Midlife-Krise. Als Galina zu ihrem 45. Geburtstag von Mann und Kindern eine Kurreise geschenkt bekommt, steht ihre Welt plötzlich Kopf und das Leben scheint langsamer zu werden… Die Begriffe „Sanatorium“, „Kur“ und „Anwendungen“ wecken in ihr eine tiefe Sehnsucht nach der Jugend. Natürlich lässt sie sich nichts anmerken, bedankt sich herzlich, lächelt und ist sogar zu Tränen gerührt – doch niemand im Café ahnt, dass es Tränen der Verzweiflung, Enttäuschung und Sorge sind: Die Uhr tickt, die Kinder werden groß, und wir werden nicht jünger… Wo sind all die Jahre geblieben und wer hat sich bloß ausgedacht, dass Frau mit 45 noch ein „Früchtchen“ ist? Galina fühlt sich schon lange nicht mehr wie ein Pfirsich, aber zur getrockneten Aprikose zählt sie sich auch nicht – und so bringt sie das Kur-Ticket zum Grübeln: „Bin ich vielleicht doch schon eine Aprikose?“ Kollegen, Freunde und Verwandte feiern ausgelassen, tanzen bis zum Umfallen und Galina sorgt sich um die teuren Fliesen im Festsaal. Sie versucht, sich unbeschwert und fröhlich zu geben, doch die 12-cm-High-Heels und die formenden Slips, die ihre Tochter aus Berlin mitgebracht hat, erinnern sie ständig an ihr „würdiges“ Alter. Ihr größter Wunsch: Endlich nach Hause kommen, die „Folterwerkzeuge“ ablegen, in die gemütlichen Hausschuhe schlüpfen, das Nachthemd anziehen, das ihr Mann liebevoll „Fallschirm“ nennt, und ins Bett fallen! Doch sie hält durch – zumindest bis zum Kuchen… Schließlich hat sie sich die ganze Woche vorbereitet: Montag Maniküre und Pediküre, Dienstag Augenbrauen und Wimpern, Mittwoch Ganzkörper-Epilation, Donnerstag und Freitag Erholung von der Epilation, Samstag Frisur und Make-up. Die Gäste wollen gar nicht gehen, obwohl der Kuchen längst verteilt ist – die Stimmung bleibt ausgelassen! Galina will den Kuchen so sehr, doch sie hält sich zurück: Drei Wochen Diät mit Hähnchenbrust und Buchweizen, alles nur, um in das edle Kleid von Guido Maria Kretschmer zu passen. Die Diät hängt ihr zum Hals raus! „Ich fange bald an zu gackern oder Eier zu legen!“, klagt sie – aber am Ende sieht sie aus wie eine Königin. Gegen Mitternacht verabschieden sich die Gäste, stecken Kuchenstücke in die Taschen und danken der Gastgeberin so herzlich, dass das Kleid fast platzt. Die Jubilarin fährt zur Kur, innerlich negativ eingestellt – was soll schon Gutes dabei herauskommen? Doch das Sanatorium entpuppt sich als echtes Wellness-Resort! Nur eines stört: Es ist auf Gäste 50+ mit chronischen Rückenleiden ausgelegt. Der Bürojob hat seine Spuren hinterlassen, und Galina leidet oft unter Rückenschmerzen – also kein Wunder, dass sie sich unter Gleichgesinnten wiederfindet. Sie teilt das Zimmer mit einer über siebzigjährigen Dame, die sie mit Lavendelduft, grünen Leggings und einer Zahnprothese im Wasserglas nervt. Weder die schöne Umgebung noch das erstklassige Service können sie beruhigen – sie grübelt über die Midlife-Krise. „Das ist wohl das Alter!“, schluchzt sie in ihr neues Buchweizenkissen. Nach ein paar Tagen wird es noch schlimmer: Der Arzt verordnet tägliche Anwendungen im Geysirbecken, und sie hat den Badeanzug vergessen! Also muss sie shoppen – doch zwischen Souvenirständen mit Kuckucksuhren, Trachten und Ziegenkäse findet sie keinen Badeanzug. Erst im Supermarkt entdeckt sie einen schlichten schwarzen Einteiler, den sie schnell versteckt, damit niemand die Größe sieht. Die junge Kassiererin lächelt freundlich und bietet die Umkleidekabine an – Galina fühlt sich von der Jugend und Schönheit der Verkäuferin getroffen und denkt wehmütig an ihre eigene Zeit am Strand. Plötzlich wird sie von der Zimmernachbarin unterbrochen, die Rollschuhe und einen rosa Tretroller kauft. „Für die Enkel?“, fragt die Verkäuferin. „Nein, ich lerne selbst – zwischen den Anwendungen!“, zwinkert die alte Dame. Zwei Wochen später kommt Galina als neuer Mensch nach Hause, will Fahrräder kaufen, aufs Eis gehen und sich für Hip-Hop anmelden! Zu Hause wirft sie das Nachthemd weg und holt die High-Heels vom Schrank. Als sie den erstaunten Blick ihres Mannes sieht, umarmt sie ihn und flüstert: „Was denn? Wir fangen doch gerade erst an zu leben! Von Krise sind wir noch weit entfernt!“

