Glück für alle – Ein perfekter Moment der Freude

Das Leben schreibt manchmal so unerwartete Geschichten, dass alle nur staunen können.

Julia und Max sind seit fast zehn Jahren verheiratet. Sie lieben sich und haben zwei Söhne. Julia ist ausgebildete Lehrerin und hat früher Geschichte unterrichtet. Doch nach der Geburt ihres jüngsten Sohnes Paul musste sie aufhören. Der Kleine hat gesundheitliche Probleme, deshalb muss sie immer für ihn da sein.

“Wir müssen heute mit Paul zum Arzt”, sagte Julia morgens zu Max, während er frühstückte. “Unser Termin ist um elf. Kannst du uns vielleicht hinfahren?”

“Klar”, antwortete Max. “Ich hab nur noch ein Meeting mit dem Chef, dann muss ich eh in die Filiale. Ich ruf dich an.”

“Du könntest auch mit dem Bus fahren, du bist doch keine Prinzessin”, warf Max Mutter Nina ein und verzog missmutig den Mund.

Julia schwieg. Max nickte nur, nahm den Autoschlüssel und verließ die Wohnung. Sie lebten alle zusammen in Ninas Wohnung und das war nicht immer einfach. Nina, die Tochter eines ehemaligen Generals, war es gewohnt, zu bestimmen. Widerrede konnte teuer werden, das hatte Julia schnell gelernt.

“In dieser Wohnung bin ich die Herrin”, hatte Nina einmal scharf gesagt, als Julia in der Küche kochen wollte. “Ich dulde hier keine zweite Köchin. Verstanden? Ich wiederhole mich nicht.”

Julia hatte verstanden. Sie widersprach nicht, zumal Nina früh verwitwet war und ihren Sohn nie loslassen wollte. Deshalb bestand sie darauf, dass alle unter ihrem Dach lebten.

Eigentlich hätte sie sich freuen können: Ihr Sohn war verheiratet, es gab Enkelkinder, und die Schwiegertochter war weder aufmüpfig noch streitsüchtig. Aber Ninas militärische Art ließ sie alles kontrollieren ihre Liebe galt nur Max und den Enkeln. Julia war für sie kaum mehr als Luft.

“Fass nichts an du kannst nicht waschen, nicht kochen, kümmerst dich schlecht um meinen Sohn und die Kinder”, sagte Nina oft, obwohl Julia sich bemühte, alles perfekt zu machen.

Besonders nach Pauls Geburt wurde es schlimmer. Nina machte Julia das Leben zur Hölle. Oft weinte Julia heimlich, manchmal klagte sie bei Max.

“Max, ich respektiere deine Mutter, aber wären wir nicht besser allein?”, fragte sie vorsichtig.

“Und was stört dich jetzt? Alles ist sauber, gewaschen, gebügelt, die Kinder sind satt. Du arbeitest nicht einmal, also sei dankbar für ihre Hilfe”, antwortete Max gereizt.

“Max, ich will doch alles selbst machen kochen, putzen, mich um die Kinder kümmern! Aber deine Mutter lässt mich nicht”

“Wir haben kein Geld für eine eigene Wohnung”, schnitt er ihr das Wort ab. “Vergiss nicht, dass ich der Einzige bin, der arbeitet.”

Also fügte Julia sich.

“Julia, komm mit Paul runter, ich bin gleich da”, rief Max später an.

“Nina, sollen wir nach dem Arzt noch einkaufen?”, fragte Julia höflich.

“Auf keinen Fall! Ich kaufe selbst ein, du hast doch keine Ahnung”, fauchte Nina und drehte sich weg.

Julia seufzte innerlich. “Warum kann ich es ihr nie recht machen? Und Max sieht einfach nicht, wie schwer das ist.”

Nach dem Arztbesuch gingen sie in den Park, aßen Eis, und Paul spielte glücklich auf dem Spielplatz. Der Arzt hatte sie beruhigt:

“Alles ist gut, Paul kann nächstes Jahr in die normale Schule. Er ist ein kluges Kind, die Krankheit schreitet nicht fort. Sie machen das großartig Respekt für Ihre Geduld.”

Julia strahlte. “Vielen Dank, das bedeutet mir viel.”

