Aus Verzweiflung stimmte sie zu, den Sohn des reichen Unternehmers zu heiraten, obwohl er im Rollstuhl saß… Doch schon einen Monat später bemerkte sie etwas Unglaubliches…

Das ist doch bitte ein Scherz! rief Anneliese, während sie Johannes Schneider mit aufgerissenen Augen anstarrte.
Er schüttelte langsam den Kopf.
Nein, ganz im Ernst. Aber wirklich, überleg es dir in Ruhe. Das ist kein alltägliches Angebot, das weiß ich auch. Ich kann mir schon denken, was du jetzt denkst. Nimm dir Zeit, wieg alles ab. Ich komme in einer Woche noch mal vorbei.
Anneliese blickte ihm hinterher, immer noch völlig konfus. Was er ihr gerade vorgeschlagen hatte, wollte partout nicht in ihren Kopf.
Johannes Schneider kannte sie seit drei Jahren. Ihm gehörte in München eine Kette von Tankstellen und noch ein paar andere Unternehmen. Anneliese arbeitete auf einer seiner Tankstellen als Aushilfs-Putzkraft. Er war immer freundlich, grüßte jeden und hatte für die Angestellten ein gutes Wort übrig. Eigentlich war der Mann durch und durch anständig.
Der Lohn war ordentlich, entsprechend begehrt waren die Jobs dort. Etwa zwei Monate zuvor hatte Anneliese nach der Arbeit draußen kurz auf der Bank Pause gemacht, ihr Dienst war fast vorbei, sie gönnte sich fünf Minuten für sich.
Plötzlich ging die Servicetür auf und Johannes Schneider stand vor ihr.
Darf ich mich setzen?
Anneliese sprang sofort auf.
Aber sicher, Sie müssen gar nicht erst fragen!
Ach was, bleiben Sie ruhig sitzen. Ich beiß schon nicht. Das Wetter ist doch klasse, oder?
Sie lächelte verlegen und ließ sich wieder nieder.
Im Frühling hat man echt immer das Gefühl, es ist schönes Wetter.
Das ist nach diesen grauen Wintern auch nötig.
Da mögen Sie Recht haben.
Ich wollte noch mal fragen: Warum machen Sie eigentlich den Putzjob? Frau Wagner hatte Ihnen doch den Schichtleiterposten angeboten, mehr Lohn, weniger Schlepperei?
Das hätte ich gern, klar. Aber die Schichten bekomme ich mit meiner Tochter nicht geregelt. Die ist noch klein, wird ständig krank. Wenns ihr gutgeht, kann Frau Krause aus dem Erdgeschoss zu ihr aber sobald sie einen ihrer schlimmen Tage hat, muss ich bleiben. Mit der Schichtleiterin hab ich zum Glück ausgemacht, dass wir tauschen können, sie hilft mir immer.
Verstehe Was hat Ihre Tochter denn?
Ach Die Ärzte wissens selbst kaum. Sie bekommt Anfälle, kann kaum atmen, Panik, lauter so Sachen. Und die wirklich wichtigen Untersuchungen sind alle privat, da muss ich draufzahlen. Die meinen, abwarten, vielleicht wächst es sich raus. Ich kann eben nicht einfach abwarten
Halte durch. Das wird schon.
Anneliese dankte ihm. Noch am selben Abend hatte sie merkwürdigerweise eine kleine Prämie im Umschlag geschenkt von Herrn Schneider ganz ohne Erklärung.
Und dann hörte sie Wochenlang nichts mehr von ihm. Bis er heute unangemeldet zu ihr nach Hause kam.
Als sie ihn sah, blieb ihr kurz das Herz stehen. Und als sie sein Angebot hörte, wurde es nicht besser.
Johannes Schneider hatte einen Sohn Sebastian, kurz Basti genannt, knapp dreißig Jahre alt. Sieben Jahre zuvor hatte ihn ein Unfall an den Rollstuhl gefesselt. Die Ärzte probierten alles, doch das Laufen kam nie wieder. Danach: Rückzug, miese Laune, kaum noch Worte, auch nicht mit dem Vater.
Also hatte Johannes diesen Plan ausgeheckt. Heiraten sollte sein Sohn offiziell. Damit er wieder einen Sinn im Leben hat, einen Grund zu kämpfen. Ob das klappen würde? Keine Ahnung. Aber Johannes meinte, Anneliese sei genau die Richtige für diese Mission.