Vor vielen Jahren, als ich meinen fünfundvierzigsten Geburtstag beging, überreichten mir mein Gatte Friedrich und unsere Kinder einen Gutschein für eine Kurklinik im Schwarzwald. In jenem Moment schien die Zeit zu verharren, und mein Alltag erhielt einen ungewohnten Rhythmus. Begriffe wie Kur, Wasseranwendungen und Therapien ließen mich voller Wehmut an die Tage meiner Jugend zurückdenken.

Obwohl ich mir nichts anmerken ließ, empfand ich das großzügige Geschenk wie einen Schlag ins Gesicht, doch ich bedankte mich artig, lächelte und war den Tränen nahe. Niemand im Café bemerkte, dass diese Tränen aus Unsicherheit und Traurigkeit stammten: Die Jahre verfliegen, die Kinder werden erwachsen, und wir werden älter. Wo sind all die Zeiten geblieben, und wer behauptet eigentlich, Frauen mit fünfundvierzig seien in voller Blüte? Ich fühlte mich schon lange nicht mehr wie ein Pfirsich, aber auch noch nicht wie eine getrocknete Aprikose dennoch brachte mich der Gutschein ins Grübeln: Bin ich vielleicht doch schon eine Aprikose?

Die Kollegen, Freunde und Verwandten feierten ausgelassen, sangen mit der Kapelle und tanzten, als gäbe es kein Morgen. Ich sorgte mich um die Fliesen im Saal des eleganten Gasthauses, so wild wurde getanzt. Je mehr ich versuchte, locker und fröhlich zu wirken, desto mehr spürte ich die zwölf Zentimeter hohen Absätze meiner Pumps, die mich ständig an mein ehrwürdiges Alter erinnerten. Die formenden Unterhosen, die meine Tochter Greta aus Berlin mitgebracht hatte, schnürten mir die Luft ab und drückten an den Seiten.

Das sind die ersten Warnzeichen, meine Liebe!, ging mir nicht aus dem Sinn. Mein größter Wunsch war, endlich heimzukehren, die Folterwerkzeuge auf die oberste Ablage zu werfen und meine weichen Filzpantoffeln anzuziehen. Die Shapewear ablegen, in das Nachthemd schlüpfen, das mein Mann liebevoll Fallschirm nennt, und ins Bett sinken! Aber ich musste durchhalten, wenigstens bis der Kuchen serviert wurde.

Die ganze Woche hatte ich mich auf diesen Tag vorbereitet: Montag Maniküre und Pediküre, Dienstag Augenbrauen und Wimpern, Mittwoch Ganzkörper-Epilation, Donnerstag und Freitag Erholung von der Intimzone, Samstag Frisur und Make-up. Doch die Gäste dachten nicht ans Gehen, selbst als der Kuchen längst verteilt war die Stimmung blieb ausgelassen!

Ich sehnte mich nach einem Stück Torte, aber hielt mich zurück und flehte innerlich um Willenskraft. Drei Wochen Diät Hähnchenbrust und Buchweizen, inspiriert von einem bekannten Fitnesscoach nur um in das elegante Kleid von Guido Maria Kretschmer zu passen, das meine Freundin extra als Ansporn besorgt hatte. Das fade Hähnchen mit ungesalzenem Buchweizen verfolgte mich sogar nachts. Ich fange bald an zu gackern oder Eier zu legen!, witzelte ich. Aber am Ende sah ich auf meiner Feier aus wie eine Königin.

