„Ich will einen Test machen – wenn Dasha wirklich meine Tochter ist, nehme ich sie zu mir.“ – „Nimm sie doch gleich, sie steht mir nur im Weg – ich bin es leid, sie zu füttern und einzukleiden, manchmal verzichte ich sogar auf Entspannung, nur damit sie etwas zu essen bekommt. So ist das Leben… Gib mir Geld, Mischa, ja?“

Ich fordere einen DNA-Test falls Klara tatsächlich mein Kind ist, nehme ich sie zu mir. Hol sie doch gleich, sie taumelt mir ständig vor die Füße ich bin ausgelaugt, muss sie versorgen, einkleiden, verzichte auf alles, damit sie satt bleibt. So ist das eben Gib mir Geld, Michael, bitte.
Sabine schwebt durch die Wohnung, als ob die Wände aus Nebel wären. Sie schmiert ihrem Mann hastig ein paar Brote, wickelt sie in Alufolie, die wie silberne Schuppen glänzt, und legt sie auf den Küchentisch, der sich im Traum zu drehen scheint.
Michael arbeitet in einer Autowerkstatt, wo die Zeit stillsteht und Pausen verboten sind, also nimmt er immer Proviant mit, als würde er auf eine Expedition gehen.
Sabine ist Köchin in einer Kantine, die irgendwo am Rand der Stadt liegt, vielleicht auch am Rand der Wirklichkeit. Deshalb steht sie immer eine Stunde früher auf als Michael, als ob sie gegen die Uhr kämpft.
Draußen regnet es feine Tropfen, die wie winzige Spiegel auf die Welt fallen. Sabine greift nach dem Regenschirm im Flur, doch der Schirm entgleitet ihr, schlägt polternd auf die Fliesen, als wolle er fliehen. Sabine hält inne, blickt ins Schlafzimmer ihr Mann schläft tief, als wäre er in einem anderen Traum gefangen.
Sie lächelt schief:
Typisch! und verlässt lautlos die Wohnung, als würde sie durch Wasser gehen.
Der Bus erscheint viel zu früh, als hätte er die Zeit verschluckt. Sabine setzt sich ans Fenster, beobachtet die Stadt, die sich in seltsamen Farben windet. Ihre Gedanken schweben davon.
Sabine ist keine junge Frau mehr, die Dreißig schwebt wie ein Schatten hinter ihr, sie lebt mit Michael in einer stillen Zufriedenheit Auch wenn sie bescheiden leben, fühlt sie sich ausgeglichen, als würde das Leben sie wiegen.
Nur eines drückt Sabine nieder sie und Michael sind kinderlos, und ihr Herz sehnt sich nach einem eigenen Kind, egal ob Mädchen oder Junge, Hauptsache, es wäre da.
Drei Jahre sind sie verheiratet, Sabine geht regelmäßig zu Untersuchungen, doch die Ärzte zucken nur mit den Schultern, als hätten sie die Antworten vergessen.
Der Bus hält, Sabine zahlt mit ein paar Euro, die in ihrer Hand zu glitzern scheinen, und steigt aus nur noch durch den Park, dahinter liegt die Kantine, die im Nebel verschwimmt.
Nach wenigen Schritten bleibt Sabine stehen auf einer feuchten Bank sitzt ein kleines Mädchen und weint, als würde der Regen aus ihren Augen kommen. Sie trägt eine dünne Jacke, friert und zieht sich zusammen, während Tränen und Regentropfen ihre Wangen benetzen, als ob Himmel und Herz eins wären.
Sabine nähert sich vorsichtig, als würde sie einen Vogel streicheln, und fragt:
Hallo! Warum bist du hier ganz allein?
Mama hat mich rausgeworfen schluchzt das Kind, als würde jedes Wort die Luft zerreißen.
Wie, rausgeworfen? Sabine ist entsetzt. Wer setzt sein Kind in den Regen, in einen Traum, der nicht enden will?
Sie hat geschlafen, ich hatte Hunger. Ich habe sie geweckt, dann hat sie geschrien Jetzt bin ich hier
Wie heißt du?
Klara.
Was soll ich jetzt mit dir machen, Klara? Sabine überlegt, wirft einen Blick auf die Uhr, die wie ein Auge blinzelt. Komm, wir gehen. Wo wohnst du? Ist es weit?
Nein, gleich um die Ecke, das Mädchen zeigt in eine Richtung, die wie ein Fluss durch die Stadt fließt.
