Meine Familie werde ich nach anderen Regeln gestalten
Im zehnten Schuljahr, als alles wie ein endloser Fluss wirkte, bemerkte Johanna plötzlich, dass sie für ihren Mitschüler Lukas schwärmte. Er war anders als die anderen Jungen nie grob, nie spöttisch, immer höflich zu Lehrern und freundlich zu den Mädchen, als hätte er einen geheimen Pakt mit der Sonne geschlossen. Seine blonden, leicht gewellten Haare und die blauen Augen, die wie zwei kleine Seen funkelten, machten ihn zu einer seltsamen Erscheinung, fast wie ein Traumwesen.
Nach den Sommerferien war Lukas plötzlich größer als die meisten Jungen in der Klasse, seine Schultern breiter, als hätte er im Schlaf mit Riesen gerungen. Lukas, was ist mit dir passiert?, fragten die anderen, ihre Stimmen wie das Echo in einer alten Burg. Er lächelte nur und dachte an die Baustelle, auf der er den Sommer verbracht hatte, aber die Wahrheit blieb wie ein Schatten hinter seinen Worten.
Sein Vater trank, das Geld verschwand wie Nebel, und die Mutter, eine Nachtschwester im Krankenhaus, kämpfte allein gegen die Zeit. Lukas wuchs schneller als die Zeiger der Uhr, und seine Mutter sah es mit einem bittersüßen Blick. Mama, wo kann ich im Sommer arbeiten? Ich will mir selbst Kleidung und Schuhe kaufen, von Papa kommt nichts, fragte er eines Abends, als die Welt draußen in Regen getaucht war.
Ach, mein Junge, du bist wirklich erwachsen geworden, seufzte sie und versprach, mit Tante Vera zu sprechen. Ihr Mann, Herr Anton, hatte eine Baufirma, und vielleicht würde Lukas dort gebraucht werden. Anton nahm ihn auf, und Vera lobte ihn bei seiner Mutter: Mein Anton sagt, dein Sohn ist fleißig, klug und zuverlässig. Nicht wie unser Timo, der alles geschenkt bekommt.
Danke, Vera, wenigstens ist mein Sohn nicht wie sein Vater.
Schick den Trinker doch weg, was ist das für ein Leben?, riet Vera.
Wohin soll er denn gehen? Ich kann mich nicht entscheiden, auch wenn ich es nicht mehr ertrage…
Lukas Mutter war eine Frau mit großem Herz, fütterte streunende Katzen und Hunde, und konnte sich deshalb nicht zur Scheidung durchringen.
Am ersten September, als die Schule wie ein seltsames Schloss wirkte, sah Johanna Lukas und war erstaunt. Was für ein Wandel!, tuschelten die Mädchen, als sie ihn sahen, groß und gut gekleidet, obwohl sein Vater trank. Johanna war anders als die anderen lange dunkle Haare, braune Augen, ein ernster Blick, immer die Beste in der Klasse. Sie half jedem, war nie eingebildet, und die Lehrer lobten sie: Ein Professorenkind, aber so bescheiden und ernst.
Je älter die Mädchen wurden, desto mehr beneideten sie Johanna, doch sie blieb freundlich und half allen. Ihr Vater, Herr Friedrich, lehrte Wirtschaft an der Universität, ihre Mutter, Frau Margarete, Chemie am Gymnasium. Johanna war das einzige Kind, alles drehte sich um sie, aber sie war nicht verwöhnt.
Die Lehrer sagten: So ein wohlerzogenes Kind, das ist selten bei Professorenfamilien.
Johanna dachte nach dem ersten Schultag oft:
Lukas gefällt mir, deshalb freue ich mich auf die Schule. Ist das Liebe? Ich war noch nie verliebt, auch wenn die anderen von nächtlichen Spaziergängen mit Jungen erzählen.
Lukas war ebenfalls verliebt, sah nur Johanna, obwohl viele Mädchen um ihn kreisten. Johanna wusste nicht, dass manche ihm heimlich schrieben, doch er lehnte ab. Nach dem Unterricht kam Lukas zu ihr:
Johanna, kannst du mir bei Algebra helfen? Ich habe den Faden verloren.