Anneliese, du musst dir nie wieder Sorgen machen. Es wird euch an nichts fehlen. Deine Tochter bekommt alle Untersuchungen, jede erdenkliche Therapie. Ich schlage einen Vertrag für ein Jahr vor. Danach kannst du gehen. Wenn Basti sich fängt perfekt. Falls nicht, bekommst du eine großzügige Abfindung.
Anneliese war völlig sprachlos vor lauter Empörung lag ihr ein Kloß im Hals.
Johannes Schneider sah das und sagte fast flüsternd:
Bitte, Anneliese, hilf mir. Es ist eine Win-Win-Situation. Ich glaube ja nicht mal, dass mein Sohn dich überhaupt anrühren wird. Für dich wird alles leichter. Du bist offiziell verheiratet, wirst geachtet. Sag einfach, du hast aus Vernunft geheiratet, nicht aus Liebe. Und unser Gespräch bleibt natürlich unter uns.
Moment mal, Herr Schneider Und Basti? Weiß der davon?
Der Mann zuckte gequält die Schultern.
Er sagt, es ist ihm egal. Ich erzähle ihm, ich hätte Probleme mit dem Geschäft oder meiner Gesundheit. Hauptsache, er ist verheiratet. Er vertraut mir seit jeher. Es ist eine Notlüge fürs große Ganze.
Als Johannes Schneider gegangen war, saß Anneliese zunächst ewig wie betäubt auf ihrem altmodischen Sofa. Ihre Empörung kochte weiter. Aber irgendwas an den offenen, ehrlichen Worten schlich sich in ihr Herz und nahm der Sache einen Teil der Bitterkeit.
Und wenn sie ehrlich war für ihre kleine Greta würde sie alles tun.
Alles.
Und für ihn? Auch er war ja Vater, auch er liebte seinen Sohn.
Sie hatte ihren Dienst noch nicht beendet, da klingelte das Handy:
Anni, du musst schnell nach Hause! Greta hat wieder einen schlimmen Anfall! Es ist richtig ernst!
Ich komme sofort! Ruf einen Krankenwagen!
Sie kam an, just als der Rettungswagen in die Straße eingebogen war.
Wo waren Sie so lange? schimpfte die Notärztin streng.
Ich war bei der Arbeit
Der Anfall war wirklich schlimm.
Vielleicht sollten wir direkt ins Krankenhaus? fragte Anneliese verzagt.
Die Notärztin, offenbar neu, winkte ab.
Bringt doch nichts. Da wird sie nur nervös. Sie müssen nach Berlin, in eine gescheite Kinderklinik, zu richtigen Spezialisten.
Vierzig Minuten später hatten die Ärzte den Einsatz beendet.
Anneliese rief Johannes Schneider an.
Ich mache es. Greta hatte wieder einen Anfall.
Am nächsten Tag reisten sie ab.
Johannes holte die beiden höchstpersönlich ab und brachte einen jüngeren, blitzsauberen Mann mit.
Nimm nur das Wichtigste, Anneliese. Alles andere kaufen wir dort.
Sie nickte.
Greta beäugte das große, glänzende Auto neugierig.
Johannes Schneider hockte sich vor sie.
Na, gefällt dir das?
Voll cool!
Willst du vorne sitzen? Dann siehst du alles.
Darf ich das? Aber Mama?
Die Kleine sah Anneliese groß an.
Wenn uns die Polizei erwischt, gibts ein saftiges Bußgeld, sagte Anneliese mit erhobenem Zeigefinger.
Johannes lachte und öffnete die Tür.
Steig ein, Greta! Und falls uns jemand eine Strafe aufdrücken will zahlen wir eben doppelt zurück!
Je näher sie dem Haus kamen, desto nervöser wurde Anneliese.
Herrgott, warum habe ich überhaupt zugesagt? Was, wenn der Kerl komisch ist oder noch schlimmer?
Johannes Schneider bemerkte ihre Unruhe.
Anneliese, atme durch. Noch ist nichts entschieden. Die Hochzeit ist erst in einer Woche. Du kannst dir bis dahin alles anders überlegen. Und Basti ist in Ordnung. Gescheit, aber innerlich zerbrochen. Sieh selbst.
Anneliese stieg aus dem Auto, half Greta hinaus und erstarrte. Das war nicht einfach ein Haus, das war eine richtige Villa. Greta kreischte voller Entzücken:
Mama, hier siehts aus wie im Märchen!
Johannes lachte und hob die Kleine hoch.
Gefällts dir?
Sehr!