Gegen Mitternacht verabschiedeten sich die Gäste, steckten die Kuchenstücke in die Taschen ihrer teuren Sakkos und glänzenden Clutches, umarmten und küssten mich so herzlich, dass mein Kleid fast platzte. Dann fuhr ich zur Kurklinik, innerlich skeptisch, was mich dort erwarten würde.

Die Einrichtung war überraschend hochwertig, fast schon luxuriös. Allerdings war sie auf Gäste ab fünfzig mit chronischen Rückenleiden ausgelegt. Mein Beruf als Buchhalterin hatte mir Rückenschmerzen beschert, also passte ich wohl doch ins Bild. Ich teilte das Zimmer mit einer über siebzigjährigen Dame namens Hannelore, deren Interessen mir fremd waren. Ihr Lavendelduft, die knallgrünen Leggings und die Zahnprothese im Wasserglas auf dem Nachttisch irritierten mich.

Nicht einmal die schöne Umgebung, die frische Luft und der erstklassige Service konnten meine Stimmung heben. Ich schlich umher wie ein missmutiger Dackel, geplagt von düsteren Gedanken über die Midlife-Krise. Das ist wohl das Alter!, schluchzte ich in mein neues, mit Buchweizenschalen gefülltes orthopädisches Kissen.

Nach einigen Tagen wurde es schlimmer: Der Arzt verordnete tägliche Anwendungen im Geysirbecken, und ich, die vergessliche, alternde Frau, hatte den Badeanzug daheim gelassen! Also musste ich einkaufen gehen. Zwischen unzähligen Souvenirständen mit geschnitzten Flöten, Trachtenmessern, Schafsfellen und Ziegenkäse fand ich keinen Badeanzug. Erst im Supermarkt, wo ich mich mit einem Schokoriegel und einem Latte im größten Pappbecher trösten wollte (mein Kleid war ohnehin nach der Feier gerissen), entdeckte ich im Socken- und Hutregal einen überraschend passenden schwarzen Badeanzug. Die Größe stimmte, und ich wickelte ihn schnell zusammen, damit niemand die zwei X vor dem L sah.

Die Kassiererin, eine zierliche junge Frau namens Leni, lächelte freundlich beim Scannen. Ein Stich von Neid traf mich ihr frisches, ungeschminktes Gesicht, die schmale Taille, das glänzende Haar. Wenn Sie möchten, können Sie den Badeanzug gerne anprobieren!, bot sie an. Ich hatte das Gefühl, sie machte sich über mein Alter und meine Figur lustig und wollte ihr am liebsten eine scharfe Antwort geben. Was weiß sie schon? Hätte sie mich vor zwanzig Jahren gesehen! Damals trug ich Badeanzüge, bei denen die Männer am Strand den Verstand verloren. Meine Figur, meine Haut ich hätte jeden Laufsteg erobert!

Plötzlich unterbrach ein Hupen meine Gedanken. Meine Zimmernachbarin stand mit Rollschuhen und einem rosa Tretroller samt Hupe neben mir. Ich trat verlegen zur Seite, ließ sie vorbei. Sind die Geschenke für die Enkel?, fragte die Verkäuferin höflich. Nein, ich lerne selbst zwischen den Anwendungen!, zwinkerte die alte Dame mädchenhaft.

Zwei Wochen später kehrte ich als veränderter Mensch nach Hause zurück. Schon am Bahnhof sagte ich meinem Mann, wir müssten am Wochenende Fahrräder kaufen, aufs Eis gehen und uns unbedingt für einen Hip-Hop-Kurs anmelden! Daheim warf ich das Nachthemd-Fallschirm in den Müll und kramte die Pumps mit zwölf Zentimeter Absatz hervor.

