Ich erzähle euch von Tanja, die vor fünf Tagen ein Kind zur Welt brachte. Der Kaiserschnitt war geplant, und nach der Operation erholte sie sich nur schleppend. Ihre kleine Tochter, die sie liebevoll Brunhilde nannte, sollte ihr erstes Malke sein. Tanja und ihr Mann Klaus waren seit sieben Jahren verheiratet; in dieser Zeit war Tanja drei Mal schwanger gewesen, doch jede Schwangerschaft hatte in einem frühen Stadium geendet. Als das Paar die Hoffnung auf ein eigenes Kind fast aufgegeben hatte, überraschte das Schicksal sie: Tanja wurde plötzlich im dritten Monat schwanger.
In einer Nacht erschien ihr im Traum die verstorbene Mutter. Sie saß auf einem Spielplatz und beobachtete Kinder, die im Sand spielten. Ihre Mutter setzte sich zu ihr, strich ihr sanft über den Kopf und flüsterte mit beruhigender Stimme:
Bald wird die kleine Brunhilde das Licht der Liebe in dein Leben bringen.
Aufgewacht glaubte Tanja fest daran, dass ihr ein Mädchen namens Brunhilde geboren werden würde. Sie konnte sich keinen anderen Namen vorstellen. Klaus stimmte zu und sagte, weil der Nachname und der Mittelname vom Vater kämen, dürfe sie das Kind selbst benennen.
Nach der Geburt war Tanja noch zu schwach, um selbst zum Standesamt zu gehen, und bat Klaus, die Formalitäten zu erledigen. Er nahm die Unterlagen, fuhr zum Standesamt und meldete die Geburt ihrer Tochter. Was ihn jedoch erwartete, übertraf seine Vorstellung.
Klaus kam zusammen mit seiner Mutter Brigitte nach Hause, zu der Tanja ein spannungsvolles Verhältnis pflegte. Noch immer erschöpft von der Operation wollte Tanja die Schwiegermutter nicht sehen, doch sie zwang sich zu einem höflichen Empfang. Als Tanja dann die Geburtsurkunde in die Hände bekam, blieb ihr das Herz fast stehen: Dort stand nicht Brunhilde, sondern Ada. Der Name war in schwarzer Tinte eingetragen, obwohl sie sich fest darauf gefreut hatte, ihr Kind Brunhilde zu nennen. Ihre Beine wankten, die Hände zitterten vor Schock.
Sie musste mehrmals nachsehen, weil sie es nicht glauben wollte. Schließlich akzeptierte sie die kalte Realität und wandte sich erschöpft an Klaus:
Ada? Was soll das heißen? Was hast du getan? Wer ist diese Ada?
Klaus, ohne aufzuschrecken, rief ihrer Mutter Brigitte zu: Sohn, bring deiner Frau ein Glas Wasser, sonst fällt sie gleich um. Brigitte, leicht genervt, erwiderte kühl: Nichts Besonderes ist geschehen. Sie verließ den Raum, holte ein Glas kaltes Wasser und reichte es Tanja. Tränen schossen ihr in die Augen, das Atmen fiel ihr schwer sie war in einem Schockzustand.
Ist das dein Werk? schrie Tanja, noch immer unfähig, das Gelesene zu fassen. Hast du Klaus dazu gebracht, den Namen unserer Tochter zu ändern? Wer glaubst du, bist du, das zu entscheiden? Ich habe Brunhilde geboren, nicht euch! Nur ich darf ihr einen Namen geben! Verstehst du, was du angerichtet hast?
Brigitte straffte die Stirn und sagte: Beruhige dich. Ich habe nur unsere alte Familientradition bewahrt. Wir benennen Mädchen nach unseren Groß- und Urgroßmüttern. Meine Großmutter hieß Ada eine ehrbare Frau, die ein gerechtes Leben führte. Du solltest froh sein, dass deine Tochter diesen Namen trägt. Ada wird stark und mutig werden, so wie ihre Namensgeberin.
Tanja fuhr daraufhin wütend zum Standesamt, nahm ihr Neugeborenes mit und bestand darauf, den Namen zu korrigieren. Dort erklärte sie dem Amt, dass beide Elternteile zustimmen müssen, um den Namen zu ändern. Klaus, mit schuldbewusstem Blick, versuchte, sie zu umarmen, doch sie schob ihn grob beiseite und sagte:
Um den Namen zu ändern, brauchen wir beide unsere Zustimmung. Ich schwöre, ich verbringe keinen Tag mehr mit dir, wenn du nicht einlenkst. Unser Mädchen heißt nicht Ada, sondern Brunhilde. Dein ständiges Nachgeben an deine Mutter bringt unserer Familie nichts als Ärger. Denk darüber nach, wer bei dir an erster Stelle steht. Meine Tante hieß ebenfalls Ada, und sie erzählte uns immer, wie sie in der Schule wegen ihres Namens gehänselt wurde Ada kommt aus der Hölle hieß es. Aber das ist nebensächlich. Ich lasse nicht zu, dass deine Mutter über das Schicksal unseres Kindes bestimmt. Dein Druck belastet mich, ich habe jetzt sogar Probleme beim Stillen.
Klaus kniete nieder, schluchzte und gestand: Es tut mir leid, Tanja. Ich habe mich von meiner Mutter manipulieren lassen. Sie drohte mir mit dem Erbe, wenn ich nicht Ada nenne. Wir werden alles richtigstellen, morgen gehen wir gemeinsam zum Jugendamt und reichen den Antrag ein.
Schließlich gelang es Tanja, den Namen ihrer Tochter offiziell zu ändern. Brigitte sah ihre Enkelin nie wieder; Tanja ließ ihre Schwiegermutter nicht mehr in die Erziehung einmischen. Ein Jahr später ließ sie sich von Klaus scheiden. Sie erkannte, dass Klaus nie aus dem Schatten seiner Mutter treten würde. Jetzt braucht sie einen zuverlässigen Beschützer, einen Mann, der ihr in jeder Lage zur Seite steht, und nicht den ewigen KörbchenSohn, der sein Leben nach den Launen seiner Mutter ausrichtet.