Bis zur Trauung hatte Anneliese Basti nur ein paar Mal beim Abendbrot gesehen. Der junge Mann aß kaum und sprach noch weniger. Er war anwesend, aber offensichtlich mit dem Kopf ganz woanders. Anneliese beobachtete ihn verstohlen. Er war gutaussehend, aber blass wie ein Milchbrötchen. Irgendetwas in ihm lebte wie in ihr: andauernder Schmerz. Sie war dankbar, dass er das Heirats-Thema nicht ansprach.
Am Hochzeitstag herrschte Aufregung ohne Ende. Das Kleid kam buchstäblich am Abend davor. Anneliese ließ sich aufs Sofa fallen, als sie den Preis erahnte.
Was hat das denn bitte gekostet?
Johannes lächelte.
Anneliese, behalten Sie lieber die Nerven fragen Sie nicht nach dem Preis. Hier, schau mal
Er hielt ein Miniatur-Kleid hoch, die Kopie ihres Hochzeitskleids.
Greta, willst du es anprobieren?
Die Tochter quiekte so laut, dass sie sich fast die Ohren zuhalten mussten. Greta stolzierte durch das Zimmer eine kleine Prinzessin voller Würde.
Anneliese drehte sich irgendwann um und da stand Basti, am Türrahmen. Er schaute zu Greta und lächelte tatsächlich ein wenig.
Greta schlief nun im Zimmer daneben. Das Schlafzimmer ihres mit Basti war ein halber Tanzsaal. Basti jedes Mal höflich-distanzierter als so mancher Gebietsleiter. Und Anneliese, die sich eigentlich auf eine schlaflose Nacht vorbereitet hatte, schlief sofort ein.
Nach einer Woche begannen sie, abends zu reden. Basti erwies sich als außergewöhnlich klug, witzig, ein Faible für Bücher und Wissenschaft. Er blieb auf Abstand, keinerlei Annäherungsversuche. Langsam wurde Anneliese entspannter.
Eines Nachts schreckte sie plötzlich hoch. Irgendwas war nicht in Ordnung
Sie rannte zu Gretas Zimmer. Genau wie befürchtet: Die Kleine hatte wieder einen Anfall.
Basti, hilf mir! Ruf einen Krankenwagen!
Er war sofort an der Tür, griff nach dem Telefon. Sekunden später kam Johannes angerannt.
Ich ruf sofort Professor Klein an, verkündete er.
Der Notarzt kam schnell, diesmal waren es offenbar Spezialisten aus Berlin blitzsaubere Hemden, modernstes Gerät. Später kam der Hausarzt. Es wurde lange diskutiert. Anneliese saß am Bett, Basti hielt Greta die Hand.
Anneliese, fragte Basti leise, hat sie das schon von Geburt an?
Ja Wir waren in so vielen Kliniken, zig Tests, nie eine richtige Diagnose. Mein Ex hat irgendwann gesagt, ich soll ihn einfach in Ruhe lassen, damit er sein Leben leben kann.
Liebt man so jemand?
Vermutlich aber das ist ewig her.
Und deshalb hast du das mit meinem Vater gemacht
Anneliese schaute überrascht.
Basti lächelte.
Mein Vater denkt, ich merke nichts. Aber ich kann ihn lesen wie einen offenen Stadtplan. Ich hatte Angst, wen er da für mich anschleppt. Und als ich dich gesehen hab, war ich baff. Du bist nicht der Typ, der das wegen des Geldes macht. Und jetzt passt plötzlich alles.
Er sah sie an.
Anneliese, bitte nicht weinen. Greta wird wieder gesund. Sie ist eine Kämpferin. Sie ist nicht zerbrochen im Gegensatz zu mir.
Warum bist du zerbrochen? Du bist klug, charmant, freundlich
Er grinste schief. Sei ehrlich: Hättest du mich geheiratet, wenn alles anders gekommen wäre?
Anneliese zögerte nur einen Moment. Dann nickte sie.
Ich glaube, dich zu lieben wäre so viel leichter als bei all diesen Typen, die sich als Helden aufspielen. Aber eigentlich kann ichs nicht erklären
Basti lächelte.
Du brauchst es auch nicht erklären. Komischerweise glaube ich dir das aufs Wort.
Ein paar Tage später erwischte Anneliese Basti bei einer merkwürdigen Aktivität. Er hatte ein seltsames Gerät aufgebaut und versuchte, daran Übungen zu machen.
Das ist ein Rehatrainer, erklärte er. Nach dem Unfall hätte ich das mindestens drei Stunden täglich machen sollen. Aber ich habs einfach sein lassen. Jetzt schäme ich mich vor Greta, vor dir.
Da klopfte es. Johannes Schneider im Türrahmen.
Darf ich kurz?
Komm rein, Papa.