Sie gehen los und stehen nach fünf Minuten vor einer Wohnung, die wie ein fremdes Schloss wirkt. Sabine drückt den Klingelknopf, lange passiert nichts, als würde die Zeit stehenbleiben.
Endlich öffnet eine verschlafene, verwahrlost wirkende Frau im fleckigen Morgenmantel, ihr Haar wie ein zerzauster Kranz um das Gesicht.
Sie blickt Sabine verwundert an, dann auf Klara und macht wortlos Platz:
Kommt rein.
Sabine tritt schweigend ein. In der Wohnung riecht es so streng, dass ihr sofort übel wird, als würde der Geruch die Luft fressen.
Auf dem schmutzigen Boden liegen Lumpen, eine dicke Staubschicht auf dem Schrank verrät, dass hier lange niemand geputzt hat. Beim Umsehen entdeckt Sabine ein Foto im Regal, das wie ein Fenster in die Vergangenheit wirkt.
Sie reißt die Augen auf
Das Bild kennt sie aus Michaels Album, nur ist das Foto zu Hause schief abgeschnitten, und darauf ist ihr Mann Michael zu sehen.
Auch auf diesem Foto steht Michael, aber neben ihm eine junge, hübsche Frau, die Sabine sofort als Wohnungsinhaberin erkennt. Sie dreht sich erstaunt zu der ungepflegten Frau um.
Na? fragt diese.
Was na? Sabine besinnt sich, warum sie hier ist, und fasst sich. Ihre Tochter sitzt im Park und weint! Und Sie kümmern sich nicht? Was sind Sie für eine Mutter?
Erzähl mir nichts! Erzieh deine eigenen! Lass meine in Ruhe! Die Frau wendet sich schroff zu ihrer Tochter. Wo warst du?
Das Mädchen huscht ins Nebenzimmer und schließt die Tür, als würde sie sich in einen Kokon zurückziehen. Sabine merkt, dass sie hier nichts mehr zu suchen hat, dreht sich um und geht, als würde sie aus einem Traum erwachen.
Den ganzen Tag kreisen ihre Gedanken um das Mädchen, das Foto und die ungepflegte Frau, die offenbar mit Michael verbunden ist, als würden die Erinnerungen tanzen.
Abends zeigt Sabine Michael das Foto und fragt:
Liebling, wer ist die Frau neben dir auf dem Bild?
Ich habe dir mal von Elena erzählt, wir waren lange zusammen, wollten sogar heiraten, aber sie hat sich für einen anderen entschieden und mich verlassen.
Warum hast du das Foto zerschnitten?
Ich konnte ihr nicht verzeihen, dass sie mein Kind nicht behalten hat als wir uns trennten, war sie schwanger, aber sie sagte, sie hätte das Kind nicht bekommen. Ich bin aus der Stadt weg, habe dich getroffen. Und als wir zurückkamen, war alles vorbei ich habe nichts zu verbergen. Aber warum fragst du?
Heute ist mir etwas Seltsames passiert, antwortet Sabine und berichtet von dem Mädchen und ihrer Mutter.
Michael hört aufmerksam zu, fragt nach dem Alter des Kindes. Sabine antwortet.
Er denkt nach Ja, sie könnte seine Tochter sein
Wo wohnen sie?
Sabine nennt die Adresse und geht schlafen sie ist völlig erschöpft. Sie schläft kaum ein, und als sie nachts um halb zwei aufwacht, sieht sie Licht in der Küche, das wie ein Stern flackert.
Leise schleicht sie zur Tür und späht hinein. Michael sitzt am Tisch und grübelt, als würde er mit den Schatten sprechen.
Am nächsten Tag klingelt er bei seiner Ex-Freundin. Klara öffnet. Das Mädchen steht da und blickt den fremden Mann an, der sie freundlich anlächelt, als wäre er ein Zauberer.
Hallo! Bist du Klara? Wo ist deine Mama? Das Mädchen läuft in die Wohnung.
Mama! Da ist jemand für dich!
Wer? Aus dem Zimmer lugt die ungepflegte Frau.
Michael sieht sie an und erkennt Elena kaum wieder die Frau, die er einst so sehr liebte, ist wie ein Schatten ihrer selbst.
Du? Sie hebt die Augenbrauen. Was willst du hier? Was brauchst du?
Michael tritt ein, ohne Einladung, atmet schwer die stickige Luft, als würde sie ihn erdrücken.
Elena, ich muss es wissen. Klara könnte, ihrem Alter nach, meine Tochter sein. Ist das wahr?
