Der Ehemann drückte sich an seine Frau, umarmte sie und flüsterte ihr ins Ohr:

Sven drückte Ulrike an sich, umarmte sie und flüsterte ihr ins Ohr:
Guten Morgen, Juli.
Dann schnarchte er weiter, als würde er noch ein bisschen schlafen.

Ulrike wachte auf, öffnete die Augen und lag ganz still, aus Angst, sich zu rühren. Ein Schauer der Entsetzen kroch ihr durch den Körper. Was war geschehen? Wie konnte das passieren? Alles doch gut gewesen, oder nicht?

Sven gähnte laut und räusperte sich.
Ulka, du bist ja eiskalt, ich habe kaum noch geträumt. Alles okay bei dir? Es ist Sommer, und du bibberst noch unter der Decke. Ich mach dir gleich einen Tee.

Und Sven, als wäre nichts, schlurfte in die Küche, pfeifend ein flottes Liedchen.

Ulrike lag noch ein wenig, stand dann mühsam auf, ging ins Bad. Ihre Beine fühlten sich an wie Blei, im Kopf ein weißes Rauschen. Vielleicht doch wirklich ein Tee nötig.

Sven bat um Pfannkuchen. Ulrike warf ihm einen finsteren Blick zu.
Du hast mich heute Morgen Juli genannt.

Was, Liebling?

Sven, spiel nicht den Clown. Du hast mich heute Morgen Juli genannt.

Du hast das wohl nur im Halbschlaf gehört, Ulka, Juli. Das erklärt, warum du so kalt und grimmig bist. Ach, Frauen Sie ärgern sich selbst. Ich geh jetzt zur Arbeit, hungrig.

Ulrike schlenderte noch ein wenig durch das Haus, wusch die Pflanzen, briet Pfannkuchen, zog sich schnell an und fuhr zu Svens Praxis. Wahrscheinlich hatte sie es wirklich nur vernommen Ulka, Juli.

In Svens Praxis wartete eine neue Sekretärin. Ulrike spürte ein unangenehmes Ziehen im Hals, die morgendlichen Ängste kehrten zurück. Die Sekretärin war jung, hübsch, rotes lockiges Haar, ein üppiger Oberkörper.

Herr Dr. Sven Meyer ist heute beschäftigt und nimmt keine Patienten an. Ich kann Sie für nächste Woche eintragen.

Besser, du trägst dich selbst ein, das ist dringender platzte es aus Ulrike.

Entschuldigung? die Sekretärin verdrehte die großen Augen. Wer sind Sie?

Ich bin Ulrike Viktorovna, die Frau von Dr. Sven Meyer. Und jetzt verschwinden Sie. Hier sammeln sich überall Freilauffrauen.

Plötzlich erklang über das Lautsprechersystem Sven:
Ulka, bring mir bitte einen Kaffee.

Ulrike schnaubte.
Na, mach schon. Ich bring ihn.

Sven sah sie mit einem Tablett im Büro stehen.
Ulka? Was ist los?

Hier dein Kaffee. Und ein Pfannkuchen. Dein Scheidungsantrag kommt per Post. Guten Appetit.

Ulrike, verdammt, was zum Teufel? Sven wurde rot. Seit morgens fühle ich mich wie eine Hexe auf dem Besen.

Eine Hexe sitzt doch bei dir im Wartezimmer. Warum hat sie die Haare nicht gekämmt? Was für ein seriöser Zahnarzt und so vulgäre Sekretärin, das ist ja billig, Sven Meyer.

Ulrike, hör auf. Ich halte das nicht mehr aus. Eine Woche auf dem Land, dann ruf mich an, wenn du dich beruhigt hast.

Zu spät, Sven. Ich meine es ernst. Ich dulde keinen Betrug. Sag mir einfach, warum.

Sven seufzte müde, schluckte den Kaffee und verzog das Gesicht.
Varvara hat gekündigt. Juliane habe ich nach ihrer Empfehlung eingestellt.

Vor kurzem?

Vor einem Monat, antwortete er widerwillig und wandte den Blick ab.

