Ach, verdammt! spuckte die verärgerte Mutter Greta, während sie die Hände schmutzig rieb. Wie konntest du nur so ein Dummkopf sein?
Alles begann, als Greta, kurz vor Silvester, beschloss, die Waschmaschine aus dem Eck zu schieben, um das Wohnzimmer zu fegen. Greta, die ihr Mann Peter immer wieder dafür lobte, ein ordentlicher Mensch zu sein, hatte kürzlich das Gefühl, dass das schwere Gerät kaum noch zu bewegen war. Selbst zu zweit war das mühsam; Peter klagte, er habe Bandscheibenvorwölbungen und fürchte, bald auf einem Rollstuhl zu sitzen.
Greta wollte ihrer Pünktlichkeit noch einmal die Krone aufsetzen und dachte sich: Wer das erfindet, darf es auch benutzen! Und sie meinte, ein sauberer Haushalt sei das Zeichen des Glücks. Die Waschmaschine war das letzte Mal vor etwa drei Jahren aus dem Eck gerollt worden.
Als sie das Gerät endlich beiseite schob, fand sie eine Menge seltsamer Dinge: eine Brille, zwei Kämme, eine Nagelfeile, drei Wäscheklammern, eine Handvoll Lockenwickler und zu ihrer Überraschung ein Blister mit Tabletten. Staub lag überall, das war klar.
Da sie diese Last nicht allein stemmen konnte, bat sie ihren Sohn Stefan um Hilfe. Während jedes Teil einen Besitzer zu haben schien, waren die Tabletten namenlos. Ein kleiner Kindertyp nannte sie ein Verhütungsmittel.
Im Haus lebten vier Personen: Greta, ihr Mann Peter, ihr Sohn Stefan und dessen Frau Liselotte. Die Männer waren von der Entscheidung ausgeschlossen weil sie Männer waren und Greta, weil sie die Wechseljahre durchmachte. Nur Liselotte blieb übrig.
Doch es gab ein Problem: Stefan war unfruchtbar. Das war bereits in seiner ersten Ehe ans Licht gekommen, als seine damalige Frau Klara keine Kinder bekommen konnte und beide deshalb Arztbesuche machten. Die Spermaprobe zeigte erschreckende Werte: kaum Spermien und kaum Beweglichkeit, ein Überbleibsel einer Mumpsinfektion aus Kindertagen. Stefan war damals Ende dreißig.
Klara verließ das Haus, weil ein kinderloses Heim ihr nicht gefiel, und wollte kein Adoptivkind. Seit zwei Jahren war Stefan mit Liselotte verheiratet.
Warum sollte Liselotte Verhütungsmittel nehmen, wenn ihr Mann ja selbst unfruchtbar ist? fragte man sich. Greta, klug und nachdenklich, kam schnell zu einem Schluss: Jemand anderes muss die Tabletten genommen haben. Vielleicht ihr Schwiegersohn? Oder kaum zu glauben Peter, Stefans Vater, und vielleicht war sogar Liselotte die Besitzerin.
Liselotte war die Schwiegertochter, die Greta nie mochte. Wer mag schon die Schwiegertochter des Sohnes?
Stefan war Chromatograph, ein Beruf, der für die meisten nichts bedeutet, doch für ihn bedeutete er das A und O. Er arbeitete in der pharmazeutischen Forschung, analysierte Substanzen mit chromatographischen Methoden und war in einem der fortschrittlichsten Felder tätig. Die Eltern waren stolz, und seine frühere Ehefrau Klara, eine gebildete Berliner, hatte einst das Herz von Stefan erobert.
Als er Liselotte in die Wohnung brachte, war die junge Frau erst 27 darüber informiert, dass keine Kinder geplant seien. Im Gegensatz zu Klara erschütterte das Liselotte nicht; sie sagte: Kein Problem, ich werde das überstehen. Wir leben für uns. In ihrer ersten Ehe hatte sie ebenfalls keine Kinder gewollt.
Sie zogen zusammen mit Stefans Eltern in eine kleine Drei-Zimmer-Wohnung, sparten für die Anzahlung einer eigenen Wohnung und alles schien gut zu laufen, bis die Tabletten auftauchten. Auch wenn das übrige Leben in Ordnung schien, war Greta die von ihrer Schwiegertochter Susi genannt wurde nicht zufrieden.
Liselotte war hübsch und klug, und mit Stefan schien alles zu passen, doch in Greta’s Augen war sie ein Fremdkörper, als hätte man einen Kolibri in ein Schwalbennest aus Lehm gesetzt.
Stefan dachte ständig an seine Chromatographie, vergaß aber die kleinen Dinge im Alltag. Er war glücklich in seiner eigenen kleinen Gesellschaftsschicht, doch Greta sah das anders. Sie kritisierte die Ehe ihres Sohnes von Anfang an:
Das wird dich zerstören, Stefan!
Warum, Mama? fragte er verwirrt. Wir lieben uns!