Die Frau lässt sich schwer in den Sessel fallen und blickt Michael an:
Gib mir Geld, ja? Ich brauche es Unterhalt hast du nie gezahlt. Ich versorge sie, habe nie einen Cent von dir verlangt. Gib mir wenigstens hundert Euro.
Warum hast du mich belogen? Du hast gesagt, du hättest das Kind nicht bekommen.
Ich wollte, aber Valentin meinte, er will das Kind, wird ihr Vater Dann hat er mich verlassen, als Klara drei Monate alt war, meinte, er will keine fremden Kinder großziehen. Ich wollte zu dir zurück, aber du warst weg.
Ich verlange einen Test falls Klara wirklich meine Tochter ist, hole ich sie zu mir.
Nimm sie doch sofort, sie stolpert mir ständig vor die Füße ich bin erschöpft, muss sie versorgen, kleiden, verzichte auf alles, damit sie satt wird. So ist das eben Gib mir Geld, Michael, bitte.
Klara tritt schüchtern zu Michael:
Bist du mein Papa? Das Mädchen sieht ihn mit großen, dunklen Augen an, als würde sie durch ihn hindurchsehen.
Ja, Klara, ich bin dein Papa. Ich möchte dich zu mir holen. Willst du das?
Das Mädchen blickt unsicher zur Mutter und fragt leise:
Du tust mir nichts, oder?
Michael seufzt schwer und sagt mit ungewohnter Stimme:
Nein, Klara, niemals.
Das Mädchen nickt:
Dann will ich mitkommen!
Michael streicht ihr übers Haar und geht. Auf der Treppe holt ihn Elena ein:
Also Hast du Geld? Leih mir was. Michael gibt ihr ein paar Scheine ihr Gesicht hellt sich auf, als hätte sie einen Schatz gefunden.
Michael hält es nicht aus und kehrt zurück in die Wohnung. Klara steht immer noch im Flur, Traurigkeit in den Augen, als würde sie auf Regen warten.
Zieh dich an. Wir gehen, und in seinem Kopf ist nur ein Gedanke:
Das ist meine Klara! Ich kann sie hier nicht lassen.
Eine halbe Stunde später betritt Klara Michaels Wohnung. Sie erkennt sofort die Tante, die sie neulich nach Hause gebracht hatte, und Sabine steht da, schaut sie an und kann kaum glauben, was passiert.
Als Klara gebadet und satt mit dem Kater spielt, fragt Sabine ihren Mann:
Glaubst du wirklich, das war richtig? Du weißt doch gar nichts über sie.
Das finde ich heraus. Natürlich war es richtig wie kann man sein eigenes Kind anders behandeln?
Sabine geht in die Küche. Sie sitzt da und weint, ohne ihre Gefühle zu verbergen, als würde das Wasser aus ihren Augen nie versiegen.
Warum passiert das alles gerade mir?
Sabine wünscht sich so sehr ein Kind, kann aber keines bekommen, sie hätte ihr eigenes wie einen Schatz gehütet.
Und jetzt Klara. Wie soll sie mit ihr umgehen? Schlecht das kann sie nicht, gut aber was, wenn sie es nicht schafft?
Sabine spürt auch Groll auf ihren Mann, auf Elena, auf das Leben Da fühlt sie eine Hand auf ihrem Kopf. Sabine denkt, es sei ihr Mann. Doch als sie aufsieht, ist es Klara.
Gehts dir nicht gut? Ist was passiert? Ich weine auch oft. Willst du, dass ich dir eine schöne Geschichte erzähle? Ich kenne eine.
Sabine schniefte und nimmt das Mädchen in den Arm, als würde sie einen Traum festhalten.
Ein Jahr vergeht. Michael macht den Test, aber nur, damit es mit den Papieren keine Probleme gibt für sich selbst haben sie längst entschieden, dass Klara auf jeden Fall bei ihnen bleibt.
Sabine schließt die kleine Tochter ins Herz, sie schenken sich gegenseitig all ihre aufgestaute Liebe und Zärtlichkeit.
Auch Michael wächst Klara ans Herz sie werden eine glückliche Familie.
Doch eines Tages wird Sabine krank. Es kommt ganz plötzlich. Morgens fühlt sie sich schlecht, will sogar zu Hause bleiben, geht dann aber doch zur Arbeit, doch nach ein paar Stunden wird sie so schwach, dass sie im Krankenhaus aufwacht.
Was ist mit mir? Sabine war nie wirklich krank gewesen.
Wir haben Tests gemacht bald wissen wir mehr, aber Sie müssen erstmal hierbleiben. Ihre Familie kommt gleich sie wurden schon informiert, keine Sorge.