Doch sie wusste: Nina würde das nicht anerkennen.

“Wie wars beim Arzt, Paul?”, fragte Nina später.

“Super, Oma! Der Arzt hat gesagt, ich bin klug, und Mama kümmert sich toll um mich!”, plapperte Paul.

“Na klar, die Mama wird gelobt als ob ich nichts täte”, murmelte Nina.

Ninas sechzigster Geburtstag stand bevor, und Julia und Max überlegten verzweifelt, was sie schenken sollten.

“Julia, wie wärs mit einem Essen im Restaurant? Dann muss sie nicht kochen”, schlug Max vor.

“Im Restaurant? Ich weiß nicht sie wird sicher etwas auszusetzen haben.”

“Aber wir machen es trotzdem”, entschied Max. “Nur nicht verraten wir sagen es erst am Tag davor.”

Julia war skeptisch, doch sie stimmte zu.

“Mama, wir feiern deinen Geburtstag im Restaurant”, verkündete Max am Vorabend.

Überraschenderweise gab es keine Vorwürfe. Nina schien zwar nicht begeistert, aber sie willigte ein ein kleiner Sieg.

Im Restaurant saßen sie alle am Tisch, die Kinder waren aufgeregt, Max und Julia gut gelaunt. Nur Nina wirkte missmutig.

“Sohn, wir werden noch arm! Das hätten wir billiger zu Hause machen können. Und du, Julia, hättest ihn davon abhalten sollen”, nörgelte sie.

Julia schwieg. Doch dann fiel ihr ein älterer Herr am Nachbartisch auf, der sie unverwandt ansah.

“Was glotzt der so?”, zischte Max und stieß Julia unter dem Tisch an.

“Ich weiß nicht”

Doch plötzlich stand der Mann auf und trat auf Nina zu.

“Darf ich Sie zum Tanz bitten?”

Nina lächelte kokett und nahm seine Hand. Wie verwandelt tanzte sie, strahlte, flüsterte mit ihm.

“Das ist Werner”, erklärte sie später. “Wir waren in derselben Schule. Er ist auch Witwer.” Sie sah ihn bewundernd an. “Das ist das schönste Geburtstagsgeschenk.”

An diesem Abend kam Nina nicht nach Hause. Am nächsten Mittag klingelte es.

“Hallo!”, rief Nina fröhlich Werner stand lächelnd hinter ihr. “Ich hole nur meine Sachen. Ich ziehe aus!”

Max und Julia starrten sie sprachlos an.

“Was guckt ihr so? Werner und ich haben uns entschieden. Stimmts, Schatz?” Werner nickte glücklich.

Kurz darauf heirateten sie. Julia war erleichtert.

“Endlich bin ich die Herrin in der Wohnung!”, rief sie.

“Julia, ich wusste gar nicht, dass du so gut kochen kannst!”, lobte Max. “Alles ist perfekt du bist meine beste Hausfrau!”

“Hab ichs dir nicht gesagt?”, lachte Julia.

Nina und Werner besuchten sie ab und zu. Nun überschüttete Nina Julia mit Lob:

“Du bist eine wahre Hausherrin, meine Tochter! Mein Sohn hat Glück mit dir.”

Julia und Max tauschten verstohlene Blicke und lächelten. Das Leben hatte sie doch noch überrascht.