Johannes erstarrte, als er seinen Sohn so sah. Dann wandte er sich an Anneliese:
Du Wie war eigentlich deine Geburt? Schmerzhaft?
Ja, wieso?
Der Arzt meint, vermutlich hat man bei Greta zu sehr gezogen und dabei einen kleinen Schädelknochen beschädigt. Äußerlich ist alles verheilt, aber innen drückt etwas auf einen Nerv.
Anneliese sackte auf den Stuhl.
Das kann doch nicht sein Was sollen wir jetzt machen?
Tränen rollten über ihre Wangen.
Nicht weinen, sagte Johannes väterlich. Es ist kein Todesurteil. Sie braucht eine OP, dann nehmen sie das Hindernis weg und Greta wird ganz gesund.
Aber am Kopf Das ist doch total gefährlich!
Basti nahm sie an der Hand.
Anneliese, hör auf Papa. Greta kann ein normales Leben führen, ohne diese Anfälle.
Was kostet das alles?
Johannes runzelte die Stirn.
Darüber brauchst du dir jetzt keine Gedanken mehr machen du bist schließlich Familie.
Anneliese blieb während der Operation bei Greta im Krankenhaus. Die OP war ein voller Erfolg. Nach zwei Wochen sollten sie zurückkehren nach Hause.
Doch jetzt stellte sich Anneliese ernsthaft die Frage: Wo ist dieses zu Hause eigentlich?
Basti rief jeden Tag an. Sie telefonierten stundenlang, redeten über Greta, sich selbst, lauter Kleinigkeiten. Es fühlte sich an, als ob sie sich schon ewig kannten.
Die Zeit verging. Das vereinbarte Einjahres-Projekt lief langsam aus. Anneliese versuchte, schlicht nicht daran zu denken, was danach käme.
Sie kamen am Abend zurück. Johannes Schneider holte sie ab sichtlich angespannt.
Ist was passiert?
Ich weiß nicht, wie ichs sagen soll Basti hat zwei Tage durchgesoffen.
Was? Er trinkt doch gar keinen Alkohol!
Eben. Monatelang hat er jeden Tag trainiert, wurde besser und dann: alles vorbei. Sagt, es bringt eh nichts.
Anneliese marschierte in das dunkle Zimmer. Sie knipste das Licht an und sammelte wortlos die leeren Flaschen ein.
Was machst du da?
Du trinkst jetzt nicht mehr.
Warum nicht?
Weil ich deine Ehefrau bin. Und ich mag nun mal keinen Schnaps im Haus.
Basti schaute irritiert.
Na, das ist ohnehin bald vorbei Greta ist wieder gesund. Du hast keinen Grund, bei einem Krüppel zu bleiben.
Anneliese richtete sich auf.
Du meinst bei einem Dussel? Ich dachte, du bist stärker. Hab ich mich da so getäuscht?
Er senkte den Kopf.
Tut mir leid Ich habs wohl wirklich verbockt.
Tja, ich bin jetzt wieder hier. Sollen wirs noch mal versuchen?
Das Jahr ging zu Ende. Johannes Schneider wurde immer nervöser: Basti konnte inzwischen mit dem Gehwagen stehen. Die Ärzte waren überzeugt, bald würde er sogar laufen. Vielleicht sogar mal einen Marathon.
Und Anneliese? Es war Zeit zu gehen.
Müsste ich ihr noch mal Geld bieten? wisperte Johannes seiner Frau zu.
Beim Abendbrot kamen Anneliese, Greta und Basti gemeinsam ins Esszimmer.
Papa, wir müssen dir etwas sagen, begann Basti.
Johannes hielt den Atem an und blickte ängstlich auf Anneliese.
Du gehst, oder?
Trotzdem tauschten sich Anneliese und Basti kurz einen Blick. Sie schüttelte nur den Kopf.
Nicht so ganz.
Bitte, machts nicht so spannend!
Du wirst Großvater, Johannes. Greta bekommt ein Geschwisterchen.
Johannes Schneider schniefte, sprang auf und drückte alle drei gleichzeitig an sich hatte Tränen in den Augen, als könne er kaum glauben, dass das kein Traum ist.
Er weinte vor Glück, vor Erleichterung und weil seine Familie endlich eine richtige war.

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Homy
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Aus Verzweiflung stimmte sie zu, den Sohn des reichen Unternehmers zu heiraten, obwohl er im Rollstuhl saß… Doch schon einen Monat später bemerkte sie etwas Unglaubliches…
Ihr Vater verheiratete sie mit einem Bettler, weil sie blind geboren wurde – doch was dann geschah, verblüffte alle.