Warum hast du mir das nie gesagt? Du hast immer alles geteilt.

Ich dachte nicht, dass Juliane lange bleibt. Sie macht ihren Job gut.

Und sonst noch?

Das war ein Versehen! Ich wollte das nicht!

Ich will nicht geschieden werden!

Dann verschiebe es! Ich will nicht hören, wie du meinen Namen sagst. Ulka, Juli. Deine rothaarige Sekretärin wird mir ständig vor Augen gehen. Zerbrich mir nicht den Verstand, ich habe genug Stress im Job. Ich arbeite mit Kindern.

Wo willst du hin? Bleib in der Wohnung.

Warum soll ich deine Wohnung wollen? Ich habe mein eigenes Haus.

In diesem Wald? Ein altes Fachwerkhaus?

Das ist mein Haus. Punkt.

Das Haus war das Erbe der Eltern und roch nach Vergessenem. Ulrike wollte weinen, so viele Erinnerungen, nichts als modriger Geruch.

Ihre Freundin Nele fluchte nebenher:
Du kannst hier nicht wohnen, Ulka, das ist Wahnsinn. Zieh zurück in die Wohnung, verkauf das Haus, nimm eine Hypothek.

Nicht mehr drüber reden, das geht nicht.

Ulrike öffnete überall die Fenster.
Weißt du, das hier könnte ein schönes Zuhause werden. Das Haus ist solide, 15 Minuten von Berlin entfernt. Die Siedlung ist gut erschlossen, alle Leitungen sind schon verlegt. Ich war hier fünf Jahre und nie drinnen.

Klingt gut, aber so viel Arbeit!

Wo soll ich wohnen?

Im Keller?

Sasha ist in den Ferien bei meiner Mutter. Du kannst das Jugendzimmer bis Herbst nutzen.

Das Zimmer ist tabu, du Muttertype.

Mach dir keinen Stress. Ich kann ein Team beauftragen, den Hof umgraben. Ich habe Ersparnisse. Ich habe fünf Jahre lang von Svens Klinik gelebt, er hat mein Gehalt als Spielgeld betrachtet.

Er war ein netter Kerl.

Ich dachte das auch, aber jetzt ist das alles schwer.

Stell dir vor, ich würde Juliane die Vorderzähne ausziehen, dann müsste Sven neue machen.

Und du bist doch nicht alt und krank? schnaufte Nele. Mit vierzig fängt das Leben erst an.

Wie soll ich das Pola erklären? Ich will nicht, dass sie das Studium abbricht, weil ich mich scheiden lasse.

Zwanzig Jahre zusammen, nicht schade?

Egal, lass mich in Ruhe.

Du bist grausam staunte Nele. Ich dachte, du weinst.

Das wirst du nicht sehen.

Das ist Stress, wohl.

Vielleicht. Also, willst du mir helfen? Hol einen Eimer, wir holen Wasser, wischen den Boden, putzen die Fenster.

Vielleicht wärst du lieber im Hotel.

Warum nicht? Das ist das Haus meiner Eltern, ich will es nicht abreißen oder verkaufen.

Dann hol die Designer und Bauarbeiter, damit das Haus wieder ordentlich wird. Es ist doch unsere gemeinsame Wohnung.

Ich will dort nicht bleiben.

Wirst du den Besitz teilen?

Ich denke, Sven lässt das Haus uns beiden und die Tochter, er hat eine Datsche. Dann entscheidet Pola. Es ist eigentlich ihr Eigentum, ich brauche es nicht.

Sven hat eine Luxusvilla, besser wäre das gewesen. Da gibt es Bad und Wasser.

Und hier alles. Hör auf zu jammern.

Was ist mit dem Brunnen?

Ich mag keine Brunnen, lieber spazieren gehen, die Umgebung erkunden.

Der alte Brunnen war verschwunden, dafür stand ein neues, hübsches Haus hinter einem hohen Zaun.

Nicht überrascht, nach all den Jahren, dass eure Häuser nebeneinander stehen, bald größer werden.

Woher das?