Als ich den erstaunten Blick meines Mannes sah, umarmte ich ihn fest und flüsterte ins Ohr: Na und? Wir fangen doch gerade erst an zu leben! Die Krise ist noch weit weg wie Schweine, die vom Himmel fallen! Ich spürte, wie ein ungewohnter Elan durch meine Adern strömte. Die Kur im Schwarzwald hatte mich nicht nur körperlich, sondern auch seelisch aufgerüttelt. Plötzlich erschien mir das Leben voller Möglichkeiten, und die alten Zweifel wirkten wie Nebel, der sich langsam lichtet.

Am ersten Morgen zu Hause stand ich früh auf, zog meine neue Sporthose an und bereitete ein ausgiebiges Frühstück mit frischen Brötchen, Quark und Schnittlauch zu. Während ich den Kaffee aufbrühte, dachte ich an die resolute Seniorin aus der Klinik, die mit Rollschuhen und Tretroller durch die Flure sauste ihr Mut, Neues zu wagen, hatte mich inspiriert. Ich fragte mich, ob ich nicht auch einfach loslegen sollte, statt immer zu grübeln.

Mein Mann, noch verschlafen, kam in die Küche und blickte mich erstaunt an. Du bist aber früh dran heute, murmelte er, während er sich eine Tasse Kaffee einschenkte. Ich grinste und erzählte ihm von meinen Plänen: Radfahren im Park, Eislaufen in der Eishalle und Hip-Hop-Unterricht im Jugendzentrum. Er lachte, schüttelte den Kopf und meinte, ich sei verrückt geworden aber in seinen Augen blitzte Bewunderung.

Später am Tag stöberte ich in einem Sportgeschäft nach einem passenden Fahrrad. Die Verkäuferin, eine energische Frau namens Annegret, beriet mich ausführlich und schlug ein Modell vor, das besonders für Frauen meines Alters geeignet sei. Ich probierte es aus, fuhr ein paar Runden und spürte, wie die Freiheit mich beflügelte. Die frische Luft, das Gefühl von Geschwindigkeit all das ließ mich die Sorgen um das Älterwerden vergessen.

Am Wochenende meldeten wir uns tatsächlich für einen Hip-Hop-Kurs an. Die Trainerin, eine junge Frau namens Jule, begrüßte uns herzlich und versicherte, dass jeder tanzen lernen könne, egal wie alt. Die ersten Schritte waren holprig, aber ich lachte über meine eigenen Fehler und fühlte mich lebendig wie lange nicht mehr. Mein Mann tanzte unbeholfen neben mir, und wir kicherten wie Teenager.

Abends, als ich meine Pumps aus dem Schrank holte und sie anprobierte, betrachtete ich mich im Spiegel. Die zwölf Zentimeter hohen Absätze wirkten plötzlich nicht mehr wie ein Symbol für vergangene Jugend, sondern wie ein Zeichen dafür, dass ich immer noch mutig und neugierig bin. Ich drehte mich einmal um die eigene Achse und spürte Stolz.

In mein Tagebuch schrieb ich: Das Leben ist zu kurz, um sich von Ängsten und Konventionen einschränken zu lassen. Ich will tanzen, lachen, Neues ausprobieren und dabei ganz ich selbst bleiben. Die Krise, die ich gefürchtet hatte, war vielleicht gar keine Krise, sondern ein Neuanfang.

