„Na, wenn das so ist – gehe ich zu Mama!“ – verkündete der Ehemann

Na, wenn das so ist ich ziehe zu meiner Mutter!, rief Hans, während seine Frau sich weinerlich abwehrte: Bleib du hier allein!

Liselotte Schneider stand ganz allein an dem zerbrochenen Rohr: keinen liebenden Mann, keinen Job und keine Aussicht. Und das ganze NeujahrsFeuerwerk stand noch bevor

Ach, diese verdammten Nerven!, schrie ihre Mutter, als sie von den neuesten Katastrophen hörte. Du gibst alles seinem kleinen Bubi die Schuld: Er hat dich doch nur verarscht! Glaubst du, du hättest dich nur wegen ihm so aufgeregt?

Na denn?, grinste Martin Krüger. Fang endlich an, dich zu vertragen ich warte schon!

Liselottes Leben hatte zwei große Missgeschicke: kein Liebesleben und keine Straße, wobei das erstere noch etwas zweifelhaft war. Die eigentlichen Probleme waren ihr lieber Mann und die geliebte Chefin wie das im Leben mancher anderer oft vorkommt.

Sie gingen nicht Hand in Hand niemand hatte dem anderen etwas getan! Sie vergifteten lediglich Liselottes Leben, jeder für sich.

Der Ehemann war klug, witzig, ein glänzender Gesprächspartner und voller Romantik. Doch das war nur Gerede. Sobald es um Arbeit ging, stellte er fest, dass er krank, müde, überarbeitet und einfach nicht bereit war. Und beim Essen liebte Martin deftige Hausmannskost.

Kurz gesagt, alles spielte sich ab wie in einem bekannten deutschen Märchen:

Blase, geh zur Suppe! Und wo bleibt mein großer Löffel?

Vor der Hochzeit, als die Treffen nur flüchtig waren, ging alles gut: ein leichter Abend mit bestellter Pizza, ein gutes Gespräch, ein paar laute Witze das war das Nonplusultra für die Ehe!

Doch während Liselotte dem Verliebtsein verfallen war, bemerkte sie nicht, dass ihr zukünftiger Mann dauerhaft auf der Suche nach sich selbst und einem Job war:

Ich finde was, sag ich dir sofort! Du wirst es zuerst erfahren!, scherzte der schlauwitzige Mann.

Beide lachten herzlich: es schien ihnen einfach urkomisch zu sein!

Martins Wortwitz war unübertroffen: er nannte sie liebevoll Lisel, sie nannte ihn Märchen. Und so wurde aus Märchen ein wenig mehr als nur ein harmloses Wort ein kleiner Scherz, ein Fischchen, ein Kätzchen. Und jeder weiß, was ein Märchen bedeutet.

Die Hochzeit war ein Kracher, und Martin zog zu Liselotte: in der kleinen Wohnung des dreissigjährigen, lebenslustigen Ehemanns fehlte noch Platz

Witze bringen heute keinen großen Gewinn!, bemerkte Liselottes Mutter, die den Schwiegersohn nicht sonderlich mochte.

Doch wer hielt sie denn auf? Er war ja weder ein Kabarettist noch ein Komiker!

Das erste Missverständnis entstand, als die Miete gezahlt werden musste. Liselotte hatte kein Geld und tat, was jede vernünftige Ehefrau tun würde: sie bat ihren Mann um Hilfe.

Übrigens, es stellte sich heraus, dass Märchen die ganze Zeit zu Hause war! Er suchte nach sich selbst und nach Arbeit am liebsten vom Sofa aus, weil das Denken dann leichter fällt! Und was, wenn er morgen zum Feldzug gerufen würde, während er völlig erschöpft wäre?

Zahl von deinem Teil!, schlug Martin vor.

Mein Teil ist auch leer: heute habe ich das letzte Geld für Lebensmittel ausgegeben!, antwortete die erstaunte Liselotte, die sich ihr eheliches Leben ganz anders vorgestellt hatte.

Nimm dann das Geschenk, und ich ersetze es später!

Wann denn später?, fragte sie nach.

Später, wenn die Suppe mit der Katze fertig ist!, witzelte er und lachte über seinen eigenen Scherz.

