Ich bin fast 60, doch nach sechs Jahren Ehe nennt mich mein Mann, der 30Jahre jünger ist, jede Nacht meine kleine Frau und zwingt mich, etwas zu trinken, das mich jedes Mal den Verstand raubt.
Ich heiße Liselotte, bin 59Jahre alt und hätte nie gedacht, dass ich in meinem Alter noch einmal so verrückt verliebt werden kann kindisch, leidenschaftlich, alles verzehrend.
Als ich Felix kennenlernte, war ich 53 und er gerade einmal 23. Er war neuer Trainer im Fitnessstudio in Berlin, zu dem ich mich nur angemeldet habe, um nach meiner Scheidung nicht zu Hause zu hocken. Groß, sonnengebräunt, mit Grübchen an den Wangen und einem Lächeln, das mir einer alten Frau mit zwei erwachsenen Söhnen die Knie zittern ließ.
Er kam, um meine Technik zu korrigieren, und jedes Mal, wenn seine Hände meine Schultern oder meine Taille berührten, errötete ich wie ein junges Mädchen. Nach dreiMonaten lud er mich auf einen Kaffee ein. Ich lachte: Junge, du bist jünger als mein jüngster Sohn. Er antwortete: Und was? Das Herz fragt nicht nach dem Ausweis.
Wir fangen an, uns zu treffen. Ich dachte, es bleibt ein kurzer Flirt und er wandert zu Gleichaltrigen. Doch ein Jahr vergeht er bleibt. Zwei Jahre er zieht bei mir ein. Im dritten Jahr kniet er im selben Studio vor allen und macht mir einen Antrag.
Meine Söhne sind fassungslos, Freundinnen zucken mit den Augen, Nachbarn tuscheln: Sie hat ihn gekauft, Er wartet nur darauf, dass sie stirbt und das Erbe holt. Und wir leben einfach weiter und sind glücklich.
Die Hochzeit ist klein, nur die engsten Freunde. Ich trage ein schlichtes weißes Kleid (ja, mit 56Jahren darf ich noch Braut sein). Er im Smoking, die Augen voller Tränen. Als der Pfarrer sagt: Ihr dürft die Braut küssen, flüstert Felix mir ins Ohr: Meine kleine Frau. Und seit diesem Moment nennt er mich so jeden Abend, jede Nacht.
Dann beginnt unser kleines Geheimnis. Jeden Abend, wenn wir allein sind, schenkt er mir ein Glas keinen Wein, keinen Schnaps. Er mixt ein spezielles Getränk und sagt: Das ist mein JungbrunnenElixier für meine Königin. Süß, mit Honig und Kräuternoten. Ich trinke und nach einer halben Stunde überkommt mich etwas.
Kein Rausch, sondern etwas anderes. Der Körper wird leicht, die Haut empfindlich, das Herz schlägt wie das einer Zwanzigjährigen. Ich lache ohne Grund, tanze im Haus in seinem Hemd, singe Karaoke zu alten Schlagerhits, und er schaut mich verliebt an und wiederholt: Schau, wie meine kleine Frau meine kleine, verrückte Liebste ist.
Ich frage, was in dem Getränk steckt. Er lächelt nur: Ein Geheimnis, aber sicher und nur für dich.
Eines Abends beobachte ich, wie er ein paar Tropfen aus einer kleinen dunklen Flasche hinzufügt. Das Etikett liest: natürliche Aphrodisenzien, DamianaExtrakt, Mohn, Ginseng, LArginin und noch etwas, das ich nicht entziffern kann. Die Dosis reicht für ein ganzes Fußballteam.
Ich tue so, als hätte ich nichts gesehen. Denn wissen Sie was? Es gefällt mir.
Mir gefällt, dass ich mit 59Jahren wie eine 25jährige Geliebte fühle. Es gefällt mir, wenn er mich in die Arme nimmt, ins Schlafzimmer trägt und flüstert: Du bist meine Frau, ich lass dich nie los. Es gefällt mir, morgens aufzuwachen und zu sehen, dass er bereits das Frühstück zubereitet hat und mich ansieht, als wäre ich das Schönste, das ihm je passiert ist.
Letzte Woche feiern wir den sechsten Jahrestag. Felix hat eine Überraschung organisiert: ein Raum voller Kerzen, 80erHits und er trägt dieselbe Jeans und das TShirt, in dem er mich das erste Mal besucht hat.
Er stellt das Glas mit dem Elixier vor mich und sagt:
Liselotte, du denkst, ich gebe dir das zu trinken, damit du jünger wirst. Ich gebe dir es, damit du dich erinnerst: Für mich wirst du immer meine kleine Frau sein mit 60, 70, 90. Und wenn dein Haar bis zur Hüfte grau ist und wir mit Gehstöcken spazieren, schenke ich dir weiterhin dieses Glas und sage: Trink, Liebste, denn heute verliebe ich mich wieder neu in dich.
Ich trinke bis zum letzten Tropfen.
Wieder renne ich durch das Haus in seinem Hemd, lache bis zu Tränen und liebe mit ihm bis zum Morgengrauen.
Lass sie reden, lass sie nicht verstehen. Felix und ich haben unsere Formel für ewige Flitterwochen. Die Hauptzutat ist nicht die Flasche mit Kräutern, sondern er selbst und sein Blick, der mich immer wieder meine kleine Frau nennt.
Jede Nacht.
Jetzt seit sechs Jahren.
Und ich weiß: Das bleibt so für immer.