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Homy
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Glück für alle – Ein perfekter Moment der Freude
„Schon wieder hat sie dir das Hirn vernebelt“ – Tochter, du musst heute noch von ihm weggehen. Hörst du mich? Heute noch! Irina drückte das Handy ans Ohr und schloss die Augen. Draußen summte die abendliche Stadt, im Hörer – das dichte, zähe Entsetzen ihrer Mutter. – Mama, ich … – Was – Mama? – ließ Ludmila Nikolaevna sie nicht ausreden. – Wie lange willst du das noch durchhalten? Erst die Rothaarige aus der Buchhaltung, dann die aus dem Fitnessstudio, und jetzt diese … wie heißt sie … Marina? Willst du dir das weiter gefallen lassen? Irina schwieg. Es gab nichts zu entgegnen. Drei Affären in zwei Jahren Ehe – eine Statistik, die nicht wegzudiskutieren war. – Ich habe so oft ein Auge zugedrückt … – Eben! – schniefte die Mutter. – Und er nutzt es aus. Denkt sich: einmal vergeben, dann auch ein zweites und drittes Mal. Pack die Sachen, dein Zimmer ist fertig. Ich warte. Das Handy war still. Irina saß reglos da und starrte auf ihren Ehering. Matt glänzte das Gold im Licht der Stehlampe – schöner, aber sinnloser Schmuck eines Glücks, das es nicht (mehr) gab. Der Koffer stand offen auf dem Bett wie ein hungriges Maul. Irina packte Pullover, Jeans, Unterwäsche – mechanisch, ohne hinzusehen. Ihre Hände arbeiteten, aber ihr Kopf wollte nicht denken. – Was machst du da? Andreas stand in der Tür, zerzaust, in Jogginghose. Irina drehte sich nicht um. – Ich gehe. – Wohin? – Zu Mama. Er schnaubte. – Hat sie dir schon wieder das Hirn gewaschen? Ira, wie lange hörst du eigentlich noch auf dieses Nervenbündel? Das Hochzeitsfoto lag auf der Kommode. Irina nahm es, strich mit dem Finger über die lachenden Gesichter. Zwei, die nicht ahnten, wie die Geschichte enden würde. Irina legte das Foto zurück, mit dem Gesicht nach unten. – Und wie lange soll ich deine Affären noch ertragen? – Ach komm … – Nichts da. Irina griff nach Tasche, Jacke, Autoschlüssel. – Du kommst zurück, – rief Andreas ihr hinterher. – In einer Woche bist du wieder da. Wen interessiert’s schon, was aus dir wird? Irina antwortete nicht – alle Energie sparte sie für die Fahrt ans andere Ende der Stadt. Ludmila Nikolaevna wartete im Hausflur, dick in einen Wollschal gehüllt. – Du Ärmste, komm rein. Der Duft nach ihren Parfüm und Geborgenheit in der Umarmung. Irina barg das Gesicht in Mutters Schulter und erlaubte sich zum ersten Mal, loszulassen. – Wir trinken Tee, mit Honig. Und ich habe deine Lieblingshörnchen gebacken. Die Mutter-Wohnung umhüllte Irina mit Wärme und Stille. Alles war wie früher: Stickdeckchen auf dem Fernseher, Geranien am Fenster, Zimtgeruch aus der Küche. Ein Rückzugsort nach zwei Jahren Sturm. – Danke, Mama, – flüsterte Irina. – Danke, dass es dich gibt … … Die Scheidung zog sich über vier Monate. Gerichte, Papiere, Streit ums Inventar – diese Bürokratiemühle mahlte das letzte Gemeinsame zu Staub. Irina unterschrieb die Papiere mechanisch – was machte es schon, wer den Mixer oder den Couchtisch bekam? Bitte unterschreiben Sie hier und hier, – zeigte die Justizangestellte. Der Stift flog übers Papier. Unterschrift – Strich – Stempel. Ehe geschieden. Amtlich, unwiderruflich, endgültig. Draußen fiel nasser Schnee. Irina stapfte durch die Straßen. Leer war sie – das tat nicht mal weh, es war einfach so; ein riesiges, hallendes Nichts. Das halbe Jahr nach der Scheidung verschwamm zu einem formlosen, grauen Fleck. Irina aß kaum noch, starrte an die Decke. Die