Du liebst sie, aber sie ist noch ein Rätsel!
Und sie liebt mich! Warum sollte sie mich ohne Liebe heiraten? erwiderte Stefan.
Greta dachte: Sie würde es doch tun. In ihren Augen war ein gut verdienender Chromatograph ein begehrtes Ziel für alle, die nach Aufstieg suchten.
Liselotte, die aus der Provinz kam, wollte die Hauptstadt erobern Berlin und traf Stefan zufällig im Café, wo sie als Kellnerin arbeitete. Nach ein paar Gesprächen lud er sie zu einem Date ein. Sie verliebten sich, und bald fragte Liselotte selbst:
Wollen wir endlich etwas Ernstes beginnen?
Stefan stimmte zu, und die Hochzeit wurde geplant. Greta jedoch blieb skeptisch:
Willst du dich wirklich mit dieser Nun, wo soll ich die Probe ablegen?
Mama, sprich nicht so über meine zukünftige Frau!, verteidigte sich Stefan. Liselotte ist keine
Keine was? Sie ist doch ein richtiger Draufgänger!, schimpfte Greta, während Peter nur noch verwirrt nickte.
Aber ich habe es doch bemerkt!, rief Greta. Ich will nicht, dass er
Peter versuchte zu beruhigen: Du schneidest doch alle über einen Kamm, Greta. Nicht alle Frauen sind so
Greta jedoch blieb stur: Ein Junge hat seine Gefährtin gefunden! Was stört dich?
Vielleicht hast du recht, dachte sie, doch ihr Herz blieb misstrauisch.
Die Hochzeit fand statt, und Greta saß traurig da, murmelte: Die Hexe ist dagegen
Kurz darauf fanden sie die Verhütungsmittel. Nach einem Tag des Grübelns sprach Greta mit Stefan:
Ich habe etwas gefunden Verhütungstabletten. Gehören die Liselotte?
Nein, warum sollte sie das?, erwiderte Stefan, überzeugt.
Vielleicht sind es deine?, fragte Greta.
Verdammt! spuckte Greta erneut. Wie dumm kann man sein?
Stefan dachte: Kann Liselotte seinem Mann doch nicht untreu sein?
Greta drängte: Rede mit ihr!
Was soll ich ihr sagen? Ich will sie nicht mit Verdächtigungen belasten!, protestierte Stefan.
Sag einfach, dass du alles weißt!, befahl Greta.
Und wenn sie fragt, was ich genau weiß?, hakte Stefan nach.
Sag, dass du von ihrem Geheimnis weißt!, meinte Greta spöttisch. Schalt den Verstand ein, Analytiker!
Das Gespräch eskalierte, Persönlichkeiten wurden angegriffen, und Stefan gab schließlich nach:
In Ordnung, ich spreche mit ihr.
Liselotte jedoch antwortete auf Stefans Versuch, alles zu wissen, mit einem Lächeln:
Na, das ist ja sogar besser, Stefan!
Was soll das bedeuten?, fragte er verwirrt.
Du weißt doch von Edik, oder?, flüsterte sie.
Edik? Was?
Von meinem L
Stefan war völlig verwirrt, fühlte sich wie ein Trottel.
Liselotte packte ihre Sachen und ging. Sie sah sich als Sprungbrett für ein neues Leben, während Stefan zurückblieb und überlegte, was passiert wäre, wäre Greta nie auf die Tabletten gestoßen.
Vielleicht hätten wir dann anders gelebt, dachte er traurig.
Greta jedoch blieb unversöhnlich: Du hast eine Affäre, und ich bin schuld? Du bist wie ein Strauß, der den Kopf in den Sand steckt, während das Fundament aus Beton besteht!
Stefan protestierte: Du hast Liselotte nie geliebt!
Greta schrie: Deine Liselotte ist ! Bist du nicht ein bisschen eklig? Lauf und hol ihr ein einziges
Stefan verließ das Haus, wanderte durch die Straßen Berlins, packte seine wenigen Sachen und fuhr fort.
Bleib allein in den sauberen Ecken!, rief Greta ihm nach. Hast du dein Ziel erreicht?
Liselotte war weg, doch ihr Weggang bedeutete auch Stefans Auszug. Peters Unterstützung zu seiner Frau fiel aus, und das neue Jahr feierten die beiden allein, während Stefan keinen Anruf mehr tat.
Greta ließ ihre Wut an Peter aus, während diese neue Ordnung das Haus überschattete. Peter sah, dass das neue Jahr ohne Ordnung und Sauberkeit kam, und er erkannte, dass die endlose Suche nach Perfektion ihm nur Unheil brachte.
Liebe Damen, strebt nicht nach übermäßigem Reinlichkeitswahn, denn wer weiß, welche Ketten an unerwünschten Ereignissen sich daraus spinnen können. Das war die Lehre, die ich, Greta, nach all den Jahren nie vergessen werde.