Sieh dich um. Der Zaun ist dreiseitig, an deiner Seite nur Pfosten. Sie suchten wohl den Besitzer, dann kamst du.

Vielleicht war der Zaun noch nicht fertig.

Schau, ein Auto fährt heran, die Besitzer haben sich wohl noch nicht gemeldet.

Du erzählst nur Märchen.

Das Leben ist manchmal seltsamer als Märchen. Sieh, dieser Mann, gar nichts Besonderes.

Nele, sei still. Ich habe Scheidung und Verrat, keine Zeit für Männer.

Warum stehst du dann wie festgenagelt da?

Frag den Mann, wo ist die Wasserleitung, ich brauche Wasser.

Der Mann nickte kaum, stand da, die Hände in den Taschen, schweigend. Nele blieb ebenfalls still.

Was brauchen Sie? fragte er schließlich.

Feuerholz, bitte.

Der Mann wankte.
Sind Sie nicht die Besitzerin des Hauses?

Genau die. Früher war hier eine Wasserleitung, ich brauche Wasser.

Entschuldigung, mein Brunnen ist frei.

Gibt es hier keinen anderen Brunnen?

Nein, seit langem nicht.

Dann gehe ich zu meinem.

Warum nicht gleich zu meinem?

Ich mag keine Brunnen, klar?

Haben Sie Trinkwasser? flüsterte Nele.

Na, du hast es ja. Fahre nach Hause, hör nicht mehr so laut.

Am Morgen weckte Ulrike ein lautes Quieken, wie ein Schwein aus Kindertagen. Das Haus roch nicht nach Kuchen, niemand klopfte, die Tür blieb still, Tränen stiegen wieder auf. Warum zum Teufel war ich hier?

Ein weiteres Quieken. Woher das Schwein? Und Schritte. Ulrike hörte, wie jemand draußen über das Gras schritt.

Hey, wer ist da? Rufe die Polizei!

Keine Angst, ich bin der Nachbar. Ich muss Ihren Gustav holen.

Ulrike, noch im Schlafanzug, trat nach draußen.

Welcher Gustav? Was soll das?

Gustav! rief der Mann aus dem Gestrüpp.

Gras raschelte, ein lautes Grunzen, dann tauchte ein kleiner, schwarzer Ferkel aus dem Gestrüpp auf.

Gustav, keine Angst, komm raus, wir gehen nach Hause, du Dummkopf.

Der Ferkel schlich vorsichtig um Ulrike herum.

Rasse?

Ehrlich gesagt, ich kenne mich mit Schweinen nicht aus.

Warum wollen Sie das Schwein?

Es ist nicht meins. Es ist in den Schuppen eingebrochen, ich habe die ganze Gegend abgesucht, niemand sucht ein Schwein. Ich habe es einfach behalten, weil ich es nicht mehr finden konnte.

Wie kommen Sie in ein Dorf wie dieses?

Hier ist Natur, frische Luft, Ruhe, die Stadt ist nah. Und Sie sehen, ich bin kein Landmensch.

Und warum?

Erstens, ich sehe Sie hier zum ersten Mal, zweitens, Ihr Garten ist verwildert, drittens, Sie sind hübsch.

Also, Herr Ulrike flammte auf Lassen Sie uns das ohne Drama klären. Ich habe nächste Woche Scheidung, Stress, ich könnte auch zu Ihnen kommen. Ich bin hier aufgewachsen, damals hatte jeder ein Schwein. Hören Sie auf, meine Hände zu mustern. Ich könnte mit einer Kiefernbirne einen Birkenbaum fällen.

Gustav, lass uns gehen, es ist gefährlich hier. Und bitte, nicht so nervös sein, ich habe den Zaun noch nicht gebaut, dein Gras gefällt dir ja.

Ich verletze weder Kinder noch Tiere. Auf Wiedersehen.

Am nächsten Morgen weckte ein Hundescheunen Ulrike. Schweine, Nachbarn, Hunde hat sie hierher gezogen, um endlich allein zu sein und ihre Gedanken zu sortieren. Am Vortag hatte sie nichts getan, nur im Ort rumgelaufen, im Supermarkt eingekauft, keinen Gärtner beauftragt.