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Homy
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Midlife-Krise. Als Galina zu ihrem 45. Geburtstag von Mann und Kindern eine Kurreise geschenkt bekommt, steht ihre Welt plötzlich Kopf und das Leben scheint langsamer zu werden… Die Begriffe „Sanatorium“, „Kur“ und „Anwendungen“ wecken in ihr eine tiefe Sehnsucht nach der Jugend. Natürlich lässt sie sich nichts anmerken, bedankt sich herzlich, lächelt und ist sogar zu Tränen gerührt – doch niemand im Café ahnt, dass es Tränen der Verzweiflung, Enttäuschung und Sorge sind: Die Uhr tickt, die Kinder werden groß, und wir werden nicht jünger… Wo sind all die Jahre geblieben und wer hat sich bloß ausgedacht, dass Frau mit 45 noch ein „Früchtchen“ ist? Galina fühlt sich schon lange nicht mehr wie ein Pfirsich, aber zur getrockneten Aprikose zählt sie sich auch nicht – und so bringt sie das Kur-Ticket zum Grübeln: „Bin ich vielleicht doch schon eine Aprikose?“ Kollegen, Freunde und Verwandte feiern ausgelassen, tanzen bis zum Umfallen und Galina sorgt sich um die teuren Fliesen im Festsaal. Sie versucht, sich unbeschwert und fröhlich zu geben, doch die 12-cm-High-Heels und die formenden Slips, die ihre Tochter aus Berlin mitgebracht hat, erinnern sie ständig an ihr „würdiges“ Alter. Ihr größter Wunsch: Endlich nach Hause kommen, die „Folterwerkzeuge“ ablegen, in die gemütlichen Hausschuhe schlüpfen, das Nachthemd anziehen, das ihr Mann liebevoll „Fallschirm“ nennt, und ins Bett fallen! Doch sie hält durch – zumindest bis zum Kuchen… Schließlich hat sie sich die ganze Woche vorbereitet: Montag Maniküre und Pediküre, Dienstag Augenbrauen und Wimpern, Mittwoch Ganzkörper-Epilation, Donnerstag und Freitag Erholung von der Epilation, Samstag Frisur und Make-up. Die Gäste wollen gar nicht gehen, obwohl der Kuchen längst verteilt ist – die Stimmung bleibt ausgelassen! Galina will den Kuchen so sehr, doch sie hält sich zurück: Drei Wochen Diät mit Hähnchenbrust und Buchweizen, alles nur, um in das edle Kleid von Guido Maria Kretschmer zu passen. Die Diät hängt ihr zum Hals raus! „Ich fange bald an zu gackern oder Eier zu legen!“, klagt sie – aber am Ende sieht sie aus wie eine Königin. Gegen Mitternacht verabschieden sich die Gäste, stecken Kuchenstücke in die Taschen und danken der Gastgeberin so herzlich, dass das Kleid fast platzt. Die Jubilarin fährt zur Kur, innerlich negativ eingestellt – was soll schon Gutes dabei herauskommen? Doch das Sanatorium entpuppt sich als echtes Wellness-Resort! Nur eines stört: Es ist auf Gäste 50+ mit chronischen Rückenleiden ausgelegt. Der Bürojob hat seine Spuren hinterlassen, und Galina leidet oft unter Rückenschmerzen – also kein Wunder, dass sie sich unter Gleichgesinnten wiederfindet. Sie teilt das Zimmer mit einer über siebzigjährigen Dame, die sie mit Lavendelduft, grünen Leggings und einer Zahnprothese im Wasserglas nervt. Weder die schöne Umgebung noch das erstklassige Service können sie beruhigen – sie grübelt über die Midlife-Krise. „Das ist wohl das Alter!“, schluchzt sie in ihr neues Buchweizenkissen. Nach ein paar Tagen wird es noch schlimmer: Der Arzt verordnet tägliche Anwendungen im Geysirbecken, und sie hat den Badeanzug vergessen! Also muss sie shoppen – doch zwischen Souvenirständen mit Kuckucksuhren, Trachten und Ziegenkäse findet sie keinen Badeanzug. Erst im Supermarkt entdeckt sie einen schlichten schwarzen Einteiler, den sie schnell versteckt, damit niemand die Größe sieht. Die junge Kassiererin lächelt freundlich und bietet die Umkleidekabine an – Galina fühlt sich von der Jugend und Schönheit der Verkäuferin getroffen und denkt wehmütig an ihre eigene Zeit am Strand. Plötzlich wird sie von der Zimmernachbarin unterbrochen, die Rollschuhe und einen rosa Tretroller kauft. „Für die Enkel?“, fragt die Verkäuferin. „Nein, ich lerne selbst – zwischen den Anwendungen!“, zwinkert die alte Dame. Zwei Wochen später kommt Galina als neuer Mensch nach Hause, will Fahrräder kaufen, aufs Eis gehen und sich für Hip-Hop anmelden! Zu Hause wirft sie das Nachthemd weg und holt die High-Heels vom Schrank. Als sie den erstaunten Blick ihres Mannes sieht, umarmt sie ihn und flüstert: „Was denn? Wir fangen doch gerade erst an zu leben! Von Krise sind wir noch weit entfernt!“
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