Kurz darauf kommen Michael und Klara ins Zimmer.
Mama Sabine, was ist los?
Nichts, Klarchen, alles gut. Ich muss nur ein bisschen ausruhen.
Da kommt der Arzt zurück:
Na, meine Liebe, warum haben Sie nicht gleich gesagt, dass Sie schwanger sind?
So kann man doch nicht scherzen. Es ist ganz einfach Sie sind schwanger, sonst haben wir nichts gefunden. Also Wir sorgen dafür, dass alles gut läuft. Heute dürfen Sie schon nach Hause.
Sabine setzt sich ruckartig auf.
Was? Was haben Sie gesagt, Herr Doktor? Ich bin schwanger? Michael, was meint er?
Aber es stimmt Sabines Traum wird wahr. Sie bekommt einen gesunden Jungen, den sie Leon nennt.
Klara hilft ihrer Adoptivmutter bei allem.
Sabine kann sich gar nicht vorstellen, wie sie das alles ohne ihre kluge große Tochter geschafft hätte.
Und dann kommt noch die kleine Anja zur Welt. Michael und Sabine sind überglücklich jetzt ist ihre Familie groß, herzlich und zufrieden. Und weißt du, manchmal sitzen sie abends zusammen am Küchentisch, Klara erzählt von der Schule, Leon krabbelt unter dem Tisch herum und Anja schläft friedlich im Kinderwagen. Sabine schaut auf ihre Familie und spürt eine tiefe Dankbarkeit all die Sorgen, die Tränen, die Unsicherheit, sie sind wie weggeblasen. Michael bringt ab und zu frische Brötchen vom Bäcker mit, und Klara hilft beim Tischdecken, während Sabine den Kaffee aufbrüht und leise ein altes Volkslied summt.
Im Sommer fahren sie gemeinsam an den Bodensee, mieten ein kleines Ferienhaus und verbringen die Tage mit Schwimmen, Wandern und Eis essen. Klara freundet sich mit den Nachbarskindern an, Leon baut Sandburgen und Anja lacht, wenn die Möwen über das Wasser fliegen. Abends sitzen sie auf der Terrasse, Michael grillt Würstchen, Sabine schneidet Gurken und Tomaten, und die Kinder erzählen von ihren Abenteuern.
Sabine denkt oft daran, wie alles begonnen hat wie sie Klara auf der Parkbank gefunden hat, wie schwer die ersten Wochen waren, wie viel Mut und Geduld es gebraucht hat, bis aus Fremden eine Familie wurde. Manchmal, wenn Klara sie umarmt oder Leon sie Mama nennt, laufen ihr Tränen über die Wangen, aber es sind Tränen der Freude.
Im Herbst, wenn die Blätter bunt werden und der Wind durch die Straßen pfeift, backen sie zusammen Apfelkuchen und basteln Laternen für den Sankt-Martins-Umzug. Klara trägt stolz ihre selbstgebastelte Laterne, Leon singt laut mit, und Anja winkt den anderen Kindern zu. Sabine und Michael gehen Hand in Hand hinterher, und Sabine denkt: Jetzt ist alles gut.
Und so leben sie weiter, Tag für Tag, mit kleinen Sorgen und großen Glücksmomenten, mit Streit und Versöhnung, mit Lachen und Weinen. Klara wird immer selbstbewusster, Leon lernt laufen, Anja spricht ihre ersten Worte, und Sabine weiß, dass sie nie wieder allein sein wird. Ihre Familie ist ihr größter Schatz, und sie würde alles tun, um sie zu beschützen.
Manchmal, wenn sie abends die Kinder ins Bett bringt, setzt sich Sabine noch einen Moment ans Fenster, schaut auf die Lichter der Stadt und denkt: Das Leben ist nicht immer leicht, aber es lohnt sich. Dann geht sie leise ins Schlafzimmer, legt sich neben Michael und schläft mit einem Lächeln ein.

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Homy
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„Ich will einen Test machen – wenn Dasha wirklich meine Tochter ist, nehme ich sie zu mir.“ – „Nimm sie doch gleich, sie steht mir nur im Weg – ich bin es leid, sie zu füttern und einzukleiden, manchmal verzichte ich sogar auf Entspannung, nur damit sie etwas zu essen bekommt. So ist das Leben… Gib mir Geld, Mischa, ja?“
Wann wird eine Mutter zur Last? Eine Geschichte von Verrat, Egoismus und Ungerechtigkeit in einer deutschen Familie