Klar, komm zu mir nach Hause, dann klären wir das.
Ist das okay für deine Eltern?
Mach dir keine Sorgen, meine Eltern sind super. Komm, gehen wir gleich.
Sie verließen gemeinsam das Schulgelände, und die anderen Mädchen blickten ihnen nach, voller stiller Eifersucht. Johanna erklärte Lukas die Algebra, und plötzlich war alles klar wie ein Traum, in dem Zahlen tanzen.
Es ist gar nicht schwer, wenn man es versteht, lachte Lukas.
Von diesem Tag an brachte Lukas Johanna nach Hause, und bald wusste die ganze Schule von ihrer Liebe.
Die hat Lukas an der Angel, er folgt ihr wie ein Kälbchen, lästerte Klara, die ihn mochte.
Lukas weiß, was er tut, mit einer Professorentochter, ärgerten sich die anderen, auch die Jungen, denn Johanna war beliebt.
Johanna achtete nicht darauf, sie war glücklich, wenn Lukas in ihrer Nähe war. Liebe kommt wie ein Lichtstrahl in einen dunklen Raum, fragt nicht nach Namen oder Herkunft, sie ist einfach da. Zwei Herzen, verschieden und doch im Einklang, und alles andere verliert an Bedeutung.
Johannas Eltern wussten von Lukas, er war oft bei ihnen, sie gingen gemeinsam spazieren, aber nie zu spät, denn die Eltern erlaubten es nicht. Margarete wusste, aus welcher Familie Lukas kam, und ihre Freundin sagte spöttisch:
Deine Tochter trifft sich mit Lukas, du weißt schon, der mit dem trinkenden Vater.
Aber Lukas ist höflich und lernt gut, entgegnete Margarete.
Was kann er deiner Tochter bieten?
Mein Neffe kommt auch aus so einer Familie und studiert, es kommt auf den Menschen an.
Die Zeit verging, Johanna und Lukas waren unzertrennlich. Das Abitur rückte näher. Johanna schloss mit einer Eins ab, Lukas ebenfalls gut. Sie ging an die Universität, Lukas an die Technische Hochschule.
Beim Abschlussfest tuschelten die Mädchen:
Johanna geht zur Uni, Lukas zur Technischen da trennen sich ihre Wege. Sie findet schnell einen neuen Freund.
Doch Liebe ist seltsam, sie sieht keine Namen, keine Skandale, nur den Menschen, der anders sein will.
Lukas Vater schrie:
Was willst du bei einer Professorenfamilie? Die werden dich abweisen, du hast nichts zu bieten!
Aber Lukas hörte nicht mehr auf ihn, er hatte längst aufgehört, seinen Vater zu achten.
Bei einem Streit sagte Lukas:
Ich werde nicht wie du leben. Was siehst du in deinem Leben? Nur den Boden des Glases. Meine Familie wird nach anderen Prinzipien leben, ganz anders als deine.
Vieles hängt von den Umständen ab. Hätten Johannas Eltern gesagt:
Siehst du nicht, aus welcher Familie Lukas kommt?
Vielleicht wäre ihre Geschichte am ersten Widerstand gescheitert. Aber sie sahen, wie liebevoll Johanna und Lukas miteinander umgingen und mischten sich nicht ein. Sie wählten einander und bewiesen, dass man das Schicksal umschreiben kann.
Die Jahre an der Universität und Hochschule vergingen, und ihre Beziehung blieb ungetrübt, trotz vieler Prüfungen. Vor dem Abschluss machte Lukas Johanna einen Antrag:
Ich habe lange auf diesen Moment gewartet, sagte er, kniete nieder und öffnete eine kleine Schachtel mit einem Ring. Willst du meine Frau werden?
Natürlich, Lukas, ohne dich geht es nicht.
Sie heirateten, und Johannas Eltern schenkten ihnen zur Hochzeit eine Wohnung. Lukas fand eine gute Stelle in einer großen Firma, verdiente ordentlich Euro, und seine Zukunft sah vielversprechend aus. Er träumte davon, ein eigenes Unternehmen zu gründen, und alles schien möglich.
Danke fürs Lesen, für eure Unterstützung und viel Glück im Leben!