Zur Hochzeit bekamen sie etwa zweihunderttausend Euro von Freunden ein gutes Stück Geld. Doch die Eltern hatten aufgehört, ihrer Tochter nach der Hochzeit zu helfen: Lass dich dein Mann versorgen!

Der Ehemann, der bis dahin noch bei seinen Eltern gewohnt hatte, musste jetzt ebenfalls mit leeren Taschen auskommen. Die Gehaltsscheckes der Liselotte gingen ebenfalls zur Neige.

Sie griff also immer wieder zu den Geschenken, dann noch zu mehr. Es war nicht verwunderlich, dass das VorratsGeld für schlechte Zeiten bald dahinschmolz wie ein Schneeball in der Sonne.

Als Liselotte wieder einmal in die alte Kiste griff, stellte sie fest, dass sie leer war, obwohl sie noch etwas Geld erwartet hatte. Die Kiste war vollkommen leer; Martin hatte das Restgeld für neue Kopfhörer genutzt!

Der Mann verstand nicht, warum das nicht in Ordnung sein sollte: Alte Kopfhörer funktionieren doch nicht mehr!, witzelte er erneut.

Was willst du denn, Rabe?, ließ Liselotte nicht locker.

Was denn? Erfinde etwas, du bist doch meine Bastlerin!

Sie überlegte, dann aber schweiger, weil es zu ungehobelt wirkte. Am nächsten Tag lehnte sie sich noch einmal an das Geld ihrer Mutter bis zum nächsten Gehalt.

Hat das den Mann gestoppt? Nein er suchte nicht plötzlich einen Job. Stattdessen sagte er: Ich ertrage kein Schweigen, besonders nicht von Eleonore! Und dann kam er: Genug getrödelt, kleine Elfe! Ich habe dich vermisst

Sie versöhnten sich, weil auch sie vermisst hatte die Jugend nahm ihren Lauf, doch ein wenig Groll blieb.

Dazu kam das zweite Unglück: ihre Chefin, die von den Angestellten Marta Böhm genannt wurde, war eine wahrhaftige Tyrannin. Marta war eine alte, alleinstehende Tante, die alle hasste, nur weil sie ohne ihr Wort geboren wurden. Drei misslungene Ehen hatten sie hinterlassen, und seit über fünfzig Jahren führte sie die Abteilung, ohne Kinder, mit zwei Katzen und zweimal pro Woche Tango.

Befehle zu Kündigungen flogen wie Zettel im Wind. Als ihr Untergebener Peter Riese, der über Tanzkurse sprach, einen Scherz machte er meinte, die Chefin solle lieber einen Reigen leiten als auf dem Parkett herumtollen Marta reagierte sofort:

Sie arbeiten nicht mehr für uns!

Der Rest war nutzloses Bitten und Erklären, weil sie den Scherz nur als Witz sah.

Liselotte hatte Angst vor Marta, stand wie erstarrt da, doch das Schicksal schützte sie noch ein wenig. Am Vorabend stritt sie erneut mit ihrem Mann, was immer öfter vorkam, meist wegen Kleinigkeiten, die jedoch einen Berg an aufgestauten Vorwürfen auslösten. Zum ersten Mal sprach Martin über Scheidung

Am nächsten Tag kam Liselotte mit einem Ziel zur Arbeit: eine SMS an den ungezogenen Mann zu schreiben. Sie beschloss, ihn nicht mehr Märchen zu nennen, sondern Märchenkönig, weil das mehr beleidigte.

Sie tippte: Denk nicht, ich habe deine Worte fürchte! Ich gehe selbst du kannst deine Ellenbogen kauen! Hör auf, dich aufzuspielen, sonst schick ich dich ins Tiergehege, da warten schon deine Artgenossen!

Unterschrieben hat sie nicht wie üblich als Elfe, sondern offiziell als Schneider. Das Schreiben war fertig, witzig, und sie hatte alles gesagt, was ihr wichtig war, ohne zu sehr zu verletzen.

Das neue Jahr stand bevor, und wie man es begrüßt, so wird es erlebt: Sollte man sich scheiden lassen? Sie hatten kaum ein Jahr zusammen!