Liebe zu Andreas – dumm, unbegreiflich – war noch da, wie ein Splitter, der nachts bohrte. Ludmila Nikolaevna machte keine Vorwürfe. Kochte Hühnerbrühe, streichelte über Irinas Haare. – Schlaf noch, Kind. Ruh dich aus. Irina schloss gehorsam die Augen. Träume waren nur Nebel – grau, sinnleer, ohne Geschichte. Nur Arbeit lenkte etwas ab … … Im Sommer wich die Apathie langsam zurück. Irina wollte zum ersten Mal seit Monaten raus, Eis kaufen, in den Park. – Wohin gehst du? – fragte Ludmila Nikolaevna im Flur. – Einkaufen. Brot holen. – Brot? Wir haben doch Brot. – Dann einfach spazieren. – Spazieren? Wohin? Wie lange denn? Hast du gefrühstückt? Und warum dieser Rock, der ist doch zu kurz! Irina verharrte mit dem Schlüssel in der Hand. Fünfzehn Jahre alt – fühlte sie sich gerade wirklich so? War sie nicht schon 28 und erwachsen? – Mama, ich will einfach nur raus. – Wann bist du zurück? Irgendwo unter den Rippen kratzte der Ärger. Irina schluckte ihn herunter, lächelte. – In einer Stunde. – Wirklich? Nicht länger? Ich mach mir doch Sorgen! Die Fragen wurden zum täglichen Ritual. Wohin gehst du, mit wem, warum sieben Minuten zu spät? Selbst der Zahnarzttermin verlangte einen kompletten Bericht. – Was hat er gesagt? Welcher Zahn? Füllung oder ziehen? Wann ist der Folgetermin? Warum hast du mich nicht gleich angerufen? Irina hielt still. Mama sorgt sich, Mama liebt, Mama meint es gut. Da sei undankbar. – Mama, ich habe überlegt … vielleicht ziehe ich in eine eigene Wohnung? Ludmila Nikolaevna wurde blass, griff sich ans Herz. – Was? Eine Wohnung? Ist es dir hier nicht gut? – Doch, aber … – Ach … Mein Herz, – die Mutter sackte theatralisch auf den Stuhl. – Mir ist so schlecht, bestimmt ist mein Blutdruck wieder zu hoch … Irina rannte mit Blutdruckmessgerät, Tropfen, Wasser. Der Traum vom Einzimmerapartment löste sich in Mutters Tränen auf. … Der nächste Versuch kam in einem Monat. Irina fand ein günstiges Studio, zahlte die Kaution, packte ihren Koffer. Ludmila Nikolaevna lag theatralisch auf der Couch, Hand aufs Herz, atmete schwer und schwach. – Mama! Was ist los? – Mein Herz … Geh nur, wenn du meinst. Ich schaff das allein. Irgendwie. Irina kniete sich an den Sessel, griff nach Mutters Hand – kalt, feucht. Oder bildete sie sich das nur ein? – Ich geh nicht, hörst du? Ich bleibe. Ludmila Nikolaevna öffnete kurz ein Auge, zur Kontrolle. Irina bemerkte es, verdrängte es aber. Mutter würde niemals so tun … oder etwa doch? Noch am selben Abend sagte Irina das Apartment wieder ab … Einen Monat später neuer Versuch: Irina mietete ein Zimmer nah bei der Arbeit. Der Koffer stand bereit. – Oje oje oje, – Ludmila Nikolaevna krümmte sich in der Küche, umklammerte den Bauch. – Magengeschwür … oder Blinddarm … Irina, ruf den Notarzt! – Gestern hast du Bratkartoffeln mit Speck gegessen. Magengeschwür? – Glaubst du mir nicht? – Die Mutter weinte. – Die eigene Tochter glaubt nicht … Lass mich, geh ruhig. Bleib ich halt hier, fällt ja niemandem auf, wenn was passiert … Irina packte wieder aus. Ein Verdacht regte sich, aber sie schob ihn weg. Schlecht von Mama denken? Das geht nicht! … Dmitrij trat durch Zufall in ihr Leben – neuer Kollege im Nachbarbüro. Groß, Lachgrübchen, ansteckendes Lachen. – Irina, gehen Sie gern ins Theater? – Gern. Eigentlich. War aber ewig nicht. – „Der Kirschgarten“. Samstag. Sind Sie dabei? Erstes richtiges Rendezvous seit einem Jahr. Mit einem Mann, der sie ansah, als wäre sie nicht bloß eine geschiedene Versagerin, sondern etwas Besonderes. Jetzt nur noch Mama