AUF DEM KÜCHENSOFA
Hier auf dem Küchensofa ist es richtig bequem, ich denke, du kannst hier ein paar Tage übernachten, sagt mein Sohn ganz gelassen zu mir.
Ich habe nichts erwidert, denn ich war von der Reise völlig erschöpft. Schließlich bin ich pünktlich zu Silvester nach Hause gekommen, stand ewig an der Grenze, habe gefroren, wollte dringend duschen und hatte Hunger. Also habe ich mir jeglichen Kommentar verkniffen, obwohl in mir ein regelrechter Sturm tobte.
Natürlich hatte ich auf einen anderen Empfang gehofft. Drei Jahre war ich nicht zu Hause gewesen. Ich hatte in Tschechien gearbeitet, bin direkt nach der Hochzeit meines Sohnes zum Arbeiten ins Ausland gegangen.
Wir hatten ein Haus, aber das war noch im Originalzustand für eine Renovierung fehlte uns schlicht das Geld. Wir haben gerade so über die Runden gekommen. Ich habe meinen Sohn allein großgezogen, mein Gehalt war das absolute Minimum, und mein Ex-Mann hat sich finanziell nie wirklich beteiligt, selbst den Unterhalt hat er nur sporadisch gezahlt. Also musste ich alles alleine stemmen.
Als dann Lukas erwachsen wurde und heiraten wollte, habe ich gemerkt, dass ich zu Hause eigentlich nichts mehr zu tun hatte also ab ins Ausland, wie so viele andere Frauen. So kann ich für meine Rente vorsorgen und meinem Kind helfen.
Ich bin nach Tschechien gegangen, wo meine Freundin Birgit schon seit Jahren arbeitete und mir half, mich dort einzuleben.
Am Anfang war es hart alles neu, die Sprache fremd, die Bedingungen eher bescheiden. Wir haben zu sechst in einer Zwei-Zimmer-Wohnung gewohnt. Klar, man hätte auch etwas Besseres finden können, aber das wäre teurer gewesen, und wir waren ja alle zum Geldverdienen und Sparen da, nicht zum Luxusleben.
Mit jedem Monat habe ich mich mehr eingewöhnt. Ich hatte einen Plan: Geld nach Hause bringen, um das Haus endlich schön zu machen. Ich habe viel gearbeitet, Freizeit war ein Fremdwort. Immer dachte ich, bald ist es geschafft, dann komme ich zurück zu meiner Familie.
Mama, wofür sparst du eigentlich das ganze Geld? hat Lukas mich mal aus Tschechien angerufen und diese seltsame Frage gestellt.
Wie wofür? Wir renovieren unser Haus! habe ich erstaunt geantwortet.
Ich finde, wir sollten nicht länger warten und direkt loslegen. Du hast doch schon was angespart, oder? meinte Lukas.
Damals hatte ich gerade mal 5.000 Euro, aber das reichte, um mit der Renovierung zu starten. Lukas hat das Ganze sehr gründlich angepackt, mir einen Plan präsentiert, und ich war begeistert.
Ich bin gar nicht erst nach Hause gefahren, weil ich noch mehr verdienen wollte. Das ganze Geld habe ich direkt zu Lukas geschickt, weil ich so schnell wie möglich Ergebnisse sehen wollte.
Als ich dann endlich zurückkam, war ich baff unser Haus war nicht wiederzuerkennen, es sah jetzt ganz anders aus als damals, als ich weggegangen bin.
Ein riesiges Wohnzimmer mit bodentiefen Fenstern, teure, schicke Möbel, und an der Wand hing ein gigantischer Flachbildfernseher.
Lukas war mächtig stolz auf sich, führte mich strahlend durch die Zimmer und präsentierte mir alles.
Ich war hin und weg, alles sah wirklich toll und teuer aus, ich hätte nie mit so einem Ergebnis gerechnet. Mein Sohn hat sich als echter Hausherr erwiesen und das Geld klug eingesetzt.
Alles sehr schön, mein Junge, gut gemacht. Und wo ist mein Zimmer? fragte ich.
Da entstand eine peinliche Pause, nach der Lukas mir vorschlug, auf dem Küchensofa zu schlafen, das sei ja so bequem.
Mama, das ist doch nur für den Urlaub. Wir dachten, in der Küche ist es wärmer, und du störst niemanden. Im Moment ist viel los, viele Gäste.
Diese Worte trafen mich wie eine kalte Dusche. Klar, ich wusste, dass er jetzt erwachsen ist und sein eigenes Leben hat, aber das Gefühl, überflüssig zu sein dass ich alles für ihn gegeben habe und nun mit leeren Händen dastehe tat weh.
Ich habe auf der Küche übernachtet und gehört, wie Lukas mit seinen Freunden lachte. Ich erinnerte mich daran, wie alles angefangen hatte: wie ich mich abgerackert habe, um ihm das Beste zu bieten, und jetzt fühlte ich mich wie ein Fremder im eigenen Haus.
Schön hast dus hier. Ist das Haus eigentlich schon auf dich überschrieben? hörte ich aus meinem Zimmer die Unterhaltung von Lukas und seinem Kumpel.
Noch nicht, aber ich will bald mit Mama darüber reden sie soll das Haus auf mich überschreiben, ich strenge mich hier an, aber es gehört mir noch nicht. Und wenn Mama plötzlich wieder heiraten will? antwortete Lukas, und alle lachten laut.
Mir wurde richtig übel bei diesen Worten. Das Haus gehört noch mir, und ich habe nicht vor, es irgendwem zu überschreiben, denn ich sehe ja, wie wackelig meine Position ist. Wenn sie mich jetzt schon in die Küche abschieben, wo soll ich wohnen, wenn das Haus ganz auf Lukas läuft?
Ich habe das Gespräch mit Lukas gar nicht erst abgewartet, sondern meine Sachen gepackt und bin zurück nach Tschechien gefahren. Den Kindern habe ich erzählt, dass ich ganz dringend zur Arbeit muss.
Nach allem, was passiert ist, weiß ich, dass ich einiges überdenken muss. Vielleicht sollte ich aufhören, Lukas zu finanzieren und stattdessen für eine eigene kleine Wohnung sparen. Was meinen Sie?