Ein Jaulen ertönte direkt unter dem Fenster. Ulrike seufzte, trat raus, sah ein Welpen.

Der Nachbar öffnete endlich das Tor, sah aus der Schlafanzughose, fast wie Ulrike, neben ihm grunzte Gustav.

Ist das Ihr Welpe? fragte Ulrike ungeduldig.

Was meinen Sie?

Sie haben keinen Zaun, die Schweine kommen zu Ihnen, vielleicht auch die Hunde.

Möchten Sie keinen Welpen behalten? Ich wollte zur Tierheim gehen.

Ich hatte nie einen Hund. Und Sie haben das Schwein geregelt.

Dann nehme ich das als Nachbarschaftsgeschenk. Danke. Wie heißt er?

Nennen wir ihn Arno.

Nicht Arno, ich heiße Arsen, das wäre komisch.

Dann heißt er Tütü. Gustav ist schon da, er grunzt bei deinen Füßen.

Tütü und Gustav? Perfekt! Danke! Wie heißen Sie?

Ulrike.

Schöner Name.

Ich gehe jetzt, sagte Ulrike zögerlich, blieb aber stehen.

Der Nachbar wollte sie nicht gehen lassen. Schwein, Welpe, und ihre Erinnerung schwer.

Gehen Sie, wenn Sie wollen. Lassen Sie uns den Welpen trainieren, dann bekommen Sie Ihren eigenen Hund, er wird das Haus beschützen, bot er an.

Ulrike dachte an das, was Nele ihr gesagt hatte: Heirate keinen Mann mit dem Nachnamen Goremitschko, sonst gibts nur Kummer. Der Name wirkte jetzt irgendwie komisch.

Sie kratzte sich am Knie, ein Bad wäre jetzt schön.

Plötzlich hörte sie Sven rufen:
Was ist das hier, Pyjamaparty?

Ulrike seufzte und stellte sich vor.

Das ist Sven, das ist Arno, Arno, das ist mein Mann. Bald vielleicht Ex-Mann. Warum bist du hier? Wie hast du mich gefunden?

Was soll ich hier suchen? Dein Tor steht offen, die Tür ist offen. Und ich wollte nur fragen, ob du die Scheidung noch willst. Aber sehe ich, dass du es nicht tust. Und ich habe das alles selbst inszeniert, oder? Wie lange habt ihr das schon?

Schon lange, sagte Arno ernst. Ulrike wollte dich nicht verletzen. Aber jetzt ist alles soweit An welchem Tag ist eure Scheidung? Wir heiraten dann, ja?

Ulrike räusperte sich und blieb neutral.

Verstanden, sagte Sven. Meine Tochter war hier, dachte das Landhaus sei leer. Sie kam mit ihrem Freund. Redet mit ihr, sie ruft dich bestimmt. Und du posierst hier.

Sven winkte und ging durch das Tor. Ulrike sah den Nachbarn fragend an.

Und warum das alles?

Dein Haus ist alt, kein Wasser, kein Gas, Toilette draußen, du läufst ständig zu mir, und die ganzen Streuner bringst du zu mir. Also zieh zu mir, ich kann dich nicht loswerden. Ich habe keine Lust auf flüchtige Frauen. Wir haben schon getrennt. Mir wird es nicht langweilig. Ich will nicht mehr Kinder. Du hast doch schon ein Kind, ich habe zwei. Wir können zusammen wohnen, ich bau das Haus um, du hast sicher Langeweile. Und wir können uns duzen?

Mann, haben Sie einen Nerv? Vielleicht sind Sie ein Verrückter. Halten Sie Abstand! Ich habe Scheidung und Verrat erlebt, das habe ich Ihnen gesagt.

Ein Jahr später heirateten sie und bekamen eine Katze.

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Homy
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Der Ehemann drückte sich an seine Frau, umarmte sie und flüsterte ihr ins Ohr:
Mein Bruder erzählte mir, dass unsere Mutter seine Frau geschlagen hat, und sofort hatte ich das Gefühl, dass etwas nicht stimmt.