Bescheid sagen. – Mama, ich gehe am Samstag ins Theater. Ludmila Nikolaevna sah vom Fernseher auf. – Mit wem? – Mit Dmitrij, einem Kollegen. – Dmitrij … Ist der nett? – Sehr sogar. – Soso, erzähl mal. Irina setzte sich. Zum ersten Mal seit langem wollte sie wirklich erzählen, lachen, sich mitteilen. Mutter hörte aufmerksam zu, fragte aus. Den listigen Glanz in den Augen der Mutter bemerkte Irina nicht – oder wollte ihn nicht sehen. Der Samstag begann wunderbar. Irina wählte ein Kleid, schminkte sich, summte vor sich hin. Noch zwei Stunden bis zur Vorstellung, doch sie fühlte sich schon jetzt leicht und glücklich. – Ich husch kurz zur Apotheke und dann zu einer Freundin, – rief Ludmila Nikolaevna im Flur. – Gut, Mama. Die Tür fiel zu. Irina schminkte sich weiter: Mascara, Rouge, etwas Highlighter. Zwei Stunden später – wollte sie los. Doch die Schlüssel waren weg. Irina griff zum Handy. Freizeichen, Freizeichen, Freizeichen. „Teilnehmer nicht erreichbar“. 14 Anrufe in der nächsten Stunde. Keine Reaktion. Um sieben sollte das Stück beginnen. Um sechs hatte Irina noch Hoffnung. Halb sieben tobte sie durch die Wohnung, trat gegen die verschlossene Tür. Um sieben saß sie im Flur am Boden, die Knie umklammert. Dmitrij wartete vor dem Theater. Blickte nervös auf die Uhr, aufs Handy. Hat sie sich verspätet? Im Stau? Drei Nachrichten schickte er, rief zweimal an. Irina sah die Hinweise. Sie heulte sich aus. … Ludmila Nikolaevna kam um zehn zurück – sie roch nach Kuchen und fremdem Parfüm. – Warum sitzt du hier auf dem Boden? Irina starrte sie wortlos an. Worte blieben im Hals stecken – stachlig, giftig. – Die Schlüssel, – brachte sie hervor. – Welche Schlüssel? Ach, die. Die habe ich versehentlich eingesteckt, wirklich! Ich werde wohl alt. Versehentlich. Natürlich. Versehentlich beide Schlüssel mitgenommen, versehentlich nicht erreichbar gewesen. Irina stand auf. Die Beine zitterten, aber der Kopf war klar – zum ersten Mal seit anderthalb Jahren. … Am nächsten Morgen wartete Irina, bis die Mutter zum Briefkasten ging. Dann packte sie Unterlagen, Stopfte Sachen in denselben Koffer wie damals – und ging, ließ ihren eigenen Schlüsselring im Flur zurück. … Katja öffnete im Pyjama mit Katzen drauf. – Ira? Was ist los? – Kann ich bei dir schlafen? – Klar, komm rein. Keine Fragen, keine Vorwürfe. Nur Tee, Decke, Sofa. Das Handy explodierte: zwanzig, dreißig, vierzig Anrufe. Nachrichten über Nachrichten: „Wo bist du?“, „Wie konntest du nur?“, „Ich bin krank vor Sorge“, „Du kümmerst dich nicht um mich“. … Eine Woche blieb sie bei Katja. Dann – ein Mini-Apartment am Stadtrand, mit Blick auf die Industrie und lauten Nachbarn. Am achten Tag rief Irina bei ihrer Mutter an. – Kind! Endlich! Ich bin halb verrückt geworden, bitte komm zurück! – Nein. – Wie, nein? Ira, ich bin doch deine Mutter, ich liebe dich mehr als mein Leben … – Ich weiß, Mama. Aber ich brauche Abstand. – Abstand? Warum? Ich habe doch alles für dich getan! Irina atmete tief durch. – Wenn du mich in deinem Leben behalten willst, musst du dich ändern. Kein Kontrollieren. Keine verschlossenen Türen. Keine Herzanfälle, wenn ich wegziehen will. – Du bist ungerecht … – Das sind meine Bedingungen. Wenn du sie nicht akzeptierst, hast du keine Tochter mehr. Pause. Lange, klirrende Stille. – Denk drüber nach, Mama. Ich rufe in einem Monat an. Ob die Mutter sich ändert, wusste Irina nicht. Aber sie selbst war nun nicht mehr dieselbe. Ins Theater ging sie mit Dima trotzdem – bei einem anderen Stück. Doch das war dann schon nicht mehr wichtig …