Ich habe meiner Tochter zur Hochzeit eine Eigentumswohnung geschenkt. Erst viel später merkte ich, dass das vielleicht nicht die brillanteste Idee meines Lebens war.
Meine verstorbene Frau war eine wunderbare Partnerin: hübsch, herzlich, klug. Wir waren 23 Jahre verheiratet, und ehrlich gesagt, waren das die besten Jahre meines Lebens. Leider hat eine heimtückische Krankheit sie viel zu früh aus meinem Alltag gerissen. Gemeinsam haben wir unsere Tochter großgezogen.
Als meine Frau noch lebte, schlug sie vor, eine zweite Wohnung zu kaufen zur Vermietung, als sicheres Polster für die Rente. Meine gesetzliche Rente ist ja eh kaum der Rede wert. Sie meinte: Mit Mieteinnahmen kommt immer was rein, und falls es mal richtig brenzlig wird, kann man so eine Wohnung immerhin verkaufen. Immobilien sind wie Kartoffeln die braucht man immer! Unsere Tochter Anna war damals schon fast flügge und sehr eigenständig.
Als Anna den Heiratsantrag von ihrem Freund angenommen hatte, schenkte ich den beiden die zweite Wohnung als Hochzeitsgeschenk. Sollte ja ein guter Start ins Eheleben sein, ganz ohne Stress mit Vermietern und Kautionszahlungen. Allerdings im Nachhinein betrachtet, hätte ich besser eine schöne Topfpflanze gekauft.
Ich dachte wirklich, Anna hätte Köpfchen. Schließlich ist sie meine Tochter. Doch was tut sie? Nachdem ich ihr das Apartment überschrieben hatte, verkaufte sie es eiskalt und kaufte sich lieber einen funkelnagelneuen Mercedes.
Wo wollt ihr denn jetzt wohnen, Anna?, fragte ich und versuchte, nicht umzukippen.
Ach, Papa, wir verdienen doch genug, irgendwann kaufen wir ganz easy eine neue Wohnung. Erstmal mieten wir halt was. Und Ben und ich träumen schon ewig von so einem Auto! Ein paar tausend Euro sind noch übrig da fliegen wir gleich nach Antalya, ordentlicher Urlaub war eh längst fällig!
Ich war sprachlos. Sagen wir mal so: Das war kein Tag zum Jubeln in Hamburg. Haben die beiden den Wagen lange gehabt? Klar, drei Monate später hat mein Schwiegersohn einen Unfall gebaut. Der Mercedes war plötzlich ein Haufen Altmetall, als hätte ihn ein Berliner U-Bahnzug erwischt. Anna blieb zum Glück heil. Aber dann kam raus, dass Ben sich eine Geliebte zugelegt hatte, und er rauschte davon ins Liebesabenteuer, ohne meine Tochter.
Anna hatte nun weder Ehemann, noch Auto, noch Wohnung und zog wieder bei mir ein. Immerhin gibts bei mir gute Bratkartoffeln auch wenn die Stimmung manchmal ganz schön knusprig ist.



