Vassili verkroch sich hinter einer Bank im Gebüsch, machte sich zu einem kleinen Knäuel und zitterte. Er weinte, weinte aus Angst, weinte vor Einsamkeit.

Mucki drückte sich in das Gebüsch hinter der Parkbank, rollte sich zu einem kleinen Knäuel zusammen und zitterte. Er schluchzte vor Angst, vor Einsamkeit, vor dem kalten Wind.

Der Schnee hüllte die kleine Stadt Oberdorf seit drei Tagen in ein undurchdringliches Weiß. Dicht, schwer und scheinbar endlos. Mucki erinnerte sich noch an den Namen, den er einst gehabt hatte, an den Geschmack warmer Milch und an die sanften Hände seiner Oma Erna.

Als er noch ein winziger Kätzchenfleckchen war, fand Oma Erna ihn in einer Pappschachtel hinter dem Tante-Emma-Laden. Keuchend kletterte sie über den niedrigen Zaun, schlüpfte durch das Gestrüpp und hob die Schachtel, aus der ein leises, klägliches Piepsen drang.

Ach du meine Güte, was für ein Schicksal, murmelte sie, während sie hinein sah. Wer hat dich hier vergessen, kleiner Kerl? Was hast du ihm angetan?

Sie schnitt sich den alten Seidenschal vom Hals, wickelte das noch namenlose Kätzchen darin ein. Zuerst dachte sie, es sei ein dreifarbiger Flauschbär, doch zu Hause stellte sich heraus, dass es kein Kätzchen einer Katze, sondern ein Kater klein, aber voller Leben war.

Na dann, du heißt Mucki, sagte sie und machte sich ans Milch aufkochen.

So wurde Mucki ein gepflegter Hauskater, stets im Schatten seiner Herrin folgte. Er stapfte ihr überall hin, bewachte sie wie ein lieber Hund und bekam jedes Mal ein kleines Herzklopfen, wenn ihr Duft nach Frische und Geborgenheit ihm nahe kam.

Eineinhalb Jahre später kam das Unglück: Ein weißer VW Golf fuhr vorbei und nahm Oma Erna mit sie kehrte nie zurück. Die Nachbarin fütterte Mucki noch eine Weile, doch bald zogen neue Verwandte in das Haus ein. Die freuten sich nicht besonders über einen alten Stubentiger.

Ist ja egal, schnauzten sie, der Kater bleibt draußen. Und so warf man Mucki in die Kälte.

Der Frost biss, das Rascheln der Blätter erschreckte ihn, und er rannte ziellos umher, ohne den Weg zu kennen. Plötzlich verführte ihn ein verführerischer Geruch. Vor ihm stand ein kleiner Imbissstand, an dem Würstchen und Frikadellen dufteten. Muckis Bauch knurrte, und er tappte vorsichtig näher.

Na, hungriger Mäuschen?, lächelte die Verkäuferin. Komm her, ich schmeiß dir ein Stückchen zu.

So lebte er fortan von den Resten der Frikadeln, trank Milch aus Plastiktassen und schlief in einer Schachtel von Hähnchenflügeln.

Eines Tages wurde der Imbiss mit einem Anhänger weggerissen. Mucki wirbelte herum, vergeblich versuchend, die Frau zu finden, die ihn so lange gefüttert hatte. Verzweifelt kroch er wieder zurück ins Gebüsch hinter der Bank, rollte sich zusammen und weinte leise vor Kälte, vor Einsamkeit und vor dem Unverständnis, was nun mit ihm geschah.

Er fiel in einen tiefen Schlaf und träumte, er sei wieder ein großer, stolzer Kater, hoch oben auf einem Ast, neben einer riesigen weißen Taube, halb Mensch, halb Vogel.

Wie bist du hier, Mucki? fragte die Taube, während sie ihre gewaltigen Schwingen ausbreitete.

Im Traum erzählte er alles: Oma Erna, den Imbiss, den Hunger. Die Taube lauschte bis zum Schluss und verschwand dann.

Mucki öffnete die Augen eine weiße Feder lag auf seiner Nase. Er dachte, es sei ein Vogelfederchen, doch es war nur eine Schneeflocke, kalt und zuckerig. Der Schnee legte sich immer dichter um ihn.

Er schnurrte vor Kälte, maunzte, doch niemand antwortete ihm. Nur der Schnee wirbelte gleichgültig weiter.

So überlebte er: schlief in der Schachtel, aß Schnee, Brot, das die Vögel verwarfen, versteckte sich vor Hunden und wurde immer dünner. Der Schnee fiel unaufhörlich, und die warmen Erinnerungen an Oma Ernäs heimisches Wohnzimmer schwanden immer mehr.

Plötzlich hörte er ein Bellen hinter sich. Mit aller Kraft sprang Mucki auf einen Baum und balancierte auf einem hohen Ast, wo er wieder einschlief.

Im Traum kam dieselbe Taube zurück.

Schwer für dich, Mucki? fragte sie.

Ja, übel kalt, ewig hungrig, diese Hunde stöhnte er.

Was wünschst du dir am meisten?

Oma Erna sehen nur einmal flüsterte er.

Dann schau hin, sagte die Taube.

Und plötzlich stand Oma Erna neben ihm, lebendig und strahlend.

Mein lieber Schatz! maunzte Mucki kläglich. Wie schlimm ist es ohne dich!

Ach du mein Licht, rief Oma Erna. Ich habe dich so vermisst! Komm zu mir, mein Kleiner

Sie streckte die Hände aus und in diesem Moment schob die Taube Mucki sanft von der Schulter, sodass er herunterstolperte.

Unter dem Baum standen zwei Frauen. Die eine schob einen Kinderwagen, die andere war bunt und fröhlich.

Heike, pass auf!, rief die Frau mit dem Kinderwagen, als der Kater buchstäblich in ihre Arme fiel.

Schau mal!, lachte die zweite, Lena, nach meinem Horoskop heute soll Glück vom Himmel fallen! Wer hätte das gedacht!

Mucki öffnete langsam die Augen und sagte leise:

Miau

Hallo, meine Freude, lächelte Lena. Wie heißt du denn?

Miau, bestätigte er.

Ich hatte früher einen Kater namens Mucki, sagte Heike nachdenklich.

Dann nennen wir ihn so, entschied Lena.

Und Mucki dachte: So heiße ich eben Mucki. Und er mümmelte noch ein weiteres Miau.

Gemeinsam gingen Heike und Lena zum Ausgang des Parks: Heike, um ihr Kind zu füttern, Lena, um ihren neuen flauschigen Freund nach Hause zu bringen.

Mucki spürte plötzlich, dass er wieder ein Zuhause hatte. Er wurde wieder geliebt, wieder gefunden und das war zumindest fast so gut wie ein warmes Stückchen Milch im Winter.

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Homy
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Vassili verkroch sich hinter einer Bank im Gebüsch, machte sich zu einem kleinen Knäuel und zitterte. Er weinte, weinte aus Angst, weinte vor Einsamkeit.
Kaum zu fassen! Du hast Susan für dieses einfache Mädchen verlassen? Diese Ehe werde ich nicht segnen!