Plötzlich stürmte die Chefin herein: Schneider, alle fröhlich, aber im Jahresbericht ist ein Chaos! Korrigieren Sie das sofort, sonst ist die Kündigung nicht mehr weit! Marta war euphorisch, ihr Adrenalin spürte sie bis in die Fingerspitzen.

Liselotte, überrascht, stand wie erstarrt. Die schwarze Linie ihres Lebens breitete sich weiter aus. Sie prüfte den Bericht, fand den Fehler und schrieb ihrer Chefin eine SMS, weil sie nicht persönlich hingehen wollte: Bis Mittag ist alles korrigiert. Gleichzeitig schickte sie dieselbe Nachricht an den Mann.

Drei Minuten später rief Marta sie zu sich.

Wer von uns ist denn jetzt das Böse?, fragte sie kalt, das Handy in der Hand. Wollen Sie mich ins Tiergehege schicken, Frau Schneider?

Liselottes Herz pochte laut, als sie die SMS verwechselt hatte. Und die Chefin, die selbst Marta hieß, passte perfekt zum Wort Märchen.

Es war, als käme das aus einer Komödie: die Geschichte war witzig, der Film ein Slapstick. Doch beide Frauen hatten keinen Humor mehr.

Liselotte stand schweigend da, blickte zum Boden: Erklärungen waren sinnlos, die Situation wirkte surreal.

Marta fuhr fort: Sie wollten doch gehen? Dann ist Ihr Traum wahr: Sie arbeiten nicht mehr hier!, während sie sich beinahe ein Lächeln verkneifen wollte.

Ihre eigenen Kollegen warten sicher schon, fügte sie hinzu.

Schließlich verließ Liselotte das Büro, schnappte sich ihren kleinen Kaktus und fuhr nach Hause.

Jetzt fangen wir an, uns zu versöhnen, lächelte ihr Mann, der gerade die Türschwelle erreichte. Du hast doch gesagt, du regelst das bis Mittag!

Martin, der die SMS erhalten hatte, die eigentlich für die Chefin bestimmt war, verstand sofort, dass seine Geliebte Frieden wollte, und kam rechtzeitig.

Warum hast du mir einen Kaktus statt Blumen gebracht?, sagte er belustigt. Für Männer sind Rosen doch zu kitschig!

Deine Liebe ist doch dort, wo ich den Kaktus vergrabe!, schrie Liselotte plötzlich, weil sie kurz davor war, ihren Job zu verlieren.

Im Grunde war das korrekt: Ohne den gestrigen Streit hätte sie keine SMS geschrieben, und er hätte keineswegs eine Nachricht an seine Chefin senden müssen.

Warum liegt das an mir?, fragte Martin verwirrt. Habe ich wieder etwas falsch gemacht?

Nicht dein Hundeleben!, schrie Liselotte. Ich verstehe das nicht!

Ich habe doch nur versucht, die Situation zu retten!, protestierte er.

Dann lass uns endlich zusammenhalten!, sagte Liselotte, während das Neujahrsfeuerwerk draußen erhellte. Wir haben uns gestritten, weil wir zu schnell wütend wurden, zu selten zugehört haben. Wenn wir lernen, einander zuzuhören, statt zu schreien, bleibt das Herz warm, auch wenn das Geld knapp ist.

Sie beschlossen, künftig nicht mehr impulsiv zu handeln, sondern gemeinsam zu planen: das Geld, die Arbeit und das Leben. Und so fanden sie, dass ein ehrliches Gespräch mehr wert ist als tausend Euro.

Am Ende des Jahres blickten sie zurück und erkannten, dass das wahre Glück nicht im Besitz, nicht im Titel und nicht im Streit liegt, sondern im gegenseitigen Respekt und im ständigen Bemühen, einander zu verstehen. So wurde aus ihrem Chaos eine leise, aber feste Erkenntnis: Wer zuhört und verzeiht, bewahrt das Herz vor dem Zerbrechen.

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Homy
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„Na, wenn das so ist – gehe ich zu Mama!“ – verkündete der Ehemann
Meine Tochter kam mitten in der Nacht überraschend zu mir: Was sie in der Hand hielt, brachte mich aus der Fassung