sich mit seinem Schicksal, er wusste, der Weg zurück war zu. In seinem Leben hatte er Tausenden Schülern Respekt, Liebe und Fürsorge vermitteln wollen. Sogar heute bekam er noch Briefe voller Dankbarkeit von früheren Schülern Aber im eigenen Familienleben hatte er versagt
Wilhelm, du hast Besuch! rief sein Zimmernachbar, der gerade von einem Spaziergang kam.
Was, Felix? rief Wilhelm aufgeregt, obwohl er wusste, dass sein Sohn niemals zu Besuch kommen würde. Der hasste seinen Vater
Keine Ahnung, wurde gebeten, dich zu holen. Worauf wartest du, los, geh schon hin! grinste der Nachbar.
Wilhelm griff nach seinem Stock und schlurfte langsam zum kleinen, stickigen Besucherzimmer. Als er sie schon von Weitem sah, erkannte er sie sofort.
Hallo, Katja! sagte er kleinlaut und senkte den Blick. Anscheinend hatte er bis heute ein schlechtes Gewissen gegenüber dieser ehrlichen, einfachen Frau, die er damals nicht in Schutz genommen hatte
Ach Wilhelm! staunte Katja. Sie sind aber alt geworden Sind Sie krank?
Ein bisschen lächelte er schwach. Wie bist du eigentlich hierhergekommen? Woher weißt du
Felix hat es mir erzählt. Wissen Sie, er will überhaupt keinen Kontakt zu unserem Sohn. Und der Junge fragt jeden Tag, ob er mal zum Vater oder zum Opa kann Jonas kann doch nichts dafür, dass Sie ihn nie kennengelernt haben. Uns fehlt Familie Ich hätte Sie vielleicht nicht stören sollen.
Warte mal! bat Wilhelm. Wie geht es Jonas denn? Ich erinnere mich noch an das Foto, das du mal geschickt hast, da war er gerade mal drei.
Er ist hier, draußen am Eingang. Soll ich ihn reinholen? fragte Katja leise.
Natürlich, klar! freute sich Wilhelm.
Da kam ein schüchterner, braungebrannter Junge, der Felix wie aus dem Gesicht geschnitten war. Jonas näherte sich zögerlich dem Opa, den er noch nie gesehen hatte.
Junge, bist du groß geworden! Wilhelm fing an zu weinen und schloss seinen Enkel fest in die Arme.
Sie redeten lange miteinander und schlenderten durch die herbstlichen Alleen rund ums Pflegeheim. Katja erzählte von ihren schweren Jahren, vom frühen Tod ihrer Mutter, dass sie Jonas allein großzog und sich um den kleinen Hof kümmern musste.
Es tut mir leid, Katja! Ich habe dir Unrecht getan. Ich hielt mich immer für einen klugen, belesenen Menschen und doch habe ich jetzt erst gelernt: Man sollte Menschen nicht nach Herkunft oder Benehmen beurteilen, sondern nach Herz und Seele, gestand Wilhelm leise.
Wilhelm, wir hätten eine Bitte, begann Katja etwas nervös. Ziehen Sie doch zu uns! Sie sind allein, und wir auch Es wäre schön, wieder als Familie zusammenzuhalten.
Opa, komm zu uns! Wir gehen zusammen angeln, Pilze im Wald sammeln Unser Haus auf dem Land ist groß und es gibt so viel Natur! bat Jonas und hielt liebevoll die Hand seines Opas.
Ich komme mit! lächelte Wilhelm. Ich habe meinen Sohn verloren, vielleicht kann ich dir all das geben, was ich Felix nicht gegeben habe. Und übrigens, auf dem Land war ich noch nie. Vielleicht gefällt es mir ja wirklich!
Du wirst es lieben! lachte Jonas.

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Homy
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